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Selbstbewusstes Indien „Unsere Zeit ist gekommen“ - Teil 2

Heinz Nissel

Incredible India[1] erhebt immer stärker den Anspruch auf einen weltpolitisch anerkannten Status, der seinem selbstbestimmten Rang einer „natürlichen“ Führungsrolle entspricht. Dieser Beitrag möchte aufzeigen, inwieweit dieses Selbstverständnis bereits realpolitischen Machtfaktoren entspricht oder sich - gemessen an Entwicklung des Militärs, Besitz der nuklearen Triade, Ambitionen im Weltraum, der ökonomischen Basis und in vergleichenden Messungen (geo-)politischer Macht - bis 2030 abzeichnet.

Diese Analyse ist eine Fortführung zu „Indien und China - Konkurrenten in der Neuen Weltordnung“ (ÖMZ 5/2020, S.559-569). Befasste sich der erste Beitrag mit den außenpolitischen Gegebenheiten und Herausforderungen Indiens mit Schwerpunkt des komplizierten Verhältnisses zu China, so stellt sich hier die Frage, ob der hochgesteckte politische Führungsanspruch einer (künftigen?) Großmacht mit der bisherigen Entwicklung vereinbar ist und welche visionären Ziele in diesem Jahrzehnt verfolgt werden. „Now, it is India’s turn. And we know that our time has come“ - Inwieweit kann es Premierminister Narendra Modi gelingen, sein Credo zu verwirklichen?

Eine Schlüsselrolle als möglicher Führungsmacht kommt zweifellos der militärischen Dimension zu. Trotz der politischen Leitidee einer Tradition der Nichteinmischung und Bewahrung der Autonomie haben sich Indiens Streitkräfte in allen Bereichen zu beachtlicher Stärke entwickelt. Sie sind zwar den Potenzialen der USA und Chinas deutlich unterlegen, können aber von ihnen im Hinblick auf ihre jeweiligen  Gestaltungsinteressen nicht mehr ignoriert werden. Trotz einer hier benannten Vielzahl von Problemen und Defiziten verfolgen sie (vielleicht übertriebene) Vorstellungen künftiger Größe. Eine Begründung dafür ist die eigenständige atomare Entwicklung, die Indien als erst viertes Land in den Besitz der nuklearen Triade gebracht hat. Indiens wissenschaftlich-technologische Kompetenz beweist sich in seinen großen Ambitionen und Leistungen beim Wettlauf im All. Als Basis politischer Machtentfaltung zeigt seine Ökonomie seit vielen Jahren beachtliche Zuwachsraten, muss aber 2019/20 auch Rückschläge im Wachstum hinnehmen. Trotzdem bleibt das Land in der Überholspur und dürfte mit seiner Wirtschaftskraft noch in diesem Jahrzehnt an die dritte Stelle weltweit vorstoßen. Darauf deuten auch vergleichende Messungen und Bewertungen politischer Macht sowohl für die G20 als auch für den indo-pazifischen Raum hin.

Entwicklung und aktueller Stand der Streitkräfte

Die traditionelle Politik der Nichteinmischung Indiens in die Angelegenheiten anderer Staaten, die schon zu Lebzeiten Nehrus mehrfach auf ein Lippenbekenntnis reduziert wurde, führte auch zu einer Missachtung militärischer Notwendigkeiten in der Planung strategischer Aufgaben. Immer mehr setzten sich jedoch Erfordernisse der Realpolitik durch und damit die Erkenntnis, dass Ansprüche auf einen Status als Global Player ohne ein starkes Militär Wunschdenken bleiben würde. Zugleich mit den ökonomischen und politischen haben sich auch die militärischen Ambitionen Indiens erweitert. Sekundär ist heute die Frage, ob es sich um eine abrupte Richtungsänderung oder um allmählich veränderte Einstellungen handelt. Gleich geblieben sind die ursprünglich vorgesehenen Aufgaben - Verteidigung des nationalen Territoriums, Schutz gegenüber externer Aggression, Verhinderung politischer Destabilisierung der kleineren Nachbarn (d.h. des geopolitischen „Vorhofs“)[2]) sowie Bekämpfung interner bürgerkriegsähnlicher Aufstände. Strategen sprechen deshalb auch von einem „Zweieinhalbfrontenkrieg“ Indiens - gegen Pakistan, China und separatistische Bewegungen im Landesinneren.[3] Die massiven Investitionen, Darlehen und Lieferungen von Kriegsmaterial aus China an den Waffenbruder Pakistan schüren die Urängste Indiens, in die Zange eines Zweifrontenkrieges zu geraten.[4] Geändert hat sich der Radius der geopolitischen Perspektiven über den Subkontinent hinaus wegen der Ansprüche Indiens auf eine neue Führungsrolle in einer multipolaren Welt, es erfolgte ein Paradigmenwechsel von der Selbstgenügsamkeit der früheren „Splendid Isolation“ zu einem neuen Selbstbewusstsein und damit zu neuen Prioritäten für das indische Militär.

Organisation, Mannstärke, Kampfkraft

Was sich durch die Jahrzehnte nicht geändert hat, ist die strikte Unterordnung der Befehlsstruktur in der Landesverteidigung unter die zivile Oberhoheit. Formaler Oberbefehlshaber ist der Staatspräsident - derzeit Ram Nath Kovind -, in Krisensituationen liegt die konkrete Durchführung eines militärischen Einsatzes bei Premierminister Narendra Modi sowie dem Cabinet Committee on Political Affairs (Verteidigungs- und Außenminister, je nach Situation auch andere Minister). Darunter befindet sich das Defense Planning Committee, das sich aus den zuständigen Staatssekretären und den drei Befehlshabern von Heer, Marine und Luftwaffe zusammensetzt. Das auf dritter Ebene angesiedelte Chiefs of Staff Committee bildet erst die operationale Ebene mit den ranghöchsten Generälen. Noch immer zeichnen Korpsgeist und Disziplin ursprünglich britischer Prägung die Führungskader der Landesverteidigung aus. V.a. die Armee verkörpert in der öffentlichen Wahrnehmung die Rolle der Beschützerin der Heimat, ihr Ethos ist apolitisch und der säkularen Verfassung Indiens geschuldet - trotz aller Hürden bezüglich Religionen, Sprachen und Kasten, welche die Gesellschaftsstruktur Indiens so sehr komplizieren. In wichtigen Fragen bestehen jedoch deutliche Spannungen zwischen unterschiedlichen zivilen und militärischen Einschätzungen,[5] etwa zu Reaktionen auf Bedrohungen von außen, hinsichtlich der Bekämpfung interner Sezessionsbestrebungen, Entwicklung der Nukleardoktrin oder Modernisierung der Truppenteile. Positionskämpfe existieren nicht nur zwischen den Ministerien, sondern auch innerhalb des Ministry of Defense, mit und zwischen den drei Waffengattungen um Prioritäten und Anteile aus dem Budget, doch dies entspricht den internationalen Gegebenheiten.

Nominell hat sich Indiens Militär seit Jahrzehnten eindrucksvoll entwickelt. Es zählt in allen Bereichen zu den größten und stärksten in der Welt.[6] Die Mannstärke beträgt mehr als 1,4 Mio. aktives Personal, dazu kommen 1,15 Mio. Reservisten und 87.000 Paramilitary Forces, z.B. die Assam Rifles. Damit liegt Indien weltweit an zweiter Stelle hinter der VR China. Die Armee umfasst 1,237 Mio. Soldaten, die Luftwaffe weist einen Personalstand von 140.000 auf, die Marine von 67.000. Darüber hinaus unterstehen dem Innenministerium weitere 1,4 Mio. Central Armed Police Forces - etwa die Border Security Force (257.000), die Central Reserve Police Force (314.000) und die Indo-Tibetan Border Police (90.000).

Der Global Firepower Index[7] wendet über 55 Indikatoren zur vergleichenden Messung der militärischen Schlagkraft von 137 Staaten an. Das Ranking der Nationen bestimmt der GFP-Index mit einer Skala, bei der Null das theoretische Maximum darstellt. An der Spitze liegen die USA mit 0.0615 vor Russland 0.0639, an dritter Stelle China 0.0673 und an vierter Indien 0.1065 vor Frankreich 0.1584, Japan, Großbritannien und Deutschland - zum Vergleich: Österreich belegt Rang 56. Der GFP-Index wird deutlich von der Mannstärke und den drei Waffengattungen geprägt. Die Airpower Indiens besteht aus 2.082 Maschinen (Weltrang 4), darunter 520 Kampfflugzeugen und 694 „attack“-Fliegern. Die Armee weist 4.184 Kampfpanzer aus (Rang 6), weiters 2.815 bewaffnete Fahrzeuge unterschiedlicher Konfiguration, 4.060 Artilleriegeschütze (Rang 4) und 266 Raketenwerfer. Die Marine gibt 295 Schiffseinheiten an - nur Rang 7, da Nordkorea, Iran und Ägypten mehr Schiffe bei geringerer Tonnage besitzen - d.h. in der Feuerkraft liegt die indische Marine nur hinter USA, China und Russland ebenfalls auf Rang 4. Die Flotte besteht gegenwärtig aus einem operativen Flugzeugträger, 13 Fregatten, elf Zerstörern, 22 Korvetten, 16 U-Booten und 139 Patrouillenbooten.

Budget, Bürokratie, Rüstungsimporte

Das International Institute for Strategic Studies (IISS)[8] weist für 2018 folgende Verteidigungsbudgets aus: USA 643,3 Mrd. USD, China 186,2 Mrd., Saudi-Arabien 82,9 Mrd., Russland 63,1 Mrd. und auf Platz 5 Indien mit 57,9 Mrd. - das damit bereits Großbritannien, Frankreich, Japan und Deutschland überholt hat. Ähnliche Größenordnungen ergeben die Berechnungen des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI)[9] (in Mrd. USD): USA 610, China 228, Saudi-Arabien 69,4, Russland 66,3 und Indien 63,9. Damit liegt der Mittelwert der indischen Militärausgaben 2017/18 bei rund 60 Mrd. USD, bei einer Steigerung von 5,5% zum Vorjahr. Im Vergleich dazu stiegen die Aufwendungen Chinas (nur mehr) um 5,6%, der geringste Zuwachs seit 2010, gleichzeitig sanken jene Russlands um 20%. Insgesamt übertrifft damit das Militärbudget Chinas jenes Indiens um das Vierfache - deshalb ist kein Aufholeffekt der militärischen Stärke Indiens gegenüber jener Chinas gegeben, sondern im Gegenteil eine Vertiefung des chinesischen Vorsprungs. Desgleichen liegt der Anteil der Verteidigungsausgaben am Haushalt seit 2012 ziemlich eingefroren bei 2,5%, die Aufteilung der Mittel für die Waffengattungen in Prozent sieht so aus: Armee 55,9%, Luftwaffe 22,5%; Marine 14,6%, Research and Development 5,7% und andere 2,0% (Fiskaljahr 2017/2018).

Einen zweifelhaften Rekord hält Indien auch beim Import schwerer Waffen, laut SIPRI (Yearbook 2017) lag sein Weltmarktanteil zwischen 2012 und 2016 bei 13% (weit vor Saudi-Arabien mit 8,2%, VAE 4,6% und China 4,5%). Erst im Fünfjahresvergleich 2014-2018 (SIPRI Fact Sheet 2019) fiel sein Anteil von 9,5% hinter Saudi-Arabien an die zweite Stelle zurück. Noch immer liegt die Eigenproduktion bei nur 30% und 70% müssen zugekauft werden. Dies führt zu verstärkter Abhängigkeit von Lieferanten und hohen Kosten. Deshalb ist es eines der vordringlichsten Ziele des „Make in India“-Programms der Regierung, diese Relation innerhalb eines Jahrzehnts umzukehren. Noch immer kommen 58% der Waffenimporte aus Russland, und - viel weniger bekannt - 15% aus Israel, mit dem Indien eine immer engere strategische Zusammenarbeit verbindet, sowie 12% (und weiter steigend) aus den USA. In einem Fünfjahresvergleich 2009/13 zu 2014/18 sanken die Rüstungsexporte aus Russland um 42%, die indischen Importe insgesamt um 24%. Gründe dafür lagen v.a. in der Verzögerung der Lieferung russischer Kampfjets und französischer U-Boote. Aus der Sicht Russlands ist Indien der größte Abnehmer seiner Waffenproduktion (27%) vor China (14%), für Frankreich (10%) der zweitwichtigste nach Ägypten - und Israel liefert nicht weniger als 46% seiner Rüstungsexporte nach Indien.

In Summe ist der indischen Bürokratie und insbesondere dem militärischen Apparat kein gutes Zeugnis auszustellen. Die Ersetzung veralteten Materials geht quälend langsam vor sich. Im April 2018 erläuterten ranghöchste Militärs bei einem Hearing vor dem parlamentarischen Ausschuss für Verteidigung, dass 68% der Ausrüstung als „vintage“ (veraltet) bezeichnet werden müssen und nur 8% dem neuesten technischen Stand entsprechen. Mehr als zwei Drittel des Militärhaushalts entfallen allein auf Gehälter, Pensionen und Sonderleistungen des aufgeblähten Bestands an aktiven Soldaten und über zwei Mio. Ausgemusterten. Entscheidungen durchlaufen zu viele Ebenen, werden oft fünf Jahre und mehr verschleppt und manche Auslieferungen über zehn Jahre! Mehrere Anläufe einer politischen Reform „wohlerworbener Rechte“ des Apparats sind gescheitert. Kritiker machen dafür eine „mangelnde strategische Kultur“ der politischen wie militärischen Kreise verantwortlich. Ein unrühmliches Beispiel dafür stellt der größte Rüstungsauftrag in der Geschichte Indiens dar - über zehn Jahre wurde um die Anschaffung moderner Kampfflugzeuge gerungen, wobei schlussendlich dem französischen Rafale-Fighter der Vorzug gegeben wurde. Premier Modi stornierte den ursprünglichen Deal von 126 Maschinen, die teilweise in Indien gefertigt werden sollten, und wandelte diesen in eine Kaufoption von 36 vollständig in Frankreich gefertigten Düsenjägern um 8 Mrd. USD um. Offensichtlich sind die 41 staatlichen Waffenproduzenten Indiens („ordnance factories“) nicht lieferfähig. Zu den großen staatlichen Konglomeraten gehören die DRDO (Defense Research and Development Organisation) mit 30.000 Beschäftigten und einem Jahresbudget von 2,5 Mrd. USD (2018/19) sowie die HAL (Hindustan Aeronautics Limited) mit 32.000 Mitarbeitern und einem gleich hohen Budget. Das seit der Gründung Indiens bestehende staatliche Rüstungsmonopol hat zur Verknöcherung des Systems geführt. Deshalb wird jetzt erstmals eine in- wie ausländische Konkurrenz privater Firmen erlaubt. Die neue Defence Production Policy 2018 (DProP 2018) hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt - bis 2025 sollen 13 neustrukturierte Rüstungsbereiche eigenständig forschen, entwickeln und produzieren.

Friedensmissionen und Rettungsaktionen

International hat sich Indien zu den wichtigsten Unterstützern der UNO-Friedensmissionen entwickelt und gehört mit Pakistan und Bangladesch zu den größten Stellern von Truppenkontingenten. Bei der Teilnahme an 49 Operationen kamen bisher 240.000 Soldaten zum Einsatz. Aktuell ist Indien an 14 Friedensmissionen mit 6.600 Mann beteiligt.[10] Diese Aktionen wurden lange mit dem „moralischen Sonderstatus“ des Landes gerechtfertigt, seit Jahren kommt es jedoch deswegen innenpolitisch verstärkt zur Kritik bezüglich der Kosten/Nutzen-Frage. Da Indien aber immer noch um einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen kämpft, bleiben diese Einsätze ein wichtiges Instrument in den Ambitionen einer so sehr erwünschten Aufnahme. Als weiteres Element der internationalen Aktivitäten des Militärs müssen umfangreiche Rettungsaktionen bei Naturkatastrophen im Himalaja und im Indischen Ozean genannt werden, die ein hohes Ausmaß logistischer Fähigkeiten erfordern. Dazu kommen noch gemeinsame Anti-Piraterie-Operationen mit strategischen Partnern v.a. vor Somalia und in der Straße von Malakka sowie Rückführungen von Indern und Menschen befreundeter Nationen aus Krisengebieten - 1990/91 vom Golfkrieg, 2011 aus Libyen und 2015 aus dem Jemen.

Die Atommacht im Besitz der „Nuklearen Triade“

Ausgehend von der Ablehnung nuklearer Waffen bis hin zur Entscheidung für Atombombentests, der darauffolgenden internationalen Ächtung bis zur aktuellen Lage als geachtetes De-facto-Mitglied des noch immer exklusiven Clubs der Atommächte hat Indien eine weite Strecke zurückgelegt. Über ein Vierteljahrhundert zog sich eine wahre Odyssee vom ursprünglich streng zivil verstandenen Atomprogramm zur Nutzung der Kernenergie - trotz aller Selbstzweifel und widersprüchlicher Argumente - hin von der ersten „friedlichen“ Kernspaltung bis zum furchteinflößenden Atombombenarsenal der Gegenwart. Als „Reich der Mitte“ sieht sich der Rivale China berufen, dank seiner kulturell herausragenden Bedeutung in der Welt die führende Rolle zu spielen. Genau so argumentiert die indische Nation spiegelbildlich. Auch sie beansprucht eine globale Ausnahmestellung aufgrund ihrer „moralischen Überlegenheit“, ein großer Mythos, der seit Gandhi und Nehru von vielen Politikern und Intellektuellen weitergetragen wird. Dieser Exzeptionalismus hat unterschiedliche Denkschulen der Bewertung des militärischen Kalküls hervorgebracht. Es besteht ein großer, stetig wachsender Strom von Analysen über die Fragen der nuklearen Rüstung, die technischen Innovationen und die Veränderungen des gesellschaftlichen Verständnisses dazu.[11] Bereits 1974 führte Indien die erste erfolgreiche (friedliche) Atomspaltung durch, Begründung dafür war, auf Chinas Erstversuch von 1964 eine Antwort zu liefern. Damals wies Indien gegenüber Pakistan bereits ein Übergewicht in der Bewaffnung für eine konventionelle Kriegführung auf - vgl. Indiens Sieg im Sezessionskrieg von Ostpakistan/Bangladesch 1971 -, und es stellte sich die Frage, ob eine Nuklearisierung Südasiens diesen Vorsprung nicht zunichtemachen würde. Bis in die späten 1980er-Jahre wurde deshalb die atomare Bewaffnung Indiens nicht angestrebt. Was dann folgte, wird - aus indischer Sicht - zur Notwendigkeit, den von China und Nordkorea unterstützten atomaren Rüstungsbestrebungen Pakistans die Stirn zu bieten. Den anscheinend erzwungenen Wettlauf auf dem Subkontinent gewinnt zunächst Indien, unbemerkt von der CIA und zum Schrecken der Welt, mit dem Zünden von fünf unterirdischen Atomexplosionen in der Wüste Thar im Mai 1998. Wenige Tage darauf stellt Pakistan das „Gleichgewicht des Schreckens“ wieder her, indem es in perfekter Projektion seinerseits erstmals in Belutschistan fünf „islamische Bomben“ zur Explosion bringt. Die folgende Debatte, warum oder wie Indien und Pakistan zu Atommächten wurden, war dann nur mehr von akademischem Wert, die moralischen Bedenken wurden von realpolitischen Entscheidungen verdrängt.

Die nukleare Rüstungsspirale begann sich unaufhaltsam zu drehen, zuerst wurde die atomare Bewaffnung Indiens zur militärischen Priorität erhoben, dann konsolidiert und stetig verbessert. 2003 folgte die Erklärung einer offiziellen Nukleardoktrin sowie die Einrichtung eines Strategic Forces Command (SFC). Seither ist „The Doctrine“ in Kraft und beruht auf drei Säulen: „no first use, credible minimum deterrence, massive retaliation“. Das höhere Ziel ist also nicht der atomare Angriffskrieg, sondern die wirkungsvolle Abschreckung möglicher Gegner. Sofort sticht der Widerspruch zwischen der zweiten und dritten Säule ins Auge, ein Versuch einer Lösung liegt in einem vom Gegner nicht zu verhindernden Gegenschlag, dessen Art und Ausmaß ungewiss bleiben. SIPRI schätzt das derzeitige Atomwaffenarsenal Indiens auf 130 bis 140 atomare Sprengköpfe, dasjenige Pakistans auf 140 bis 150. Bis 2025 könnte der Bestand mit den technischen Voraussetzungen jeweils auf 220 bis 250 steigen. Beide Nationen arbeiten an neuen Nuklearwaffen wie taktischen Waffen kurzer Reichweite für den Einsatz bei Nahkämpfen etwa in den Grenzregionen im Pandschab, weiter an see- und luftbasierten Atomraketen mittlerer wie großer Reichweite, inzwischen auch an Killersatelliten etc.[12] Ein internationales Konsortium von Atomwissenschaftlern hat kürzlich ein wahres Schreckensszenario eines möglichen Atomkrieges zwischen Indien und Pakistan modelliert und eine Apokalypse nicht nur für Südasien, sondern in den Sekundärwirkungen für die gesamte Erde berechnet.[13] Heute ist Indien als erst vierte Nation im Besitz der „Nuklearen Triade“, kann also vom Boden, aus dem Meer und aus der Luft Atomwaffen einsetzen und hat damit ein Gegengewicht zu den chinesischen Ambitionen entwickelt.[14]

Raketengenerationen und digitales Wettrüsten

Das breit gefächerte Arsenal besteht aus landbasierten Raketen vom Typ Prithvi I-III (Reichweite 150-600 km) bis hin zu Mittel- und Langstreckenraketen mit atomaren Mehrfachsprengköpfen des Typs Agni I-V (Reichweite 1.000 bis 5.000 km). In Entwicklung befinden sich Agni-VI (6.000 bis 8.000 km) und MIRVs („multiple independently targetable re-entry vehicles“). Die Raketentypen Dhanush und Sagarika (Reichweite 300 bis 700 km) sowie K-4 (3.500 km) sind auf Kriegsschiffen einsatzbereit. Sie können von U-Booten gestartet werden und wurden bereits erfolgreich getestet. Die „BrahMos“ ist eine Mach 3 Supersonic Cruise Missile, eine Koproduktion von Indien und Russland, benannt nach den Flüssen Brahmaputra und Moskwa, in der Entwicklungsphase befindet sich BrahMos II als Hypersonic Cruise Missile mit Mach 7. Als viertes Land der Erde nach den USA, Russland und Israel arbeitet Indien seit 2009 an einem Raketenabwehrschild, der nach und nach alle wichtigen Metropolen des Landes schützen soll. Zu den neuesten Planungen zählen auch die Konstruktion von UCAV („unmanned combat aerial vehicle“) und ASAT („Antisatellite weapons“).[15]

Das digitale Wettrüsten hat mit voller Wucht eingesetzt und revolutioniert bereits „the future of warfare“.[16] Im Vergleich zu traditionellen Waffensystemen handelt es sich um relativ kostengünstige Entwicklungen, die v.a. von den USA, China, Russland und Israel energisch vorangetrieben werden. Künstliche Intelligenz, Drohnen, Robotik, Laserwaffen, Cyber Space, militärische Clouds, autonomer Waffeneinsatz ohne menschliche Kontrolle („Lethal Autonomous Weapon Systems“, LAWS), Bau von Mensch-Maschine-Wesen - Humanoiden usw. Indische Experten verfolgen nicht nur diese neuen Technologien, sondern sind sowohl in der Heimat als auch in den USA im R&D (research and development) dieser „postmodernen“ technischen Weiterentwicklungen an Spitzenuniversitäten, Labors und militärischen Einrichtungen vielfältig beteiligt. Zweifellos besitzt das Land einen genügend großen wie fähigen Intelligenz-Pool, um noch in diesem Jahrzehnt auch in der militärischen Rüstung eine führende Position einzunehmen. Intensive Kooperationen dazu werden insbesondere zwischen Indien und Israel sowie Indien und den USA ausgebaut. Ende 2019 haben Indien und die USA eine Reihe von bilateralen Abkommen im technisch-wissenschaftlichen Bereich auf interministerieller Ebene abgeschlossen.[17]

Wettlauf im All - Indiens Ehrgeiz

Die Raumfahrtindustrie stellt auch in Indien die Speerspitze technologischer und wissenschaftlicher Kompetenz des Landes dar. Aus Gründen des nationalen Prestiges erfreut sie sich politischen Wohlwollens und budgetärer Bevorzugung. Bereits 1962 erfolgte die Gründung des „Indian National Committee for Space Research“ (INCOSPAR), aus dem dann 1969 die „Indian Space Research Organisation“, ISRO, hervorging. Sie überzeugt seit ihrer Gründung mit großen, nicht selten spektakulären Erfolgen.[18] Die häufig gestellte Frage, ob für ein (vielfach immer noch gedachtes) „Hungerleiderland“ der Weltraum überhaupt ein Thema sein kann, wird dadurch entkräftet, dass ihre Ergebnisse in erster Linie der Landesentwicklung dienen - dabei tut sich ein breites Spektrum sowohl möglicher als auch tatsächlich durchgeführter Aufgaben auf - etwa Vorhersagemodelle des für Indien so wichtigen Monsungeschehens, Ernteerträge, Ermittlung von Wetteranomalien, Katastrophenwarnungen (Hochwässer, Dürren, Tsunamis), Management natürlicher Ressourcen (Wasser, Wälder, Erosionen, Exploration unterirdischer Lagerstätten) bis hin zu komplexen Problemlösungen in der Stadtplanung. Die INSAT-2-Satellitenverbindungen nützen ebenso peripheren Regionen für hoheitliche Aufgaben der Verwaltung (z.B. Organisation der Wählerverzeichnisse, Volkszählungen), zur Verbreitung von Medien (TV bis Social Media), Produktbörsen (wie die „National Stock Exchange“) usw. Besonders wichtig sind „Education Satellites“ (EDUSAT) für Alphabetisierungskampagnen bildungsferner Einwohner und Regionen. Die Bewältigung dieser vielfachen Aufgaben ist nur möglich mit innovativer Grundlagenforschung, der Entwicklung sämtlicher Sparten der Raumfahrttechnologie wie Trägerraketen, Satellitensysteme und unterstützender terrestrischer Technik.

Naheliegend dient die Raumfahrttechnologie den „dual use“-Konzepten, also gleichermaßen der zivilen wie der militärischen Nutzung, wobei diese Unterscheidung nicht immer klar zu ziehen ist. Die Leitzentrale von ISRO befindet sich in Bangalore, rund ein Dutzend Forschungs- und Entwicklungszentren sind über das Land verteilt, in denen etwa 20.000 Spezialisten arbeiten. Wichtige Einrichtungen für R&D bestehen in Ahmedabad, Chandigarh, Dehradun, Hyderabad, Bhopal und Shillong. Das größte dieser Zentren befindet sich in Thiruvananthapuram (dem früheren Trivandrum, der Hauptstadt des südlichsten Bundesstaates Kerala), mit rund 6.000 Spezialisten im „Vikram Sarabhai Space Centre“ (VSSC), benannt nach dem Vater des indischen Raumfahrtprogramms. Das indische „Cape Kennedy“ jedoch, von dem aus die indischen Satellitenstarts erfolgen, ist das „Satish Dhawan Space Centre“ auf der Insel Sriharikota im Bundesstaat Andhra Pradesh, etwa 80 km nördlich von Chennai (ehemals Madras).

1975 beförderte Indien erstmals einen Satelliten in das All, benötigte dazu aber noch eine sowjetische Trägerrakete, verwendete dann ab 1980 schon den Typ „Rohini“ aus eigener Raketenentwicklung. 1984 nahm der indische Kosmonaut Rakesh Sharma im Zeichen der damaligen Waffenbrüderschaft Indiens mit der UdSSR an einem bemannten Raumflug teil und verbrachte acht Tage in der Raumstation Saljut 7. Weitere Erfolge brachten die nächsten Großprojekte - wie etwa INSAT (Indian National Satellite System), IRS (Indian Remote Sensing Satellite System) SROSS (Stretched Rohini Satellite Series) und schließlich als „Lastenesel“ im All die Raketenserie PSLV („Polar Satellite Launch Vehicle“), die natürlich für „dual use“ ausgelegt ist. Zu den Höhepunkten der Erfolgsserie gehört die Entsendung der Sonde „Chandrayaan 1“ in eine Mondumlaufbahn am 22. Oktober 2008, und am 24. September 2014 gelang es „Mangalayaan“, den Mars zu erreichen. Das Besondere an dieser Mission lag darin, dass diese Leistung faktisch nur 10% der Kosten der US-Mission „Maven“ erforderte. Und dies ist besonders hervorzuheben: Der bedeutende Kosten-/Nutzen-Vorsprung von ISRO gegenüber NASA und ESA - die Kosten liegen bei nur 20% bis 30% gegenüber jenen der Konkurrenz - machen die indische Raumfahrtindustrie für andere Nationen besonders interessant, die ihre selbst entwickelten Satelliten in den Weltraum tragen lassen wollen. Zurzeit hat ISRO bereits über hundert Starts erfolgreich abgeschlossen und dabei für 32 Staaten 269 Satelliten befördert, darunter für Österreich den PEGASUS/AT03 am 23.6.2017.[19] Die Raumfahrtindustrie arbeitet auch an der Technologie wiederverwendbarer Raumschiffe („Re-usable Launch Vehicle“, RLV), der erste gelungene Versuch fand am 23. Mai 2016 statt. Im Dezember 2018 startete Indien ein „upgraded Geosynchronous Satellite Launch Vehicle“ (GSLV Mk.2) und brachte einen militärischen Kommunikationssatelliten von 2.250 kg in die Umlaufbahn. Diese Starts dienen klarerweise zur Vorbereitung bemannter Weltraummissionen.

Kurz davor, am 28. April 2016, konnte Indien seinen letzten von sieben Satelliten erfolgreich in eine Umlaufbahn bringen, der das System NAVIC vervollständigte - „Navigation with Indian Constellation“. Dieses neue Navigationssystem operiert unabhängig vom amerikanischen GPS („Global Positioning System“) wie ebenfalls vom russischen GLONASS. Es ist (noch) kein globales, sondern ein südasiatisches Positionierungssystem, reicht aber 1.500 km über die indischen Landesgrenzen hinaus und damit auch tief hinein in die VR China. Eine weitere Glanzleistung gelang am 15. Februar 2017, als ISRO mit einer einzigen Trägerrakete 104 Satelliten in den Weltraum beförderte. Die besondere technische wie logistische Herausforderung bestand darin, diese sukzessive in unterschiedliche Umlaufbahnen zu bringen. Die Mehrheit dieser Satelliten stammte aus den USA. Natürlich ist auch Indien nicht vor Rückschlägen in der Weltraumforschung gefeit. Mitte 2019 sollte es als erst viertem Land der Erde (nach USA, UdSSR und China) gelingen, eine weiche Mondlandung zu schaffen. Am 22. Juli startete die Raumsonde „Chandrayaan 2“ (Sanskrit: „Mondfahrzeug“) zum Erdtrabanten, befand sich seit 20. August in einer Umlaufbahn um den Mond, und am 6. September sollte das Landemodul „Vikram“ weich am Südpol des Mondes aufsetzen, zerschellte aber bei der Landung. Doch der Ehrgeiz der Weltraumambitionen geht viel weiter[20] und läuft letztendlich auch hier auf ein Wettrennen zwischen Indien und China hinaus, so wie es lange das Verhältnis zwischen den Anstrengungen der USA und jenen der Sowjetunion bestimmte. Für Ende 2020 und Mitte 2021 plant Indien bereits zwei unbemannte Raumflüge und als Prestigeprojekt schlechthin die erste bemannte Raumfahrt mit drei „Gaganauten“ (als Pendant zu den Astro- und Kosmonauten, Gagan in Sanskrit bedeutet Himmel) 2022. Dafür wurden von Regierungsseite schon Geldmittel von umgerechnet 1,4 Mrd. USD bewilligt. Über die militärischen Aspekte des Rüstungswettlaufs im All wurde bereits berichtet. Diese teuren Prestigeprojekte stoßen medial wie in den Augen einer breiten Öffentlichkeit kaum auf Ablehnung, werden vielmehr vom Premierminister bis zum „kleinen Mann“ bejubelt.

Die Ökonomie als Basis politischer Machtentfaltung

Das Streben nach und die Festigung internationaler Geltung eines Staates basieren in der Regel auf einer soliden ökonomischen Prosperität. Die VR China hat in den letzten drei Jahrzehnten einen weltweit beispiellosen wirtschaftlichen Aufstieg erlebt, während Indiens Aufschwung sowohl wesentlich später als auch nicht so dramatisch verlief, gleichwohl nicht mehr zu übersehen ist. Sehr neu ist hingegen die Abschwächung der Wachstumseuphorie in beiden Staaten, die sich verstärkt 2019 aus mehreren Ursachen herleitet und vermutlich 2020 nicht behoben sein wird.

Der lange Aufschwung und die jüngsten Dellen des Wachstums

Wo steht Indien? Noch um 1990 lag Indiens Bruttosozialprodukt an 12. Stelle in der Welt, und weitere 20 Jahre benötigte das Land, um den 9. Rang zu erreichen. Im letzten Jahrzehnt hingegen kletterte die indische Volkswirtschaft mit einem Modernisierungsschub sukzessive nach oben. 2015 waren Brasilien, Italien und Kanada überholt, Großbritannien und Frankreich bereits in Reichweite. Finanzanalysten prognostizieren auch das Vorbeiziehen an Deutschland und Japan bis 2029. Damit würde dann Indien hinter China und den USA an die dritte Stelle im weltweiten Ranking vorrücken, eine durchaus realistische Einschätzung.[21] 2010 gelang es Indien erstmals, mit 10,1% eine zweistellige Zuwachsrate des BIP zu erreichen. Nach einem Zwischentief 2011-2014, v.a. wegen der (abgeschwächt nachwirkenden) Weltwirtschaftskrise (2008), konnten ab 2015 erstmals größere Zuwachsraten als jene Chinas verbucht werden, was sowohl von den indischen Medien wie auch vom politischen Establishment euphorisch gefeiert wurde. Außer Acht gelassen wurden dabei aber das ungleich niedrigere Ausgangsniveau Indiens und noch mehr die Tatsache, dass China praktisch über drei Jahrzehnte zweistellige Zuwachsraten generieren konnte. Erste Dellen dieses Wachstums zeigten sich jedoch nach der im November 2018 überfallsartig verfügten Demonetarisierung (Einzug großer Banknoten) zur Bekämpfung von Schattenwirtschaft und Korruption sowie der 2017 erstmals eingeführten landesweiten Mehrwertsteuer. Die für das Wirtschaftsjahr 2018/19 (Periode 1. April 2018 - 31. März 2019) ursprünglich vorhergesagten 7,6% Wachstum gegenüber Chinas 6,0 bis 6,5% konnten nicht eingelöst werden. Die neuesten Ergebnisse für 2019/20[22] brachten eine herbe Enttäuschung - die Schätzungen liegen jetzt bei 5,1%, das ist der niedrigste Wert seit elf Jahren.[23] Dafür verantwortlich gemacht werden eine Reihe von Faktoren, vom Wirtschaftskrieg China-USA (mit Sanktionen auch für Indien durch Trump) bis zu hausgemachten Faktoren wie abgeschwächte Binnennachfrage, erhöhte Arbeitslosigkeit, Bankenkrise wegen fauler Kredite usw. Die Weltbank diagnostiziert eine ernsthafte Verlangsamung der Wirtschaftsentwicklung, begrüßt aber staatliche Maßnahmen der Gegensteuerung. Deshalb werden für 2020/21 wiederum 6% - 6,5% Wachstum vorhergesagt.

Hochgesteckte Ziele

Für dieses neue Jahrzehnt haben bisher internationale Analysten stabile Wachstumsraten von 7% bis 8% jährlich prognostiziert. Das BIP wuchs in Milliarden USD von 834 (2005) auf 2.602 (2017), pro Kopf von 2.830 USD nach Kaufkraftparität auf 7.056 (nominell allerdings nur auf 1.820).[24] Die Währungs- und Goldreserven stiegen von 138 auf ca. 450 Mrd. USD. Die größten Hindernisse für eine florierende Wirtschaft konnten bisher nicht aus dem Weg geräumt werden - noch immer überbordende Bürokratie, rückständige Infrastruktur (kein Vergleich mit China!), mangelhafte Energieversorgung, Mangel an Fachkräften, rigide Arbeitsgesetze, jahrzehntelange Abschottung weiter Wirtschaftsbereiche gegenüber ausländischen Investitionen. Diese Faktoren vergrößern auch den Negativsaldo der Import/Exportbilanz von Jahr zu Jahr stärker, obwohl die FDI-Auflagen (foreign direct investments) für die meisten Branchen vollständig aufgehoben oder deutlich entschärft wurden. Indien weist eine Spitzenposition hinsichtlich der FDIs auf, nicht zuletzt wegen der Millionen Auslandsinder (Expats), die mit Sonderrechten „geködert“ werden. Positiv greifen die Bevölkerungsentwicklung insgesamt, die Ausweitung der Mittelschichten und der eindrucksvolle Rückgang der extremen Armut auf „nur mehr“ 70 Mio.

Die erfolgreichen wirtschaftspolitischen Weichenstellungen werden weitgehend Premier Narendra Modi zugeschrieben, weshalb sich sogar der Begriff „Modinomics“ eingebürgert hat. Der Nimbus des Retters und Heilers aller indischen Probleme dürfte zu überzogenen Erwartungen einer breiten Öffentlichkeit geführt haben, ist jedoch für die große Masse der BJP-Anhänger nach wie vor sakrosankt. Der zweite, noch größere Wahltriumph Modis 2019 nach 2014[25] wird in seiner zweiten Amtsperiode 2019-2024 zu noch weiter reichenden wirtschaftlichen Anstrengungen führen als bisher. Ökonomisch bleibt Modis wichtigstes Ziel die dynamische Ausweitung seiner neuen Wirtschaftspolitik, weil nur so längerfristig der „rechtmäßige Platz“ in der globalen Weltordnung erreichbar scheint. Dies ist kein Widerspruch zu den religiös-fundamentalistischen Ambitionen des Hindutva, sondern wird als Voraussetzung für dessen erfolgreiche Implementierung gesehen. Ein gewaltiges Arbeitspensum zur Modernisierung des Landes fokussiert auf drei Säulen - „Make in India“, „Digital India“ und „Smart Cities Mission“.[26] Gefragt werden darf, ob ein Programm nachholender Industrialisierung im Zeitalter von Industrie 4.0 nicht schon generell überholt ist, da sogar die vielgerühmte indische IT-Branche bereits weltweite Sättigungseffekte verspürt. Die ebenfalls weitreichende digitale Offensive zur lückenlosen Erfassung aller Einwohner ermöglicht nicht nur eine neue Dimension der Modernisierung, sondern birgt auch die Gefahren eines totalen Überwachungsstaates à la China. Das ländliche Indien (2011 noch 69% der Bevölkerung) gilt als Symbol der Rückständigkeit, die reale Lebenswelt in den Städten bleibt aber bisher genauso deprimierend. Ob die hochgesteckten Ziele der Erneuerung Indiens durch die miteinander verwobenen Konzepte von Industrialisierung, Digitalisierung und Urbanisierung wahr werden, lässt sich heute noch nicht abschätzen. Indiens Anspruch, ein respektierter „Global Player“ auf der Weltbühne zu sein oder werden zu wollen, hängt aber letztendlich vom Erfolg dieser Anstrengungen ab.

Vergleichende Messungen und Bewertungen (geo-)politischer Macht

Eine Möglichkeit der vergleichenden Bewertung von Staaten liegt in der Quantifizierung wichtiger Faktoren zur Einschätzung der aktuellen Bedeutung wie der zukünftigen Entwicklung. Auswahl und Gewichtung der Indikatoren bieten einen gewissen Spielraum für die Analysten, doch zeigen schließlich die Ergebnisse einen hohen Grad an Plausibilität und Vergleichbarkeit. Für den Vergleich China-Indien werden hier die neuesten Forschungsergebnisse zweier renommierter Think Tanks herangezogen, der Bonn Power Shift Monitor 2019 des Center for Global Studies der Universität Bonn[27] sowie der Asia Power Index 2018 und jener von 2019 des Lowy Institute, Sydney.[28]

Der Bonn Power Shift Monitor 2019

Der Bonn Power Shift Monitor beobachtet die Entwicklung der G20-Staaten, die in einem informellen Zusammenschluss die 19 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer repräsentieren (d.h. ohne den 20. Teilnehmer, die EU, sowie ohne die Schweiz, die bisher nur Beobachterstatus hat). Sie erwirtschaften über 85% des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) und zeichnen für rund drei Viertel des Welthandels verantwortlich. Damit sind sie auch die regionalen und globalen Entscheidungsträger in der politischen Machtausübung. Berechnet werden acht Indikatorgruppen für den Anteil jeden Landes und die jährlichen Veränderungen dieser Anteile. Zwischen 2015 und 2017 hat die G20-Gruppe zwar in sechs der acht Gruppen eine leichte Verminderung der weltweiten Bedeutung erfahren, bleibt aber nach wie vor dominant. Angestrebt wird ein Vergleich wirtschaftlicher, militärischer und wissenschaftlich-innovativer Indikatoren zur Ableitung politischer Macht. Diese erfassen GDP, Merchandise Exports, Service Exports, Military Troops, Defense Spending, Top Universities, Top Companies and Publications. Die wichtigsten Ergebnisse: Die USA sind nach wie vor die führende Weltmacht und werden es länger als bisher berechnet bleiben, da sich die chinesischen Zuwachsraten vermindern. China bleibt aber der relativ größte Gewinner in global power shares und könnte 2023 mit den USA gleichziehen. Den größten prozentuellen Machtzuwachs der letzten Jahre verzeichnet allerdings Indien und hat innerhalb der G20 zunächst 2015 Frankreich und 2017 Japan (vom fünften Rang) verdrängt. Das Gewicht der asiatischen Staaten nimmt weiterhin zu und jenes der europäischen und amerikanischen Staaten ab. Laut einer Längsschnittanalyse von 2005 bis 2017 zeigen die USA die relativ größten Machtverluste, gefolgt von Japan, Großbritannien und Frankreich, die größten Gewinne verzeichnet China mit deutlichem Vorsprung vor Indien und Südkorea. Indien wird als „stabiler Aufsteiger“ bezeichnet, der nur noch wenig hinter Großbritannien und Deutschland zurücksteht. In der Periode 2005-2017 vergrößerte sich der Machtindex Chinas um 82% und jener Indiens um 34%. Allein zwischen 2015-2017 hat sich Indien um 10,8% verbessert, zugleich der Spitzenwert innerhalb der Gruppe G-20.[29] Trotz nach wie vor bestehender Defizite (Armut, Infrastruktur, Marktbarrieren, wenige Spitzenfirmen (Fortune 500) und führende Universitäten) wird dem „asiatischen Elefanten“ vieles zugetraut: „The country…thus has the potential to rise even further on the global stage within the next years“.

Der Lowy Asia Power Index 2018 und 2019

Auch der Lowy Asia Power Index basiert in seiner Analyse auf acht Themengruppen, die allerdings ausführlicher strukturiert werden als im Bonner Monitor[30] - Resource measures bewerten die materiellen Kapazitäten eines Landes sowie ihre Robustheit - economic resources, military cabability, resilience and future trends sowie influence measures - diplomatic influence, economic relationships, defence networks and cultural influence. Jede dieser Gruppen wird mit einer Reihe von Indikatoren gemessen, insgesamt sind es 114. So besteht etwa die Liste der „economic resources“ aus den Untergruppen Size, International Leverage, Technology und Connectivity oder jene der „military cabability“ aus Defence spending, Armed forces, Weapons and Platforms, Signature Capabilities, Asian Military Posture. Hier ist nicht der Raum, um auf die Gewichtung der Indikatoren, deren Berechnung und Vergleichbarkeit einzugehen. Doch ist der Lowy Asia Power Index sicher der bisher beste und umfangreichste Versuch, das Machtgefüge in Asien und seine Veränderungen zu messen wie abzubilden.

Die Auswahl der Staaten ist aber eine andere - sie umfasst den asiatisch-pazifischen Raum, der ja vielfach als neues Machtzentrum der Welt gesehen wird. Diese Liste enthält 25 Länder, die in ihrer Bedeutung für Asien gewichtet werden, „what they have, and what they do with what they have“, und zwar alle Staaten Ost-, Südost- und Südasiens (mit Ausnahme von Osttimor, Bhutan und den Malediven), dazu die USA, Australien, Neuseeland und Russland. Für das Jahr 2019 ergibt sich für den indo-pazifischen Raum eine klare Hierarchie des Einflusses im Overall Power Ranking 2019.[31] Ausgewiesen werden zwei sogenannte Supermächte - erwartungsgemäß die USA und China - weiter zwei Großmächte - Japan und Indien - gefolgt von dreizehn mittleren Mächten - Russland, Australien, Südkorea usw. bis zu den acht schwachen Staaten von Bangladesch bis Laos und Nepal.

Die USA (84,5 Punkte von maximal 100) führen vor China (75,9), es folgen mit großem Abstand Japan mit 42 und Indien mit 41 Punkten, mehr als 30 Punkte weisen die Mittelmächte auf. Der Abstand zwischen China und Indien ist damit ungefähr so groß wie jener zwischen Indien und Bangladesch (mit nur 8,7 Punkten). Dies dürfte recht gut die real existierenden Machtverhältnisse im asiatisch-pazifischen Raum abbilden. Alles deutet darauf hin, dass weiter der große Wettlauf um die Führungsrolle in Asien zwischen China und den USA ausgetragen wird. Bei Indien ist allerdings zu beachten, dass dem Erhalt der politischen Unabhängigkeit höchste Priorität vor dem Eingehen formeller Allianzen gegeben wird und auch die lange Abschottung des Binnenmarktes diesem Ranking entspricht, wobei der Lowy Index der (möglichen wie tatsächlichen) Vernetzung der Staaten große Bedeutung zumisst. Immerhin liegt Indien in den Kategorien künftige Trends und kultureller Einfluss an dritter Stelle, in den ökonomischen Ressourcen und der Militärkapazität an vierter, im wirtschaftlichen Austausch nur an zehnter. Insgesamt führen die USA fünf der acht Indexmessungen an, v.a. in den Kategorien Militärmacht und regionale Allianzen. In den Wirtschaftsbeziehungen wie im diplomatischen Einfluss mussten die USA in den letzten Jahren schmerzliche Rückschläge hinnehmen (Trumps „America First“ policy und dessen Sanktionen). Längerfristig ist ihre Führungsrolle in Asien-Pazifik in Frage gestellt, Analysen der Zukunftstrends zeigen sogar nur einen marginalen Vorsprung vor Indien. Die „kommende Supermacht“ China liegt in sieben Kategorien auf Platz 1 oder 2. Bis 2030 dürfte Chinas BIP dasjenige der USA um nahezu das Doppelte übertreffen. Doch auch China muss Hürden überwinden - Überalterung der Bevölkerung, Verminderung der arbeitsfähigen Bevölkerung (zwischen 2015 und 2030 um 42 Mio.), Abhängigkeit von Rohstoffimporten. Und China steht allein gegen die militärische Phalanx der USA und ihrer Verbündeten in Asien. Während für Indien bis 2030 die größten Sprünge im Wirtschaftsaufschwung (ca. 170%) und damit Parität mit dem BIP der USA wie in den Bevölkerungsressourcen prognostiziert werden, lässt etwa der demographische Niedergang Japans bis dahin nur mehr ein Wirtschaftswachstum von 12% erwarten. Für das neue Machtzentrum der Welt, der v.a. von den USA propagierte Großraum Asien-Pazifik, ergeben damit die Prognosen bis 2030 ein klares Bild - an erster Stelle China, an zweiter die USA, an dritter, wenn auch mit Abstand, Indien.[32] Diese Rangordnung könnte dann wohl weltweit zur Geltung kommen.[33] Komplexe Langzeitprognosen bleiben natürlich unsicher. Weder können heute die weltweiten Auswirkungen der Corona/Covid-19-Pandemie, die Folgen des Klimawandels oder von globalen Handelskriegen vorausgesagt werden.

Anmerkungen:


[1] Offizieller Tourismus-Marketing Slogan der indischen Regierung seit 2003.

[2] Rup Narayan Das: The Elephant in the Room. India´s Nuanced Approach to the Indo-Pacific, March 2019. https://www.globalasia.org/data/file/articles/def7f4af82b4ad776720bc16b3fd749d.pdf.

[3] Vgl. Cecil Victor: India’s security challenge: A two-and-half-front-war. IAPS Dialogue, 21.9.2017 https://iapsdialogue.org/2017/09/21/indias-security-challenge-a-two-and-half-front-war/.

[4] Romina Liesel Elbracht und Ann-Margret Bolmer: Zwischen Wettrüsten und Allianzbildung. Wie Pakistan und China die indische Verteidigungspolitik bestimmen. (Auslandsinformationen der Konrad-Adenauer-Stiftung, 16.9.2019). https://www.kas.de/de/web/auslandsinformation/artikel/detail/-/content/zwischen-wettruesten-und-allianzbildung.

[5] Christopher Clary: Personalities, Organizations, and Doctrine in the Indian Military. India Review, vol.17, no.1, 2018, S.100-121. Und als Klassiker: Stephen P. Cohen and Sunil Dasgupta: Arming without Aiming - India´s Military Modernization. Brookings, Washington D.C., 2010.

[6] Hinsichtlich der quantitativen wie qualitativen Entwicklung stehen reichlich Analysen wie Datensätze zur Verfügung, offiziell: Ministry of Defense https://mod.gov.in/dod/, von militärischen wie zivilen Denkfabriken, u.a.: ein umfassendes Sammelwerk: Harsh V. Pant (ed.): Handbook of Indian Defence Policy. Themes, structures and doctrines. Routledge Asia edition 2016, reprint 2018. Philip Campose (Lt Gen retd.): A National Security Strategy for India. The Way Forward. Centre for Land Warfare Studies (CLAWS). KW Publishers, New Delhi, 2018. S. Kalyanaraman: Indi’´s Defense and Security Priorities. IDSA Policy Brief, Institute for Defense Studies & Analysis, May 24, 2018. idsa@nic.in www.idsa.in.

[7] 2019 Military Strength Ranking, GFP-Index. https://www.globalfirepower.com/countries.

[8] International Institute for Strategic Studies (IISS): The Military Balance 2018, https://www.iis.org/publications/the-military-balance/.

[9] Stockholm International Peace Research Institute, SIPRI Yearbook 2018. https://www.sipri.org/.

[10] Siehe dazu https://peacekeeping.un.org/en/india.

[11] Ausführlich: Harsh V. Pant & Yogesh Joshi: Indian Nuclear Policy. Oxford University Press, 2018. Vergleiche: Vipin Narang: India’s nuclear strategy twenty years later: From reluctance to maturation. India Review, vol.17, no.1, 2018, S.159-179. Sowie: Ramesh Thakur: The inconsequential gains and lasting insecurities of India’s nuclear weaponization. International Affairs, 90,5, 2014, S.1101-1124.

[12] Die pakistanische Atomrüstung als Gegengewicht zur indischen ist hervorragend analysiert in: Hans M. Kristensen, Robert S. Norris & Julia Diamond: Pakistani nuclear forces, 2018. Bulletin of the Atomic Scientists, vol.74, 2018, issue 5, S.348-358. https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/0093402.2018.1507796.

[13] Owen B. Toon et al.: Rapidly expanding nuclear arsenals in Pakistan and India portend regional and global catastrophe. Science Advances 5, Oct. 5/2019, 13 S. http://advances.sciencemag.org/content/5/10eaay5478.

[14] Michael Paul: Chinas nukleare Abschreckung. SWP-Studie, September 2018. https://www.swp-berlin/fileadmin/contents/products/studien/2018S17-pau.pdf.

[15] CNN meldete am 28.3.2019: „In a national address Prime Minister Modi said India has successfully conducted an anti-satellite missile test that put the country in a league of global space powers“.

[16] Markus Reisner: Robotic Wars. Legitimatorische Grundlagen und Grenzen des Einsatzes von Military Unmanned Systems in modernen Konfliktszenarien. Miles-Verlag, Berlin 2018.

[17] Dazu zählen ein neues Science and Technology (S&T) Agreement vom 19. Dezember 2019, das v.a. auf Forschung und Innovation fokussiert, verstärkte bilaterale Kooperation im Weltraum, prioritär in der Mondforschung, Vorbereitungen für verstärkten Austausch im Bereich Weltraumverteidigung (2020), intensivierte Zusammenarbeit der Rüstungsindustrien beider Staaten durch die Defense Technology and Trade Initiative Modis (DTTI), Verstärkung des India-US Cyber-Dialogs und der Arbeitsgruppe Information and Communication Technology (ICT). Quelle: Embassy of India, Vienna: India Newsletter, 10, Issue 89, Feb. 2020, S.7.

[18] http://www.isro.gov.in Leitspruch von ISRO: „Our vision is to harness space technology for national development, while pursuing space science research and planetary exploration.“

[19] Medienspiegel Spaceteam https://spaceteam.at/medien/medienspiegel.

[20] India approves third mission to the moon. Reuters 1.1.2020. https://www.reuters.com/article/us-space-exploration-india/moon/india-approves-third-mission-months-after.

[21] Berechnungen des International Monetary Fund (IMF), World Economic Data Base, laufend.

[22] Der „Economic Survey of India 2020“ wurde am 31.1.2020 im Parlament vorgetragen und bezieht sich auf die Periode 2019/20. Das „Union Budget“ für das Fiskaljahr 2020/21 wurde am 1.2.2020 präsentiert.

https://www.indiabudget.gov.in/economicsurvey/doc Economic Survey 2019-20, Vol.1.

[23] Siehe Neue Zürcher Zeitung NZZ Asien - 10/2020 vom 13.3.2020. Indien braucht eine Kraftanstrengung. Darin: höchste Arbeitslosigkeit seit 45 Jahren. Die Kaufkraft und Kauflust der Inder nimmt entsprechend ab. Die „Symbolpolitik“ Modis (Versprechen der Verdoppelung der Wirtschaftsleistung in 5 Jahren auf 5 Bio. USD) erweist sich als Wahlkampflüge.

[24] Wirtschaftskammer Österreich, Stabsabteilung Statistik, Länderprofil Indien, Oktober 2018. Auch: Die indische Wirtschaft https://www.wko.at/service/aussenwirtschaft/die-indische Wirtschaft.html.

[25] Vgl. Heinz Nissel: Indien - Triumph für Premier Modi. Ergebnisse und Bewertung der 17. Parlamentswahlen im April/Mai 2019. Landesverteidigungsakademie Wien, Institut für Strategie und Sicherheitspolitik 2/2019, 16 S.ISS Aktuell_2019-02-Indien_Web.pdf.

[26] Detaillierte Ausführung mit interaktiven Plattformen: www.makeinindia.com, www.digitalindia.gov.in und www.smartcities/gov.in; Umfangreicher Überblick und Kritik: Heinz Nissel: Modis Reformprogramm. Wird Indien zum neuen asiatischen Wachstumsmotor? In: Michael Staack und David Groten (Hrsg.): China und Indien im regionalen und globalen Umfeld. Verlag Barbara Budrich, Opladen-Berlin-Toronto, 2018, S.161-191.

[27] Center for Global Studies (CGS): Bonn Power Shift Monitor 2019 https:// www.cgs-bonn.de/de/bonn-power-shift-monitor.

[28] Lowy Institute: Report Asia Power Index 2018 https://power.lowyinstitute.org/lowy-api-page-files/lowy-asia-power-index.pdf.

[29] Center for Global Studies (CGS) 2019. Bonn Power Shift Monitor: India: A Stable Ascender. University of Bonn sowie CGS 2018, Bonn Power Shift Monitor: India. India: Achieving Great Power Status?

[30] Aus Präzisionsgründen wird hier die englische Originalversion beibehalten.

[31] Lowy Asia Power Index 2019: China gains on dominant US. Lee Kuan Yew School of Public Policy, Singapore.https://lkyspp.nus.edu.sg/gia/podcast/asia-power-index-2019-china.

[32] Lowy Asia Power Index 2019, cit. S.4: „India will not be the next China. New Delhi lacks the control over the allocation of economic resources, which has been intrinsic to China’s rise. Yet as the giant grows in uneven and incremental steps, so too will its ambitions“.

[33] Eine 10-Jahresprognose scheint noch einigermaßen realistisch. Es gibt jedoch noch viel weitergehende Szenarien, etwa jene der OECD über die größten Wirtschaftsräume der Zukunft (BIP in Mrd. USD) bis 2060. Darin würde Indien auch die USA um ca. 2037 überholen und die Gewichtung (kaufkraftbereinigt) so aussehen: China 62,6; knapp dahinter Indien 56,3; mit deutlichem Abstand: USA 39,0; Euro-16 26,1; Russland 4,9 Mrd. USD.

Quelle: Die Krise, ihre Gewinner und Verlierer, KURIER.at, 10.5.2020, S.12.