Ausgabe 01/2020


Lothar Rühl
Die strategische Lage zum Jahreswechsel


 Zusammenfassung

Während die Konflikte, die auch 2019 das politische Weltgeschehen kennzeichneten, ohne Ansätze zur Lösung der seit Jahren entstandenen Probleme andauerten, zog mit der Gluthitze des zweiten extrem trockenen Sommers in Folge der drohende Schatten einer Weltklimakatastrophe über den Horizont Europas. Sollte sich dieser Schatten über die Kontinente und Ozeane ausbreiten, würden die Grundvoraussetzungen menschlichen Handelns radikal verändert. Mittelamerika samt der Karibik, der Südosten der USA, Australien und große Teile Afrikas sind von dieser Entwicklung schon seit Jahren unmittelbar betroffen, insgesamt der globale Süden. In Afrika breitet sich die Wüste, der Versteppung folgend, durch Bodenerosion und zunehmende Sandstürme bislang ungehindert aus. Südamerika droht über längere Zeit eine ähnliche Entwicklung, wenn der Brandrodung im Regenwald nicht Einhalt geboten wird. 2019 erlitt Russland in Sibirien einen Ende Juli schon dreieinhalb Millionen Quadratkilometer Fläche umfassenden Waldbrand. In Afrika vertreiben das Versiegen der Wasserquellen und das ausufernde Absinken des Grundwassers über weite Gebiete die Landbevölkerung; sie sind zur treibenden Kraft einer neuen Völkerwanderung nach Norden geworden. Gefährdet ist auch ein Teil der südostasiatischen Inselwelt. Aktuelles Beispiel ist der drohende Teiluntergang der indonesischen Hauptinsel Java. Die rasante Ausbreitung von Großstadtregionen mit Einwohnermassen von zweistelligen Millionenzahlen kommt als das Krisenpotenzial verstärkende Belastung für „gute Regierungsweise“ hinzu. In diesen Mega-Konzentrationen, die in Südamerika, Afrika und Asien schon seit Jahrzehnten die Administrationen unterhöhlt und wirkungslos gemacht, staatlichen Autoritäten, Bandengewalt und Bandenkrieg entgegengesetzt und bürgerkriegsartige Dauerzustände geschaffen haben, können die öffentlichen Güter immer weniger für sozial erträgliche Verteilung, pflegliche Nutzung und ordentliche Verwaltung zur Erhaltung des Gemeinwohls eingesetzt werden. Von dieser krisenhaften Entwicklung werden nicht nur freiheitliche Demokratien, sondern auch alle Varianten autoritärer Regime bedroht. Ägypten bietet seit Jahren einen Beweis, Nordkorea seit Jahrzehnten. Diese Entwicklung konfrontiert die gesamte Staatenwelt im Innern der einzelnen Länder wie in den internationalen Beziehungen. Dabei wird den bisher schon destruktiv wirkenden Kräften gegen die viel beschworene „Stabilität“ der Verhältnisse als Anker von Frieden und Sicherheit zwischen den „Nationen“ und für die globale Verantwortung der „Mächte“ eine weitere folgenschwere Ursache von Anarchie hinzugefügt. Ein Zusammenbruch der internationalen Sicherheitsstrukturen stand zwar 2019 noch nicht bevor, wohl aber die fortschreitende Lähmung der internationalen Organisationen in internationalen Krisen und für „humanitäre Intervention“ in innere Konflikte, die bereits ein Hauptmerkmal der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war.

Die drei Großmächte globaler Bedeutung USA, China und Russland blockieren einander auf ihren geopolitischen Positionen in ihren Strategien. Keine der drei Mächte hat seit Beginn der chinesischen Expansionsstrategie über die Randmeere Ostasiens hinaus in Richtung Afrika und auf dem Landweg durch Zentralasien in Richtung Europa größere Einflussgewinne gemacht. Doch die künftige Korrelation der Kräfte zwischen den drei Mächten, dazu deren Strategien und anderer geopolitischer Faktoren bleibt unbestimmbar, damit auch die Verteilung von Macht und Einfluss, zum Beispiel durch die ökonomische und politische Wirkung des chinesischen Vorhabens „Neue Seidenstraßen“ über Land und See.

Die seit dem Ende des Ost-West-Konflikts in Europa oft beschworene „strategische Unabhängigkeit“ von den USA - und dies nicht erst seit der Präsidentschaft Donald Trumps - kraft der im Lissaboner Vertrag von 2007 vereinbarten europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik, für manche Disputanten sogar mit Hilfe einer veritablen „europäischen Armee“ oder allgemeiner „europäischen Verteidigung“, ist ein noch immer fernes Ziel, das auch nicht von allen Mitgliedstaaten der EU anvisiert wird - in Wirklichkeit nicht einmal von einer Mehrheit - denn die meisten EU-Partner sehen ihre Sicherheit und Unabhängigkeit am besten von der amerikanischen Macht in der NATO abgeschirmt. Von ungleich größerer Wirkung dürfte die Perzeption der amerikanischen Politik und Rhetorik in Peking sein. Bisher ist eine konsistente, in sich schlüssige Strategie der USA zum „Containment“, zur Eindämmung der chinesischen Expansionstendenz zur See nach Afrika und über den eurasischen Kontinent wie über den Mittleren Osten und die Türkei nach Europa für die Nutzung und Kontrolle von großen Häfen (z.B. Piräus und Duisburg) oder Technologietransfer durch Industriebesitz und Erwerb von Agrarnutzungsflächen in Afrika noch nicht deutlich geworden. Die Frage bleibt für die Zukunft offen, ob die USA noch an Europa als kongenialen und nützlichen Partner interessiert sind.

Politische Entscheidungen strategischer Reichweite Washingtons, aber auch in Brüssel, Paris, London oder Berlin sind deshalb und wegen der noch nicht kalkulierbaren, jedoch wahrscheinlichen Verwerfungen als Folge des „Brexit“ und der Handelskonflikte, insbesondere zwischen den USA und China, in Europa schwerlich zu erwarten.

 Summary

In the course of the conflicts characterizing the political world affairs of 2019, which have continued without any solutions for the problems having risen for years, the looming shadow of a global climatic catastrophe travelled along the horizon of Europe because of the extreme heat of the second consecutive arid summer. If this shadow spreads over the continents and oceans, the basic assumptions of human action will change radically. Central America as well as the Caribbean Sea, the southeast of the USA, Australia and large parts of Africa have been affected by this development for years – the global South as a whole. In Africa, the desert, following the steppization, has spread unchecked due to sand storms and soil erosion. South America will be threatened by a similar development, if slash-and-burn in the rain forest is not stopped. In 2019, Siberia in Russia had to endure forest fires covering 3,500.000 square kilometres already by the end of July. In Africa, the petering out of wellsprings and the spreading phreatic decline drive away the population over vast distances, and this has become the moving power of a new migration to the north. One part of the South-East-Asian islands is endangered, too. A current example is the imminent partial sinking of the Indonesian main island Java. The fast-paced spreading of metropole regions with two-digit million numbers of inhabitants contributes to the crisis potential faced by “good administration”. In these mega-concentrations, which have hollowed out the administrations in South America, Africa and Asia for years, and rendered them ineffective, where gang violence and gang wars have been opposed against governmental authorities, thus causing permanent shambles similar to civil war, the public essentials cannot be used for socially tolerable distribution, careful use and fair maintenance, in order to maintain public welfare. Not only liberal democracies, but also all variants of authoritarian regimes are threatened by this critical development. Egypt has been an example for this for years and North Korea for decades. This development confronts all nations, both their home affairs and their international relations. Here, the forces acting destructively against the – mostly conjured up – “stability” of the conditions as the pillars of peace and security between the “nations”, and of the global responsibilities of the “powers”, add another serious cause for anarchy. Although a breakdown of the international security structures were not imminent in 2019, the advancing paralysis of the international organisations in international crises and for “humanitarian interventions” in inner conflicts, which had been a major characteristic in the second half of the 20th century, existed in 2019 already. The three superpowers with global importance, the USA, China and Russia, inhibit each other concerning their geopolitical positions and their strategies. None of these powers has won additional influence since the beginning of China’s strategy of expansion, which goes beyond the marginal oceans in the direction of Africa, as well as across Central Asia in the direction of Europe. The future correlation, however, the strengths between the three powers, as well as their strategies and other geopolitical factors, still remains indeterminable, and thus also the distribution of potency and influence, for instance by the economic and political impact of the Chinese project “New Silk Road” leading across land and sea. The „strategic independence“, which has been conjured up by the USA since the end of the East-West-Conflict, and not only since the Donald Trump administration, by virtue of the European Security and Defence Policy agreed in the Lisbon Treaty of 2007, by some debaters even called “European Army” or “European Defence”, is still a faraway goal, which is not aimed at by all member states of the EU neither, and in reality not even by a majority, because most EU partners want their security and independence best shielded by the American power within NATO. A much stronger effect might have the perception of American politics and rhetoric in Beijing. Up to now, a consistent and conclusive strategy of the USA for “Containment”, for the containment of the Chinese expansion tendency across the ocean to Africa, and across the Eurasian continent as well as across the Middle East and Turkey to Europe, in order to be able to use and control large harbours (such as Piraeus and Duisburg), or to transfer technology by means of possessing industries and acquisition of arable farm land in Africa, has yet not become obvious. So the question still remains whether the USA are still interested in Europe as a ideally matched and useful partner. Thus, political decisions with strategic range by Washington, Brussels, Paris, London, or Berlin, are not to be expected in Europe, due to the incalculable and probable warps caused by “Brexit” and the trade conflicts, especially between the USA and China.

 Sommaire

Pendant que les conflits qui ont aussi marqué les événements politiques mondiaux en 2019 ont continué, sans approches de solution des problèmes qui s’étaient constitués depuis des années, l’ombre menaçante d’une catastrophe climatique ainsi que la chaleur ardente du deuxième été extrêmement sec sont passées le long de l’horizon européen. Si cette ombre s‘étend au-dessus des continents et des océans, elle changerait radicalement les conditions de base des actions humaines. L’Amérique centrale avec les Caraïbes, le sud-ouest des USA, l’Australie et de grandes parties de l’Afrique ont déjà été directement affectés par ce développement depuis des années, c’est-à-dire toute l’hémisphère sud. Le désert s’étend de plus en plus en Afrique, sans entrave, à cause de l’érosion du sol et des tempêtes de sable croissantes (désertification). L’Amérique du sud est menacée, pour une longue période, d’un développement semblable si on ne stoppe pas l’agriculture sur brûlis dans la forêt vierge. En 2019, la Sibérie a déjà souffert d’un incendie de forêt couvrant une superficie de trois millions et demi de kilomètres carrés. En Afrique, de larges régions sont quittées par la population rurale à cause de l’assèchement des sources et de la baisse des eaux souterraines. Ces phénomènes sont devenus la force motrice d’une nouvelle migration vers le nord. De plus, une partie des îles de l’Asie du sud-est est aussi menacée, comme par exemple la disparition imminente d’une partie de Java, l’île principale de l’Indonésie. L’élargissement rapide de régions urbaines avec des masses dépassant les dix millions d’habitants constitue un potentiel de crise qui rend encore plus difficile un « bon gouvernement ». Dans ces méga concentrations qui, depuis des décennies déjà, minent et rendent inefficaces les administrations en Amérique du sud, en Afrique et en Asie, concentrations qui s’opposent aux autorités étatiques, qui provoquent des violences et guerres de bandes et qui créent des situations permanentes proches de la guerre civile, il est de moins en moins possible d’utiliser les biens publics pour une distribution socialement acceptable, pour une utilisation soignée et une administration convenable afin de maintenir le bien-être commun. Non seulement les démocraties libérales, mais aussi toutes les variantes de régimes autoritaires sont menacées par ce développement de crise. L’Egypte en fournit la preuve depuis des années, la Corée du nord depuis des décennies. Ce développement confronte toute la Communauté des états à l’intérieur des pays individuels ainsi que les relations internationales. Par cela, on ajoute une autre cause d’anarchie, lourde de conséquences, aux forces déjà jusqu’à maintenant destructives et opposées à la « stabilité » de la situation tant invoquée en tant que point d’ancrage de la paix et de la sécurité entre les « nations » ainsi que de la responsabilité globale des « puissances ». Un effondrement des structures de sécurité internationales n’était pas prévu pour 2019, mais bien une paralysie progressive des Organisations internationales en cas de crises internationales et « d’interventions humanitaires » dans des conflits internes, paralysie qui fut déjà une caractéristique principale pendant la deuxième moitié du 20e siècle. Les trois grandes puissances d’importance globale, les USA, la Chine et la Russie, se bloquent entre elles sur leurs positions géopolitiques de leurs stratégies. Depuis le début de la stratégie d‘expansion chinoise, aucune des trois puissances n’a pu élargir son influence au-delà des mers bordières de l’Asie de l’Est en direction de l’Afrique ou, par voie terrestre, à travers l’Asie centrale, en direction de l’Europe. Néanmoins, la corrélation future des forces entre les trois puissances, combinée avec leurs stratégies et d’autres facteurs géopolitiques reste indéterminée et, par conséquence, aussi la répartition du pouvoir et de l’influence – par exemple à cause de l’effet économique et politique du projet chinois nommé « nouvelles routes de la soie » par voie terrestre et maritime. « L’indépendance stratégique » des USA, souvent invoquée depuis la fin du conflit Est-Ouest en Europe, et cela non seulement depuis la présidence de Donald Trump, indépendance qui peut être atteinte par la politique européenne de sécurité et de défense définie dans le traité de Lisbonne de 2007 mais, pour quelques-uns aussi à l’aide d’une véritable Armée européenne ou une « défense européenne » générale, est encore toujours un but lointain qui n’est pas non plus visé par tous les pays-membres de l’UE - en vérité même pas par une majorité, parce que la plupart des partenaires de l’UE voient leur sécurité et indépendance mieux protégées par le pouvoir américain dans l’OTAN. A Pékin, la perception de la politique et rhétorique américaine pourrait produire un effet bien plus grand. Jusqu’à présent, une stratégie consistante et cohérente des USA concernant le « containment », c’est-à-dire le confinement de la tendance d’expansion chinoise maritime jusqu’en Afrique et à travers le continent eurasien ainsi qu’à travers le Moyen-Orient et la Turquie jusqu’en Europe afin de pouvoir utiliser et contrôler de grands ports (comme par exemple celui du Pirée et de Duisburg) ou le transfert de technologie par des propriétés industrielles et l’achat de terrains en Afrique pour l’utilisation agricole, ne s’est pas encore clairement manifestée. Pour le futur, la question de savoir si les USA seront encore intéressés à l’Europe en tant que partenaire congénial et utile, reste sans réponse. Pour cette raison et aussi à cause de turbulences pas encore calculables, mais probables suite au Brexit et aux conflits de commerce, surtout entre les USA et la Chine, on ne peut pas vraiment s’attendre, en Europe, à des décisions politiques d’une portée stratégique, décisions prises par Washington, mais aussi par Bruxelles, Paris, Londres ou Berlin.

Horst Pleiner
Die großen Manöver 2017 und 2018 - Reihe
„Eine Betrachtung“ (2)

 Zusammenfassung

Im ersten Teil dieser Betrachtung wurde die Manövertätigkeit der NATO und Russlands im europäischen Nordraum und im Gebiet der Ostsee im Jahre 2017 und bis in den Oktober 2018 dargestellt. Die größten Ereignisse waren, wenn auch mit unterschiedlicher Teilnehmerzahl, das NATO-Manöver „Trident Juncture 2018“ und das russische Manöver „Zapad 2017“, aber auch die erhebliche Anzahl von Manövern kleinerer Dimension ließ in diesem Zusammenhang die hier seit 2014 eingetretene Veränderung der militärstrategischen Gesamtsituation in diesem aus Sicht der Akteure überaus bedeutenden Raum deutlich werden. V.a. für die west- und nordeuropäischen NATO-Mitgliedstaaten sowie die skandinavischen Neutralen ergab sich zunehmendes Interesse an Demonstrationen der Fähigkeiten zur Bewältigung allfälliger Krisenlagen. Das zeigte sich auch im Manöververhalten Russlands, wobei die schon im Kalten Krieg vorliegenden Narrative von gegenseitiger Wahrnehmung der Aggression durch die „andere“ Partei und von „Gegenmaßnahmen“ auf diese subjektiv wahrgenommene Bedrohung auf beiden Seiten sich an die Vorbilder aus der Zeit des Kalten Krieges anzunähern schien. In diesem Teil der Betrachtungen werden daher die Ereignisse im Nordraum bis Ende 2018 sowie die Aktivitäten im zentralen und südostwärtigen Bereich Europas einschließlich des Schwarzmeer-Raumes und des Mittelmeeres dargestellt.

Im Zusammenhang sowohl in zeitlicher Hinsicht vom 26. Oktober bis 8. November 2018 als auch strategisch-operativ durch die Lageannahme mit dem Manöver „Trident Juncture 18“ stand auch in der östlichen Ostsee das seit 2007 jährlich von der NATO als Einladungsmanöver abgewickelte Manöver „Northern Coasts“, das allerdings eine eigenständige nicht in „Trident Juncture 18“ eingebundene Übung bildete. Dabei ging es um das Freihalten der Kommunikationslinien zur See in der Ostsee, die nach dem Bottnischen und Finnischen Meerbusen führen und eine Alternative für Transporte und Verlegungen nach Nordnorwegen bieten würden. Die erst kürzlich aufgestellte „Very High Readiness Joint Task Force“ der NATO hatte 2017 im Rahmen des Manövers „Noble Jump 2017“ ihre rasche Verfügbarkeit und kurzfristige Verlegbarkeit im Rahmen des NATO „Readiness Action Plan“ unter Beweis zu stellen. Das Kernelement der insgesamt fast 3.000 Soldaten umfassenden VHJTF bildete zu dem Termin die 20th (UK) Armoured Brigade zusammen mit Teilen der 11th (UK) Infantry Brigade. Dazu kamen Einheiten aus den USA, Deutschland, den Niederlanden, Norwegen, Polen und Spanien. Die Übung wurde geleitet vom Kommando der NATO Multi-National Division Südost mit Hauptquartier in Bukarest. Dieses Kommando führte im März und April 2017 Vorbereitungsseminare für die unterstützende Logistik aus Griechenland, Bulgarien und Rumänien sowie Personal aus Albanien und Lettland durch und im Mai erfolgte dann eine Alarmierung der beteiligten Kräfte der VHJTF, die dabei in ihren jeweiligen Standorten überprüft und qualifiziert wurden.

Das Großmanöver „Saber Guardian 17“ fand zwischen dem 5. und 23. Juli in verschiedenen Gebieten Ungarns, Rumäniens und Bulgariens mit rund 25.000 Teilnehmern aus 22 NATO-Staaten und acht Partnerländern ) statt und bildete das größte der insgesamt 18 im Jahre 2017 in der Region Balkan-Schwarzes Meer durchgeführten Manövern im direkten oder indirekten Rahmen der NATO. Als Lead Nations fungierten die USA, die auch 14.000 Soldaten stellten, und Bulgarien.

Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr fand auch 2018 eine Großübung der Reihe „Dynamic Front“ zwischen dem 23. Februar und 10. März statt. In dieser von der U.S. Army Europe geleiteten Übung waren über 3.500 Teilnehmer aus 26 Nationen einbezogen, wobei Artilleriebatterien und Kampfflugzeuge für die Luftnahunterstützung durch die amerikanischen, britischen, deutschen, französischen, polnischen und tschechischen Streitkräfte eingebracht wurden.

Die im April 2018 beginnende Truppenrotation im Rahmen der US-Operation „Atlantic Resolve 2018“ bezog sich vorrangig auf die drei baltischen Staaten, Polen und Deutschland.

Der Beitrag bietet zudem einen Überblick über die 2018 abgehaltenen Großmanöver im Schwarzen Meer und im Mittelmeer.

 Summary

In the first part of this contemplation, the manoeuvres of NATO and Russia in the European-Arctic Northern North and Baltic Sea region in 2017 until October 2018 were described. The greatest events – albeit with differing numbers of participants – the NATO manoeuvre „Trident Juncture 2018“ as well as the Russian manoeuvre “Zapad 2017”, but also the considerable number of manoeuvres with smaller dimensions made it clear in this context that the overall military strategic situation in this significant area had changed since 2014, at least from the vantage point of the actors. Especially for the West and North European NATO members as well as the Scandinavian neutral states, an increasing interest in the demonstration of the capabilities for dealing with possible crisis situations were the result. This also became obvious in Russia’s behaviour concerning manoeuvres, whereas the narratives already existing in the Cold War - the perception of an aggression by the “other” party and of “counter measures” against this subjectively perceived threat – appeared to approach the paragons from the time of the Cold War on both sides. In this part of the contemplations, therefore, the events in the northern area until the end of 2018 as well as the activities in the central and southeast area of Europe, including the Black Sea area and the Mediterranean, are delineated. A connection, both concerning time - from 26th October until 8th November 2018 - and the strategic-operational situational assumption coming from the manoeuvre „Trident Juncture 18“, existed with the manoeuvre “Northern Coasts” taking place in the eastern Baltic Sea, which had been taking place since 2007 every year, although this manoeuvre was an exercise of its own and was not embedded in „Trident Juncture 18“. Here, the objective was keeping clear the lines of communication in the Baltic Sea, which lead to the Gulfs of Bothnia and Finland, and which would offer an alternative for transports and transferrals to Northern Norway. Thus, the „Very High Readiness Joint Task Force“ (VHRJTF), which had been established by NATO only a short time before, had to prove its rapid readiness and short-term deployability in the course of the manoeuvre „Noble Jump 2017“ according to the NATO „Readiness Action Plan“. At that time, the core element of this VHJTF consisting of a total of 3.000 soldiers was the 20th (UK) Armoured Brigade together with parts of the 11th (UK) Infantry Brigade, and additionally, units from the USA, Germany, the Netherlands, Norway, Poland, and Spain. The exercise was led by the NATO Multi-National Division Southeast Command with its headquarters in Bucharest. In March and April 2017, this Command performed preparatory seminars for the supporting logistics from Greece, Bulgaria, and Romania, as well as for personnel from Albania and Latvia. Afterwards, in May, the forces participating in the VHJTF were alerted, validated and finally qualified in their actual garrisons. The large-scale manoeuvre „Saber Guardian 17“ took place with about 25.000 participants, from 22 NATO states and eight partner nations, in different areas of Hungary, Romania and Bulgaria, from 5th to 23rd July, and thus was the greatest of a total of 18 NATO manoeuvres taking place in 2017 in the Balkans and Black Sea region. The USA – who deployed 14.000 soldiers - and Bulgaria were lead nations. In the military training area Grafenwörth, a large-scale manoeuvre of the „Dynamic Front“ series took place in 2018 as well, from 23rd February until 10th March. This exercise was led by the U.S. Army Europe, with 3.500 participants from 26 nations, whereas artillery companies and warplanes for close air support were contributed by American, British, German, French, Polish and Czech armed forces. The troops rotation, which began in Aril 2018 in the framework of the US-operation „Atlantic Resolve 2018“, mainly concerned the three Baltic States, Poland and Germany. Additionally, this essay offers an outline of the large-scale manoeuvres in the Black Sea and the Mediterranean in 2018.

 Sommaire

Dans la première partie de cette analyse, on a présenté les activités de manœuvre de l’OTAN et de la Russie dans la région nord de l’Europe et dans la mer Baltique, de 2017 à octobre 2018. Les événements les plus grands, même si avec un nombre différent de participants, furent la manœuvre de l’OTAN nommée « Trident Juncture 2018 » et la manœuvre russe nommée « Zapad 2017 ». Il y eut aussi un nombre considérable de manœuvres de plus petites dimensions qui, au total, soulignait le changement de la situation militaro-stratégique depuis 2014 dans une région qui, du point de vue des acteurs, était très importante. Surtout les pays-membres de l’OTAN de l’ouest et du nord de l’Europe ainsi que les pays neutres de la Scandinavie montrèrent un intérêt croissant pour la démonstration des capacités de la maîtrise de crises possibles. Cela se montra aussi dans le comportement de la Russie pendant les manœuvres. Dans ce contexte, il faut mentionner que déjà pendant la Guerre froide, les rapports sur la perception mutuelle de l’agression par les partis opposés et les mesures prises contre ces menaces subjectivement perçues semblaient s’approcher des exemples du temps de la Guerre froide. Dans cette partie de l’analyse, on présentera donc les événements qui se sont produits dans la région nordique jusqu’à la fin de 2018 ainsi que les activités dans la région centrale et sud-est de l’Europe, y inclus la région de la mer Noire et de la Méditerranée. De plus, la manœuvre nommée « Northern Coasts », manœuvre conduite par l’OTAN comme « manœuvre d’invitation » chaque année depuis 2007, doit être vue dans un contexte temporel (26 octobre au 8 novembre) et opérationnel-stratégique avec la manœuvre « Trident Juncture 18» parce qu’elle fut basée sur la même situation initiale. Néanmoins, « Northern Coasts » fut conduite comme une manœuvre indépendante sans être intégrée dans l’exercice « Trident Juncture 18 ». La manœuvre « Northern Coasts » avait comme but de maintenir libres les lignes de communication maritimes dans la mer Baltique menant vers les Golfes de Botnie et de Finlande et qui présenteraient une alternative pour des transports et des déploiements de troupes dans le nord de la Norvège. En 2017, la « Very High Readiness Joint Task Force » (force opérationnelle interarmées à très haut niveau de préparation) de l’OTAN, groupement récemment formé, a dû prouver sa disponibilité rapide dans le cadre de la manœuvre « Nobel Jump 2017 », et sa capacité de déploiement à court terme dans le cadre du plan d’action « réactivité » (Readiness Action Plan) de l’OTAN.

L’élément central des presque 3000 soldats au total de la VHJTF fut, à cette époque, composé par la 20e Brigade blindée (Royaume-Uni) et des unités de la 11e Brigade d’infanterie (Royaume-Uni). Des unités venant des USA, de l’Allemagne, des Pays-Bas, de la Norvège, de la Pologne et de l’Espagne s’y ajoutèrent. La manœuvre fut commandée par le quartier général de la Division multinationale sud-est de l’OTAN, stationné à Bucarest. Ce quartier général a organisé des séminaires de préparation en mars et avril 2017 en faveur du soutien logistique fourni par la Grèce, la Bulgarie et la Roumanie ainsi que pour le personnel venant de l’Albanie et de la Lettonie. En mai, les forces de la VHJTF prévues pour la manœuvre furent alarmées, inspectées et évaluées dans leurs garnisons respectives. La grande manœuvre nommée « Saber Guardian 17 » a eu lieu entre le 5 et le 23 juillet dans différentes régions en Hongrie, Roumanie et en Bulgarie avec environ 25000 participants de 22 états membres et 8 états partenaires de l’OTAN, représentant ainsi la plus grande des 18 manœuvres de 2017 conduites dans le cadre direct ou indirect de l’OTAN dans la région du Balkan et de la mer Noire. La manœuvre fut commandée par les USA, qui avaient fourni 14000 soldats, et par la Bulgarie. On a aussi mené un grand exercice de la série « Dynamic Front » sur le terrain d‘exercice militaire de Grafenwöhr entre le
23 février et le 10 mars 2018. Cet exercice, commandé par l’Armée américaine en Europe, comprenait plus de 3500 participants de 26 nations. Les forces américaines, britanniques, allemandes, françaises, polonaises et tchèques y apportèrent des batteries d’artillerie et des avions de combat pour le soutien aérien rapproché. La rotation de troupes qui commença en avril 2018 dans le cadre de l’opération américaine « Atlantic Resolve 2018 » fut surtout liée aux trois états baltiques ainsi qu’à la Pologne et à l’Allemagne. Cet article fournit en outre une vue d’ensemble des grandes manœuvres conduites dans la mer Baltique et en Méditerranée en 2018.

Friedrich K. Jeschonnek
Die Rolle von Streitkräften während der Berlin-Krise 1948/49

 Zusammenfassung

Streitkräfte sind Instrumente der Außen- und Sicherheitspolitik. Sie verkörpern zugleich einen Teil der Macht eines Staates oder einer Staatengemeinschaft. Sie dienen der Sicherung gesamtstaatlicher Interessen, der Abschreckung potenzieller Feindstaaten, dem Schutz bzw. der Verteidigung oder Rückgewinnung des eigenen oder verbündeten Staatsgebietes, der Krisenbewältigung und der Stabilisierung von Krisengebieten. Darüber hinaus werden Streitkräfte eingesetzt, um Gebiete eines völkerrechtlichen Mandates zu kontrollieren. In der Krise um Berlin 1948/49 dienten Streitkräfte zu deren Bewältigung, ohne sich dabei in Kampfhandlungen zu verwickeln. Nachstehend werden Aufgaben, Fähigkeiten und Rolle von Streitkräften während der Krise beschrieben. Es wird dargestellt, wie militärische Kräfte und eine humanitäre Lufttransportorganisation sicherheitspolitische Handlungsoptionen und gesamtstaatliches Entscheidungsverhalten der Regierungen bestimmten. Ergänzend wird aufgezeigt, wie militärische Erfahrungen der Berlin-Krise Sicherheitspolitik und Streitkräfteentwicklung im Kalten Krieg beeinflussten. Die Sperrung der Zugänge von und nach Berlin 1948/49 war die erste schwere Krise, die sich aus ideologischen Auseinandersetzungen und unterschiedlichen machtpolitischen Interessen zwischen den ehemaligen Siegermächten des Zweiten Weltkrieges entwickelte. Einsatz und Erfolg einer zunächst improvisierten, dann professionell organisierten Luftversorgung der West-Sektoren Berlins ermöglichte den Alliierten politische Handlungsfreiheit und die Fortsetzung ihrer Politik. Eine erfolgreiche Luftbrücke zwang die Sowjetunion zur Aufgabe ihrer Blockade, ohne ihre politischen Ziele in Deutschland und Westeuropa zu erreichen. Auch sie hatte kein Interesse an einem Krieg um Berlin. Allerdings versuchte sie in der Folgezeit vergeblich immer wieder mit diplomatischen Druckmitteln, Propaganda, technischen Erschwernissen und Mauerbau, die Alliierten zur Aufgabe West-Berlins ohne Waffeneinsatz zu nötigen.

Die militärische Kräftelage vor und während der Berlin-Krise führte den westlichen Politikern vor Augen, wie wichtig es ist, über ein breites Fähigkeitsspektrum verfügende, einsatzbereite Streitkräfte - einschließlich Nuklearwaffen - zu besitzen. Die Luftbrücke war eine Notlösung, deren Erfolg der hohen Leistungsbereitschaft des eingesetzten Zivil- und Militärpersonals geschuldet ist. Die Luftbrücke hätte auch scheitern können, wären nicht entsprechende Prioritäten gesetzt und an der Optimierung der Organisation gearbeitet worden. Die Luftbrücke war das „Zünglein an der Waage“, das im Krisenvorlauf zugunsten des Westens ausschlug. Sie trug zugleich wesentlich zur Entwicklung belastbarer, dauerhaft vertrauensvoller Beziehungen zwischen der deutschen Bevölkerung und den ehemaligen westlichen Siegermächten bei. Derartige schwelende Konflikte mit periodisch wiederkehrenden Krisen ohne Ausbruch von direkten Kampfhandlungen zwischen den Großmächten USA und Sowjetunion prägten über vier Jahrzehnte die sicherheitspolitische Entwicklung in der Welt. Die Auseinandersetzungen gingen unter dem Begriff „Kalter Krieg“ in die Geschichte ein. Die sicherheitspolitischen und militärischen Erfahrungen der Berlin-Krise förderten den schnellen Aufbau der NATO-Strukturen und der Entwicklung neuer westlicher Militärstrategien wie Massive Retaliation bzw. Flexible Response. Konzeptionen außenpolitischen Krisenmanagements erhielten aus der Berlin-Blockade wertvolle Impulse und Anregungen.

 Summary

Armed forces are instruments of foreign and security policy. At the same time, they represent one segment of the power of a state or a confederation of states. They are supposed to guarantee the safeguarding of national interests, the deterrence of potential adversary states, the protection and/or defence or retrieval of own or confederated territory, crisis management, and the stabilization of crisis areas. Additionally, armed forces are deployed for controlling the areas under public international law. In the crisis of Berlin 1948/49, armed forces were used for overcoming it without being involved in action. In the following, the tasks and the role of armed forces during the crisis are described. Thus, it is described how military forces as well as a humanitarian air transport organisation determined the security-political action alternatives and the overall national decision behaviour. In supplement to this, it is demonstrated how the military experiences made during the Berlin Crisis influenced the security policy and the development of the armed forces during the Cold War. The prohibition of the entrances from and into Berlin was the first serious crisis which developed from ideological disputes and different power-political interests between the former victor powers of the Second World War. The deployment and success of the at first improvised and afterwards professionally organised air supply of the western sectors of Berlin gave the Allies political freedom of action and continuation of their policy. The successful airlift forced the Soviet Union (SU) to give up its blockade without achieving its political objectives in Germany and Western Europe. The SU was not interested in a war for Berlin, neither. On the other hand, in the period following, the SU vainly attempted repeatedly to compel the Allied to give up West Berlin without force of arms, by means of diplomatic pressure, propaganda, technical complications, and the building of the Wall. The military balance of forces before and during the Berlin Crisis showed the Western politicians how important it is to have armed forces with a wide spectrum of capabilities – including nuclear weapons - at one’s disposal. The airlift was a compromise solution, and its success was caused by the high motivation of the deployed civilian and military personnel. The airlift might also have failed, but appropriate priorities had been assessed, and people worked on an optimization of the organisation as well. In the course of the crisis, the airlift represented the balance in favour of the West. At the same time, it considerably contributed to the development of resilient and durably relationships between the German population and the former Western victors’ powers. Such smouldering conflicts with recurrent crises without the outbreak of direct operations between the superpowers USA and SU characterized the security-political development in the world for four decades. These disputes entered history with the term „Cold War“. The security-political and military experiences made in the course of the Berlin Crisis fostered the rapid establishment of the NATO structures as well as the development of new Western military strategies, such as Massive Retaliation and/or Flexible Response. The conceptions of foreign political crisis management received valuable impulses and stimuli from the Berlin Blockade.

 Sommaire

Les forces armées sont les instruments de la politique extérieure et de sécurité. Elles représentent en même temps une partie du pouvoir d’un état ou d’une communauté d’états. Elles servent à la sauvegarde des intérêts communs d’un état, à la dissuasion d’états ennemis potentiels, à la protection et à la défense du territoire du propre état ou d’un état allié (ou à sa reconquête), à la maîtrise de crises et à la stabilisation de régions de crise. De plus, les forces armées sont employées pour contrôler des régions soumises à un mandat juridique international. Pendant la crise de Berlin en 1948/49, les forces armées ont servi à la maîtrise de cette crise sans être impliquées dans des opérations de combat. Les tâches, compétences et rôles des forces armées dans cette crise seront décrits ci-dessous. On va démontrer comment des forces militaires et une organisation humanitaire de transport aérien ont déterminé les options politiques de sécurité et les décisions gouvernementales portant sur tout l’état. De plus, on va expliquer comment les expériences militaires faites pendant la crise de Berlin ont influencé la politique de sécurité et le développement des forces armées pendant la Guerre froide. Le blocage des accès vers et hors de Berlin en 1948/49 fut la première crise grave qui s’était développée à partir d’affrontements idéologiques et de différents intérêts de pouvoir politique entre les anciennes puissances victorieuses de la Seconde Guerre mondiale. L’utilisation et le succès d’un approvisionnement aérien, d’abord improvisé et puis professionnellement organisé, du secteur occidental de Berlin a donné aux Alliés une liberté d’action politique et leur a permis de continuer leur politique. Le succès de ce pont aérien a forcé l’Union soviétique à abandonner le blocage sans avoir atteint ses buts politiques en Allemagne et en Europe de l’Ouest. L’Union soviétique n’avait pas non plus intérêt à une guerre autour de Berlin. Néanmoins, elle essaya plus tard encore et encore, mais en vain, par pression diplomatique, propagande, obstacles techniques et la construction d’un mur, de contraindre les Alliés à abandonner Berlin-Ouest sans utilisation d’armes. La situation de pouvoir militaire avant et pendant la crise de Berlin a montré aux personnes politiques occidentales combien il est important de disposer de forces armées opérationnelles avec une large gamme de capacités, y compris des armes nucléaires. Le pont aérien fut une solution de fortune qui a dû son succès à la grande performance des personnes civiles et militaires. Le pont aérien aurait aussi pu être un échec si on n’avait pas fixé des priorités appropriées et si on n’avait pas constamment optimisé son organisation. Le pont aérien fut le facteur décisif qui, au cours de la crise, à fait basculer l’aiguille en faveur de l’Occident. En même temps, il a contribué considérablement au développement de relations solides, durables et confiantes entre la population allemande et les anciennes puissances victorieuses occidentales. De tels conflits latents, avec des crises récurrentes sans éclat de combats directs entre les USA et l’Union soviétique, ont caractérisé pendant quatre décennies le développement de la politique de sécurité dans le monde entier. Ces affrontements sont entrés dans l’histoire comme la « Guerre froide ». Les expériences faites, du point de vue de la politique de sécurité et militaire, pendant la crise de Berlin ont stimulé la création rapide des structures de l’OTAN et le développement de stratégies militaires occidentales comme la « massive retaliation » (riposte massive) et la « flexible response » (riposte graduée). Ainsi, le blocage de Berlin a donné de précieuses impulsions et suggestions aux conceptions de gestion de crises en politique extérieure.

Holger Alisch/Stephan Maninger
Die Entmilitarisierung des Krieges
„Man kann wissen, wie man siegt, ohne fähig zu sein, es zu tun“ - Sun Tsu

 Zusammenfassung

Für Beobachter im späten Mittelalter kam das Ende des feudalen Gewaltmonopols überraschend und wurde maßgeblich bestimmt durch die Einführung von Schießpulver. Jahrelange Investitionen in Ausbildung, ein breites Spektrum an Waffen, Bildung, Rüstung und Ross, konnten durch eine Bleikugel, abgefeuert von einem Analphabeten mit kurzer Einweisung in eine kostengünstige Luntschlossmuskete, im Bruchteil einer Sekunde ausgelöscht werden. Dies bedeutete eine revolutionäre „Demokratisierung“ von Macht, auf der die späteren nationalstaatlichen Massenheere, und die Renaissance der „Athenischen Demokratie“, im Sinne des „Bürger in Uniform“, beruhten.

Die exponentielle Entwicklung von Technologie im 21. Jahrhundert stellt moderne Streitkräfte vor eine ähnliche Herausforderung; die einer zunehmenden „Entmilitarisierung“ des Krieges in einem Zeitalter strategischer Ungewissheit. Die klassischen strategischen Dimensionen des 20. Jahrhunderts, nämlich See, Land und Luft, wurden ergänzt durch die Bereiche „Weltraum“ und „Cyber“. Daraus ergibt sich eine erhöhte Komplexität, bestehend aus den Synergien einer simultanen Anwendung multipler Kriegsmethoden. Dies geht einher mit einer „Zivilisierung“ der Streitkräfte, im Sinne von rechtlichen und moralischen Einschränkungen, deren Verbindlichkeit nicht zuletzt auch durch die Wirkung von Berichterstattung, öffentlicher Meinung und sozialen Medien bestimmt wird. Rechnung tragend mit vielen dieser Veränderungen, befinden sich Sicherheitsbehörden in einem dauerhaften Anpassungsprozess, getrieben durch Globalisierung und der revolutionären Auswirkung von Informationstechnologien. Das Militär, unter dem „Primat der Politik“, sieht sich inzwischen mit einem Aufgabenspektrum konfrontiert, das zwischen Polizei-, Stabilisierungs- und Rettungsaufgaben abwechselt und herkömmlich auch als „operations other than war“ bezeichnet wird. Dem Utopie-Prinzip verpflichtete Pazifisten mögen diese Entwicklung intuitiv für begrüßenswert halten, dem Realitätsprinzip verpflichtete Beobachter erkennen dies hingegen als einen historischen Umbruch sicherheitspolitischer Grundsätze. Von diesem neuen Aufgabenspektrum berührte Komplexe wie Staatssouveränität, Völkerrecht und institutionelle Zuständigkeiten verändern sich schnell und nachhaltig, sodass Fähigkeiten und Entscheidungsprozesse kaum mit den sich wandelnden Bedrohungen und Verwundbarkeiten Schritt halten können. Der Beitrag soll ein Licht auf die Veränderungen werfen, welche das digitale Zeitalter für klassische militärischen Wirkmittel und Handlungsoptionen mit sich bringt. Erhöhte Mobilität und erweiterte Wirkungsmöglichkeiten von Informationstechnologie haben somit eine Individualisierung von Krieg und Konflikt erzeugt. Dadurch ergibt sich der dringende Bedarf an verbesserter Detektionsfähigkeiten von innerhalb hochanpassungsfähiger Netzwerke operierender Schlüsselpersonen. Ihre Rolle als Bedrohung und die erforderlichen Abwehrmechanismen werden mittlerweile als „I-Krieg“ (Individualism, Identity, Information) bezeichnet. Sie frühzeitig zu identifizieren ist die Herausforderung der Zukunft, denn sie sind weder in Uniform, noch sind sie räumlich bzw. geographisch zwingend an ein operatives Gebiet, eine „Front“ oder ein „Schlachtfeld“, gebunden. Sie werden überall vorgefunden, im Einsatz- wie auch im Heimatgebiet. Die Zusammenarbeit von Zivil- und Sicherheitsbehörden erfordern somit einen viel höheren Aufwand, weil durch das gestiegene Bedrohungspotenzial einzelner oder weniger Personen der Informationsbeschaffungs- und verarbeitungsaufwand massiv ansteigt. Es erfordert die massenhafte Erhebung, Kategorisierung und Abgleichung biographischer, biometrischer und forensischer Datenmengen, um zwischen Gefährdern und Unbeteiligten unterscheiden zu können. Gleichzeitig wird dadurch eine riesige digitale Infrastruktur geschaffen, die wiederrum selbst eine Verwundbarkeit darstellt. Die Welt hat den Wandel aus einem datenarmen Umfeld mit hoher Vorhersagbarkeit zu einem datenreichen Umfeld mit geringer Vorhersagbarkeit vollzogen. Die Konflikte der Zukunft werden immer weniger im Bereich des Kinetischen stattfinden oder entschieden. Letztlich bedeutet die Verfügbarkeit von dualen Technologien, die Teilverschiebung von „Krieg“ in den Cyberbereich, dass weder Angriffe noch Reaktionen sofort sichtbar sein werden. Was bisher ein eindeutiger Kriegsakt oder Anschlag war, erkennbar durch physische Schäden und zeitlichem Ablauf, bleibt im „Cyberschlachtfeld“ oftmals verdeckt. Das klassische Militär, als fundamentaler Bestandteil und Garant nationalstaatlicher Souveränität, wird sich durch die Entmilitarisierung von Krieg im dauerhaften Reformzustand befinden. Der Spagat zwischen ziviler Flexibilität und dem überlebenswichtigen Erhalt militärischer Tugenden, einhergehend mit dem Zerfall der Grenzen zwischen innerer und äußerer Sicherheit, wird Führungskräfte aller Sicherheitsinstitutionen zu einer intensiven Dauerkooperation mit anderen Behörden zwingen. Dass den nationalstaatlichen Strukturen diese Anpassung gelingen wird, ist keineswegs sicher.

 Summary

For the observers of the late Middle Ages, the end of the feudal monopoly on violence was surprising, and it was decisively determined by the introduction of gunpowder. Long lasting investments in training, a wide spectre of weapons, education, armaments and horses, now could be extinguished by one single lead ball fired by an illiterate with only a short briefing on a much cheaper wick breech musket in a fraction of a second. This was a revolutionary “democratization” of power, and the national mass armies developing later on, as well as the renaissance of the “Athensic Democracy” in the sense of the “citizen in uniform” were based on it. The exponential development of technology of the 21st century represents a similar challenge for modern armed forces – the increasing “demilitarization” of war in an era of strategic incertitude. The classical strategic dimensions of the 20th century – Sea, Land, and Air – have been supplemented by the dimensions “Space” and “Cyber”. Hence follows a higher complexity consisting of the synergies of simultaneous application of multiple methods of war. Consequently, thereof, we detect “civilization” of the armed forces in the sense of legal and moral limitations, and their liability is determined – among other things – by the effects of reporting, public opinion, and social media. As a consequence of all these changes, security authorities are in a permanent adjustment process, driven by globalisation and by the revolutionary effect of information technologies. In the meantime, the military under the „primacy of politics“ is confronted with a spectre of tasks alternating between police, stabilization and rescue tasks, traditionally termed „operations other than war“. Although pacifists committed to the principle of Utopia intuitively might welcome this development, observers committed to the principle of reality, on the other hand, here perceive a historical upheaval of security-political principles. Complexes such as national sovereignty, international law, and institutional responsibilities, which are influenced by this new spectre of tasks, change rapidly and deeply, so that capabilities and decision-making processes can hardly keep up with the changing threats and vulnerabilities. This essay is supposed to throw light on the changes the digital era yields for the classical military effecting means and action alternatives. Thus, increased mobility and the enhanced possibilities of action of information technology have generated an individualization of war and conflict. Thereby this results in the urgent need of improved capabilities to detect key players operating in highly adaptive networks. Their role as a threats as well as the necessary interception mechanisms are referred to as “I-War” (Individualism, Identity, Information). Identifying them in good time is the challenge of future, as they neither wear uniform, nor are they compulsively confined to a spatial or geographical operational area, a “front” or a “battlefield”. One can find them everywhere, both in the area of operation and at home. The cooperation of civil and security authorities thus require higher efforts, because – due to the increasing threat potential of single or few persons - the expenses for acquiring and processing information increase massively as well. In order to differentiate between endangering and uninvolved persons, we are in need of plentiful inquiries, categorizations and alignments of large quantities of biographic, biometric and forensic data. At the same time vast digital infrastructures are to be established, which in turn represent vulnerability. Thus, the world has performed the mutation from an environment with few data and high predictability to an environment with vast multitudes of data with low predictability. The future conflicts will decreasingly take place or be determined in the kinetic spectrum. Therefore, the availability of dual technologies, and the partial shift of “war” into the Cyber dimension, have the effect that neither attacks nor reactions will be visible immediately. Obvious acts of war and attacks, discernible by physical damages and phased timing, will often remain undetected on the “Cyber battlefield”. The classical military as a fundamental constituent part and guarantor of national sovereignty will be in a permanent state of reformation, due to the demilitarization of war. The balancing act between civil flexibility and the vital conservation of the military virtues, together with the disaggregation of the borderlines between home and foreign security, will force the leaders of all security institutions to cooperate intensively and permanently with other authorities. On the other hand, it is not at all certain that the national structures will be successful in this matter.

 Sommaire

Pour des observateurs à la fin du moyen-âge, la chute du monopole féodal fut une surprise, surtout influencée par l’introduction de la poudre à canon. Des investissements et formations à long terme, un large éventail d’armes, d’éducation, d’armures et de chevaux pouvaient être effacés en une fraction de seconde par une balle à plomb tirée par un analphabète après une brève instruction sur l’utilisation d’un mousquet à mèche bon marché. Cela signifia une « démocratisation » révolutionnaire du pouvoir sur lequel reposèrent plus tard les armées de masses nationales ainsi que la renaissance de la « démocratie athénienne » dans le sens du « citoyen en uniforme ». Le développement exponentiel de technologie au 21e siècle a confronté les forces armées à un défi semblable : celui d’une « militarisation » croissante de la guerre dans une période d’incertitude stratégique. Les dimensions stratégiques classiques du 20e siècle, c’est-à-dire mer, terre et air, furent complétées par les domaines « espace » et « cyber ». Il en résulte une complexité accrue qui se compose des synergies d’une application simultanée de multiples méthodes de guerre. Cela s’accompagne d’une « civilisation » des forces armées dans le sens de restrictions légales et morales, civilisation dont l’obligation, dans une bonne mesure, est dominée par la couverture médiatique, par l’opinion publique et les médias sociaux.

Prenant en compte beaucoup de ces changements, les organismes de sécurité se trouvent dans un processus d’adaptation permanent qui est poussé par la globalisation et les effets révolutionnaires des technologies d’information. Le militaire, sous le « primat de la politique », se voit, entre-temps, confronté à un éventail de tâches qui alterne entre des missions policières, missions de stabilisation et missions de secours ; un éventail qui, traditionnellement, est aussi nommé « operations other than war » (opérations hors de guerre). Il est possible que les pacifistes qui s’engagent envers le principe d’utopie estiment intuitivement que ce développement est le bienvenu. Néanmoins, les observateurs qui s’engagent envers le principe de réalité perçoivent ce développement comme un bouleversement historique de principes de la politique de sécurité. Des complexes affectés par ce nouvel éventail de tâches, comme par exemple la souveraineté étatique, le droit international et les compétences institutionnelles, changent vite et durablement. Ainsi, les capacités et les processus de prise de décision ne peuvent pas garder la cadence avec les menaces et les vulnérabilités changeantes. Cet article est destiné à projeter de la lumière sur les changements que l’ère digitale entraîne pour les moyens et options d’action militaires. Une mobilité accrue et des possibilités d’action élargies de la technologie d’information ont ainsi produit une individualisation de guerre et de conflit. Cela résulte en une nécessité urgente de capacités améliorées de détection de personnes clés qui agissent à partir de l’intérieur de réseaux hautement adaptables. Leur rôle en tant que menace et les mécanismes de défense nécessaires sont, entre-temps, nommés « Guerre I » (individualisme, identité, information). Leur identification précoce sera le défi du futur parce qu’elles ne portent pas d’uniforme et elles ne sont pas non plus forcément liées á une région, un « front » ou un « champs de bataille ». On les trouve partout, dans des zones d’opération étrangères ainsi que sur le territoire national. La coopération avec les organismes civils et de sécurité exige ainsi des efforts plus élevés parce que le potentiel de menace accru venant d’individus singuliers ou en petit nombre mène à un effort massivement renforcé de collection et de traitement d’informations. Cela exige la collecte, catégorisation et comparaison massive de données biographiques, biométriques et forensiques pour pouvoir différencier entre perturbateurs présumés et des personnes non impliquées. En même temps, cela crée une gigantesque infrastructure digitale qui, à son tour, constitue une vulnérabilité. Le monde a fait un changement d’un environnement pauvre en données mais de haute prévisibilité vers un environnement riche en données mais de faible prévisibilité. Les conflits du futur se passeront ou seront décidés de moins en moins dans le domaine kinétique. Finalement, la disponibilité de technologies duales signifie un déplacement partiel de la « guerre » vers le domaine « cyber », ce qui ne rendra pas tout de suite visible des attaques ni des réactions. Ce qui, jusqu’à présent, a été un acte guerrier ou une attaque, perceptible par des endommagements physiques et par le déroulement temporel, reste souvent couvert sur le « champ de bataille cyber ». Le militaire classique, en tant que base et garant de la souveraineté nationale, se trouvera toujours dans un état de réforme grâce à la démilitarisation de la guerre. Le grand écart entre la flexibilité civile et le maintien des vertus militaires vitales, en parallèle avec la chute des frontières entre la sécurité interne et externe, forcera les cadres de toutes les institutions de sécurité à une intense coopération permanente avec d’autres autorités. Il n’est pas du tout certain que les structures nationales étatiques arriveront à une telle adaptation.

Hermann Häusler/Gerald Gnaser/Friedrich Teichmann
Die Wissensentwicklung im MilGeo-Wesen des Österreichischen Bundesheeres - Teil 2

 Zusammenfassung

Während im ersten Teil dieses Beitrags der Begriff MilGeo-Wesen in seinen zahlreichen Facetten dargestellt sowie das IMG - das Institut für Militärisches Geowesen - in seiner Entwicklung und Gegenwart beschrieben wurde, erfolgen nunmehr im zweiten Teil die Einführung des Begriffs Wissenspyramide, eine Detaillierung des Konzepts der Wissenspyramide sowie die entsprechenden Ableitungen für den MilGeo-Expertenstab. Zentrales Thema deutschsprachiger Veröffentlichungen über ein nachhaltiges Wissensmanagement im Unternehmenskontext ist die Erläuterung des Bildes der „Wissenstreppe“, das die Zusammenhänge der Begriffe von Daten über Informationen, Wissen, Können, Handeln und Kompetenz bis hin zur Wettbewerbsfähigkeit verdeutlicht. Klaus North und Ronald Maier betrachten die „Digitale Gesellschaft“ des 21. Jahrhunderts als „Wissensgesellschaft 4.0“. Ihr Modell der „Wissenstreppe 4.0“ symbolisiert die wissensbasierte Wertschöpfung von Unternehmen, die zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit führt. Wie schon von der Wissenspyramide her bekannt, beruhen die digitalen Technologien für eine wissensbasierte Wertschöpfung auf IT-Ansätzen der Daten- und Informationsverarbeitung, deren Vernetzung zu Wissen führt. Wird unter Kompetenz nach Klaus North die Umsetzung des Wissens in zweckorientierte, situationsadäquate Handlungen verstanden, so wird in der Wissenstreppe 4.0 die digitale Wissensdienstleistung zur Erhöhung der unternehmerischen Wettbewerbsfähigkeit erreicht. Etwas abgeändert lässt sich dieses Kompetenzkonzept einer stufenweisen Wissensgenerierung auch für militärgeowissenschaftliche Untersuchungen anwenden.

Ab dem Jahr 2000 wurde unter Brigadier Mag. Dr. Reinhard Mang und Oberst dhmtD Mag. Gerald Gnaser systematisch der Miliz-Expertenstab des IMG aufgebaut. Damit wurde auch organisatorisch im Stab des Institutes für Militärisches Geowesen die Methoden- und Fachkompetenz für das „Kommando Führungsunterstützung und Cyber Defence“ von der traditionellen „Militärgeographie“ zu den militärischen Geowissenschaften erweitert. Seit rund 20 Jahren haben sich Aufbau und Funktionsweise des Expertenstabes am IMG voll bewährt. Generell im Zweijahresrhythmus zu einer Sonderwaffenübung bzw. beorderten einwöchigen Waffenübung einberufen, wurden vom Expertenstab neben der militärischen Fortbildung teamweise aktuelle MilGeo-Spezialaufgaben bewältigt. Forschung und Entwicklung wird am Institut für Militärisches Geowesen aktuell durch das Referat „Geo-Grundlagen“ gesteuert. Grundlage der MilGeo-Milizfortbildung bildet ein internes MilGeo-Curriculum, etwa für anlassbezogene Planungen im Ausland oder für spezielle Studien der MilGeo-Faktorenanalyse. Verfolgt man die rasante globale Entwicklung sensorgestützter Erkundungs- und Fortbewegungsmittel, die europaweite Nutzung elektronisch verfügbarer Umweltinformationen sowie die Entwicklung von Applikationen für den zivilen und militärischen Nutzer, so stellt sich die Frage nach Entwicklung und künftigem Einsatz von Expertensystemen im Institut für Militärisches Geowesen. Definiert man ein Expertensystem als Computerprogramm, das Menschen bei der Lösung komplexer Probleme wie ein Experte unterstützen kann, wie dies bei automationsgestützten Waffensystemen etwa der Fliegerabwehr oder der U-Boot-Aufklärung seit langem der Fall ist, so könnte mit einem solchen Programm auch die eingangs erwähnte Analyse und Operationalisierung funktionaler MilGeo-Beziehungen im Rahmen von Führungsinformationssystemen entwickelt werden. Letztlich erfordern insbesondere veränderte Formen der Interaktion zwischen Mensch und intelligentem System eine Neudefinition von Expertise. Der Expertenstab des IMG verfügt jedenfalls schon heute über Kapazitäten eines entsprechenden Wissensmanagements zur professionellen Wissensorganisation und wissensorientierten Unternehmensführung des Institutes für Militärisches Geowesen.

Es ist somit zu hoffen, dass auch durch die weitere Ausstattung des Institutes für Militärisches Geowesen - unabhängig vom Ergebnis weiterer Reorganisationen - der MilGeo-Expertenstab für künftige Herausforderungen im Rahmen des Staatlichen Krisen- und Katastrophenmanagements (SKKM), im Rahmen einer künftigen gesamtstaatlichen Umfassenden Landesverteidigung, als auch im Rahmen der Europäischen Sicherheitspolitik voll zur Geltung kommen kann.

 Summary

Whereas in the first part of this essay the term military geospatial system was portrayed with its numerous facets, and the IMG – the Austrian Military Geospatial Institute – was described with its development until the present, the second part deals with the introduction of the term knowledge pyramid, the details of the knowledge pyramid concept, as well as the corresponding derivations concerning the MilGeo Expert Staff. The central topic of German-speaking publications on sustainable knowledge management in the corporate context is an explanation of the “knowledge stairs” figure, which is supposed to illustrate the coherences of the terms data, information, knowledge, proficiency, action, competence, and competitiveness. Klaus North and Ronald Maier consider the “digital society” of the 21st century to be the “Knowledge Society 4.0”. Their model of the „Knowledge Stairs 4.0“ symbolizes the knowledge-based net product of enterprises, which leads to an increase of competitiveness. As has been already known from the knowledge stairs, digital technologies for the use for knowledge-based net product are based upon the IT-approaches of data and information processing, and their interconnectedness leads to knowledge. If one understands competence according to Klaus North as the implementation of knowledge into purposeful and appropriate actions, digital knowledge services for increasing business competitiveness are achieved in the Knowledge Stairs 4.0. This competence concept of incremental knowledge generating can also be applied in a slightly altered form to military geoscientific analyses. From 2000 onwards, the militia expert staff of the IMG had been continually established by BrigGen Dr. Reinhard Mang and Col Mag. Gerald Gnaser, a process that has been going on until today. Thus, the methods and technical competence for the benefit of the “Command and Control Support and Cyber Defence Command” as well as for the IMG staff was organizationally enhanced from traditional “military geography” towards military geosciences. Structure and functionality of the IMG expert staff have been standing the test extraordinarily for nearly 20 years now. The experts have been conscripted for five-day special exercises every two years and have had to master both special MilGeo tasks and military training. In the IMG, research and development are presently coordinated by the department of basic sciences. The basis of MilGeo militia advanced education is an internal MilGeo curriculum, coordinating, for instance, occasional plannings for missions abroad, or special MilGeo factor analyses. If one tracks the fast-paced development of sensor-based exploratory and locomotion vehicles, as well as the use of electronically available environmental information all over Europe, as well as the development of applications for civil and military users, one wonders about the development and future use of expert systems in the IMG. Provided one defines an expert system as a computer program which is able to support man with solving complex problems like an expert, as has been the case with automated weapon systems such as those of anti-aircraft or submarine reconnaissance for a long time already, one could also develop the above-mentioned analysis and operationalization of functional MilGeo-relations in the framework of C4I-systems with such a program. Therefore, especially altered forms of interaction between man and intelligent systems demand a new definition of expertise. In any case, already today the IMG expert staff disposes of the capacities of correspondent knowledge management in order to organise professional knowledge and knowledge-based enterprise management. Hence, one can only hope that by further equipping of the IMG – without reference to further reorganisations – the MilGeo expert staff will be able to be fully effective in the course of future challenges in the framework of national crisis and catastrophe management, in the framework of future comprehensive national defence, and in the framework of European security policy.

 Sommaire

Dans la première partie de cet article, le terme « domaine MilGéo » fut présenté dans toutes ses facettes, et l’Institut militaro-géographique (IMG) fut décrit par rapport à son développement et sa fonction présente. La deuxième partie de cet article se concentrera sur le terme « pyramide de connaissances », sur la présentation détaillée du concept de la pyramide de connaissances ainsi que sur les déductions qui en résultent pour le Groupe d’experts MilGéo. Le sujet central des publications allemandes sur une gestion durable de connaissances dans le contexte d’une entreprise est l’explication de l’image d’un « escalier de connaissances », image qui clarifie les relations entre les données liées à des informations, expertises, actions et compétences - jusqu’aux données sur la capacité compétitive. Klaus North et Ronald Maier voient la « communauté digitale » du 21e siècle comme une « communauté de connaissances 4.0 ». Leur modèle d’un « escalier de connaissances 4.0 » symbolise la création de la valeur d’entreprises, création qui est basée sur des connaissances et qui mène à une compétitivité accrue. Comme on le sait déjà par la pyramide de connaissances, les technologies digitales utilisées pour la création d’une valeur basée sur des connaissances se fondent sur les approches informatiques du traitement de données et d’informations, approches dont l’interconnexion mène à des connaissances. Si on comprend le terme « compétence », selon Klaus North, comme la transformation de connaissances dans des actions adaptées à une certaine situation, on arrive, par l’escalier de connaissances 4.0, à un service digital de connaissances qui accroit la compétitivité d’une entreprise. Quelque peu modifié, ce concept d’une génération graduelle de connaissances peut aussi être utilisé pour des recherches géoscientifiques militaires. A partir de l’an 2000, le général de brigade Dr. Reinhard Mang et le colonel Gerald Gnaser ont systématiquement créé le Groupe d’experts réservistes de l’Institut militaro-géographique. Ainsi, on a, du point de vue organique et au profit du Commandement de soutien des Forces armées autrichiennes, élargi les compétences de l’Institut MilGéo en lui assignant non seulement des tâches traditionnelles de « géographie militaire » mais aussi des tâches géoscientifiques. Depuis 20 années environ, la structure et le fonctionnement du Groupe d’experts de l’IMG ont fait leur preuve. En général, tous les deux ans, ces experts sont convoqués pour des exercices militaires spéciaux ou des exercices d’une semaine pour s’entraîner, en équipe, à l’accomplissement de tâches spéciales actuelles dans le domaine MilGéo. Les activités de recherche et de développement de l’Institut MilGéo sont actuellement coordonnées par la section « Documents de base MilGéo ». La formation continue des réservistes MilGéo se base sur des curriculums internes, comme par exemple celui des planifications spéciales pour des opérations à l’étranger ou des études spéciales pour l’analyse de facteurs MilGéo. Si on observe le développement rapide global des moyens de reconnaissance et de transport à base de capteurs, l’utilisation paneuropéenne des informations électroniques sur l’environnement et le développement d’applications pour des utilisateurs civils et militaires, la question se pose concernant le développement et l’emploi de systèmes d’experts dans l’Institut MilGéo. Si on définit un système d’experts comme un logiciel informatique capable d’aider des êtres humains à résoudre des problèmes complexes, comme c’est par exemple depuis longtemps le cas avec des systèmes d’armes automatisés de la défense antiaérienne ou de la détection de sous-marins, on pourrait aussi, par un tel logiciel, développer l’analyse et l’opérationnalisation de relations fonctionnelles de type MilGéo dans le cadre de systèmes d’information de commandement (voir plus haut). Finalement, surtout les formes d’interaction modifiées entre l’homme et des systèmes intelligents exigent une nouvelle définition du terme « expertise ». En tout cas, le Groupe d’experts de l’IMG dispose déjà aujourd’hui de capacités suffisantes pour une gestion appropriée de connaissances capable de créer une organisation professionnelle de connaissances et pour assurer une gestion de l’Institut MilGéo orientée vers des connaissances. Il reste donc à espérer que, grâce à des ressources supplémentaires assignées à l’Institut MilGéo et indépendamment du résultat de réorganisations futures, le Groupe d’experts MilGéo se mettra pleinement en valeur vis-à-vis des défis futurs qui pourraient surgir dans le cadre de la gestion nationale de crises et de catastrophes, dans le cadre d’une défense territoriale globale, mais aussi concernant la politique de sécurité européenne.