Ein umfassendes Bedrohungsbild für Unternehmen

Als Teil der sicherheitspolitischen Aufgabe Schutz kritischer Infrastruktur (Teil 2)

Josef H. Bogensperger

 

Im ersten Teil des Beitrages wird ein Überblick über das Thema Schutz kritischer Infrastruktur gegeben und ein Vergleich zu den Ansätzen der ÖNORM gezogen. Anschließend wird versucht die Auswirkungen von Großschadensereignissen auf die wesentlichen wirtschaftlichen Kennzahlen eines Unternehmens zu zeigen. Überlegungen zur Risikoanalyse schließen den ersten Teil ab. Das hier gezeigte Bedrohungsbild fasst die vielfältigen Bedrohungen für Unternehmen in übersichtliche Kategorien zusammen, illustriert die einzelnen Bedrohungskategorien mit Beispiel-Ereignissen und bildet damit die Grundlage für eine umfassende Analyse der bedrohten Wertschöpfungs-Voraussetzungen. Erst im Zusammenhang mit einem Bedrohungsbild, das auf einer abstrakten Ebene einen umfassenden Bogen spannt, lassen sich mögliche Ereignisse in vollem Umfang ableiten. Dies stellt sicher, dass in einer nachfolgenden Risikoanalyse alle relevanten Ereignisse verarbeitet werden können.

Grundsätzlich ergibt sich unter anderem eine militärische Bedrohung aus dem Verhältnis des zur Verfügung stehenden Militärpotenzials und den politischen Absichten, dieses Militärpotenzial auch einzusetzen. Derzeit gibt es zwar in Europa keine aggressiven politischen Absichten, Rüstungsgüter sind aber weiterhin massiv vorhanden. Bis zur vollständigen militärischen Integration stellt auch die Gefahr der Renationalisierung der europäischen Sicherheitspolitik ein nicht ganz auszuschließendes militärisches Restrisiko dar. Um besonders wirksam zu sein, ist es wesentlich, Möglichkeiten zu verbinden. In diesem Zusammenhang sind noch zwei weitere Aspekte zu beachten. Staatliche Exekutivorgane und militärische Kräfte (wie auch andere Akteure) können sowohl harte als auch weiche Macht generieren. Der springende Punkt ist, dass die weiche Macht, die sich aus der Qualität der Lauterkeit, der Kompetenz, der Legitimität und des Vertrauens ergibt, der harten Macht militärischer Einsatzkräfte zusätzlichen Schub verleihen kann. Strategien, die harte und weiche Macht erfolgreich kombinieren, sind Ausdruck einer intelligenten Machtausübung. Hybride Machtprojektion bedeutet die Fähigkeit staatlicher und nicht-staatlicher Konfliktakteure, die unterschiedlichsten Machtmittel auf strategischer, operativer und taktischer Ebene und in verschiedenen Handlungszusammenhängen (politisch, militärisch, diplomatisch, wirtschaftlich, medial, kulturell, etc.) durch systematisches, phasenweises oder permanentes Zusammenwirken in einem multidimensionalen und multiperspektivischen Einsatzszenario zur Wirkung zu bringen. Hybride Machtprojektion erreicht ihre Effizienz aufgrund einer bis dato nicht vorhandenen Breite von Verwundbarkeiten weltweit vernetzter Staaten, Gesellschaften und Wirtschaften sowie der vorhandenen Hochleistungsinfrastruktur.

Der Artikel beschreibt die vielfältigen Bedrohungsbilder für heutige Unternehmen, wobei es letztlich gilt, die kritischen Infrastrukturen in einer Gesellschaft möglichst umfassend zu schützen.