Belastungsreaktionen bei Soldaten: Vom Kampf gegen Simulanten und Psychopathen bis zur Einrichtung professioneller Behandlungszentren

Oswald Klingler

 

Seit der Antike werden psychische Belastungsfolgen nach Kampf- oder Kriegsereignissen berichtet. Oft ist ein offener und rationaler Umgang damit aber durch Kriegsinteressen stark behindert worden - besonders während der großen Kriegskatastrophen des 20. Jahrhunderts. Dass viele aus psychischen Gründen nicht mehr kämpfen konnten, ist in einem totalen Krieg als Gefährdung der Kriegsziele bekämpft worden. Entsprechend wurde häufig die Möglichkeit von psychischen Kriegsschädigungen geleugnet und/oder gegenüber den Betroffenen ein erheblicher Druck aufgebaut: Sie wurden als Simulanten oder Psychopathen dargestellt, und die Behandlung sollte sie zurück an die Front zwingen. Nur zögernd wurde eine differenziertere Sichtweise möglich, in den USA dann sehr rasch nach dem Ende des Vietnamkrieges. Hier hat angesichts der bei den Heimkehrern in einem so großen Ausmaß festzustellenden Probleme eine intensive Beforschung der psychischen Belastungsfolgen eingesetzt, welche deren konsistentes Auftreten auch in einem Kontext belegt hat, in dem keinerlei Simulation eine Rolle spielen kann. Ein weiterer Forschungsschub wurde dann durch die Anerkennung der Posttraumatischen Belastungsstörung als eine krankheitswertige Belastungsfolge angestoßen. Dieser hat auch zur Entwicklung von effizienten Behandlungsmethoden beigetragen. Heute gehört es zum Standard einer modernen Armee, psychische Einsatz-Folgeschäden als Dienstbeschädigungen aufzufassen, um auch innerhalb der Institution spezifische Einrichtungen zu deren Behandlung vorzusehen.