„Was so ein Krieg aus dem Menschen macht!“

Berichte von Arthur von Lüttwitz aus dem Burenkrieg.

Lukas Grawe

 

Der Zweite Burenkrieg (1899-1902) war nicht nur von innen- und außenpolitischer Bedeutung, sondern auch von militärischer. Die rasante Entwicklung der Waffentechnik sowie die wachsenden Möglichkeiten der Transport- und Kommunikationsmittel beeinflussten die Kriegsführung beider Seiten maßgeblich. Folglich wurden den internationalen Gepflogenheiten entsprechend sowohl die britischen Streitkräfte als auch die Kämpfer der Buren von mehreren ausländischen Offizieren begleitet, deren Aufgabe es war, diese neuen Entwicklungen zu studieren und den Kriegsverlauf zu beobachten. Die Praxis der Entsendung solcher „Kriegsattachés“ konnte dabei auf lange Traditionen zurückblicken und wurde bereits im 18. Jahrhundert durchgeführt. Im Verlauf des Burenkriegs nahmen auf beiden Seiten insgesamt 20 Offiziere an der Beobachtung der Kampfhandlungen teil. Die Berichte von einigen dieser besonderen Militärattachés, beispielsweise der russischen und französischen Beobachter, sind bereits veröffentlicht worden. Sie geben einen Einblick in die Kriegsführung der beiden Kontrahenten und schildern neue technische und taktische Innovationen.

Bislang unbeachtet geblieben sind hingegen die privaten Schilderungen der Kriegserlebnisse von Arthur von Lüttwitz (1865-1928), des deutschen Beobachters der britischen Armee. Fasst man diese Ergebnisse zusammen, so lässt sich festhalten, dass sich in der Berichterstattung der verschiedenen Militärbeobachter große Gemeinsamkeiten feststellen lassen, auch wenn einzelne Einschätzungen unterschiedlich ausfallen. Gerade hinsichtlich der Bewertung der britischen Kriegsführung ähneln sich die Urteile sehr. Die Berichte von Lüttwitz fügen der bisherigen russisch-amerikanisch-österreichischen Perspektive nun auch eine deutsche Sichtweise hinzu. Die Schilderungen des deutschen Beobachters über den Gesundheitszustand des britischen Heeres in Südafrika lassen sich in den bisherigen Quellen der Beobachtungsmission nicht in dieser Ausführlichkeit finden. So setzte sich der deutsche Beobachter in seinen privaten Schilderungen weitaus stärker mit dem Alltag der Offiziere innerhalb der britischen Lager auseinander.

Dem heutigen interessierten Leser wird damit veranschaulicht, wie internationale Militärzusammenarbeit um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert funktionierte, wie internationale Beobachtungsmissionen abliefen und mit welchen Erwartungen die jeweiligen Akteure ihre Aufgaben angingen.