Ausgabe 01/2015


Lothar Rühl

Die strategische Lage zum Jahreswechsel


 Zusammenfassung

Drei Kriege unterschiedlicher Natur und Intensität verdeutlichten im Jahre 2014 die strategischen Konsequenzen unbewältigter politischer Gegensätze:

Der syrische Bürgerkrieg mit religiösen Fronten und fremder Beteiligung um das Assad-Regime in Damaskus, der im zerspalteten Irak kriegsartig aufgeflammte Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten mit den nach Unabhängigkeit strebenden Kurden im Norden des Landes als dritter Kriegspartei und der seit Jahresbeginn in Gang gekommenen Verbindung beider Kriege über die Grenze hinweg im Sturm der ISIS-Dschihadisten mit der Ausrufung eines „Islamischen Staats“ in Syrien und im Irak und dem Anspruch vom Golf bis zur Levante ein neues „Kalifats“ für den gesamten Islam zu begründen.

Der syrische Bürgerkrieg, in dem seit zwei Jahren Dschihadisten aus aller Herren Länder mitkämpften, war schon seit 2013 über die Grenzen in den Irak und nach Libanon hinein geschlagen und hatte mit einer Flüchtlingswelle die innere Stabilität Jordaniens gefährdet.

Schließlich der erneute Gaza-Krieg zwischen der islamistischen Hamas und Israel um Palästina, der dritte Krieg in fünf Jahren seit Ende 2008. Dieser Krieg, der große Teile der Infrastruktur und Bebauung des Gazastreifens in 50 Tagen gegenseitigen Beschusses zerstörte, wurde durch eine Waffenruhe zunächst eingestellt. Nach langem vergeblichem Bemühen der USA vermittelte Ägypten das Abkommen, das den Zermürbungskrieg abbrach und bei begrenzten Konzessionen beider Kriegsparteien eine längerfristige, nach dem Wortlaut „unbegrenzte“, also im Prinzip unbefristete Waffenruhe vorsah. Der dritte Gaza-Krieg war wie seine beiden Vorgänger seit Ende 2008 von Beschuss Israels aus Gaza und von Terroranschlägen bei minderen Verlusten beider Seiten ausgelöst worden. Ägypten unter dem autoritären Regime des Generals und Präsidenten al Sisi ist zwar als Vermittler zwischen Hamas und Israel aufgetreten, jedoch ohne die Hamas zu unterstützen, sondern der israelischen Seite näher als der palästinensischen. Dafür ist auch die Beduinenszene auf dem Sinai mit ihren Banditen und Terroristen, die ständig Ägyptens Wüstengrenze bedroht und Waffen schmuggelt, ein Grund.

Von den drei größeren Konflikten zwischen dem Persischen Golf und der Levante überschattet, dauerten in Teilen Afrikas die gleichfalls kriegsartigen Kämpfe islamistischer Banden gegen die Regierungen und die christlichen Bevölkerungsgruppen mehrerer Staaten von Kenia und dem Süd-Sudan im Osten bis nach Nigeria und Mali im Westen mit Terroranschlägen und Guerilla in den Grenzgebieten an. Jemen im Süden Arabiens und Somalia am Horn von Afrika sind Brandherde geblieben, von denen die Flammen der kriegerischen Gewalt im Namen des Islam sich ausbreiten und genährt werden. In Nordafrika ist Libyen als scheiternder Staat schon in ein Bürgerkriegsgebiet zerfallen. Auch im dreizehnten Jahr des Krieges in Afghanistan besteht keine Aussicht auf inneren Frieden, insbesondere wenn die internationalen Kampftruppen Ende 2014 abziehen werden.

Hinzu ist 2014 im Osten Europas der territoriale Konflikt zwischen Russland und der Ukraine um die Krim mit der Annexion durch Moskau und dem Versuch einer Abspaltung ostukrainischen Gebietes vom Donbass bis nach Odessa im Süden und Dnjepropetrowsk weiter im Westen gekommen. Der offensichtliche Bruch des Völkerrechts durch Russland hat die NATO und die EU wachgerüttelt und vor neue sicherheitspolitische Herausforderungen gestellt, wobei manche bereits vor einem neuen Kalten Krieg des Westens mit Russland warnen.

Für die Türkei ist darum 2014 nach 1991 abermals eine neue geopolitisch-strategische Situation samt einer möglichen neuen Korrelation der Kräfte im Verhältnis zu Russland nicht nur im Schwarzen Meer, sondern auch in Südosteuropa und im Kaukasus entstanden.

Russland ist aber trotz allem unerlässlich für eine spätere politische Lösung der Probleme, die Syrien und der Iran zwischen Golf und Levante für die regionale wie die internationale Sicherheit darstellen. Russland kann genauso wenig wie auch der Iran nicht einfach „isoliert“, geschweige denn aus der internationalen Politik und aus der Weltwirtschaft dauerhaft ausgeschlossen werden. Die Krisen aber dauern an und bringen neue Allianzen hervor. Dies ist eine Lektion, die sich 2014 erneut bestätigt hat.

 Summary

In 2014, three wars of different nature and intensity have illustrated the strategic consequences of unresolved political conflicts:

The Syrian civil war with religious fronts and foreign participation for the Assad-regime in Damascus, the war-like kindling conflict in scissioned Iraq between Shiits, Sunnits and the Kurds in the north of the country as the third party in the war, and the conjunction of both wars, going beyond all borders, in the storm of the ISIS-Jihadists, with the proclamation of the “Islamic State” both in Syria and in Iraq, and with the claim for founding a new “caliphate” for the entire Islam covering an area from the Gulf to the Levant. The Syrian civil war, in which Jihadists from several different countries have taken part for two years, had swashed across the borders into Iraqand Lebanonin 2013 already, thus endangering the inner stability of Jordanby a surge of refugees. Finally, once again the GazaWar for Palestinebetween the Islamistic Hamas and Israel, which has been the third war in five years since 2008. This war, which within 50 days destroyed large parts of the infrastructure and buildings in the Gaza Strip by reciprocative shelling, was first ceased by truce. After long-lasting efforts by the USA, Egyptconciliated the convention, which broke the war of attrition and which, after limited concessions made by both parties, was supposed to provide a long-term, literally “unlimited”, principally open-ended truce. Like its two predecessors since 2008, the third Gaza War was triggered both by the shelling of Israelfrom Gazaand by terrorist attacks, although only with few casualties. Admittedly, Egyptunder the authoritarian regime of the general and president al Sisi appeared as mediator between Hams and Israel, without, however, supporting Hamas, but preferring Israelto Palestineinstead. This, among other things, explains the Bedouins scene in Sinai with its bandits and terrorists, who permanently threaten Egypt’s borders in the desert and smuggle weapons. Overshadowed by the three major conflicts between the Persian Gulf and the Levant, in some parts of Africa the likewise war-like fights of Islamistic gangs against the governments and against Christian population groups continue in several states, from Kenya and South Sudan in the East to Nigeria and Mali in the West, with terrorist attacks and guerrillas in the border areas. Yemenin South Arabia and Somaliaon the Horn of Africa have remained to be trouble spots, from where the flames of martial violence spread and are nourished in the name of Islam. In Northern Africa, Libyaas a failing state has disintegrated and become an area of civil war already. Even in the 13th year of the war inAfghanistan, there is no prospect of inner peace neither, especially so when the international combat troops will disengage in the end of 2014. In addition, there is the new territorial conflict in Eastern Europe betweenRussia andUkraine concerning Crimea, with the annexation byMoscow and the attempt at seceding an area in East Ukraine from Donbas toOdessa in the South as well asDnepropetrovsk farther in the West. The obvious breach of public international law byRussia has shaken up NATO and EU, posing new security-political challenges, and some people already warn of a new Cold War of the West withRussia. For this reason, a new geopolitical-strategic situation has arisen for Turkey since 1991 in 2014, with a possible new correlation of powers in the relationship with Russia, not only in the Black Sea, but also in Southeast Europe and in Caucasus. In spite of all this,Russia is essential for a subsequent political solution of the problemsSyria andIran pose for regional and international security between the Gulf andLevant. NeitherRussia norIran can be simply “isolated”, let alone excluded from international politics and world economy permanently. The crises, however, continue and spawn new alliances. This is a lesson which has proved to be true in 2014 again.

 Sommaire

Trois guerres de nature et d’intensité différentes illustrent en 2014 les conséquences stratégiques venant de contraires politiques non résolus: la guerre civile syrienne pour le régime d’Assad avec des fronts religieux et des participations étrangères à Damas ; le conflit guerrier entre les Shiites et les Sunnites dans l’Irak divisé, avec les Kurdes dans le nord du pays comme troisième parti belligérant - un peuple qui cherche son indépendance et, finalement, la jonction de ces deux guerres à partir de 2014, guerres qui s’étendent au-delà des frontières par les Djihadistes de l’ISIS qui ont proclamé un « état islamique » en Syrie et en Irak et qui réclament un nouveau « califat » pour tout l’Islam, califat qui s’étend du Golfe jusqu’au Levant. La guerre civile syrienne, à laquelle participent des Djihadistes de toutes sortes de pays depuis deux ans, fut déjà menée depuis 2013 au-delà des frontières jusqu’en Irak et au Liban et avait menacé la stabilité interne de la Jordanie par une vague de réfugiés. Finalement, la nouvelle guerre de Gaza menée pour la Palestine entre le Hamas islamiste et Israël fut la troisième guerre en cinq ans depuis 2008. Cette guerre, qui détruisit des grandes parties de l’infrastructure et des agglomérations de la bande de Gaza pendant 50 jours de bombardement mutuel, fut d’abord terminée par une trêve. Après de longs efforts inutiles des USA, l’Egypte finalement arriva à négocier un contrat qui stoppa la guerre d’usure et qui envisagea, dans le cadre des concessions limitées faites par les deux partis belligérants, une trêve à plus long terme, littéralement une trêve « illimitée », donc permanente. La troisième guerre de Gaza fut déclenchée, comme les deux guerres précédentes, fin 2008 par un bombardement d’Israël venant de Gaza et par des attaques terroristes produisant des pertes peu nombreuses de chaque côté. L’Egypte, sous le régime autoritaire du général et président al Sisi, s’est présentée comme médiateur entre le Hamas et Israël, mais sans soutenir le Hamas. En fait, l’Egypte fut plus proche du côté israélien que du côté palestinien. Ce comportement réside entre outre dans le fait que les Bédouins du Sinaï, avec leurs bandits et terroristes, menacent constamment la frontière désertique de l’Egypte et passent des armes en contrebande. Assombris par les trois grands conflits entre le Golfe persique et le Levant, des combats guerriers des bandes islamiques contre les gouvernements persistent toujours dans des régions africaines ainsi que contre les populations chrétiennes de plusieurs pays (du Kenya et du Soudan dans l’est jusqu’au Nigéria et le Mali dans l’ouest), avec des attaques terroristes et la guérilla dans les régions frontalières. Le Yémen (dans le sud de l’Arabie saoudite) et la Somalie (sur la Corne d’Afrique) sont restés des foyers d’incendie dont les flammes de la violence guerrière s’étendent et sont attisées au nom de l’Islam. En Afrique du nord, la Lybie, en tant qu’état défaillant, s’est déjà désintégrée en une région de guerre civile. Aussi dans la 13e année de la guerre en Afghanistan, il n’y a pas de perspective de paix interne, surtout si les forces de combat internationales se retirent fin 2014. Ici s’est ajouté, en 2014, le conflit territorial dans l’est de l’Europe entre la Russie et l’Ukraine pour la Crimée avec l’annexion par Moscou et l’essai d’une séparation du territoire de l’Ukraine de l’est entre Donbass et Odessa (situées dans le sud) et la ville de Dnjepropetrowsk (située dans l’ouest). La violation apparente du droit international par la Russie a réveillé l’OTAN et l’UE et les a confrontés à de nouveaux défis de politique de sécurité. Il y a même déjà des voix qui avertissent d’une nouvelle guerre froide entre l’Occident et la Russie. C’est pourquoi pour la Turquie, une nouvelle situation géopolitique et stratégique est de nouveau née en 2014 (après 1991), avec une probable nouvelle corrélation des forces vis-à-vis de la Russie - non seulement dans la mer Noire, mais aussi dans le sud-est de l’Europe et dans le Caucase. Néanmoins, la Russie est toujours en faveur d’une solution plus tardive des problèmes politiques, problèmes que posent la Syrie et l’Iran entre le Golfe et le Levant pour la sécurité régionale et internationale. La Russie, ainsi que l’Iran ne peuvent pas être simplement « isolés », et surtout pas être coupés de façon permanente de la politique internationale et de l’économie mondiale. Néanmoins, les crises persistent et créent des nouvelles alliances. C’est une leçon qui s’est à nouveau confirmée en 2014.

Stefan Pickl

Operations Research als hochdimensionales Komplexitätsmanagement

Modernes Operations Research zur Unterstützung von Planungsaufgaben und Prozessoptimierung innerhalb des Kompetenzzentrums COMTESSA

 Zusammenfassung

Operations Research (OR) ist eine junge wissenschaftliche Disziplin, die darauf abzielt, Entscheidungsprobleme zu lösen. Grundlage sind dabei Situationen, in denen Entscheidungsträger eine Entscheidung unter Unsicherheit bzw. Risiko treffen sollen, wozu sie sich der verschiedenen Methoden des OR bedienen, um das Problem systematisch abzubilden und zu analysieren. Auf diesen analytischen Aspekt wird besonders in dieser Darstellung eingegangen.

Die Ausgangslage für das Operations Research (OR) sind dabei (zunächst) Entscheidungsprobleme - meist sogar - unter Unsicherheit oder Risiko. Der Entscheidungsträger hat dabei oft unvollständige Kenntnisse über die künftige Entwicklung und möchte in dieser Situation (trotzdem) optimale Lösungen finden. Dabei kann entweder eine optimale Lösung aufgezeigt werden - sofern eindeutige Ziele vorliegen und die Problematik quantitativ erfassbar ist - oder eine Menge alternativer Entscheidungen aufgezeigt werden. Dazu werden (häufig mathematische) Modelle erstellt, mit denen eine quantitative Basis geschaffen werden soll. Mit entsprechenden Daten wird so ein (in der Regel vereinfachtes) Abbild der Realität konstruiert, um damit das Problem zu bearbeiten bzw. zu lösen. Aber auch die Analyse verschiedener möglicher Szenarien zur Auswahl der optimalen Variante ist Aufgabengebiet des OR. Dabei muss im Verlauf selber auch keine Unsicherheit herrschen. Hierzu zählt auch die Auswahl kostenoptimaler Produktionsverfahren als exemplarisches Beispiel.

Bei OR geht es nicht (ausschließlich) um Optimierung. Optimierung ist neben Modellbildung, Simulation und Analyse ein Teilgebiet des Operations Research; es geht um Entscheidungsunterstützung im Sinne eines modernen Komplexitätsmanagements.

Es ist an dieser Stelle nicht der Platz um die ethische Dimension der Anwendung des Operations Research im militärischen Kontext zu erfassen. Auch dieses Themenfeld wird an Bedeutung zunehmen, was nicht erst durch die neue Diskussion um den Drohneneinsatz auftritt. Die Drohnen machen ohne moderne Algorithmen und Analysen keinen Sinn. Und so nehmen wieder OR-Verfahren in einer aktuellen sozio-technischen Fragestellung eine besondere Rolle ein. OR in der Industrie hat seinen festen Platz; aber wie sagte einmal ein renommierter OR-Lehrstuhlinhaber: „Wir werden deswegen so angesehen, weil wir Ressourcen und Arbeitsplätze sparen.“ Dies ist die andere Seite des OR mit einer starken sozio-technischen Dimension.

Im Militärischen sollte es das höchste Ziel sein, Sicherheit zu garantieren, nicht blind seinen Standpunkt zu maximieren und die Gegenseite zu minimieren. Diese Ambivalenz drückt sich nicht nur in der Dualitätstheorie aus.

 Summary

Operations Research (OR) is a young scientific discipline aiming at solving decision problems. Here, the basis consists of situations where decision makers are supposed to make decisions in precariousness and accumulation of risk, using different methods of OR in order to depict the problem systematically and to analyse it. This analytical aspect is the special topic of this essay. Here, at first the initial situation for OR is made up by decision problems – mostly in precariousness and accumulation of risk. The decision maker often has only fragmentary knowledge about the future development, and in this situation he wants to find optimum solutions nonetheless. Thereby, either an optimal solution can be shown – provided that clear aims are available and the problem can be apprehended quantitatively – or a quantity of alternative methods can be shown. For this purpose, (often mathematical) models are generated for creating a quantitative basis. With correspondent data thus a (simplified, as a rule) image of reality is designed for working on the problem and solving it. Analysing different possible scenarios in order to select the optimal variation is an area of responsibility of OR as well, when precariousness does not exist necessarily, such as, for example, when selecting production procedures at optimal costs. Optimization is not always the aim of OR. Optimization, besides model building, simulation and analysis, is a branch of OR, dealing with decision support in the sense of modern complexity management. In this essay the ethical dimension of applying OR in the military context will not be dealt with. The importance of this topic, however, will increase as well, as can be seen in the course of the discussions on the use of UAVs. Without modern algorithms and analyses, UAVs do not make sense. For this reason, OR-procedures take on a special part in a current socio-technological discussion. OR has a firm position in industry, but some time ago a well-known OR-professor said: “We have this good reputation because we save resources and jobs.” This is the other side of OR with a strong socio-technological dimension. Guaranteeing security ought to be the greatest aim of the military, and not dim-sightedly maximizing one’s position and at the same time minimizing the opposition. This ambivalence is not only expressed in the duality theory.

 Sommaire

La recherche opérationnelle (RO) est une discipline scientifique récente qui vise à résoudre des problèmes de décision. Elle est basée sur des situations dans lesquelles des décideurs doivent prendre une décision dans des conditions d’incertitude et de risques en se servant des différentes méthodes de la RO afin de systématiquement représenter et analyser un problème donné. C’est surtout cet aspect analytique qui va être particulièrement traité dans cette présentation. La situation initiale pour la RO présente (d’abord) des problèmes de décision - pour la plupart même dans des conditions d’incertitude ou de risques. Souvent, le décideur a aussi des connaissances incomplètes du développement futur et aimerait (quand même) trouver des solutions optimales dans une telle situation. Dans ce contexte, on peut présenter une situation optimale - s’il y a des buts concrets et si on peut comprendre la problématique de façon quantitative - ou présenter un nombre de décisions alternatives. Pour cela, on établit (souvent) des modèles (mathématiques) avec lesquels on veut établir une base quantitative. A l’aide de donnés adéquates, on construit ainsi une image (normalement simplifiée) de la réalité avec laquelle on essaye de traiter ou de résoudre le problème. Mais aussi l’analyse de divers scénarios possibles pour ainsi trouver la variante optimale figure parmi les tâches de la RO. En faisant cela, aucune incertitude ne peut se présenter. Ici s’ajoute aussi le choix des procédures de production optimales concernant les coûts comme un exemple représentatif. L’optimisation n’est pas le (seul) but de la RO ; elle représente seulement une partie de la RO, tout comme la construction d’un modèle représentatif, la simulation et l’analyse. La RO traite du soutien de prise de décision dans le sens d’une gestion de complexité moderne. Ici, ce n’est pas le bon endroit pour comprendre la dimension éthique de l’application de la recherche opérationnelle dans le contexte militaire. Ce sujet va aussi gagner en importance, ce qui ne se montre pas seulement par la nouvelle discussion concernant l’emploi des drones. Sans algorithmes et analyses modernes, les drones n’ont pas de sens. Ainsi, les procédures de RO occupent à nouveau un rôle particulier dans une problématique sociotechnique actuelle. Dans l’industrie, la RO a une position solide. Néanmoins, comme a dit un jour le titulaire renommé d’une chaire de RO : « Nous sommes vus ainsi parce que nous économisons des ressources et des emplois. » C’est l’autre face de la RO, avec une forte dimension sociotechnique. Dans le militaire, l’objectif principal devrait être de garantir la sécurité et de ne pas maximiser aveuglément son propre point de vue ni de minimiser la partie adverse. Cette ambivalence ne s’exprime pas seulement dans la théorie de dualité.

Imbi Sooman

Konfliktpotenzial, Konfliktprophylaxe und Konflikte im erweiterten Ostseeraum

 Zusammenfassung

Auch der Ostseeraum ist durch den Zusammenbruch der Sowjetmacht zur ungeteilten Region geworden. Daraus ergibt sich die Herausforderung, Integration auf nationaler, regionaler und europäischer Ebene zu schaffen. Begegnung und Dialog sind daher angesagt, um die oft schwere - oder wenigstens komplizierte - gemeinsame Geschichte aufzuarbeiten und die gemeinsame Zukunft bewusst und vor allem friedlich gestalten zu können. Seit dem Ende des Kalten Krieges wird die Auseinandersetzung mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts zunehmend von drei Faktoren geprägt: Die Beschäftigung mit Geschichtsgedächtnis, mit Geschichtspolitik und mit der Suche nach transnationalen sowie vergleichenden Zugängen zu bisher primär nationalgeschichtlich geprägten Perspektiven. Auch hier wird versucht, kontrastiv und transnational vorzugehen und dabei die Geschichtspolitik besonders zu beachten.

Die EU setzt auf die Ostseeregion: Das transnationale Programm Interreg IV B Ostsee (2007-2013) will die Ostseeregion zu „einem besseren Ort zum Leben, Arbeiten und Investieren“ machen. Das Programm betrifft ganz Schweden, Dänemark, Polen, Estland, Lettland, Litauen und Finnland sowie Teile Norddeutschlands. Norwegen, Weißrussland und die nordwestlichen Teile Russlands sind auch erfasst, obwohl sie nicht EU-Mitgliedstaaten sind.

Das große internationale Forschungsprogramm BONUS fokussiert auf die Umwelt und Gesellschaftsentwicklung der Ostseeregion, wieder im Sinne der „Nördlichen Dimension“, d.h. einschließlich Russlands.

Es sind wichtige Programme, denn der West-Ost-Konflikt, den es in den 90er-Jahren wirtschaftlich nicht gab - Russland war de facto bankrott, und nur froh, die Europäer mit Öl und Gas beliefern zu können und im Gegenzug europäische Investoren ins eigene Land zu holen - ist jetzt auf europäischer und globaler Ebene verschärft und war dies schon vor der Ukraine-Krise.

Die EU ist gefordert, ein Revival der Nördlichen Dimension zu fördern. Es ist zu hoffen, dass die erwähnten Entwicklungs- und Forschungsprogramme mittelfristig auch Visa-Erleichterungen mit sich führen können, so dass auch spontanere und autonome Bildungs- und Kulturkooperationen mit Russland aufgebaut werden können - sodass eine neue russische Mittelschicht herangezüchtet werden kann, als Vorbereitung für die Integration Europa-Russland.

Je vernetzter die Welt wird, desto schwerer wird es, sie in Blöcken gegeneinander auszuspielen. Langfristig kann nur das Abschaffen der globalen Chancenungleichheit friedenserhaltend sein und auf Dauer militärische Verteidigung ersetzen. Wir werden irgendwann hoffentlich eine größere und demokratischere Einheit sein, damit wir uns auf die Probleme des Überlebens auf unserem Planeten oder anderswo - der Nahrung und der Ökologie - konzentrieren können. Das Militär würde dann neue Herausforderungen bekommen. Eine Kontaktzone für Vielfalt wäre der Ostseeraum. Die Integration dieses Raumes ist schon so weit fortgeschritten, dass die Prognose für friedliche Koexistenz sehr gut ist, so lange wir nicht Russland als Problem verdrängen und nicht aufhören, den Dialog zu suchen.

 Summary

Because of the collapse of the Soviet power, the Baltic Sea region, too, has become an undivided region. This results in the challenge of creating integration on a national, regional and European level. Thus, meetings and dialogues are necessary, in order to be able to work off common history – which is often hard, or at least complicated – and to shape common future consciously and – above all – peacefully. Since the end of the Cold War, the debate on the history of the 20th century increasingly has been characterized by three factors: the dealing with history memory, historical politics, and with looking for both transnational and comparative approaches towards primarily national-historically characterized perspectives. Here, too, people try to proceed in a contrastive and transnational manner, with special attention on historical politics. The EU hope for the Baltic Sea region. The transnational program Interreg IV B Baltic Sea (2007-2013) is supposed to turn the Baltic Sea region into “a better place for living, work and investment”. The program will affect all of Sweden, Denmark, Poland, Estonia, Latvia, Lithuania, and Finland, as well as parts of Northern Germany. Norway, Belarus and the north-western parts of Russia are also affected, although they are no EU-members. The great international research program BONUS focusses on environment and social development in the Baltic Sea region, again in the sense of the “northern dimension”, i.e. including Russia. These programs are important, because the West-East-Conflict, which did not exist in the 90ies as far as economy was concerned – Russia was de facto bankrupt, and only happy to be able to supply the Europeans with oil and gas, and, as a countermove, to get European investors into the country – has intensified on a European and global level, a process which had begun before the Ukraine-Crisis already. Thus, the EU is required to foster a revival of the northern dimension. One can only hope that the mentioned development and research programs will also bring about visa alleviations, so that more spontaneous and autonomic educational and cultural cooperation with Russia can be established. In this way, a new Russian middle class can be created, as a preparation for the integration of Europe-Russia. The more networked the world is, the more difficult it will be to play off the alliances against each other. In the long term, only abolishing global unequal opportunities can keep peace, thus replace military defence in the long run. Hopefully sometime we will be a greater and more democratic unity, and thus will be able to concentrate on the problems of surviving on our planet or somewhere else: sustenance and ecology. The military would have new challenges then. The Baltic Sea area would become a contact zone for diversity. The integration of this area has progressed so far that the prognosis for peaceful coexistence is very good, as long as we do not dispel Russia as a problem and stop striving for dialogue.

 Sommaire

Suite à la chute de l’Union soviétique, la région de la mer Baltique est aussi devenue une région non divisée. Cela engendre le défi de créer une intégration au niveau national, régional, et européen. Il faut donc se servir de rencontres et de dialogues pour retravailler le passé commun, souvent difficile ou même compliqué, et pouvoir modeler consciemment et surtout pacifiquement le futur commun. Depuis la fin de la Guerre froide, le conflit avec l’histoire du 20e siècle est de plus en plus marqué par trois facteurs : le travail sur la mémoire historique, la politique historique, et la recherche des accès transnationaux ainsi que des accès comparatifs aux perspectives marquées jusqu’à présent surtout par des facteurs historiques nationaux. Dans ce contexte, on essaye aussi d’agir de façon contrastive et transnationale, en mettant l’accent sur la politique historique. L’UE mise sur la région de la mer Baltique : le programme transnational nommé « Interreg IV B mer Baltique » (2007-2013) veut faire de cette région une « meilleure place pour vivre, travailler et investir ». Le programme porte sur l’ensemble de la Suède, du Danemark, de la Pologne, de la Lettonie, de la Lituanie et de la Finlande ainsi que sur des parties de l’Allemagne du nord. La Norvège, la Biélorussie, et les parties nord-ouest de la Russie sont aussi concernées bien que ce ne sont pas des pays membres de l’UE. Le grand programme international de recherche nommé « BONUS » se focalise sur l’environnement et le développement de la société dans la région de la mer Baltique, de nouveau dans le sens de la « dimension nordique », c’est-à-dire y compris la Russie. Ce sont des programmes importants, parce que le conflit ouest-est, qui n’existait pas sous forme de conflit économique dans les années 1990 - la Russie était en fait en faillite et heureuse de pouvoir fournir du pétrole et du gaz naturel aux Européens pour en contrepartie faire venir des investisseurs européens en Russie - se présente maintenant comme un conflit plus intensifié au niveau européen et au niveau global, ce que le conflit était déjà avant la crise ukrainienne. L’UE est donc appelée à promouvoir une relance de la dimension nordique. Il reste à espérer que les programmes de développement et de recherche mentionnés pourront aussi, à moyen terme, faciliter l’obtention de visas pour ainsi pouvoir établir des coopérations d’éducation et de culture autonomes et plus spontanées avec la Russie et afin de créer une nouvelle classe moyenne comme préparation pour l’intégration russo-européenne. Plus le monde est interconnecté, plus il sera difficile de monter les blocs les uns contre les autres. A long terme, seulement l’abandon de l’inégalité des chances dans le monde pourra garantir la paix et remplacer la défense militaire pour toujours. Espérons qu’un jour nous serons une unité plus grande et plus démocratique pour ainsi pouvoir nous concentrer sur les problèmes de survie sur notre planète ou ailleurs, c’est-à-dire se concentrer sur la nourriture et l’écologie. Une telle situation créerait aussi d’autres défis pour le militaire. La région de la mer Baltique serait une zone de contacts divers. L’intégration de cette région est déjà si avancée qu’on peut vraiment pronostiquer une coexistence pacifique tant que nous ne repoussons pas la Russie comme un problème et tant que nous ne cessons pas de chercher le dialogue.

Peter Sequard-Base

Raketenabwehr

Ausgewählte physikalisch-technische Aspekte

 Zusammenfassung

Das Thema Raketenabwehr bildet nach dem Afghanistaneinsatz der NATO das einzige Artikel 5 Projekt der westlichen Verteidigungsallianz. Dieser Artikel regelt den „Bündnisfall“. Die folgenden Ausführungen wollen einen kurzen Abriss über einige der wichtigsten physikalisch-technischen Aspekte der Raketenabwehr bieten. Das Amt für Rüstung und Wehrtechnik (ARWT) des Österreichischen Bundesheeres (ÖBH) beschäftigt sich schon seit über einem Jahrzehnt mit den technischen Fragestellungen betreffend der Abwehr ballistischer Raketen und hat dazu auch das Computersimulationsmodell RAAB (RAketenABwehr) entwickelt, mit dessen Hilfe die Kinematik der ablaufenden Prozesse untersucht werden kann. Weiters organisiert das ARWT (bisher gemeinsam mit der Universität Innsbruck, Institut für Politikwissenschaft) jährlich den interdisziplinären „Österreichischen Workshop zur Raketenabwehr“, der sich in erster Linie an die Fachleute aus dem deutschsprachigen Raum richtet, aber auch bereits zahlreiche Gäste aus dem zentraleuropäischen Raum begrüßen durfte. All diese Aktivitäten entspringen dem Bemühen, ein Minimum an Einblick in dieses wichtige Projekt der NATO zu gewinnen. Ausgehend von allgemeinen Raketenparametern, der Diskussion der verschiedenen Flugphasen einer ballistischen Rakete, dem Begriff der Raketenabwehrarchitektur sowie der Auseinandersetzung mit einigen ausgewählten Detailfragen, soll nun versucht werden, die Thematik Raketenabwehr - von einem physikalisch-technischen Standpunkt aus betrachtet - zu veranschaulichen.

Exemplarisch sei hier die im Rahmen des EPAA (European Phased Adaptiv Approach) für das Jahr 2015 in Rumänien in der Nähe von Deveselu geplante Indienststellung eines Silofeldes mit SM3 Block1 B Abwehrflugkörper angeführt. Es wäre die erste an Land befindliche operationelle Starteinrichtung für die normalerweise auf den AEGIS-Schiffen eingesetzten SM3 Flugkörper. Gegenwärtig sind die SM3 Block1 A Flugkörper auf den Schiffen installiert. Die Version Block1 B, wie sie für Deveselu vorgesehen ist, entspricht einer Weiterentwicklung der Version Block1 A, wobei der Hauptunterschied im Detektorsystem des so genannten Kill Vehicle liegt. Die Version Block1 A arbeitet mit einem Infrarot-Detektor der nur in einem Wellenlängenbereich detektiert, während die Version Block1 B über eine Detektion in zwei verschiedenen Wellenlängenbereichen verfügt. Der Vorteil bei der Detektion in zwei Wellenlängenbereichen liegt u.a. in der Möglichkeit, damit die Temperatur des Zieles zu vermessen um Störziele, gewollte aber auch ungewollte, besser zu erkennen und die Wahrscheinlichkeit, den gefährlichen Wiedereintrittskörper anzufliegen, damit erhöht wird.

 Summary

After the mission of NATO in Afghanistan, the topic of ballistic missile defence represents the only Article 5 project of the western defence alliance. This article regulates the “case of alliance”. The following statements are supposed to offer a brief outline on some of the most important physical-technical aspects of ballistic missile defence. For more than ten years, the Armaments and Defence Technology Agency (ADTA) of the Austrian Armed Forces has been dealing with the technological problems concerning ballistic missile defence, and therefore has developed the computer simulation model RAAB, with the help of which the kinematics of the processes can be analysed. Furthermore, every year - up to now together with the Institute of Political Sciences of the University of Innsbruck - the Armaments and Defence Technology Agency organises the interdisciplinary “Austrian Workshop for Ballistic missile Defence”, which focusses above all on experts from the German speaking countries, but which has been attended by numerous guests from the Central European area as well. All these activities arise from the striving for achieving a minimum of insight into this important project of NATO. Starting with general missile parameters, the discussion of the different trajectory phases of a ballistic missile, the term ballistic missile defence architecture, as well as the analysis of some selected detailed problems, now the attempt shall be made to demonstrate the subject matter of ballistic missile defence from a physical-technical point of view. Exemplarily the installation and commissioning of a silo field with SM3 Block1 B defence missiles, which - within the framework of the EPAA (European Phased Adaptive Approach) - is scheduled for 2015 inRomanianear Deveselu is mentioned here. This Block 1 will be the first operational launching platform for SM3-Missiles ashore, which are normally launched from AEGIS-ships. At the moment, the SM3 Block1 A defence missiles are installed on the ships. The Block1 B version, as it is intended for Deveselu, is a derivative of the Block1 A version, the main difference being in the detector system of the so-called Kill Vehicle. The Block1 A version works with an infrared-detector detecting in one single wavelength range only, whereas the Block1 B version can work in two different wavelength ranges. The advantage of detecting in two wavelength ranges is, among other things, the possibility to measure the temperature of the target, thus to spot troubling targets - no matter whether deliberately or not, so that the probability of approaching the dangerous hostile missile is increased.

 Sommaire

Après les opérations de l’OTAN en Afghanistan, le sujet de défense antimissile est le seul projet d’article 5 de l’alliance de défense occidentale. Cet article règle la « clause de défense mutuelle ». Les exposés suivants vont donner un bref abrégé de quelques-uns des aspects physico-techniques les plus importants concernant la défense antimissile. La division d’armement et de technique militaire des Forces armées autrichiennes a travaillé pendant plus de dix ans sur les questions techniques de la défense contre les missiles balistiques. Dans ce contexte, elle a développé un modèle de simulation sur ordinateur à l’aide duquel on peut analyser la cinématique des processus en cours. De plus, cette division organise chaque année (en collaboration avec l’institut des sciences politiques de l’université d’Innsbruck) un atelier interdisciplinaire nommé « atelier autrichien de défense antimissile » qui s’adresse surtout à des spécialistes venant de pays germanophones, mais qui a déjà aussi accueilli des hôtes venant d’Europe centrale. Toutes ces activités proviennent des efforts d’obtenir une vue minimale dans ce projet important de l’OTAN. En partant des paramètres généraux sur des missiles, de la discussion sur les diverses phases du vol d’un missile balistique, du terme d’architecture de défense antimissile ainsi que du travail sur certaines questions de détail, on va maintenant essayer d’illustrer le sujet de défense antimissile d’un point de vue physico-technique. A titre d’exemple et dans le cadre de l’EPAA (European Phased Adaptive Approach), on va présenter ici la mise en service d’un champ de silos de tir (avec missiles SM-3 Block 1B), mise en service prévue pour 2015 en Roumanie, près de la ville de Deveselu. Ceci serait le premier site de lancement opérationnel terrestre pour des missiles SM3, missiles qui normalement sont stationnés sur les navires d’AEGIS. Actuellement, ce sont les missiles de type SM3 Block1 A qui sont stationnés sur des navires. La version Block1 B, comme prévue pour Deveselu, est une version améliorée du type Block1 A. La différence principale des deux types réside dans le système de détection du soi-disant « kill vehicle ». La version Block1 A utilise un détecteur infrarouge qui travaille seulement dans une seule gamme de longueur d’ondes tandis que la version Block1 B peut utiliser deux gammes de longueur d’ondes différentes. L’avantage du modèle B réside donc entre autre dans la possibilité qu’il a de mesurer la température de la cible et, ainsi, de mieux détecter des cibles de brouillage volontaires ou involontaires - facteurs qui augmentent la probabilité de s’approcher du dangereux corps de rentrée.