Szenariomonitoring


Strategisches Controlling in szenariobasierten Prozessen strategischen Managements

Bernhard Richter

 

Der Beitrag stellt einen Teil des strategischen Controllings in szenariobasierten Strategieentwicklungsprozessen - nämlich die Prämissenkontrolle - dar. Die Strategiekontrolle ist ein Teil der Strategieimplementierung. Im Rahmen dieser Prämissenkontrolle wird überprüft, ob die der gewählten Strategie (bzw. strategischen Stoßrichtung) zugrundeliegenden Annahmen (insbesondere über die Umfeldentwicklungen) noch gelten, bzw. ob in der Analyse wichtige Aspekte übersehen wurden. Dieser Aufsatz schließt thematisch an den Aufsatz des Autors „Denken ins Szenarien“ als Methode innovativer strategischer Planung (Teil 1 und 2) an. In diesem Beitrag wurde vorerst auf mehr oder weniger theoretischer Basis demonstriert, was Szenarien sind, wie diese erstellt werden und wie man diese gewinnbringend im Prozess des strategischen Managements anwenden kann. Es wurden zwei praktische Anwendungsbeispiele aus dem Bereich langfristiger Streitkräfteplanung dargestellt, wobei für diesen Aufsatz der Prozess des BMLVS - der 2011 federführend durch das Büro für Sicherheitspolitik erarbeitet wurde - von besonderer Bedeutung ist, da das hier beschriebenen Szenario- Monitoring auf diesem Szenario-Prozess basiert bzw. eine Fortsetzung darstellt. Auf diese Szenarien - und deren Erstellung - wird in diesem Aufsatz nur insoweit eingegangen, als dies für das Verständnis des Szenario-Monitorings erforderlich ist. Obwohl grundsätzlich auch in der Verwendung der Szenarien im strategischen Managementprozess möglichst alle Szenarien „im Spiel behalten“ werden sollen, ist es hilfreich (und ab einen gewissen Zeitpunkt im strategischen Management notwendig) zu erkennen, in Richtung welches Szenarios bzw. welcher Szenariengruppe sich das Umfeld entwickelt, um zu erkennen, ob die eigene strategische Stoßrichtung noch immer dem Umfeld angepasst ist. Der Beitrag versucht zum Methodendiskurs im Bereich des strategischen Managements in szenariobasierten sicherheits- und verteidigungspolitischen Strategieentwicklungs- und Analyseprozessen beizutragen.

Das Konzept Denken in Szenarien (mit Szenario-Monitoring) ist eine geeignete Methode, um diese Art des Zukunftswissens zu generieren. Durch dieses Wissen der eigenen Position ist es möglich strategische Bruchlinien und Schlüsselunsicherheiten im Zukunftsraum zu erkennen, und diesen Erkenntnisgewinn in das strategische Management einfließen zu lassen. Es ist durchaus denkbar, dass eine Strategie erfolgreich implementiert und umgesetzt wird, die Rahmenbedingungen jedoch ein „Nachjustieren“ erforderlich machen. Entscheidend ist hier, dass diese Kurskorrektur nicht zu spät erfolgt. Durch das Wissen der eigenen Position auf der „Landkarte der Zukunft“ wird ein rechtzeitiger Wechsel der strategischen Stoßrichtung im Falle einer Veränderung der Strategieprämissen ermöglicht. Im Falle einer flexiblen Strategie bietet diese systematische Abschätzung der zukünftigen Entwicklungen im Zukunftsraum die Möglichkeit rechtzeitig jenen Zeitraum zu erkennen, an dem eine pointiertere strategische Stoßrichtung entwickelt, oder auf eine andere Strategieoption gewechselt werden sollte.

Jedoch können Szenarien (und ein darauf aufgesetztes Szenario-Monitoring) die Zukunft nicht exakt vorhersagen bzw. beschreiben diese nicht „die einzig wahre Zukunft“. Szenarien sind Denkmodelle, mit denen wir uns an den zukünftigen Herausforderungen und Chancen annähern können.