Ausgabe 04/2017


Hannelore Kußerow/Arno Meinken/Nikolaus Scholik

Die strategische Bedeutung der Entwicklung in der Sahelzone


 Zusammenfassung

Die seit Jahren anhaltende und sich verschärfende Situation in der Sahel-Zone stellt eines der mittel- bis langfristig schwierigsten Probleme für den afrikanischen Kontinent selbst wie die an der Gegenküste liegende Europäische Union - oder, je nach Betrachtungsweise, auch die europäischen Nationalstaaten - dar. Die Autoren dieses interdisziplinären Artikels haben sich in entsprechender Vorbereitung im Rahmen des CNSS (Clausewitz Netzwerk für Strategische Studien, Hamburg, an der Führungsakademie der Bundeswehr angesiedelt) intensiv mit der Problematik auf den Ebenen Ressourcenverknappung, Bevölkerungsexplosion, Extremismus und deren sicherheitspolitische Bedeutung für Europa beschäftigt. Die Entwicklung in den Räumen Nah-Mittelost und nördliches Afrika stellen für Europa/Die Europäische Union, insbesondere durch die anhaltenden Flüchtlingsströme/Migrationsbewegungen und die Hand in Hand gehende terroristische Gefährdung ein nicht mehr zu negierendes oder verniedlichendes Gefahrenpotenzial dar. Der Artikel legt - beginnend mit einer naturwissenschaftlich fundierten Analyse der lokalen Lebens- und Entwicklungsumstände und unter Einbeziehung der Faktoren Bevölkerungswachstum und der Entwicklung terroristischer Aktivitäten in den Sahel-Staaten - die Grundlage eines Gesamtbilds, das durch eine entsprechende sicherheitspolitische Analyse der Auswirkungen ergänzt wird. Es wird somit die strategische Bedeutung dieses Raums für Europa/Die Europäische Union nachhaltig unter Beweis gestellt und eine ernsthafte politische Diskussion mit nachhaltigen Lösungsansätzen in den Kernbereichen eingefordert. Die Bewältigung der an der Südflanke Europas verstärkt ansteigenden Flüchtlingsströme stellt eine humanitäre Verpflichtung dar, die aber keinesfalls die notwendige Verbesserung der in den Staaten der Sahelzone liegenden Ursachen ersetzen kann. Weder die bereits durch stetig anwachsende humanitäre Probleme betroffenen europäischen (National)Staaten noch die Union selbst scheinen sich dieser umfassenden Problematik wirklich bewusst und bereit zu sein, ihr im Rahmen einer europäischen Strategie, die weit über den erwähnten Sahel-Plan hinausgehen müsste, entgegen zu treten. Dies würde allerdings eine vorangehende, umfassende Änderung der EU-Verträge in Richtung einer einheitlichen politischen Führung bedingen. Es muss somit klar gesagt werden, dass aller Erfahrung nach Probleme dieser Größenordnung und Bedeutung - neben anderen an der Nordost- und der Ostflanke der Union - heute und in naher Zukunft weder von den nationalen Mitgliedsstaaten der EU im Alleingang, noch einer politisch nicht vereinigten Union umsetzungsmäßig gelöst werden können.

 Summary

The long-lasting and intensifying situation in the Sahel represents one of the most challenging problems for the African continent itself as well as for the European Union on the opposite cost – or, depending on the approach – for the European national states. After correspondent preparation in the framework of the CNSS (Clausewitz Network for Strategic Studies in Hamburg at the Führungsakademie of the Bundeswehr), the authors of this interdisciplinary essay have intensively dealt with this problematic nature on the levels of resources stringency, population explosion, extremism and their security-political relevance for Europe. Especially because of the sustained refugees surges and migrations, together with the terroristic dangers, the development in the Near and Middle East and in Northern Africa represent a potential of dangers which cannot be negated or belittled any longer. Beginning with a scientifically sound analysis of the local circumstances in terms of living and development, including the factors population growth and the development of terrorist activities in the Sahel states, this essay gives the basics for an overall picture which is completed by a correspondent security-political analysis of the consequences. Thus, in this way, the strategic importance of this Region for Europe/the European Union is proven distinctly, and a serious political discussion together with distinct methods of resolution in the core areas is demanded. Overcoming the rapidly increasing refugees surges on the southern flanks of Europe is a humanitarian obligation, which certainly cannot replace the necessary improvement of the causes existing in the states of the Sahel. Neither the National European states affected by the rapidly increasing humanitarian challenges, nor the Union itself, seem to be aware of the comprehensive problematic nature, and to be willing to confront it in the framework of a European strategy which ought to surpass the Sahel plan mentioned above. This, however, ought to cause an antecedent and comprehensive alteration of the EU-Treaties in the direction of an integrative political lead. Thus, it must be stated clearly that, from experience, problems of such magnitudes and importance – apart from other problems on the north-eastern and eastern flanks of the Union – cannot be solved neither by the national member states of the EU on their own nor by a politically un-united Union, neither today nor in the near future.

 Sommaire

La situation permanente et empirante depuis des années dans la zone du Sahel constitue un des plus graves problèmes à moyen et à long terme pour le continent africain de même que pour l’Union européenne située de l’autre côté de la Méditerranée et, selon le point de vue, aussi pour les Etats nationaux européens. Les auteurs de cet article interdisciplinaire se sont intensivement occupés, après s’être préparés dans le cadre du CNSS (Réseau Clausewitz pour Etudes Stratégiques à la Führungsakademie de la Bundeswehr à Hambourg), des problèmes mentionnés plus haut, notamment concernant la pénurie des ressources, l’explosion démographique, l’extrémisme et leur importance en matière de politique de sécurité pour l’Europe. Le développement de la situation au Proche et Moyen Orient et en Afrique du nord constitue pour l’Europe/l’Union européenne un potentiel de danger non négligeable, surtout à cause des flux de réfugiés et des mouvements migratoires ainsi que des menaces terroristes qui les accompagnent. En commençant par une analyse approfondie scientifique des conditions de vie et du développement locaux et en y intégrant les facteurs de croissance démographique et de développement des activités terroristes dans les Etats sahéliens, l’article fournit la base d’un aperçu général qui est complété par une analyse de la politique de sécurité et ses effets. Ainsi, l’importance stratégique de cette région pour l’Europe/l’Union européenne est fortement démontrée, et une sérieuse discussion politique avec des solutions possibles et durables pour les domaines principaux est exigée. La maitrise des flux croissants de réfugiés dans le flanc sud de l’Europe constitue une obligation humanitaire, obligation qui ne peut en aucun cas remplacer les changements positifs nécessaires des origines de ces flux dans les états de la région du Sahel. Ni les Etats (nationaux) européens ni l’Union européenne elle-même, tous affectés par la croissance permanente de problèmes humanitaires, semblent être vraiment conscients de cette problématique globale et être prêts à s’y opposer dans le cadre d’une stratégie européenne qui devrait largement dépasser le « Plan Sahel » mentionné. Néanmoins, tout cela exigerait un changement global préalable des traités de l’UE vers une direction politique homogène. Il est donc nécessaire de dire clairement que, selon les expériences faites, des problèmes d’une telle grandeur et importance - ainsi que d’autres problèmes situés au flanc nord-est et est de l’Union - ne pourront être réglés, aujourd’hui comme dans le futur, ni par les Etats nationaux de l’UE seuls, ni par une Union politiquement non-unifiée.

Siegfried Lautsch

Über die Entwicklung der Kriegskunst der Warschauer Vertrags­organisation in den 1980er-Jahren

 Zusammenfassung

Die Vervollkommnung der sowjetischen Kriegskunst als Basis für die Kriegskunst der Warschauer Vertragsorganisation (WVO), ging von dem Prinzip des für die Verteidigung Hinlänglichen aus. Dieses bedeutet, dass der Bestand der Streitkräfte sowie die Quantität und Qualität der Mittel des bewaffneten Kampfes dem Niveau der militärischen Bedrohung sowie dem Charakter und der Intensität der Kriegsvorbereitung des potenziellen Gegners adäquat sein müssen. Außerdem haben die Streitkräfte die Sicherheit der Teilnehmerstaaten des Warschauer Vertrages und die Abwehr einer Aggression mit allem Notwendigen zu gewährleisten. Der Beitrag in diesem Heft befasst sich mit der abschließenden Entwicklung der Kriegskunst der WVO im letzten Dezennium des Ost-West-Konflikts und den untereinander in Wechselwirkung stehenden drei Bestandteilen Strategie, operative Kunst und Taktik, außerdem mit Aspekten der Truppenführung.

„Kriegskunst“ ist ein spezifischer Begriff und Gegenstand der sowjetischen bzw. russischen Militärwissenschaft. Die Kriegskunst setzte und setzt sich aus den drei Bestandteilen bzw. Ebenen Strategie, operative Kunst und Taktik zusammen. Für die NVA kam es darauf an, ein möglichst breites Spektrum an militärischen Fähigkeiten vorweisen zu können, um der Politik eine Vielzahl an Handlungsoptionen anzubieten und die Herausforderungen zu antizipieren, denen sie sich aufgrund sicherheitspolitischer Entwicklungen im Rahmen ihres Bündnisses stellen musste. Während des Ost-West-Konflikts gab es unterschiedliche Kriegsbilder. Allein in den 1980er-Jahren hatte sich das Kriegsbild in der WVO mehrmals geändert. Bis 1983 waren die Streitkräfte der WVO bereit, Schläge des vermeintlichen Gegners in einer Verteidigungsoperation abzuwehren, Gegenschläge zu führen und mit nachfolgenden Kampfhandlungen zum Angriff überzugehen und den Gegner auf seinem Territorium vernichtend zu schlagen. Ab 1985, also schon vor der Militärdoktrin der WVO von 1987, sollten die Kampfhandlungen mit begrenztem Ziel durchgeführt werden. Das Überwinden der deutsch-deutschen Grenze war nicht mehr Gegenstand der operativen Planung. 1988 reduzierte das östliche Bündnis seine Angriffsfähigkeit und verfolgte nunmehr das Ziel, im Falle eines militärischen Konflikts im Rahmen einer Verteidigungsoperation, lediglich den „Status quo ante“ wiederherzustellen. Auch wenn es unterschiedliche Auffassungen zur damaligen Kriegsgefahr gibt, konnte niemand den Kriegsfall ausschließen. Aus den in den 1980er-Jahren vorhandenen, mit dem Ziel der gegenseitigen Abschreckung unterhaltenen militärischen Potenzialen, v.a. in Europa, resultierte ein gleiches Maß an existentieller Unsicherheit für beide Seiten. Ein Versagen der Abschreckung gleich welcher Art, politisch, militärisch oder auch technisch, hätte ein Umschlagen der bestehenden militärischen Konfrontation in einen Krieg zwischen NATO und WVO verursachen können, der jederzeit möglich gewesen wäre. Folglich war es notwendig geworden, vom militärisch nicht mehr zu sichernden Frieden zu einem System der entmilitarisierten Sicherheit überzugehen. Das aber ist bis heute eine Vision geblieben.

 Summary

The perfection of Soviet warfare as the basis for warfare of the Warsaw Treaty Organisation (WTO) originated in the principle of defending the sufficient. This means that the armoury of the armed forces as well as the quantity and quality of the means of armoured fight must be adapted to the level of military threat and to the character and intensity of war preparations of the military adversary. Besides, the armed forces have to guarantee the security of all member states of the Warsaw Treaty and the defence against an aggression with all necessary means. The essay in this volume deals with the concluding development of warfare of the WTO during the last decade of the East-West-Conflict as well as with the interplaying components strategy, operational art, and tactics, and additionally with aspects of military command and control. „Warfare“ is a specific term and subject matter of Soviet and/or Russian military science. Warfare as such consisted and still consists of the three components and/or levels strategy, operational art, and tactics. The priority of the NVA was to be able to produce a maximum possible array of military capabilities, in order to offer politics a multitude of courses of action, and to anticipate the challenges it had to face because of the security-political developments in the framework of its alliance. In the course of the East-West-Conflict different war pictures existed. In the 1980ies alone the war picture of the WVO had changed several times. Up to 1983 the armed forces of the WTO were prepared to repel attacks of the supposed adversary in the course of a defence operation, to carry out counter attacks, and to take the offensive in order to defeat the adversary destructively on his own territory. From 1985 onwards – long before the WTO military doctrine of 1987 – the operations were to be carried out with limited targets. Crossing the German-German border was not subject of operational planning any longer. In 1988, theEastern Alliancereduced its offensive capability, with the new objective of merely re-establishing the „status quo ante“ in the course of a defence operation in case of a military conflict. Even if there are different perceptions of the danger of war at that time – nobody could preclude war. From the military potentials, established on both sides in order to deter each other existing since the 1980ies especially inEurope, resulted an equal amount of existential unsteadiness for both sides. Failure of deterrence, no matter if political, military or technological, could have caused a switch from the existing military confrontation to a war between NATO and WTO, which was possible at any time. For this reason it had become necessary to merge from peace which could not be guaranteed by the military into a system of de-militarized security. This, however, has remained a vision up to this day.

 Sommaire

Le perfectionnement de l’art soviétique de la guerre comme base pour l’art de la guerre dans le Pacte de Varsovie était fondé sur le principe des capacités de défense suffisantes. Cela veut dire que le volume des forces armées ainsi que la quantité et la qualité des moyens utilisés pour le combat armé devait correspondre au niveau de la menace militaire ainsi qu’au caractère et à l’intensité des préparations à la guerre réalisées par un ennemi potentiel. De plus, les forces armées devaient garantir la sécurité des états membres du Pacte de Varsovie et la défense contre des agressions avec tous les moyens nécessaires. Dans ce magazine, cet article traite du développement final de l’art de la guerre du Pacte de Varsovie pendant la dernière décennie du conflit Est-Ouest et de l’interdépendance des trois composantes de l’art de la guerre, c’est-à-dire la stratégie, l’art opérationnel et la tactique, y compris des aspects du commandement des troupes. L’art de la guerre est un terme spécifique qui fait partie de la science militaire soviétique et russe. L’art de la guerre se composait et se compose toujours de trois éléments ou plutôt niveaux, c’est-à-dire le niveau stratégique, le niveau opérationnel et le niveau tactique. Pour l’Armée Nationale du Peuple (de l’ex-RDA) il était important de couvrir un large éventail de capacités militaires pour pouvoir offrir un grand nombre d’options opérationnelles et anticiper les défis auxquels elle devait faire face à cause des développements de politique et de sécurité dans le cadre du Pacte. Pendant le conflit Est-Ouest, il y a eu différentes images de la guerre. Au cours des années 1980 seulement, l’image de la guerre a changé plusieurs fois dans le Pacte de Varsovie. Jusqu’en 1983, les forces armées du Pacte de Varsovie étaient prêtes à repousser des frappes ennemies dans une opération de défense ; elles étaient prêtes à riposter et à passer à l’attaque par des actions de combat pour anéantir l’ennemi sur son propre territoire. A partir de 1985, donc avant la doctrine militaire du Pacte de Varsovie de 1987, on voulait déjà mener des opérations offensives limitées. Le franchissement de la frontière entre les deux Allemagnes ne faisait plus partie de la planification opérationnelle. En 1988, le Pacte a réduit sa capacité offensive et a poursuivi seulement le but de rétablir, en cas de conflit militaire, le « statu quo ante » par une opération de défense. Même s’il y a des opinions différentes sur le danger de guerre à cette époque-là, personne ne pouvait exclure une guerre. Les potentiels militaires des années 1980, potentiels qui avaient pour but de maintenir une dissuasion mutuelle, surtout en Europe, ont résulté en un niveau égal d’incertitude existentielle des deux côtés. Un échec de la dissuasion, peu importe de quel type (politique, militaire ou technique), aurait pu déclencher à partir de la confrontation militaire déjà existante une guerre entre l’OTAN et le Pacte de Varsovie, guerre qui aurait été possible à chaque moment. Il était donc devenu nécessaire de passer d’une paix qu’on ne pouvait plus assurer avec des moyens militaires à un système de sécurité démilitarisé. Mais cela est resté une vision jusqu’à nos jours.

Heinz Brill

Globale Migrationsströme der Gegenwart II

Sicherheitspolitische Aspekte der Flüchtlingskrise in Europa

 Zusammenfassung

In der Neuausgabe des „Fischer Weltalmanach 2017“ mit dem Schwerpunkt Sicherheit gehört das Thema Sicherheit zu jenen „öffentlichen Gütern, deren Gewährleistung zu den klassischen Aufgaben eines Staates gehört: Der Schutz des Bürgers und des Gemeinwesens im Inneren und nach außen“. Sicherheitspolitische Planung und operative Sicherheit ringen ständig um Orientierung, wie sie den neuen Herausforderungen und Risiken begegnen können. Nicht neu, aber seit geraumer Zeit verstärkt hinzugekommen ist das Problem der internationalen und transkontinentalen Migrationsströme und deren Auswirkungen auf die Sicherheits-, Wirtschafts- und Sozialsysteme der EU-Staaten, der USA, Australiens u.a. Zielländer. Experten bezeichnen die sog. „Flüchtlingsfrage“ als eine der größten Herausforderungen es 21. Jahrhunderts. Wie in Teil I dieser Untersuchung dargelegt, sind internationale und transkontinentale Migrationsströme eine Folge des Bevölkerungswachstums, Klimawandels und des Wohlstandsgefälles zwischen den Herkunfts- und Zielländern. Die Veränderungen werden zu den zentralen Konfliktursachen der Zukunft gehören.

Nach Angaben der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung haben mit Stand 1. Jänner 2017 knapp 7,5 Milliarden auf der Erde gelebt. Das waren rund 83 Millionen Menschen mehr als im Jahr zuvor und entspricht etwa der Zahl der Einwohner Deutschlands. Nach diesem Bericht könnten bald neun von zehn Menschen in einem Entwicklungsland leben.

Die globale Migration bleibt für die europäische Sicherheitspolitik eine ständige Herausforderung. Der Flüchtlingsstrom beherrscht die politische Diskussion in Europa. Insbesondere EU-Europa ist angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen stark gefordert. Anzeichen für eine Änderung der Prognosen und Fakten sind nicht in Sicht. Aus diesem Grund stellt sich die zentrale Frage: Wie kann den globalen Wanderungsbewegungen seitens der Zielländer begegnet werden? Die herrschenden Antworten auf diese Frage lauten:

Auf lange Sicht sollte ein Ausgleich des derzeitigen Wohlstandsgefälles angestrebt werden.

1. Auf kurze Sicht sollte die illegale Einwanderung reguliert werden.

2. Bei der globalen Beurteilung der Flüchtlingsströme ist grundsätzlich festzustellen, dass die klassischen Einwanderungsländer USA, Kanada und Australien von den Herkunftsländern (mit Ausnahme Mexikos) durch Meere getrennt sind. Nach Europa, das aufgrund seiner territorialen Ausmaße und relativ hohen Bevölkerung bisher keine klassische Einwanderungsregion war, gelangen die Flüchtlinge aus ihren Herkunftsregionen (mit Ausnahme des Mittelmeeres) vorwiegend auf dem Landweg. Doch ist auch der Luftweg nicht zu unterschätzen.

 Summary

According to the new edition of the „Fischer Weltalmanach 2017“ stressing security, this topic appertains “the public goods to be guaranteed by the state: protection of the citizen and the polity at home and abroad”. Security-political planning and operational security permanently look for orientation how to confront the new challenges and risks. Not new, but rapidly increasing is the problem of international and trans-continental mass migration and their effects on the security, economic and social systems of the EU-states, the USA, Australia and other countries of destination. Experts call the so-called „refugees question” one of the greatest challenges of the 21st century. As has been shown in part I of this analysis, international and trans-continental mass migration is a result of population growth, climatic change, and the prosperity descent between the countries of origin and the countries of destination. These changes will be the central conflict causes of the future. According to the Deutsche Stiftung Weltbevölkerung, on 1st January 2017 almost 7,5 billion have lived on earth, about 83 millions of people more than one year previously – approximately the number of inhabitants in Germany. According to this report, nine out of ten people could be living in a developing country. Global migration will remain a permanent challenge for European security policy. Mass migration is dominating the political discussions inEurope. Especially EU-Europe is called for in respect of the increasing numbers of refugees, and there are no signs for a change in the forecasts and facts. For this reason, a central question arises: How can global migration be opposed by the countries of destination?

The prevailing answers to this question are:

In the long term we ought to strive for evening out the present prosperity descent.

  1. In the short term illegal immigration should be regulated.
  2. When globally assessing mass migration one can basically find out that the classic countries of destination USA, Canada and Australia are separated from the countries of origin (except Mexico) by oceans. To Europe, which so far has not been a classic area of destination because of its territorial size and its many inhabitants, the refugees travel on land from their regions of origin (except theMediterranean). The airway, however, must not be underestimated.
 Sommaire

Dans la nouvelle édition du lexique « Fischer Weltalmanach 2017 », lexique qui se concentre dans cette édition sur le thème de la sécurité, la sécurité est décrite comme un « bien public dont le maintien est une des tâches classiques d’un état : la protection des citoyens et de la communauté à l’intérieur d’un pays et vers l’extérieur. » La planification au niveau de la politique de sécurité et la sécurité opérationnelle luttent toujours pour trouver des points d’orientation afin de pouvoir affronter les nouveaux défis et risques. Un problème qui n’est pas nouveau mais qui s’est ajouté depuis peu de temps est celui des flux migratoires internationaux et transcontinentaux et leurs effets sur les systèmes de sécurité, d’économie et sociaux des états membres de l’UE, des USA, de l’Australie et d’autres pays cible. Les experts nomment la dite « question des réfugiés » un des plus grands défis du 21e siècle. Comme expliqué dans la première partie de cette analyse, les flux migratoires internationaux et transcontinentaux sont le résultat de la croissance démographique, du changement climatique et de l’écart de prospérité entre les pays d’origine et les pays cible des réfugiés. Ces changements vont faire partie des causes centrales de conflit du futur. D’après la Fondation allemande pour la population mondiale (Deutsche Stiftung Weltbevölkerung), près de 7,5 milliards d’hommes ont vécu sur la terre le 1er janvier 2017, soit 83 millions de plus qu’une année auparavant, ce qui équivaut à la population de l’Allemagne. Selon ce rapport, 9 hommes sur dix pourraient bientôt vivre dans un pays en voie de développement. La migration globale reste un défi permanent pour la politique de sécurité européenne. En Europe, les discussions politiques sont dominées par le flux des réfugiés. Surtout l’Europe de l’UE est fortement mise à l’épreuve par le nombre croissant des réfugiés. Pour le moment, on ne voit pas d’indices pour un changement des pronostics et des faits. Pour cette raison, une question centrale se pose : comment peut-on réagir aux migrations globales du côté des pays cible ? Pour le moment, les réponses les plus courantes à cette question sont : à long terme, on devrait essayer d’équilibrer la disparité des richesses ; à court terme, on devrait régler l’immigration illégale. Quant à l’analyse globale des flux des réfugiés, on doit en général constater que les pays d’immigration classiques comme les USA, le Canada et l’Australie sont séparés par des mers des pays d’origine (sauf le Mexique). Pour arriver en Europe, qui jusqu’à maintenant n’a pas été une région d’immigration classique suite à son étendue territoriale et à sa population relativement élevée, les réfugiés préfèrent surtout des routes terrestres (sauf la Méditerranée). Néanmoins, il ne faut pas sous-estimer la voie aérienne.

Markus Reisner

Vollautonome Waffensysteme - Überlegungen der Technikethik

 Zusammenfassung

Betrachtet man die technologischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte, so scheint es, dass in Zukunft auch die Entwicklung von vollautonomen unbemannten Systemen möglich ist. Die Erfindung eines selbstständig agierenden Roboters, dem Traum vieler Science-Fiction-Autoren, scheint machbar. Es ist bereits eine Reihe von Systemen verfügbar, welche mit einem hohen Autonomie- bzw. Automationsgrad eingesetzt werden können. Sie kommen in einem Bereich zur Anwendung, wo die menschliche Reaktionszeit einen geforderten Erfolg verhindern würde. Die in den nächsten Jahren zu erwartenden Investitionen internationaler Streitkräfte in Unmanned Systems lassen berechtigterweise den Schluss zu, dass auch in die Erforschung möglicher vollautonomer Systeme zumindest „indirekt“ investiert werden wird. Die in den Konflikten zurzeit eingesetzten unbemannten Aufklärungs- und Waffensysteme sind noch ausschließlich teilautonom. Zwar verfügen bereits spezielle Selbstverteidigungs- und Nahbereichswaffensysteme über einen hohen Automationsgrad, doch dieser ist ausschließlich passiv ausgerichtet. Ein vollautonomes aktives System würde jedoch die Kriegsführung entscheidend revolutionieren. Die Entscheidung über das Recht auf Leben, bzw. auf körperliche Unversehrtheit würde dem Menschen aus der Hand genommen. Er würde zum bloßen Zuschauer degradiert werden. Ein vollautonomer Roboter ist in der Lage, selbstständig anhand von Sensoren Informationen über sein Umfeld zu sammeln. Diese werden mittels Hochleistungsprozessoren verarbeitet und bilden die Basis für eine Entscheidung. Diese wird dann mittels installierter Komponenten (wie z.B. Bewegungsmechanismen oder Waffen) umgesetzt. Durch entsprechende Erfahrungszunahme ist der Roboter immer mehr dazu in der Lage sich zu optimieren. Die Wirksamkeit seiner Handlungen nimmt stetig zu. Ein möglicher Waffeneinsatz bleibt nicht mehr verhältnismäßig, sondern er wird effizienter. Die Software des Roboters arbeitet dabei basierend auf rein mathematischen Berechnungen und negiert moralische oder ethische Abwägungen und Überlegungen. Es entsteht eine „Kampfmaschine“ (bzw. Killer Robot), der jede Hemmung fremd ist und welche nur durch technisches Versagen oder Zerstörung bzw. (im Optimalfall) Befehl von außen gestoppt werden kann. Aus philosophischer Sicht ist jeder Mensch als einzigartig zu betrachten. Die Entscheidung des Menschen einen anderen zu töten, setzt eine Gewissensentscheidung voraus. Der individuelle Soldat, den das Völkerrecht legitimiert, einen anderen Soldaten zu töten, trifft diese Entscheidung aus eigener Überlegung, nach Prüfung der Notwendigkeit und unter Anwendung von ethischen Überlegungen. Diese Entscheidung kann aufgrund des vorherrschenden Gefechtsumfelds, aufgrund von Angst, Stress oder Konditionierung auch falsch getroffen werden. Sie bleibt aber dem Soldaten klar zurechenbar. Er muss dafür die Verantwortung tragen. Unabhängig davon, ob er diese ablehnt oder nicht. Diese Gewissensentscheidung des Menschen ist ein Produkt der menschlichen Vernunft. Diese Vernunft inkludiert einerseits Urteilskraft, Empathie und Mitgefühl, aber auch Angst, Hass und Wut. Menschliche Vernunft kennt hingegen auch Gnade und Vergebung. Dem Roboter sind derartige „vernünftige“ Emotionen fremd, er betrachtet den Menschen als Objekt, dessen möglicher Tod das Ergebnis eines algorithmischen Rechenprozesses darstellt. Eine derartige maschinelle Entscheidung kann somit nur als Verletzung der Menschenwürde angesehen werden.

 Summary

Considering the technological developments of the latest decades one might get the idea that the development of fully autonomical unmanned systems will be possible in future also. The invention of a self-subsistently acting robot, the dream of many authors of science fiction, appears to be feasible. At the time being there is already a number of systems available which can be deployed on a high level of autonomy and automation. They are used in an environment where human response time would forbid success. The investments of international armed forces in unmanned systems to be expected in the following years let us assume justifiably that there will also be at least indirect investments in developing possible fully autonomous systems. The unmanned reconnaissance and weapon systems deployed in the course of conflicts at the moment are still exclusively only partly autonomous. Although special self-defence and close range weapon systems have high levels of automation already, this level is passive only. A fully autonomous active system, however, would revolutionize warfare decisively. The decision over the right to live and/or physical integrity would be taken out of the hand of man. On the contrary, man would be demoted to mere spectator. A fully autonomous robot is capable of independently collecting information about its environment via sensors. This information is processed by high-performance processors and is the basis for a decision, which then is implemented by means of installed components (such as motion mechanisms or weapons). The increasing correlative experiences let the robot optimize itself, so that the efficiency of its actions increases as well. The possible operation of weapons does not remain proportional any longer – it will become more efficient. Here the software of the robot works based on purely mathematical calculations while negating moral or ethical considerations. Thus comes a „fighter machine“ (or killer robot), which does not know any inhibitions, and which can only be stopped by technical failure or destruction or (optimally) order. From a philosophical point of view, every man is to be considered unique. One man’s decision to kill another implies a moral decision. Every individual soldier legitimated by international law to kill another soldier makes this decision deliberately, after considering the necessity, applying ethical considerations. This decision can be wrong, of course, due to the prevailing battlefield, fear, stress, or conditioning, but it is clearly made by the soldier himself. He, and he alone, has to take the responsibility, no matter whether he rejects it or not. This moral decision of man is a product of human rationality, which includes, on the one hand, power of judgement, empathy, and compassion, and on the other hand, mercy and forgiveness. The robot does not know such “reasonable” emotions; it considers man an object, and his possible death only represents the result of an algorithmic calculation process. Therefore, such a mechanical decision can only be considered to be a violation of human dignity.

 Sommaire

Si on regarde les développements technologiques des dernières décennies, il semble que, dans le futur, il sera aussi possible de développer des systèmes entièrement autonomes et sans pilote. L’invention d’un robot qui agit de façon indépendante, le rêve de beaucoup d’auteurs d’histoires de science-fiction, semble possible. En fait il existe déjà un bon nombre de systèmes disponibles qui peuvent être utilisés avec un haut degré d’autonomie et d’automatisation. Ces systèmes sont utilisés dans des domaines où le temps de réaction humaine empêcherait un succès exigé. Les investissements dans des systèmes sans pilote à attendre dans les prochaines années par les forces armées internationales permettent de conclure qu’on va aussi investir, du moins de façon indirecte, dans la recherche sur des systèmes complètement autonomes. Les systèmes de reconnaissance et d’armes utilisés dans les conflits actuels ne sont que partiellement autonomes. Il est vrai que des systèmes d’armes d’autodéfense et à courte distance disposent déjà d’un haut degré d’automatisation, mais celui-ci est exclusivement orienté de façon passive. En revanche, un système actif et complètement autonome pourrait décisivement révolutionner la conduite de guerre. En remplaçant des êtres humains, il assumerait la décision sur la vie et la mort et sur l’intégrité physique. L’homme ne serait plus qu’un spectateur. Un robot complètement autonome est capable de recueillir des informations sur son environnement de façon autonome à l’aide de capteurs. Ces informations sont ensuite traitées par des processeurs de haute performance et forment la base d’une décision. La décision est ensuite mise en œuvre par des composantes installées (comme par exemple des mécanismes de mouvement ou des armes). Par des prises d’expériences croissantes, le robot devient de plus en plus capable d’optimiser sa performance. Ainsi, l’efficacité de ses actions augmente sans cesse et une éventuelle utilisation d’armes ne reste plus réciproque, mais devient plus efficace. Dans ce cadre, le software du robot ne fait que des calculs mathématiques, tout en ignorant des pondérations et réflexions morales et éthiques. Donc, une machine de guerre (un robot tueur) se développe, machine qui ne connait aucun scrupule et qui peut seulement être stoppée par une défaillance technique, par destruction ou (dans le meilleur des cas) par un ordre donné de l’extérieur. Du point de vue philosophique, chaque personne doit être vue comme un individu unique. La décision d’un individu de tuer un autre individu exige une décision de conscience. Le soldat individuel qui est légitimé par le droit international de tuer un autre soldat, prend une telle décision par sa propre réflexion et après avoir examiné la nécessité d’un tel acte, aussi sous l’aspect éthique. Une telle décision peut aussi être mauvaise à cause de l’environnement violent et peut être influencée par l’angoisse, le stress ou le conditionnement. Quoi qu’il en soit, le soldat doit en assumer la responsabilité, qu’il le veuille ou non. Cette décision de conscience d’un homme est le produit de la raison humaine. Cette raison inclut, d’un côté, jugement, empathie et compassion, mais de l’autre côté aussi angoisse, haine et colère. En outre, la raison humaine connait aussi le pardon et l’indulgence. Un robot ne connait pas de telles émotions « raisonnables ». Il voit l’homme comme un objet dont la mort n’est que le résultat d’un calcul algorithmique. Une telle décision mécanique peut ainsi seulement être vue comme une violation de la dignité humaine.

Frank Umbach

Das Nord Stream-2-Projekt und die Auswirkungen auf die gemeinsame Energiesicherheit und Außenpolitik der EU

 Zusammenfassung

Kein anderes Energieprojekt ist in der EU-27 derartig umstritten wie das russische Gaspipelineprojekt Nord Stream-2 (NS-2). Überlagert ist der Pipelinekonflikt von der Frage der künftigen Beziehungen zwischen der EU und Russland, die sich gegenwärtig v.a. an den kontroversen Diskussionen über die mögliche Aufhebung der EU-Sanktionen infolge des Ukraine-Konfliktes erhitzt. Zudem wird der Kreml verdächtigt, die EU mittels massiver Propaganda und Desinformationskampagnen zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung und Politik sowie Cyberangriffen zu spalten und letztendlich ihre Auflösung im geopolitischen Interesse Russlands zu forcieren. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage der Auswirkungen des Pipelinebaus nicht nur für die Energieversorgungssicherheit der EU, sondern auch für den politischen Zusammenhalt bei der gemeinsamen EU-Außen- und Sicherheitspolitik eine besondere strategische Relevanz. Es zeigt sich, dass das von der Bundesregierung unterstützte NS-2 Projekt erhebliche außenpolitische Folgen und Kosten verursachen kann. Wie bereits bei Nord Stream-1 (NS-1) und der deutschen Energiewende erfolgte die Unterstützung von NS-2 weitgehend unilateral und ohne Konsultation von Brüssel sowie den betroffenen EU-Nachbarstaaten. Dies wird häufig mit dem Hinweis gerechtfertigt, dass dies den deutschen Interessen entspreche und Deutschland sich nicht anders verhalte als alle anderen EU-Staaten. Dabei wird zugleich deutlich, dass Deutschland die ihr zufallende Führungsrolle aufgrund ihres wirtschaftlichen und politischen Gewichtes nicht wirklich verinnerlicht hat. Solange Deutschland diese Führungsrolle und seine nationalen Interessen nicht entsprechend europäisch mit Priorität definiert und somit politische Solidarität innerhalb der EU vorlebt, solange kann Deutschland bei anderen Fragen von den wirtschaftlich schwächeren und kleineren EU-Mitgliedsstaaten keine politische Solidarität (wie bei der Flüchtlingsfrage) einfordern. Werden diese nationalen Interessen Deutschlands gar im Rahmen deutsch-russischer Energie- und Wirtschaftssonderbeziehungen prioritär gegenüber anderen EU-Staaten forciert, darf sich Berlin weder über die Reaktionen der EU-Mitgliedsstaaten noch über den Zustand der EU und den Mangel einer einheitlichen Stimme in der EU-Energieaußenpolitik wundern. Insofern ist die außenpolitische Debatte des NS-2 Projektes v.a. auch eine Frage der Kohärenz der deutschen Außen- und Wirtschaftspolitik und der Anerkennung wie Definierung einer deutschen Führungsrolle und der deutschen Interessen im Rahmen der gemeinsamen Energie- und Außen- sowie Sicherheitspolitik der EU.

 Summary

In the EU-27, no other energy project is so contested as the Russian gas-pipeline-project North Stream-2 (NS-2). The pipeline conflict is displaced by the question of the future relations between the EU and Russia, which at the moment is heated up by the controversial discussions about a possible annulment of the EU sanctions because of the Ukraine-Conflict. In addition, the Kremlin is suspected to try to split the EU by means of massive propaganda, disinformation campaigns for influencing public opinion and politics, and cyber-attacks, and to accelerate its breakup, which is a geopolitical interest of Russia. Against this background, one question gets special strategic relevance: the effects of the pipeline not only on the energy supply security of the EU, but also on the political cohesion in the framework of the Common Foreign and Security Policy of the EU. It is apparent that the North Stream 2 Project, which is supported by the government, can cause considerable foreign political consequences and costs. As with the North Stream 1 Project and the German energy turning point, North Stream 2 was supported largely unilaterally and without consulting Brussels and the affected neighbouring states of the EU. This is often justified with the information that it is in accordance with German interests, and that Germany behaves like all other EU-states. At the same time it becomes apparent that Germany has not really internalized the leading role it has because of its economic and political importance. As long as Germany does not define this leading role and its national interests in a European way with priority, thus giving an example of political solidarity within the EU, German will not be in the position to demand political solidarity from the economically weaker and smaller member states concerning other problems (such as in the question of refugees). If these national interests of Germany are forced in the framework of German-Russian energy and economy special relations in the face of other EU states, Berlin must not be surprised neither at the reactions of the EU member states nor at the condition of the EU and the lack of a unitary tone in the Energy Foreign Policy of the EU. For this reason, the foreign political debate of the NS-2 Project is, above all, also a question of coherence of the German foreign and economy policy and of the acknowledgement as well as definition of the German leading role and of the German interests in the framework of the Common Energy, Foreign and Security Policy of the EU.

 Sommaire

Aucun autre projet énergétique n’est autant contesté parmi les 27 Etats membres de l’UE que le projet gazoduc russe nommé « North Stream 2 » (NS-2). Ce conflit est superposé par la question des relations futures entre l’UE et la Russie, question qui s’échauffe actuellement surtout par les discussions controversées sur une possible suppression des sanctions de l’UE introduites suite au conflit ukrainien. De plus, le Kremlin est soupçonné de diviser l’UE par une propagande massive et des campagnes de désinformation qui visent à influencer l’opinion publique, la politique et des cyberattaques pour finalement accélérer sa dissolution, ce qui est dans l’intérêt géopolitique de la Russie. Dans ce contexte, la question des effets de la construction du gazoduc gagne une importance stratégique particulière non seulement pour la sécurité énergétique, mais aussi pour la cohésion politique en matière de politique étrangère et de sécurité commune de l’UE. Il est démontré que le projet NS-2, projet qui est soutenu par le Gouvernement fédéral, peut engendrer des conséquences importantes pour la politique étrangère ainsi que d’importants coûts. Comme c’était déjà le cas avec North Stream 1 (NS-1) et avec le tournant énergétique allemand, le projet NS-2 fut surtout soutenu de façon unilatérale et sans consultation de Bruxelles ni des pays voisins de l’UE affectés. Ce comportement est souvent justifié par l’argument qu’un tel soutien correspond aux intérêts allemands et que l’Allemagne ne se comporterait pas autrement que tous les autres Etats de l’UE. En même temps il devient évident que l’Allemagne n’a pas vraiment internalisé son rôle dirigeant, rôle qui lui revient à cause de son poids économique et politique. Tant que l’Allemagne ne définit pas ce rôle de commandement et ses intérêts nationaux de façon européenne avec priorité et ainsi donne un exemple de solidarité politique dans le cadre de l’UE, l’Allemagne ne pourra pas exiger la solidarité politique des pays européens plus petits et économiquement plus faibles, comme c’est le cas dans la crise migratoire. Si ces intérêts nationaux de l’Allemagne ont même la priorité avant les autres Etats de l’UE dans le cadre des relations énergétiques et économiques entre la Russie et l’Allemagne, Berlin ne doit pas s’étonner des réactions des pays membres de l’UE, de la situation de l’UE, ni de l’absence d’une voix commune dans la politique extérieure énergétique de l’UE. Dans ce contexte, le débat de la politique étrangère sur le projet NS-2 est surtout aussi une question de la cohérence entre la politique étrangère et économique allemande et de la reconnaissance et définition d’un rôle dirigeant allemand et des intérêts allemands dans le cadre d’une politique commune étrangère, d’énergie et de sécurité de l’UE.