Der Fall der Ölpreise und die geopolitischen Auswirkungen

Frank Umbach

 

Die beeindruckenden technologischen Innovationen (Automatisierung und Digitalisierung) im Bereich der Fracking-Technologie könnten auch in den nächsten Jahren die Produktionskosten für die Schieferöl- und Schiefergasproduktion weiter sinken lassen. „Digitale Ölfelder“ werden die US-Ölprodukte auf dem Weltmarkt noch konkurrenzfähiger machen. Zudem ist Erdgas in Amerika und in einigen anderen Ländern, einschließlich im Mittleren Osten und in Lateinamerika, zu einem direkten Konkurrenten für Erdöl im Transportsektor geworden. Dies verlangsamt bereits das Wachstum bei der weltweiten Ölnachfrage. Wenn sich dieser Energie-Trend im globalen Transportsektor durch Elektromobilität und andere alternative Antriebsarten fortsetzt, wird er die weltweite Ölnachfrage weiter reduzieren und könnte die Ölpreise auf einem niedrigen Niveau von weniger als 50 US-Dollar stabilisieren. Auf lange Sicht scheint selbst Saudi-Arabien das Vertrauen in seine Ölreserven als bestes Instrument zur Erhaltung der wirtschaftlichen Stabilität und seines regionalen Einflusses verloren zu haben. In der mittel- und längerfristigen Perspektive wirft das Szenario eines „Peak Oil Demand“ somit bereits seine Schatten voraus, das alle Ölförderstaaten schon heute zwingt, langfristige strukturelle Reformen zur Diversifizierung der Wirtschaft und der Verringerung der Abhängigkeit von Ölexporten für den jeweiligen Staatshaushalt einzuleiten. „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ gilt bei dieser Schicksalsfrage einer globalen Dekarbonisierung der Energiesysteme mehr denn je. Die amerikanische Schieferrevolution ist unzweifelhaft zu einem globalen „Game Changer“ auf dem globalen Rohölmarkt und den regionalen Gasmärkten geworden und sowohl im Mittleren Osten als auch in Europa völlig unterschätzt worden. Würde das riesige Permian-Becken optimal ausgebeutet, könnte dies allein bis zu 10bd/ produzieren - so viel wie Saudi-Arabien insgesamt. Würde zudem auch Russland in der Lage sein, sein riesiges Bazehnov-Schieferölfeld effektiv zu nutzen, würde dies zusammen sicher der OPEC den endgültigen Todesstoß versetzen. In diesem Fall wären sowohl Russland als auch die USA faktisch dann unabhängig von Netto-Energieimporten, was nicht nur gravierende Auswirkungen auf die globalen Öl- und Gasmärkte hätte, sondern auch geopolitisch, da dies ihre Rivalität zusätzlich anheizen und neue geostrategische Bündniskonstellationen zur Folgen haben könnte. Die US-Schieferöl- und -gastechnologien werden künftig durch US-Firmen nicht allein in den USA zum Einsatz kommen, sondern auch in zahlreichen anderen Staaten. Vor allem die gigantischen Schieferölvorräte der Maca Muerta-Ölfelder in Argentinien könnten mit Hilfe amerikanischer Ölfirmen gehoben und damit künftig weitere große Mengen an Öl zusätzlich auf die globalen Rohölmärkte gelangen und den globalen Ölpreis weiter unter Druck setzen.