Schlaglichter auf Chinas Beziehungen zu Afrika

Irene Giner-Reichl/Christof Tatschl

 

China empfindet und bezeichnet sich nach wie vor als Entwicklungsland - mit einer Bevölkerung von über 1,3 Milliarden Menschen, ist es das größte Entwicklungsland der Welt. Seit den 1980er-Jahren hat China anerkanntermaßen rund 700 Millionen Menschen aus extremer Armut befreit. Die Lebenserwartung erhöhte sich von 35 (1949) auf 76 Jahre (2015). China hat das weltweit größte Sozialversicherungssystem. Während 1949 noch rund 80% der Bevölkerung Analphabeten waren, hatten 2015 praktisch alle Kinder in China Volksschulbildung; 93% vollendeten die verpflichtende neunjährige Schulzeit, 87% besuchten eine höhere Schule. Die Vereinten Nationen bescheinigen China Rang 90 (von 188 Ländern) im Index Menschlicher Entwicklung. Mit weniger als 10% des fruchtbaren Bodens ernährt China mehr als 20% der Weltbevölkerung. Entwicklung wird - wie es in einem Weißbuch des chinesischen Staatsrates vom Dezember 2016 ausdrücklich heißt - als der Schlüssel zur Lösung aller Probleme gesehen. Als nächstes Etappen-Ziel peilt die chinesische Regierung bis zum Jahr 2020 bescheidenen Wohlstand für Alle an. Und bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts soll China den Status eines voll entwickelten Landes erreicht haben. Der 13. Fünfjahresplan (2016-2020) soll China ökologisch und innovativ machen. Noch mehr als in anderen Ländern auch ist die chinesische Außenpolitik eine Funktion dieser innenpolitischen Zielsetzungen. Es gilt, die Rahmenbedingungen für eine weitere gedeihliche wirtschaftliche und soziale Entwicklung zu schaffen.

Afrika ist für China eine Teststellung, wie man seinen Einfluss in allen Bereichen ausbauen kann. Das gilt für den Bereich Wirtschaft, aber auch für die Sicherheit - siehe Djibouti, die UNO-Einsätze, den Waffenhandel und die bestehenden umfassenden bilateralen Programme in der militärischen Zusammenarbeit. Die chinesische Kooperation mit Afrika ist deutlich weiter gefasst als jene der EU mit Afrika und die Länder Afrikas scheinen den chinesischen Ansatz vorzuziehen.

Weitläufige Unterstützung zu bekommen und den afrikanischen Kontinent hinter sich vereint zu wissen, hat z.B. auch in der UNO ein wesentliches Gewicht. Wir sehen das Engagement in Afrika als eine Etappe auf dem Weg zur Verwirklichung des chinesischen Anspruchs, seine globale Führerschaft in einer multipolaren Welt ohne gemeinsame Werte weiter auszubauen.