Die Bedeutung deutscher, italienischer und britischer Befahrbarkeitskarten für den Krieg in Nordafrika 1941-42

Hermann Häusler

 

Im Gesamtbild des Zweiten Weltkrieges war der nordafrikanische Kriegsschauplatz zweifellos ein Nebenkriegsschauplatz. Dies beurteilte auch die oberste deutsche Führung so, unbeschadet der - teilweise bis heute nachwirkenden - Faszination des „exotischen“ Kriegsschauplatzes und der psychologischen und propagandistischen Wirkung des „Wüstenfuchses“ Erwin Rommel (1891-1944). Zu ersten Kampfhandlungen kam es im Sommer 1940, nachdem Italien im Juni 1940 Frankreich und Großbritannien den Krieg erklärt hatte. Im September 1940 griffen italienische Truppen von Libyen aus das unter britischer Kontrolle stehende Königreich Ägypten an, stoppten aber schon nach kurzer Zeit. Im Dezember 1940 führte ein erfolgreicher britischer Gegenangriff zur Eroberung der Cyrenaika (d.h., des nordöstlichen Teils Libyens). Um einen Verlust auch des westlich gelegenen Tripolitaniens abzuwenden, entsandte das Oberkommando der Wehrmacht ab Februar 1941 zwei schwache Divisionen als „Deutsches Afrikakorps“ (DAK) unter dem damaligen Generalleutnant Erwin Rommel nach Nordafrika (Operation „Sonnenblume“). Entgegen dem Auftrag, sich defensiv zu verhalten - immerhin stand das Deutsche Reich unmittelbar vor dem Überfall auf die Sowjetunion (Unternehmen „Barbarossa“, ab Juni 1941) und musste überdies Truppen zur Unterstützung des italienischen Verbündeten in Südosteuropa abstellen - ergriff Rommel die Initiative und rückte 1941 weit nach Ägypten vor. Angesichts der mangelnden Versorgung (der wichtige Hafen Tobruk wurde von britischen und Commonwealth-Truppen gehalten) mussten sich die deutschen und italienischen Truppen Ende 1941 wieder nach Libyen zurückziehen. Eine neue Offensive der Achsenmächte im Frühjahr 1942 war zunächst erfolgreich, endete aber im Juli 1942 bei El Alamein. Auch ein zweiter Versuch, die britische Stellung im September 1942 zu durchbrechen, scheiterte. Im Oktober 1942 gelang es den Alliierten dann, die deutsch-italienischen Truppen nach Westen zurückzudrängen; wenig später landeten britische und amerikanische Truppen in Marokko und Algerien (Operation „Torch“). Die Reste der deutsch-italienischen Kräfte in Nordafrika mussten im Mai 1943 bei Tunis kapitulieren.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass während des von Juni 1940 bis Mai 1943 dauernden Nordafrikafeldzuges sowohl Befahrbarkeitskarten der Achsenmächte als auch „Going Maps“ der Britischen Armee als wichtige Führungsmittel zur Geländebeurteilung eigener und gegnerischer Bodenoperationen dienten. Während die italienischen Befahrbarkeitskarten vom Italienischen Militärtopographischen Dienst in Tripolis und die britischen „Going Maps“ von der südafrikanischen Kartenstelle südlich von Kairo in größerer Auflage gedruckt wurden, kamen die deutschen Befahrbarkeitskarten nicht mehr zum Druck und blieben daher handkolorierte Unikate, von denen nur wenige Kartenblätter in Archiven überliefert sind.