Die Schlacht am Kajmakčalan - 100 Jahre danach

Thomas Ahammer/Barbara Ahammer/Aleksandar Stojcev

 

Die Salonikifront, auch mazedonische Front genannt, stellte im Ersten Weltkrieg ab 1915 einen Nebenschauplatz dar. Diese Front entstand, als die Entente zugunsten der Serben über Griechenland antretend intervenierte. Hauptsächlich verlief diese Front im Südwesten des Balkans im heutigen Mazedonien und im heutigen nördlichen Griechenland. Die eigentlichen Kämpfe am Kajmakčalan an der Mazedonienfront fanden 1916 während der Gegenoffensive der Kräfte der Entente statt, wobei es das operative Ziel war, die Truppen der Mittelmächte aus der Hauptfront bei Bitola zu werfen.

Im Dezember 1915 nahmen die Mittelmächte an der Mazedonienfront ihr Kräftedispositiv gemäß den Planungen und Befehlen des deutschen Oberkommandos ein. Die Armeen wurden wie folgt eingesetzt:

  1. Die Einheiten der österreichisch-ungarischen Armee wurden an der Front in Albanien zwischen dem Mittelmeer und dem Ohridsee stationiert.
  2. Die 1. bulgarische Armee mit zwei Infanteriedivisionen, einer Kavalleriebrigade und einer deutschen Verstärkung waren an der Linie vom Ohridsee über Bitola entlang der Grenze zu Griechenland bis Prilep eingesetzt. Hinter dieser Armeegruppe befand sich als generelle Reserve im Raum Veles und Štip ein deutsches Gebirgskorps.
  3. Eine deutsche Armee mit zwei Infanteriedivisionen und einer bulgarischen Division, bestehend aus zwei Brigaden, bereitete sich entlang der griechischen Grenze von der Ortschaft Niki bis zum Berg Belasica, nördlich vom Dojransee, auf die Kämpfe vor.
  4. Die 2. bulgarische Armee mit drei Infanteriedivisionen wurde auf der Linie Strumica - Petrič - Nevrokop sowie entlang des Tales des Flusses Mesta bis zur Ägäischen See eingesetzt1).

Weiters gab es ein türkisches Regiment in Skopje und Prilep. Diese Front blieb bis zum Mai 1916 unverändert, als die bulgarischen Kräfte gemeinsam mit ihren Alliierten, den Deutschen und den Österreichern und Ungarn, das Rupelgebirge und später den östlichen Teil des ägäischen Mazedoniens und die Ägäis eroberten. Zur selben Zeit besetzten sie die Städte Drama, Seres, Kavala und weitere Orte und errichteten dort den Militärbezirk Drama2).

Im Mai 1916 hatte sich die Frontlinie in der gegenwärtigen Form stabilisiert und die Armeen beider Seiten verstärkten konstant ihre Kräfte. Zu diesem umfassten die dortigen Kräfte der Entente geschätzte 500.000 Soldaten und 180 Flugzeuge. Mitte August 1916 nahm die Entente das folgende Kräftedispositiv ein: die britischen Kräfte waren im Abschnitt des Golfes von Orfano entlang des Struma-Tales über den See Butkovo und über die Hänge des Kruša bis zum Fluss Galik. Die französisch-Britisch-italienischen Teile hatten ihren Abschnitt von Galik bis Vardar. Die serbische Armee war von Vardar bis zum Prespasee eingesetzt und weiters befand sich die Kampfgruppe von General Cordonnier von südlich des Ostrovosees bis zum Kostursee und bestand aus französischen und russischen Soldaten.

Der beschwerliche Fahrweg

Weiter im Westen des Ohridsees über Südalbanien bis zum Mittelmeer waren das 16. italienische Korps, die 57. französische Division und die Gruppe Malic eingesetzt. Von den Mittelmächten waren in diesem Abschnitt mit Masse deutsche und bulgarische Kräfte (acht bulgarische und eine deutsche Division), in Summe 207 Bataillone, 29 Squadrone und 209 Batterien, eingesetzt: die 1. bulgarische Armee befand sich im Raum Bitola und auf dem Berg Nidže in der Nähe von Dudica; die 2. deutsche Armee war im Vardartal von Dudica bis zum Dojransee eingesetzt, und die 2. bulgarische Armee deckte das Vardartal vom Dojransee bis zum ägäischen Meer ab. Die Mittelmächte waren nur im Besitz einer kleinen Anzahl an Flugzeugen, aber dafür waren dies moderne Typen3). Die mazedonische Front erstreckte sich mit Masse über gebirgiges Gelände, wo einige Abschnitte mehr als 2.000 m über dem Meeresspiegel liegen. Die gesamte Front hatte eine Länge von geschätzten 600 km, wovon sich 450 km in Mazedonien befanden.

 

Kämpfe als Vorspiel zur eigentlichen Schlacht um den Kajmakčalan

Die mazedonische Front bestand für drei Jahre, von 1915 bis 1918, und war durchgehend aktiv. Aber zu gewissen Zeiten waren die Kämpfe intensiver und jede Seite versuchte, einen großen Sieg zu erringen. Trotz des Faktes, dass die Kräfte der Entente unter dem Kommando des französischen Generals Sarrail und die Kräfte der Mittelmächte unter dem Kommando des deutschen Generals Scholz standen, waren die bulgarischen und serbischen Kommanden über die rasche Fixierung der Frontlinie irritiert. Regelmäßig initiierten sie kleinere Konflikte und hatten dabei auch eigene Verluste. Die meisten dieser Opfer waren Mazedonier, da diese in den vorderen Reihen  der bulgarischen und serbischen Kräfte kämpften.

Die Vorbereitungen für die Schlacht von Gorničevo begannen im Juli 1916. Am 23. Juli begannen die Kämpfe, als die Division Šumadija die 1. bulgarische Armee angriff, um Gorničevo zu besetzen. Dieser Angriff diente auch dazu, Rumänien zu überzeugen, der Entente beizutreten. Um ihr Gebiet auszuweiten, führte die 2. bulgarische Armee am 17. August 1916 einen Angriff auf die britischen Positionen im Strumatal durch, weiters attackierte die 1. Armee aus Bitola antretend die serbischen Kräfte und eroberte Gorničevo, Banica und Sorovičevo. Parallel zu diesen Kämpfen unternahm die französische 17. Infanteriedivision beim Djoransee einen Angriff auf die dortigen bulgarischen Stellungen, der aber außer zu hohen Verlusten zu keinen Geländegewinnen führte.

Am 20. August 1916 entschied das Kommando der alliierten Kräfte an der Mazedonienfront, seine Kräfte umzugruppieren, und führte darauf am 12. September mit der 1. und 3. serbischen Armee vom linken Flügel aus eine Offensive gegen die bulgarischen Kräfte durch. Das Ziel dieser Offensive war es, die bulgarischen Soldaten aus dem jetzigen Griechenland zu vertreiben. Da die Hauptkämpfe in Gorničevo stattfanden, erhielt sie den Namen "Schlacht um Gorničevo". In dieser Schlacht hatten die Angreifer das folgende Dispositiv: die 3. serbische Armee wurden mit der 1. Brigade der Division Timok verstärkt und am linken Flügel eingesetzt. Mit den Divisionen Drina und Donau wurden die bulgarischen Stellungen auf der Linie Kajmakčalan - Berg Nidže - Bezimena Visočina, nördlich von Gorničevo, angegriffen. Die Division Drina hatte den Auftrag, den Kajmakčalan in Besitz zu nehmen, während die Division Donau die westlichen Hänge des Bergs Nidže besetzen sowie den linken Flügel und die Kräfte in der Tiefe der bulgarischen Truppen angreifen sollte, um so den Gesamtansatz der 1. serbischen Armee zu unterstützen. Die 1. serbische Armee, bestehend aus den beiden Infanteriedivisionen Vardar und Morava sowie einer Kavalleriedivision, stieß in die Richtung Bezimena Visočina, nördlich von Gorničevo, auf die Straße Sorovičevo - Banica vor, sodass die Division Vardar den Berg Nidže in Besitz nehmen konnte. Die Kavalleriedivision griff Richtung Bezimena Visočina an und die Division Morava verblieb als Reserve. Die 2. serbische Armee führte demonstrativ einen Angriff auf den rechten Flügel von Kozjak durch, und auf der linken Seite griffen die französisch-russischen Kräfte unter der Führung von General Cordonnier den Raum Bitola an. Rechtzeitig vor Angriffsbeginn wurden die 1. und 3. serbische Armee mit Artillerie verstärkt, sodass sie damit 51 Infanteriebataillone und 55 Artilleriebatterien zur Verfügung hatten. Die verstärkte 1. bulgarische Armee, bestehend aus 40 Infanteriebataillonen und 44 Batterien, war gegen die 1. und 3. serbische Armee eingesetzt und verteidigten den Kajmakčalan.

Die serbische Armee eröffnete die Offensive am 12. September um 06.00 Uhr mit einem starken Artilleriefeuer, welches den ganzen Tag anhielt und eine Position nach der anderen mit Steilfeuer belegte. Um 12.00 Uhr begann die bulgarische Artillerie mit ihrem Gegenfeuer und Mazedonien begann zu brennen. Es gab keine Ortschaft in diesem dicht besiedelten Abschnitt, wo es nicht brannte. Die Kämpfe dauerten in dieser Intensität bis 13. September an. Die blutigsten Kämpfe fanden am 14. September statt, als die serbischen Kräfte versuchten, die Hänge des Berges Nidže und die Höhe 1.500 einzunehmen. In diesem Bereich war die bulgarische Verteidigung straff organisiert und wurde von der bulgarischen Artillerie unterstützt, welche ihre Stellungen in Starkov Grob im Bereich der Ortschaft Sovič hatten. Danach setzte die serbische Führung seine Reserve ein und die bulgarischen Einheiten zogen sich von den Positionen in Gorničevo und Banica über Lerin auf die vorbereiteten Stellungen auf der Linie Kajmakčalan, Starkov Grob und Sovič zurück. Die Kämpfe dauerten bis zum 15. September an, als die serbische Armee nahe an Lerin, Starkov Grob und Živojno herankam. Diese Schlacht endete am 16. September 1916. Dies war die erste ernsthafte größere Kampfhandlung zwischen der serbischen und der bulgarischen Armee an der Mazedonienfront. Die serbischen Truppen wurden dabei von französischen und russischen Einheiten unterstützt. Die Angreifer waren erfolgreich, indem sie die bulgarischen Kräfte in die Räume Gorničevo, Sorovičevo, Banica und Pet'rsko zurückdrängte, hatten aber enorme Verluste zu verzeichnen. 347 Offiziere und 6.933 Soldaten starben in diesen Tagen an diesem Frontabschnitt4).

 

Die Kämpfe auf dem Kajmakčalan

Die Kämpfe zwischen der serbischen und der bulgarischen Armee nach der Schlacht um Gorničevo gingen auf der neuen Linie Kajmakčalan - Starkov Grob - Sovič weiter. Die intensivsten Kämpfe fanden am Kajmakčalan mit dem höchsten Punkt, dem Berg Nidže mit 2.521m, statt. Die Schlacht wurde mit einer Gegenoffensive der Truppen der Entente fortgesetzt, die das Ziel hatte, die bulgarische Armee über den Fluss Crna zu drängen. Die Stellungen der bulgarischen Armee am Kajmakčalan waren sehr gut vorbereitet und bestanden aus drei Linien: Hauptkampflinie, Reservelinie und zusätzliche Stellungen waren untereinander mit Wegen und versteckten Stellungen verbunden. Die Stellungen der vordersten Linie wurden zusätzlich mit Stacheldraht und Minenfeldern geschützt. Diese gesamte starke Verteidigung wurde noch von starken Artilleriekräften unterstützt. Das serbische Armeekommando entschied, die Stellungen am Kajmakčalan ohne Rücksicht auf eigene Verluste anzugreifen. In der Nacht vom 16. auf den 17. September setzte das artilleristische Vorbereitungsfeuer ein und am 17. September griff als erstes Element die Division Drina die Verteidigungsstellungen der 3. bulgarischen Division an. Am Abend dieses Tages hatten die Serben die Stellungen bei Ploča, Kočobej und Popadija eingenommen. Weiters schuf an diesem Tag die Artillerie der Angreifer eine Lücke in die Stacheldrähte der zweiten Stellungslinie und die serbische Armee begann, in diese Lücke vorzustoßen. Die bulgarische Armee befahl einen Gegenangriff, der um Kampf Mann gegen Mann endete. Während dieser zwei Tage wechselten die Stellungen am Kajmakčalan oftmals die Seite und es gab hohe Verluste auf beiden Seiten.

 

Bis August 1917 fanden am Kajmakčalan bzw. an weiteren maßgeblichen Stellungen der Mazedonienfront keine wichtigen Kampfhandlungen mehr statt. Deswegen befahl der französische General Sarrail, lokale Angriffe durchzuführen, um eine größere Offensive vorzutäuschen. Allerdings wurde er dann im Dezember 1917 seines Kommandos enthoben, da einerseits die Entente seine taktischen Spielereien durchschauten und andererseits seine Einmischung in politische Angelegenheiten als nicht mehr akzeptabel beurteilt wurde.

 

Die mazedonische Sichtweise zu den Kämpfen um den Kajmakčalan

Die Kämpfe am Kajmakčalan von 1916 zwischen der Entente und den Mittelmächten, im Speziellen der Hauptangriff der serbischen Infanterie auf die Stellungen der bulgarischen Armee mit über 10.000 toten Soldaten auf beiden Seiten und die Möglichkeit für die Entente, Bitola einzunehmen, hatten eine tragische Auswirkung auf die mazedonische Bevölkerung und Mazedonien war wieder in Kämpfe und Besetzungen auf seinem Territorium als Fortsetzung der Balkankriege von 1912 und 1913 betroffen. Wie schon seit geraumer Zeit, waren auch diese Kämpfe am Kajmakčalan und dessen Umfeld ein Sinnbild für die mazedonische Geschichte, in der die Bevölkerung um ihre Identität ringt und immer wieder Erfolge, aber auch politische Niederlagen erzielt; die gegenwärtige politische Diskussion zwischen Griechenland und Mazedonien über dessen korrekten verfassungsmäßigen Namen spiegelt diesen Prozess bis in die Gegenwart wieder. Die Länder des Balkans waren immer voll von Helden und in den dunklen Zeiten des Krieges blickte man auf den anderen nur über den Lauf des Gewehres und schärfte sein Bajonett, dies alles, weil die Politik der Balkanländer, beeinflusst von den europäischen Großmächten, versagte und der Bevölkerung einredete, dass das einzige Ziel sei, über den Krieg und das Opfer für das Vaterland eine friedvolle Zukunft zu erlangen. Der Schweizer Archibald Reiss, dessen Herz später in der Mitte des Schlachtfeldes des Kajmakčalan begraben wurde, stellte mit seinem berühmten Werk "Hört zu, Serben" diese Problematik im Detail dar. Reiss war ein Wissenschafter und Humanist, Philantropist und einer der Augenzeugen des Leidens der Menschen des Balkans, speziell der Serben, im Ersten Weltkrieg und gilt als Ikone des Kajmakčalan. Das beste Beispiel, welche Friedens- und Freiheitssehnsüchte die Mazedonier im Ersten Weltkrieg hatten, kommt in der Schrift von Reiss mit dem Titel "Das Leiden der Stadt Bitola", veröffentlicht 1917 vom Kriegsministerium in Thessaloniki, zum Ausdruck.

Als ein Teilnehmer der Kämpfe an der Mazedonienfront von 1915 bis 1918 nahm Reiss viele wichtige Informationen über die mazedonische Sache und die nationale Identität der Mazedonier in diesen schwierigen Zeiten für alle Menschen des Balkans mit, speziell bekam er mit, wie viele Menschen den Mazedoniern ihre Eigenständigkeit absprechen wollten. Reiss führte in seinem Werk "Briefe von der serbisch-mazedonischen Front" aus: "Nach mehreren und unterschiedlichen Trennungen, Leiden und Unterdrückung und einer bis jetzt nicht gesehenen Verfolgung haben die Mazedonier nur einen Wunsch, nämlich dass ihnen erlaubt sei, in Frieden zu leben. Wer auch immer in den vergangenen Dekaden der Vermischung kam, wurde von einer Bevölkerung willkommen geheißen, wo Schulter an Schulter Mazedonier mit Slawen, Türken, Vlachen, einigen Serben und einigen Bulgaren in der Nähe zur griechischen Küste lebten."6)

Der serbische Monarch Aleksandar Karadžorđević veröffentlichte am 25. Dezember 1914 nach der Schlacht von Kolubara die sogenannte "mazedonische Deklaration", in der er den heldenhaften Einsatz und die Opfer der mazedonischen Soldaten in den Kämpfen gegen die österreichisch-ungarischen Streitkräfte lobte7). Viele staatliche Einrichtungen Mazedoniens haben die traumatischen Erlebnisse der mazedonischen Soldaten, die in serbischen oder bulgarischen Uniformen gekämpft hatten, dokumentiert, nachdem sie von diesem schrecklichen Krieg zurückgekehrt waren.

Die Gedenkstätte

Am 18. September gegen 07.00 Uhr nahm die serbische Armee den Gipfel des Kočobej und die Höhe 2.521 ein und hatte damit de facto den Kajmakčalan erobert. Doch am 26. September führten die Bulgaren einen Gegenangriff durch und eroberten den Gipfel des Kočobej und die Höhe 2.521, womit der Kajmakčalan wieder in ihrer Hand war. Obwohl die Stellungen der beiden Streitkräfte sehr nahe zueinander lagen, gab es nun mehrere Tage aufgrund der großen Verluste de facto einen Waffenstillstand. Beide Seiten nutzten diese kurze Zeitspanne, um die benötigten Logistikgüter an die Frontlinie zu schaffen und den nächsten Angriff vorzubereiten. Am 30. September griffen die Serben wieder an und eroberten erneut Kočobej und die Höhe 2.521. Am 3. Oktober stießen die serbischen Kräfte auf die Stellungen am Siviot Breg sowie Starkov Zab vor und zwangen die Bulgaren zum Rückzug über den Fluss Crna. Betrachtet man die Bedeutung dieser Stellungen, bedeutete die Einnahme des Kajmakčalan eine strategische Wende. In den Kämpfen um den Kajmakčalan verloren die serbischen Truppen 3.804 Soldaten und Offiziere5).

Infolge dieser Kämpfe beschlossen die Alliierten im Oktober 1916, die Kräfte an der Mazedonienfront um sechs Divisionen zu verstärken, um den erreichten operativen Erfolg zu festigen. Damit sollte nachhaltig am Balkan die Oberhand gewonnen werden und so der Schlüssel für die weiteren Erfolge gelegt werden.

Heute sollte man mit Stolz auf die Leistungen der früheren mazedonischen Generationen zurückblicken, und weiters sollte allen Menschen die Hand zur Versöhnung und Entschuldigung gereicht werden, damit die Menschen des Westbalkans in Frieden und Stabilität leben können. Es sollte alles getan werden, damit sich solche schreckliche Kriege nicht mehr wiederholen.

 

Und wie sieht es heute aus?

Der Höhenrücken des im Ersten Weltkrieg heiß umkämpften Kajmakčalan befindet sich heutzutage genau an der Grenze von Mazedonien und Griechenland. Auf der Spitze steht eine Kapelle, in der neben mehreren Gedenktafeln auch eine Urne mit dem Herz von Archibald Reiss steht. Knapp 100 m entfernt liegt eine Gruft, in der Tausende Knochen der hier gefallenen und bis dato nicht identifizierten Soldaten einfach "abgelegt" sind.

Der Anstieg auf den Kajmakčalan selbst ist vielschichtig. Zu Fuß geht man auf mazedonischer Seite rund 10 Stunden; benützt man allerdings ein Geländefahrzeug, kann man sich über 25 km staubige Wege in vier Stunden auf den Gipfel quälen. Die Alternative ist die Anfahrt auf griechischer Seite. Da dort der Höhenrücken nur sanft ansteigend ist, besteht die Möglichkeit, auf einer gut ausgebauten und asphaltierten Straße bis knapp 100 Höhenmeter unter dem Gipfel zum Parkplatz zu fahren.

Auf jeden Fall ist der Kajmakčalan einen Besuch wert. Der Blick von diesem Gipfel in das weitläufige Umfeld öffnet jedem Besucher die Augen, warum gerade dieser Höhenrücken für die weiteren Kämpfe am Balkan im Ersten Weltkrieg eine so strategische Bedeutung hatte.



1) Siehe Milan Nedić, „Srpska vojska i solunska ofanziva“, Belgrad, 1932, Seite 21.

2) Siehe N. Stanev, „Naynova istoriya na Bulgariya 1912-1920“, Volume II, Sofia, 1925, Seite 302.

3) Siehe „Vojna enciklopedija“, Volume 8, Belgrad, 1974, Seite 784.

4) Siehe N. Nedev, „Bulgariya v svetovnata voyna (1915-1918), Sofia, 1925, Seite 75-83

5) Siehe M. Jelisijević, „Zauzeće Kajmakčalan i njegovo značenje“, „Ratnik“, Volume XII, Belgrad, 1936, Seite 46-50.

6) Siehe Archibald Reiss, „The Kingdom of Serbia Infringements of the Rules and Laws of War Committed by the Austro-Bulgaro-Germans: Letters of a criminologist on the Serbian Macedonian Front“, London, 1919, Seite 39.

7) Siehe Ɖorđe Stanković, „Nikola Pasic ijugoslovensko putanje“, Belgrad, 1985, Seite 159-160.