Ausgabe 03/2012


Eberhard Birk

„Ich kann wohl sagen, mein Lebtag nichts Schöneres gesehen zu haben." Ein neuer Blick auf die Lineartaktik

 Zusammenfassung

Ein österreichischer Offizier schrieb über die im Rahmen der Lineartaktik agierenden preußischen Infanterie in der entscheidenden Phase der Schlacht bei Mollwitz am 10. April 1741 unter anderem: „Ich kann wohl sagen, mein Lebtag nichts Schöneres gesehen zu haben. Sie marschierten mit der größten Contenance und so schnurgleich, als wenn es auf dem Paradeplatz wäre.“ Kaum ein anderer zeitgenössisches Zitat ist vor dem Hintergrund einer Schlachtbeschreibung geeignet, so viele Details über das Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis der Lineartaktik im Rahmen absolutistischer Landkriegführung zwischen ästhetischem Wohlgefallen und offenem Ausgesetzt-Sein gegenüber feindlichem Feuer zu verdeutlichen: Grundsätze der Truppenführung, wirtschaftliche Ressourcen und Bewaffnung, geometrische Ordnung und deren Auflösung, Disziplin, Moral und außerweltlicher Beistand. Das wirft auch die grundsätzliche Frage auf, mit welcher Motivation die Soldaten kämpften, deren Erfahrungsräume in Kriegen, Feldzügen und Schlachten von den Faktoren Stress, Furcht, Verwundung und Tod geprägt waren.
Bei der Betrachtung der analysierten Beurteilungs-, Rezeptions- und Deutungsmuster erwies sich die Einführung und Beibehaltung der Lineartaktik als ein komplexes und differenziert zu analysierendes System, das die Demonstration eines zeittypischen Formwillens abbildete. Selbstdarstellung von Hof und Armee, die Farben und das Renommee eines Regiments, die Inszenierung einer Ästhetik des Schlachtfeldes bzw. des Krieges wie das Hofleben, die höfische und militärische Nähe zum Monarchen sowie das Selbstverständnis von Offizierskorps und Hofadel entsprachen ähnlichen bzw. gleichen Funktionsmechanismen: sie alle dienten - wie auch die Kunst - als ordnungspolitische Stabilisatoren einer zahlreiche Handlungsfelder umfassenden politischen Kultur des Absolutismus. Axialsymmetrische Form und repräsentative Ausstrahlung von Hof und Militär waren die dem absolutistischen Staatssystem adäquaten Dominanten. Die Lineartaktik war dabei die militärisch-funktionale Ableitung einer sich selbst bespiegelnden Gesamttypologie von zeitkontextualem Selbstverständnis und ihrer Selbstbestätigung im 17. und 18. Jahrhundert. Aufbau, Beibehaltung und Evaluationsformen machen sie zum Spiegelbild der politischen und gesellschaftlichen Ordnungsvorstellungen auf militärischem Terrain.

 Summary
An Austrian officer wrote about the Prussian infantry, acting according to linear tactics in the course of the decisive phase oft the Battle of Mollwitz on 10th April 1741, among other things: “I suppose I can say that never in my life have I seen anything more beautiful. They marched with utmost countenance and dead straight as if on the parade ground.” Against a backdrop of a battle account, hardly any period quotation is more suitable to illustrate so many details of the conflict between theory and practice of linear tactics within the framework of absolutist land warfare, determined by aesthetic pleasure and open exposure to enemy fire, by principles of leadership, economic resources and arming, by geometrical order and its disintegration, discipline, moral standards, and spiritual help. This also raises the question with what kind of morals the soldiers fought, whose experiences in wars, campaigns and battles where marled by factors such as stress, fear, injuries and death. Considering the analyzed patterns of assessment, reception and interpretation, one will find out that the introduction and upholding of linear tactics was a complex system, which must be investigated in a sophisticated manner, because it portrayed the demonstration of a determination of forms typical of that time. Image cultivation of court and army, colours and reputation of the regiment, production of an aesthetic appeal for both battlefield and war similar to that of life at court, the courtly and military nearness to the monarch, and the identity of both officers’ corps and aristocracy corresponded with similar or even identical operational workings: All of them, and art as well, served as order-political stabilizers of the political culture of absolutism comprising innumerable fields of action. Thus, linear tactics represented the military-functional derivation of the total typology of period identity and its ego-boost in the 17th and 18th centuries. Its establishment, upholding and forms of evaluation make it a reflection of political and social perceptions of order on military terrain.
 Sommaire
Un officier autrichien écrit, entre autre, à propos de l’infanterie prussienne qui opérait selon les principes de la tactique linéaire pendant la phase décisive de la bataille de Mollwitz le 10 avril 1741 : « Je peux affirmer ne pas avoir vu quelque chose de plus beau de toute ma vie. Ils marchaient avec la plus grande contenance et tellement droit, comme s’ils étaient sur la place de parade. » Presqu’aucune autre citation contemporaine n’est aussi apte, dans le contexte de la description d’une bataille, à expliciter tant de détails sur la tension entre la théorie et la pratique de la tactique linéaire utilisée dans le cadre de la conduite de guerre terrestre absolue, entre l’aspect esthétique et le fait d’être complètement exposé au feu ennemi : des détails comme les principes de commandement des troupes, les ressources économiques et l’armement, l’ordre géométrique et sa dissolution, la discipline, le moral et l’assistance extraterrestre. Cela soulève aussi la question fondamentale avec quelle motivation les soldats se battaient, soldats dont les expériences vécues pendant les guerres, les campagnes et les batailles étaient marquées par des facteurs comme le stress, la peur, les blessures et la mort. Quand on considère les modèles analysés de raisonnement, de réception et d’interprétation, l’introduction et le maintien de la tactique linéaire s’est avérée comme un système complexe qui exige une analyse différenciée, système qui représente la démonstration d’une volonté de forme typique pour son époque. L’autopromotion de la Cour et de l’Armée, les couleurs et la renommée d’un régiment, la mise en scène d’une esthétique du champ de bataille et de la guerre ainsi que la vie à la Cour, la proximité aristocratique et militaire au monarque et l’image que le corps des officiers et l’aristocratie de la Cour faisaient d’eux-mêmes correspondaient à des mécanismes de fonctionnement similaires ou semblables : ils servaient tous - comme l’art - de stabilisateurs de la politique d’ordre pour une culture politique de l’absolutisme, culture qui comprenait plusieurs champs d’action. La forme symétrique axiale et le rayonnement représentatif de la Cour et du Militaire étaient les dominantes adéquates au système d’état absolutiste. La tactique linéaire était dans ce contexte la déduction militaro-fonctionnelle d’une typologie collective de la perception contextuelle et temporelle de soi-même et de son auto-confirmation au 17e et 18e siècle. La composition, le maintien et les formes d’évaluation de la tactique linéaire font d’elle un reflet des idées de l’ordre politique et social sur le terrain militaire.

Christian Wolf

A Strong Britain in an Age of Uncertainty. Die aktuelle Sicherheitsstrategie des Vereinigten Königreichs

 Zusammenfassung

Inhalt dieses Artikels ist eine Analyse der aktuellen sicherheitspolitischen Strategie des Vereinigten Königreichs und deren Hintergründe, weil die Folgen der von Whitehall getroffenen Entscheidungen unverändert die weitere Entwicklung der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU beeinflussen. Dieser Umstand führt zur Frage, wie sich die aktuelle Sicherheitsstrategie des Vereinigten Königreichs darstellt, welchen Einflüssen sie unterworfen ist und welche sicherheitspolitischen Auswirkungen daraus abgeleitet werden können. Im Mittelpunkt der Betrachtungen steht daher das im Oktober 2010 veröffentlichte Dokument „A Strong Britain in an Age of Uncertainty: The National Security Strategy“, kurz NSS2010 genannt, die auf sie wirkenden Konstanten des britischen politischen Systems und die Implikationen der NSS2010 auf das Verhältnis zu den USA und der EU. Die NSS2010 greift die über den tagespolitischen Geschehen stehenden nationalen Interessen Großbritanniens auf, und macht sie zur Basis der von Großbritannien verfolgten Ziele. Diese und weitere wesentliche Konstanten des britischen politischen Systems, stellen den Strategiebildenden Rahmen und zugleich die Metaebene der Sicherheitspolitik Großbritanniens dar. Diese Parameter stellen sicher dass, wenn auch durch den Regierungswechsel neue Akzente und Prioritäten in der Außen- und Sicherheitspolitik gesetzt worden sind, der Kurswechsel eher einen schwach-evolutionären denn einen revolutionären Charakter hat. Die schwierige wirtschaftliche Lage des Landes und das Diktat der leeren Staatskassen, sind jedoch jene realpolitischen Faktoren, die, weit mehr als der Regierungswechsel, die Richtlinien und Aussagen der NSS2010 geprägt haben.

Die Analyse des Strategiepapiers ergab weiters, dass sich Whitehall, entgegen dem oftmals beschworenen Nationalstolz, dem Wert seiner Partnerschaften und Allianzen sehr wohl bewusst ist. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sich Downing Street Nr.10 auch in Zukunft, wenn immer möglich, um eine Sonderstellung für Großbritannien in der EU bemühen wird. Die NSS2010 stellt somit den politisch-strategischen Rahmen dar, innerhalb dessen sich die britische Außen- und Sicherheitspolitik in absehbarer Zukunft bewegen wird. Die nachgeordnete SDSR2010 ist ein militärstrategisches Grundsatzdokument, welches die sicherheitspolitischen Vorgaben und Richtlinien der NSS2010 in eine militärisch handhabbare Doktrin umsetzt. In diesem Zusammenhang ist festzustellen, dass Großbritannien am Erhalt leistungsfähiger, weltweit interventionsfähiger Streitkräfte im finanziell machbaren Rahmen, festhält. Unbestreitbar ist, dass die exzellenten historisch gewachsenen, weltweiten Verbindungen des Landes, umsichtig als globales Netzwerk eingesetzt, für die Stärkung der britischen Position von großem Vorteil sein können. Großbritannien ist auch die stärkste Brücke Europas im transatlantischen Sicherheitsverbund. Die englische Sprache als globales Sprachrohr des UK ist die lingua franca des Informationszeitalters. Aber die von der NSS2010 beschriebene multipolar vernetzte Welt des 21. Jahrhunderts bewegt sich im Takt der Globalisierung und nimmt auf historische Größe zunehmend weniger wenig Rücksicht. Der Union Jack hat viel von seinem einstigen Glanz und seiner dominierenden Position eingebüßt, auch wenn ein frischer Wind aus Downing Street Nr.10 ihn stolz und erhaben über Großbritannien und darüber hinaus, wehen lassen möchte.

 Summary
The contents of this paper is an analysis of the current security-political strategy of the United Kingdom as well as its backgrounds, because the consequences of the decisions made in Whitehall still influence the common security and defence policy of the EU. This fact leads to the question how the current security strategy of the United Kingdom presents itself, how it is influenced, and which security-political consequences can be derived from it. Thus, the focus of this examination is the document „A Strong Britain in an Age of Uncertainty: The National Security Strategy“, in short NSS2010, which was published in October 2010, the constant factors of the British political system which have effect on it, and the implications of the NSS2010 concerning the relationships to the USA and the EU. The NSS2010 takes up the national interests of Great Britain beyond day-to-day politics, and makes it the basis of all objectives pursued by Great Britain. These, and further relevant constant factors of the British political system represent the strategic framework and, at the same time, the meta-level of Great Britain’s security policy. These parameters guarantee that any change of policy has a faintly evolutionary rather than a revolutionary character, even if new ways and priorities have been suggested by the change of government. The difficult situation of the nation and the diktat of empty public purses, however, are the real political factors which have coined the guidelines and statements of the NSS2010 to a far higher extent than the change of government. The analysis of the strategy paper further has proved that - despite the national pride often evoked - Whitehall is very much aware of the merits of its partnerships and alliances. On the other hand, this does not mean that Downing Street Nr. 10 will not try to get a special status for Great Britain within the EU whenever this is possible in future. Thus, the NSS2010 represents the political-strategic framework in which the British foreign and security policy will range in the foreseeable future. The subordinated SDSR2010 is a military-strategical fundamental document converting the security-political instructions and guidelines of the NSS2010 into a doctrine applicable for the military. In this connection one can observe that Great Britain - within financially affordable limitations - will stick to maintaining efficient armed forces capable of interventions all over the world. It is an indisputable fact that the excellent and historically established relations of the country all over the world, if they are used reasonably as a global network, can be a great advantage for strengthening Britain’s status. Great Britain also forms Europe’s strongest link in the Trans-Atlantic security system. The English language as the global mouthpiece of the UK also is the lingua franca of the information age. On the other hand, however, the cross-linked world of the 21st century as described in the NSS2010 is moving to the rhythm of globalisation and will not take historical significance into account any longer. Thus, the Union Jack has lost much of its former glory and dominating status, although new squalls from Downing Street Nr. 10 are supposed to make it wave proudly and magnificently over Great Britain and beyond it.
 Sommaire
Le contenu de cet article est une analyse de la politique de sécurité stratégique actuelle du Royaume-Uni et de ses motifs, parce que les conséquences des décisions prises par Whitehall influencent encore toujours le développement futur de la politique de sécurité et de défense commune de l’UE. Cette situation nous mène à la question de savoir comment la stratégie de sécurité actuelle du Royaume-Uni se présente, à quelles influences elle est soumise et quelles sont les conséquences sur la politique de sécurité qu’on peut en déduire. Le document « A Strong Britain in an Age of Uncertainty » (Une Grande-Bretagne forte dans une ère d’incertitude), publié en octobre 2010, sera donc au centre des observations, c’est-à-dire la stratégie nationale de sécurité, en bref NSS2010, les constantes du système politique britannique exerçant des effets sur elle et les implications de la NSS2010 sur la relation entre les USA et l’UE. La NSS2010 aborde les intérêts nationaux britanniques qui sont situés au-delà des événements politiques quotidiens et en fait la base des objectifs poursuivis par la Grande-Bretagne. Ceux-ci et d’autres constantes essentielles du système politique britannique représentent le cadre stratégique et en même temps le méta-niveau de la politique de sécurité britannique. Ces paramètres assurent que, même si on a mis de nouveaux accents et priorités dans la politique extérieure et de sécurité par le biais d’un changement de gouvernement, le changement d’orientation a plutôt un caractère faiblement évolutionnaire que révolutionnaire. La situation économique difficile du pays et le dictat des caisses vides de l’état sont, par contre, les facteurs politiques réels qui ont beaucoup plus marqué les directives et les expressions de la NSS2010 que le changement de gouvernement. L’analyse de ce document stratégique eut en outre pour conséquence que Whitehall, contrairement à la fierté nationale souvent invoquée, est bel et bien conscient de la valeur de ses partenariats et alliances. Néanmoins, cela ne veut pas dire que le numéro 10 Downing Street va aussi s’efforcer, dans le futur et à chaque occasion possible, à arriver à une position spéciale pour la Grande-Bretagne dans l’UE. Ainsi, la NSS2010 constitue le cadre politico-stratégique dans lequel la politique extérieure et de sécurité britannique va mener ses actions dans un futur prévisible. La SDSR2010 est un document de base militaro-stratégique subordonné à la NSS2010. Elle sert à transformer les directives de la politique de sécurité fixées dans la NSS2010 en une doctrine militaire praticable. Dans ce contexte on peut constater que la Grande-Bretagne s’attache toujours au maintien des forces militaires performantes et aptes à intervenir dans le monde entier, ceci dans un cadre financier réalisable. Il est incontestable que les relations mondiales excellentes et historiquement bien développées du pays peuvent être d’un grand avantage pour son réseau global tant qu’elles seront prudemment utilisées. La Grande-Bretagne est aussi le pont le plus fort de l’Europe dans l’alliance de sécurité transatlantique. La langue anglaise, en tant que porte-voix du Royaume-Uni, est la lingua franca de l’époque de l’information. Par contre, le monde interconnecté multipolaire du 21e siècle, comme décrit par la NSS2010, bouge au rythme de la globalisation et ne tient pas beaucoup compte de la grandeur historique. L’Union Jack a beaucoup perdu de son ancien lustre et de sa position dominante bien qu’un vent frais venant du numéro 10 Downing Street aimerait bien le faire flotter au dessus de la Grande Bretagne et au-delà de ses frontières.

Franz-Josef Meiers

Aufbau, Umbau, Abbau; die Neuausrichtung der Bundeswehr

 Zusammenfassung
Der deutsche Verteidigungsminister Thomas de Maizière stellte 2011 in seiner Bestandsaufnahme der Streitkräfte „gravierende Mängel“ fest. Die Bundeswehr sei „seit Jahren strukturell unterfinanziert für die Aufgaben, die ihr gestellt werden.“ Trotz jahrelanger Umgliederungen seien die nationalen Zielvorgaben für eine Armee im Einsatz weder personell noch materiell erreicht worden. Sie verfüge nicht über „ausreichende Fähigkeiten, nicht über optimale Führungsstrukturen, um ihre Aufgaben effizient zu erfüllen.“ Die Rüstungsplanung sei in „katastrophalem“ Zustand. Bundeswehrplanung, Rüstungsplanung und Haushaltsplanung ergänzen sich nur bedingt. Die „Teilreformen“ in den vergangenen Jahren seien „nicht ausreichend“ gewesen. Die Strukturen der Bundeswehr seien für den jetzigen und erst recht für den künftigen Auftrag unzureichend. Um Effizienz, Effektivität und Einsatzorientierung der Bundeswehr nachhaltig zu stärken, war die umfassendste und tiefgreifendste Reform in ihrer Geschichte notwendig. „Diese Lage erfordert Veränderung und zwar von allen“, lautet sein ernüchterndes Fazit. Verteidigungsminister de Maizière sieht sich vor dem unauflöslichen Problem, zeitgleich den Personalumfang der Bundeswehr drastisch zu reduzieren, die Streitkräfte in einen hoch flexiblen „atmenden Personalkörper“ umzuwandeln, die Ausrüstung noch stärker und wirksamer auf die operativen Erfordernisse einer Armee im Einsatz auszurichten und die Einsparvorgaben der Bundesregierung bis 2015 zu erfüllen. Das Problem damals wie heute ist, dass der Neu-Ordnung der Bundeswehr nicht nur eine verlässliche finanzielle Basis über das Jahr 2015 vorenthalten, sondern ihr gleichzeitig nicht die Zeit gegeben wird, zur Konsolidierung des Bundeshaushaltes zeitlich gestaffelt beizutragen. Die fortgesetzte strukturelle Unterfinanzierung des Verteidigungshaushaltes über das Jahr 2015 hinaus macht wie in der Vergangenheit eine Reform der Reform unausweichlich, wie ein Papier aus dem Führungsstab der Streitkräfte unterstreicht. „Das einzige Plus“ einer Reduzierung des Personalumfangs unter 160.000 Soldaten besteht darin, „dass es die Finanzlinie am ehesten erreicht“. Erreicht wird hingegen nicht eine signifikante Stärkung der Einsatz- und Durchhaltefähigkeit der Bundeswehr und der sicherheitspolitischen Handlungsfähigkeit Deutschlands im multinationalen Handlungsverbund von EU und NATO. Es können nicht gleichzeitig ein fähigkeitsorientierter Ansatz verfolgt und die kurzfristigen Einsparvorgaben der Bundesregierung erfüllt werden. Dies kommt der Quadratur des Kreises gleich. Eine Reform nach Kassenlage eröffnet keine gestalterischen Freiräume für eine moderne und zukunftsfähige Bundeswehr. Sie wird wie in der Vergangenheit zu den gleichen enttäuschenden Ergebnissen wie die bisherigen Umbaubemühungen der Bundeswehr führen. Eine Neuausrichtung der Bundeswehr als Armee im Einsatz hängt entscheidend von „einer nachhaltigen finanziellen Hinterlegung der erforderlichen Fähigkeiten“ ab. Der Erfolg der Neuausrichtung der Bundeswehr hängt entscheidend davon ab, ob es Verteidigungsminister de Maizière im Gegensatz zu seinen Vorgängern gelingt, die sicherheits- und finanzpolitischen Rahmenbedingungen für eine Neuausrichtung der Bundeswehr nachhaltig zusammenzuführen.
 Summary
In the course of his stocktaking of the armed forces in 2011 the German defence minister, Thomas de Maizière, detected “serious deficiencies”. The Bundeswehr has been “structurally under-financed for the assigned tasks for years.” Despite longstanding re-organizations the national objectives for an army in action have been reached neither in personnel nor in material matters. It does not have “neither sufficient capabilities, nor optimum management structures, to fulfil its tasks effectively.” Arms’ planning is in “disastrous” condition. Bundeswehr planning, arms planning and budgeting complement one another only marginally. The „partial reforms“ of the last years have „not been sufficient.” The structures of the Bundeswehr are insufficient for both the present and the future purposes. Thus, the most comprehensive and radical reform in its history had become necessary in order to strengthen the efficiency, effectivity and mission orientation of the Bundeswehr. “This situation requires changes from everybody,” is his sobering result. Defence minister Thomas de Maizière is confronted with the insoluble problem to have to reduce the numbers of personnel in the Bundeswehr drastically, to transform the armed forces into a highly flexible “breathing body of personnel”, to adjust all the equipment even more effectively and radically to the operational requirements of an army in action, and to fulfil the saving instructions of the Federal Government by 2015, all at the same time. The problem then and now is that the reform of the Bundeswehr will not get a reliable financial basis until 2015 and beyond, and in addition to that, it will not get the necessary time to contribute to the consolidation of the federal budget on a sliding scale. Thus, the continued structural under-financing of the defence budget until 2015 and beyond will make a reform of the reform unavoidable again, as has been emphasized in a paper from the command staff of the armed forces. “The only asset” of a reduction in personnel under 160.000 soldiers is “that this most probably will achieve the financial goal”. On the other hand, a significant strengthening of the mission capabilities and staying power of the Bundeswehr, and of the security-political Germany’s capacity to act, will, however, not be achieved. It is not possible to pursue a capabilities-oriented approach and to fulfil the short-term saving instructions of the federal government at the same time. This is like trying to square the circle. A reform limited by the budget does not open creative developments for a modern and forward-looking Bundeswehr. Like in the past, this reform will lead to the same disappointing results as the previous reform struggles of the Bundeswehr. A re-alignment of the Bundeswehr as an army in action fundamentally depends on “a lasting financial background for the required capabilities.” The success of the re-alignment of the Bundeswehr decisively depends on whether defence minister Thomas de Maizière, unlike his predecessors, is able to bring together the security-political and financial general set-ups for a re-alignment of the Bundeswehr.
 Sommaire
Lors de son inventaire des forces armées en 2011, le ministre de la défense allemand Thomas de Maizière a constaté de graves déficits. La Bundeswehr serait, « depuis des années structurellement sous-financée pour remplir les tâches qui lui sont confiées », dit-il. En dépit d’années de réorganisation, on n’a pas atteint les objectifs nationaux pour une armée opérationnelle - ni au niveau personnel, ni matériel. Elle ne disposerait pas de « capacités suffisantes, ni de structures de commandement optimales pour remplir efficacement ses missions ». La planification de l’armement serait dans un état catastrophique. La planification des structures, de l’armement et des finances de la Bundeswehr ne se complèteraient que de façon limitée. Les « réformes partielles » des années précédentes « n’auraient pas été suffisantes ». Les structures de la Bundeswehr seraient insuffisantes pour les missions actuelles et surtout pour les missions futures. Afin de renforcer durablement l’efficacité et l’orientation opérationnelle de la Bundeswehr, il fut nécessaire de lancer la plus grande et la plus profonde réforme de son histoire. « Cette situation exige des changements, et cela de nous tous », ainsi son résumé réaliste. Le ministre de la défense de Maizière se voit devant un problème insoluble, c’est-à-dire de réduire drastiquement le volume du personnel de la Bundeswehr, de transformer les Forces armées en un corps de personnel hautement flexible et « respirant », d’orienter l’équipement encore plus vers les exigences des nécessités opérationnelles et de remplir les directives du paquet d’austérité du gouvernement fédéral jusqu’en 2015. Le problème, à l’époque comme aujourd’hui, est de ne pas priver la Bundeswehr d’une base financière fiable au delà de 2015, mais aussi de ne lui pas donner, en même temps, suffisamment de temps pour contribuer de façon échelonnée à la consolidation du budget fédéral. Le sous-financement structurel continu du budget de défense au-delà de 2015 va nous mener, comme dans le passé, inévitablement à une réforme de la réforme, comme un document issu de l’Etat-major des Forces armées le souligne. « Le seul aspect positif » d’une réduction du volume du personnel à un nombre au dessous de 160 000 soldats est qu’une telle mesure atteindra le plus vraisemblablement la limite financière. Ce qu’on ne va pas atteindre, par contre, c’est le renforcement significatif de la capacité opérationnelle et de la persévérance de la Bundeswehr ainsi que la capacité d’action concernant la politique de sécurité allemande dans l’alliance d’actions multinationale de l’UE et de l’OTAN. Il n’est pas possible de poursuivre en même temps une approche orientée vers la capacité et de remplir les objectifs du paquet d’austérité imposé à court terme par le gouvernement fédéral. Une telle mesure équivaudrait à la quadrature du cercle. Une réforme qui s’adapte à la situation financière n’ouvre pas d’espaces libres pour une Bundeswehr moderne, capable d’affronter les défis futurs. Elle va nous mener aux mêmes résultats décevants que lors des efforts passés de restructuration de la Bundeswehr. Une réorientation de la Bundeswehr comme armée opérationnelle va surtout dépendre « d’un soutien financier durable des capacités nécessaires ». Le succès de la réorientation de la Bundeswehr va décisivement dépendre de l’habilité du ministre de la défense de Maizière d’unifier durablement, contrairement à ses prédécesseurs, les conditions de base pour une nouvelle orientation de la politique de finance et de sécurité.

Clemens A. Eicher

Anatomie der Zwangs- und Gewaltmittel im Rahmen der Außenpolitik

 Zusammenfassung
Seit Bestehen des modernen internationalen Staatensystems konkurrieren Regierungen kontinuierlich um Positionierungen in der Macht- und/oder Militärstruktur. Diese Konkurrenz zwischen den diversen Regierungen kann sich nicht nur systemweit vollziehen, sondern auch auf lokaler oder regionaler Ebene kann eine bestimmte Spitzenposition im militärischen oder machtpolitischen Sinne zur Disposition stehen. Um eine angestrebte Positionierung in den genannten Bereich zu erlagen, abzusichern oder auszubauen, steht den jeweiligen Regierungen eine Palette von Instrumentarien oder Wirkmitteln zur Verfügung. Bei der Erfassung dieser Wirkmittel, die Regierungen im Rahmen ihres Außenverhaltens dazu befähigt, andere Regierungen, zu bestimmten Handlungen, oder zur Unterlassung eben solcher zu bewegen, die sie aus freien Stücken nicht tätigen würden, treffen wir auf unterschiedlich gruppiertes Anschauungsmaterial.
Aus diesem Anschauungsmaterial soll nun im Rahmen der nachfolgenden Ausführungen nur jener Teil herausgefiltert und aufbereitet werden, wo mit der Androhung und/oder Anwendung von Zwangs- oder Gewaltmitteln gearbeitet wird. Um der Realität gerecht zu werden, hat sich der Verfasser dazu entschieden auch den außengerichteten Staatsterrorismus und den aktiv-staatlich-unterstützten Terrorismus zu berücksichtigen, obwohl ihre Einsatz gegen das klassische Völkerrecht verstößt! Man kann mit Fug und Recht hierzu resümieren, dass auch Regierungen zweifelsohne das Instrument Terrorismus einsetzen, um ihre Interessen im Rahmen der Außenpolitik zu wahren.
Die unmittelbare und mittelbare Verwendung von Zwangs- und Gewaltmitteln wird nach wie vor als probat empfunden, wenn eigene Interessen im Rahmen der Außenpolitik verfolgt und auch durchgesetzt werden sollen. Dieser Befund wird auch nicht durch den hohen, aber chaotischen Bestand an Normen und Verfahrensregeln für die Regelung von Konflikten zwischen Staaten des modernen Staatensystems geschmälert. Vielmehr dürfte es so sein, dass die institutionalisierte Variante der Streitbeilegung - internationale Regime - zwischen Staaten nur dann präferiert wird, wenn die Verfahrensregeln zur Streitbeilegung zum eigenen Vorteil gereichen oder das Potenzial zur Druck- oder Gewaltanwendung zu gering ausfällt.
 Summary
Since the existence of modern international alliances, governments have competed continuously for positioning in power and/or military structures. This rivalry between the various governments does not take place all over the system only, but on the local or regional level as well. A certain top position in the military or power-political sense can be at disposal. In order to gain, hedge or improve a desired positioning in the mentioned area, the respective government has a range of instruments and effective means at its disposal. When analyzing these effective means enabling governments to get other governments to take or not to take certain actions within their foreign affairs which they would not take of their own free will, we meet with illustrative material which is arranged in varying groups. Within the scope of the following exposition only that part of this illustrative material is to be filtered out and dealt with, which works with threat and/or application of means of enforcement and violence. In order to do justice to reality, the author has decided to consider national terrorism directed to the exterior and terrorism actively supported by governments as well, although their employment violates classic international law. Here one can summarize with good reason that governments undoubtedly employ terrorism as an instrument, too, in order to safeguard their interests within the scope of foreign affairs. Indirect and direct application of means of enforcement and violence is still considered appropriate, whenever own interests are to be pursued and pushed through within the scope of foreign affairs. This is a fact, and it is by no means impaired by the immense and chaotic stock of standards and regulations concerning the settlement of conflicts between nations of the modern system of states. On the contrary, the institutionalized variation of conflict settlement - international regimes - between states is only preferred, if the regulations for settlement are to their own advantage, or if the potential of pressure or violence is too low.
 Sommaire

Depuis l’existence du système d’états international et moderne, les gouvernements se concurrencent continuellement pour leurs positions dans la structure du pouvoir et/ou du militaire. Cette concurrence entre les différents gouvernements ne peut pas seulement se passer dans un système, il est aussi possible qu’une certaine position de pointe soit mise à disposition sur le plan militaire ou de pouvoir public, au niveau régional comme local. Pour obtenir, assurer ou étendre un positionnement visé sur les plans mentionnés plus haut, les gouvernements concernés disposent d’une gamme d’instruments ou de moyens efficaces. En identifiant les moyens qui rendent les gouvernements capables, dans le cadre de leur comportement extérieur, de motiver d’autres gouvernements à entreprendre des actions qu’elles ne feraient pas volontairement, nous rencontrons des documents différemment groupés. De ces documents, on filtrera et préparera dans le texte suivant seulement la partie où on évoque la menace et/ou l’utilisation des moyens de violence et/ou de force. Pour satisfaire à la réalité, le rédacteur a décidé de prendre aussi en considération le terrorisme étatique orienté vers l’extérieur et le terrorisme activement soutenu par l’état, bien qu’une telle tactique contrevienne au droit international classique. On peut résumer à juste titre que des gouvernements utilisent sans aucun doute l’instrument du terrorisme pour défendre leurs intérêts dans le cadre de leur politique extérieure. L’utilisation directe et indirecte des moyens de force et de violence est toujours vue comme un moyen éprouvé quand on poursuit des intérêts dans le cadre de la politique extérieure et quand on veut aussi les imposer. Ce constat n’est pas non plus diminué par le nombre élevé mais chaotique de normes et directives d’exécution installées pour le règlement de conflits entre les pays d’un système d’états moderne. Il se pourrait plutôt que la variante institutionnalisée de résolution de conflits - c’est-à-dire des régimes internationaux - sera seulement préférée parmi des états si les directives d’exécution pour la résolution de conflits apportent des avantages propres, ou si le potentiel nécessaire pour exercer de la pression ou de la violence s’avère être insuffisant.