Ausgabe 01/2021


Bruno Günter Hofbauer

Zur Militärstrategischen Lage Österreichs

 Zusammenfassung

Im Jahr 2021 stehen Europa, die EU und damit untrennbar verbunden auch die Republik Österreich, vor strategischen Weichenstellungen. Aus militärstrategischer Sicht weisen die Entwicklungen und Umbrüche der letzten 30 Jahre in Mitteleuropa eine sehr hohe Dynamik auf. Die teilweise radikalen Veränderungen in Europa nach dem Ende des Kalten Krieges hatten schwerwiegende Auswirkungen auf die Landesverteidigung Österreichs und brachten mehrmalige grundsätzliche Änderungen der militärstrategischen Ausrichtung mit sich. Das Ende dieser Übergangszeit ist noch nicht erreicht; die zukünftigen Entwicklungen kaum abzuschätzen. Mit der Auflösung des Warschauer Paktes, dem Zerfall der Sowjetunion, dem Verschwinden ihrer militärischen Kapazitäten aus Mitteleuropa und dem Fall des Eisernen Vorhanges änderte sich die Lage auch für Österreich sehr schnell und drastisch. Die bis dahin gültige Grundausrichtung des Bundesheeres auf die territoriale Verteidigung und Ausrichtung auf die Abhaltestrategie gegenüber eventuellen Durchmarschbewegungen, wich der neuen Bedrohung an den Staatsgrenzen Österreichs, die durch die zunächst nicht kalkulierbaren Risiken der politischen Umbrüche in den unmittelbaren Nachbarstaaten ausgelöst wurden. Auch wenn die Neuordnung der Tschechoslowakei und die dortige Trennung des Staatsgefüges in die Republiken Tschechien und Slowakei ebenso wie die Umorientierung in Ungarn ohne Blutvergießen bewältigt werden konnte, so kam es doch ab Juni 1991 zu gewaltsamen Auseinandersetzungen an der österreichisch-jugoslawischen Staatsgrenze. Es folgte der erste Einsatz des österreichischen Bundesheeres (ÖBH) zur militärischen Landesverteidigung. Die Bundesregierung ermächtigte zwar den Bundesminister für Landesverteidigung zum Einsatz des Bundesheeres an der Staatsgrenze, die dazugehörigen Folgerungen wurden jedoch nicht gezogen. Zur Überraschung vieler Beobachter und Beteiligter wurde im Jahr 1991 weder der Neutralitätsfall durch die Bundesregierung erklärt, noch die grundsätzlich für den Einsatz in einem solchen Fall vorgesehene Miliz aufgeboten. Dieser Einsatz zur Militärischen Landesverteidigung wurde mit den präsent verfügbaren Teilen und auch für einen Einsatz zur militärischen Landesverteidigung nicht ausreichend ausgebildeten Grundwehrdiener bestritten. Die Nachwehen dieser Entscheidung und der weitere Umgang mit der Miliz ist bis in das 21. Jahrhundert spürbar. So konnte die fehlende Ausstattung auch nach Reduzierung des Mobilmachungsrahmens nicht bereitgestellt werden und später wurde durch das Aussetzen der Truppenübungspflicht der Milizsoldaten die Kampfkraft der Verbände des ÖBH drastisch beeinträchtigt. Eine neue Dynamik erhielten die Entwicklungen Anfang der 1990er-Jahre durch die Balkankrisen und die Beteiligung des ÖBH an den dortigen internationalen Einsätzen. Der Krise in Bosnien-Herzegowina kommt hier besondere Bedeutung zu. Österreich war plötzlich ein wichtiges Land für den Aufmarsch der NATO-geführten internationalen Friedenstruppen. 1995 trat Österreich der „Partnerschaft für den Frieden“ (PfP) bei und begann ein neues Kapitel der Zusammenarbeit mit der NATO. Ab Jänner 1996 wurde das erste österreichische Kontingent (AUSLOG/IFOR) unter NATO-Kommando im Rahmen von IFOR eingesetzt. Eine Präsenz der österreichischen Truppen am Balkan hatte angefangen, die bis zum heutigen Tag anhält. Der Umgang mit der Neutralität Österreichs hatte begonnen, sich grundsätzlich zu ändern.

Darüber hinaus wird zu klären sein, welche Rolle Österreich und somit auch das Bundesheer in einer sich entwickelnden gemeinsamen Verteidigung der EU übernehmen wird. Ein Herausoptieren aus diesem gemeinsamen europäischen Vorgehen, käme wohl einer „strategischen Bankrotterklärung“ der Republik gegenüber der EU gleich. Sollte jedoch die Notwendigkeit zu einer Verteidigung der Republik gegen einen konventionellen Gegner erkannt werden, so muss das ÖBH von Grund auf neugestaltet werden. Eine Orientierung an den grundsätzlichen Ideen der Raumverteidigung - unter Berücksichtigung der dann herrschenden Bedrohungsausprägungen - oder auch die Auseinandersetzung mit einem Bündnisbeitritt wären dann wohl opportun. Es sind die nötigen Schritte einzuleiten, um den erforderlichen und bedrohungsadäquaten Beitrag der österreichischen Streitkräfte auf der sicherheits-, außen- und wirtschaftspolitischen Ebene zu ermöglichen.

 Summary

In 2021, Europe, the EU and thus the Republic of Austria, will be facing strategic decisions. From a military strategic point of view, the developments and upheavals of the last 30 years in Central Europe show a very high dynamic. The sometimes radical changes in Europe after the end of the Cold War had a serious impact on Austria's national defense and brought with it several fundamental changes in the military-strategic orientation. The end of this transitional period has not yet been reached; to assess future developments. With the dissolution of the Warsaw Pact, the disintegration of the Soviet Union, the disappearance of its military capabilities from Central Europe and the fall of the Iron Curtain, the situation for Austria also changed very quickly and drastically. The federal army's basic orientation to territorial defense and the holding strategy against possible marching surgeries, which until then was valid, gave way to the new threat at the state borders of Austria, which was triggered by the initially incalculable risks of political upheaval in the immediate neighbouring states. Although the reorganization of Czechoslovakia and the separation of the state structure there into the republics of the Czech Republic and Slovakia, as well as the reorientation in Hungary, could be managed without bloodshed, there were violent clashes at the Austrian-Yugoslav state border from June 1991. This was followed by the first deployment of the Austrian Federal Army (ÖBH) to the military national defense. Although the Federal Government authorised the Federal Minister for National Defense to deploy the Federal Army at the state border, the corresponding consequences were not drawn. To the surprise of many observers and participants, neither the federal government declared the neutrality case in 1991 nor did the militia, which was intended in principle for use in such a case, be called up. This deployment to the military national defense was contested with the present parts and also for an operation for military national defense not sufficiently trained basic servicemen. The aftermath of this decision and the further handling of the militia can be felt until the 21st century. Thus, the lack of equipment could not be made available even after the reduction of the mobilization framework and later the suspension of the troop training obligation of the militia soldiers drastically affected the fighting power of the associations of the ÖBH. Developments in the early 1990s were given a new dynamism by the Balkan crises and the participation of the ÖBH in the international operations there. The crisis in Bosnia-Herzegovina is of particular importance here. Austria was suddenly an important country for the march of NATO-led international peacekeepers. In 1995, Austria joined the Partnership for Peace (PfP) and began a new chapter of cooperation with NATO. From January 1996, the first Austrian contingent (AUSLOG/IFOR) was deployed under NATO command under IFOR. A presence of the Austrian troops in the Balkans had begun, which continues to this day. The handling of Austria's neutrality had begun to change fundamentally. In addition, it will have to be clarified what role Austria, and thus also the Federal Army, will play in a developing common defence of the EU. Opting out of this common European approach would probably amount to a "strategic declaration of bankruptcy" by the Republic towards the EU. However, if the need to defend the republic against a conventional adversary is recognized, the ÖBH must be redesigned from the ground up. An orientation to the basic ideas of the space defense - taking into account the then prevailing threat forms - or even the confrontation with joining the alliance would then probably be opportune. The necessary steps must be taken to enable the necessary and threat-appropriate contribution of the Austrian armed forces at the security, foreign and economic policy level.

 Sommaire

En 2021, l’Europe, l’UE et ainsi, inévitablement, aussi l’Autriche seront confrontées à des réorientations stratégiques. Du point de vue militaro-stratégique, les développements et les bouleversements en Europe centrale pendant les dernières trente années ont montré une dynamique très forte. Les changements, partiellement radicaux, en Europe après la Guerre froide ont provoqué de graves conséquences pour la défense militaire de l’Autriche et ont mené à plusieurs réorientations militaro-stratégiques. On n’est pas encore arrivé à la fin de cette période transitoire et il est difficile de prévoir les développements futurs. La situation a vite changé, aussi pour l’Autriche, avec la dissolution du Pacte de Varsovie, l’effondrement de l’Union soviétique et la disparition de ses capacités militaires de l’Europe centrale ainsi que la chute du rideau de fer. Jusqu’à cette époque, l’Armée fédérale autrichienne était orientée vers la défense territoriale et l’empêchement de mouvements possibles de forces armées étrangères à travers l’Autriche. Suite à des bouleversements politiques dans des pays voisins, on a maintenant été confronté à de nouvelles menaces provoquées par des risques d’abord non calculables. Même si la réorganisation de la Tchécoslovaquie et sa séparation en deux états, la Tchéquie et la Slovaquie, ainsi que la réorientation de la Hongrie se sont passées sans versement de sang, des affrontements violents ont commencé à partir de juin 1991 le long de la frontière austro-yougoslave. Cet affrontement eut comme résultat la première opération de défense territoriale de l’Armée fédérale autrichienne. Le gouvernement fédéral autorisa le ministre de la Défense à déployer des forces armées à la frontière - une autorisation dont on ne tira pas de conclusions. A la surprise de beaucoup d’observateurs et de participants, le gouvernement autrichien ne proclama ni la « situation de neutralité » ni ne mobilisa des réservistes (la « milice »), c’est-à-dire les mesures prévues pour une telle situation. En fait, cette opération fut menée avec les forces présentes disponibles et avec des appelés pas suffisamment formés pour participer à une telle mission. Les répercussions de cette décision gouvernementale et l’attitude envers les soldats de réserve qui en suivit sont encore perceptibles au 21ème siècle. Ainsi, on n’est pas arrivé à combler le manque d’équipement, même après une réduction des troupes destinées à être mobilisées. Plus tard, avec l’abandon des exercices biannuels, exercices obligatoires pour les réservistes, la puissance militaire de l’Autriche fut drastiquement réduite. Ces développements ont obtenu une nouvelle dynamique à partir de 1990 par les crises au Balkan et la participation de forces armées autrichiennes aux opérations internationales menées dans cette région. Dans ce contexte, c‘est surtout la crise en Bosnie-Herzégovine qui fut particulièrement importante pour l’Autriche qui, tout d’un coup, devint un pays important pour le rassemblement des troupes de paix agissant sous le commandement de l’OTAN. En 1995, l’Autriche devint membre du « Partenariat pour la paix » (PPP) et ainsi, ouvrit un nouveau chapitre dans sa coopération avec l’OTAN. A partir de 1996, le contingent militaire autrichien (AUSLOG/IFOR) fut mis sous le commandement de l’OTAN et participa aux opérations de l’IFOR. Ce fut le début de la présence de troupes autrichiennes au Balkan, présence qui existe toujours. Avec cette présence, l’attitude de l’Autriche vis-à-vis de sa neutralité a considérablement changé. Une autre question à résoudre est celle du rôle de l’Autriche et, ainsi, aussi de ses forces armées dans la défense commune de l’UE, défense qui est en train de se développer. Ne pas opter pour un tel procédé européen serait une « déclaration de faillite stratégique » de l’Autriche vis-à-vis de l’UE. Si, quand-même, l’Autriche reconnaît la nécessité de se défendre contre un ennemi conventionnel, il serait nécessaire de restructurer ses forces armées à partir de zéro. Dans ce cas, il serait opportun de s’orienter vers les idées principales de l’ancienne « défense globale du territoire autrichien » - en prenant en considération les menaces existantes - ou de penser à une éventuelle adhésion à une alliance militaire. En tout cas, il est important d’initier les mesures nécessaires pour rendre possible une contribution adéquate des Forces armées autrichiennes au niveau de la sécurité ainsi qu’au niveau de la politique étrangère et de l’économie européennes.

Manfried Rauchensteiner

Die Verteidigungsminister der Zweiten Republik - Serie
Johann Franz Freihsler

 Zusammenfassung

Das Milieu, aus dem Johann Freihsler (1917-1981) kam, war ganz anders als das seiner Vorgänger als Verteidigungsminister. Sein Vater war Schlossergehilfe in Kunewald in der Nähe von Neutitschein (Kunin, Okres Nový Jičín) gewesen und zog nach Wien. 1917 kam der Sohn Johann zur Welt. Nach dem Krieg lebte die Familie in ärmlichen Verhältnissen. Johann bekam Stipendien und sollte Lehrer werden. Er kam 1932 an eine Lehrerbildungsanstalt in Wien und maturierte 1936 mit Auszeichnung. Freihsler meldete sich als Einjährig-Freiwilliger und kam zum Wiener Infanterieregiment Nr. 3. 1937 wechselte er an die Maria-Theresianische Militärakademie. Dort wurde er nach dem Anschluss Österreichs Ende August 1938 als Oberfähnrich ausgemustert. Nach einem Jahr als Ausbildner wurde er mit seinem Regiment im Polenfeldzug eingesetzt. Von Rumänien aus nahm Freihslers Division am Angriff auf die Sowjetunion teil. Sie erkämpfte den Übergang über den Dnjepr und nahm Anfang Oktober an der Schlacht am Asowschen Meer teil. Bei der Gelegenheit wurde Freihsler am rechten Bein verwundet. Freihsler wurde danach als Oberleutnant am 15. Mai 1942 in die Führungsabteilung des Oberkommandos der 11. Armee transferiert und machte die Kämpfe auf der Krim und die Einnahme Sewastopols im Juli 1942 mit. Anschließend verlegte die 11. Armee zur Heeresgruppe Nord und verstärkte den Belagerungsring um Leningrad. Schon nach vier Monaten wurde die Armee aber wieder in den südlichen Abschnitt der Ostfront verlegt und war nach der Einschließung der deutschen 6. Armee in Stalingrad am Aufbau einer neuen Abwehrfront beteiligt. Freihsler machte die Sommerschlacht in Russland (Operation „Zitadelle“) und den Rückzug der Heeresgruppe in der Ukraine mit, verblieb während der ganzen Zeit in der Führungsabteilung der 11. Armee bzw. der neuen Heeresgruppen. Bereits als Hauptmann wurde er mit März 1944 an die Kriegsakademie nach Berlin versetzt, um eine Generalstabsausbildung zu beginnen. Nach Kriegsende gelang ihm in langen Fußmärschen die Heimkehr nach Wien. Er fand im Innenministerium Beschäftigung in der Abteilung 12 K, die sich mit der Betreuung der Kriegsgefangenen und Heimkehrer befasste. Mitte 1955 wurde er in das Amt für Landesverteidigung überstellt und zur Mitarbeit bei der Aufstellung des Bundesheeres eingesetzt. Ab 1. Jänner 1956 wurde er Major dhmD. Von 1958 bis 1961 hatte er als Leiter der Organisationsabteilung im Bundesministerium für Landesverteidigung wesentlichen Anteil am Heeresaufbau. Nach den unter Bundesminister Karl Schleinzer vorgenommenen Umstellungen im Ressort musste er diesen Posten verlassen und wurde Leiter der Stabsabteilung des nunmehr in seinen Kompetenzen eingeschränkten Generaltruppeninspektors, General Erwin Fussenegger. Diesen Posten hatte er vom 1. August 1961 bis 19. Jänner 1966 inne und konnte sich in dieser Zeit die Anerkennung und das Vertrauen des Generals erwerben. Zu seinen wesentlichen Leistungen in dieser Zeit zählt die Vorbereitung der ersten Großmanöver des Bundesheeres im Herbst 1965 und die Organisation mehrerer großer Paraden auf der Wiener Ringstraße. Er leitete auch den Katastropheneinsatz bei den großen Überschwemmungen des Sommers 1965 in Kärnten. Am 1. Jänner 1966 wurde er Brigadier. Zu diesem Zeitpunkt wurde er von Bundesminister Georg Prader auch mit der Leitung der Gruppe Operation betraut. In dieser Funktion organisierte er den Einsatz des Bundesheeres während der 1968 durch den Einmarsch der Warschauer Paktes in der Tschechoslowakei entstandenen Krise.

Am 21. April 1970 wurde er, der politisch der SPÖ nahestand, als Bundesminister für Landesverteidigung in das erste Kabinett von Bundeskanzler Bruno Kreisky berufen. Er war der erste sozialdemokratische Verteidigungsminister der Zweiten Republik. In seine Ministerschaft fiel die Umsetzung der Bundesheerreform, nach der der Wehrdienst von neun auf sechs Monate verkürzt wurde. Am 3. Februar 1971 legte er allerdings aus Gesundheitsgründen sein Ministeramt zurück und ging kurz darauf in Pension, die er noch zehn Jahre einigermaßen genießen konnte.

 Summary

Johann Freihsler (born 4th December 1917 in Vienna, died 17th February 1981) was an Austrian general and federal minister of national defense. After passing an award at the Vienna III Teacher Training Institute, he joined the Vienna Infantry Regiment No. 3 of the Federal Army of the First Republic in September 1936 as a one-year volunteer. In 1937 he began training as an officer at the Theresian Military Academy. After the annexation of Austria in March 1938, he was taken over into the Wehrmacht, and in September of this year he was transferred to Oldenburg as Oberfähnrich to the Infantry Regiment 16 of the 22nd Infantry Division. Promoted to lieutenant, he took part in the Polish campaign with this regiment in September 1939. Moved to Romania in 1940, his association took part in the campaign against the Soviet Union from 22 June 1941 in the southern section. He was wounded as company chief in August 1941 and then used as an ordonnance officer in the XXX Army Corps. From May 1942 to October 1943 he was assigned to The Army Command 11 and from November 1943 to February 1944 with the Army Groups South and Don. In May 1943 he became captain. From March 1944 to April 1945 he completed the General Staff training. After the end of the war, he managed to return to Vienna in long foot marches. He found employment in the Ministry of the Interior in Department 12 K, which dealt with the care of prisoners of war and returnees. In mid-1955 he was transferred to the Office of National Defense and was appointed to cooperate in the establishment of the Federal Army. From 1st January 1956 he became Major dhmD (General Staff Service). From 1958 to 1961, as head of the organizational department in the Federal Ministry of National Defense, he played a major role in the construction of the army. After the changes in the department under Federal Minister Karl Schleinzer, he had to leave this post and became head of the staff department of the inspector general, General Erwin Fussenegger, who is now limited in his powers. He held this post from 1st August 1961 to 19th January 1966, during which time he was able to gain the recognition and trust of the General. Among his main achievements during this period is the preparation of the first major manoeuvres of the Bundesheer in the autumn of 1965 and the organization of several large parades on Vienna's Ringstrasse. He also led the disaster response during the great floods of the summer of 1965 in Carinthia. On January 1st, 1966, he became a brigadier. At that time, he was also entrusted by Federal Minister Georg Prader with the leadership of the Operation Group. In this capacity, he organized the deployment of the Federal Army during the crisis caused by the invasion of Czechoslovakia by the Warsaw Pact in 1968. On 21st April 1970, he, who was politically close to the SPÖ, was appointed federal minister of national defense to the first cabinet of Chancellor Bruno Kreisky. He was the first Social Democrat Minister of Defense of the Second Republic. His ministerial position was the implementation of the Federal Army Reform, after which military service was shortened from nine to six months. A few months of ministerial work, however, destroyed his health and turned this fun-loving but sensitive man into a wreck. He was apparently crushed between two loyalties. He would certainly have preferred to remain loyal to both – the Social Democratic Party and its Chancellor on the one hand, and the army and his comrades on the other. However, he was unable to cover these two worlds. On 3rd February 1971, he resigned from his ministerial post for health reasons and retired shortly thereafter, having been promoted to general of the infantry on 1st January 1971. Johann Freihsler died ten years later on 17th February 1981.

 Sommaire

Le milieu d’où venait Johann Freihsler (1917-1981) était tout différent de celui de son prédécesseur. Son père était aide serrurier à Kunewald, près de Neutitschein (Kunin, Okres Nový Jičín), d’où il déménagea à Vienne. Son fils, Johann, est né en 1917. Après la guerre, la famille vivait dans des conditions précaires. Johann recevait des bourses pour devenir instituteur. En 1932, il est entré à l’institut de formation pédagogique à Vienne où, en 1936, il a obtenu son bac avec distinction. Après, Freihsler décida de passer une année volontaire dans le militaire pour devenir officier. Il fut donc assigné au 3ème Régiment d’Infanterie en 1937 et, plus tard, à l’Académie militaire de Wiener Neustadt. En 1938, après le rattachement de l’Autriche à l’Allemagne, il quitta l’académie militaire comme Oberfähnrich. Puis, il fut employé comme instructeur et participa avec son régiment à la campagne de Pologne. Après, sa division fut déployée en Roumanie d’où elle fit partie de l’attaque contre l’Union soviétique. Au cours de cette attaque, la division conquit le passage à travers le fleuve Dnjepr et participa, début octobre, à la bataille menée près de la Mer d’Azov. Dans cette bataille, Freihsler fut blessé à sa jambe droite. Le 15 mai 1942, Freihsler fut, en tant que lieutenant, transféré dans la section directrice du Haut Commandement de la 11ème Armée et participa aux combats en Crimée et à l’occupation de Sébastopol en juillet 1942. Après, la 11ème Armée fut assignée à la Heeresgruppe (Groupe d’armées) « Nord » et renforça les forces assiégeantes de la ville de Léningrad. Après quatre mois déjà, la 11ème Armée fut de nouveau transférée dans le secteur sud du Front de l’Est où elle contribua à la reconstruction d’un nouveau front de défense suite à l’encerclement de la 6ème Armée à Stalingrad. Freihsler participa aussi à la « bataille d’été » (opération « Citadelle ») et à la retraite de son Groupe d’armées en Ukraine. Pendant ces opérations, il était toujours membre de la section directrice de la 11ème Armée ou des nouveaux Groupes d’armées. En mars 1944, en tant que capitaine, Freihsler fut déjà assigné à l’Académie de guerre située à Berlin pour entamer une formation d’officier breveté. Après la fin de la guerre, il réussit à rentrer à Vienne en faisant de longues marches à pied. Il trouva un emploi dans la section « 12 K » du ministère de l’Intérieur, section responsable du soin pour les prisonniers de guerre et les rapatriés. Au milieu de l’année 1955, Freihsler fut transféré au Bureau de Défense nationale où il participa à la mise sur pied des Forces armées autrichiennes. Le 1er janvier 1956, le capitaine Freihsler fut promu « commandant de service militaire supérieur ». De 1958 à 1961, en tant que directeur de la section « organisation » du ministère de la Défense, il joua un rôle majeur dans la reconstruction des Forces armées autrichiennes. Néanmoins, après l’entrée en vigueur des changements effectués par le ministre de la Défense, Karl Schleinzer, Freihsler dut quitter ce poste et fut nommé chef de l’état-major auprès de l’inspecteur général de l’Armée, Erwin Fussenegger, un général dont les compétences furent restreintes par ces changements. Freihsler occupa ce poste du 1er août 1961 au 19 janvier 1966. Durant cette période, il réussit à gagner la confiance du général Fussenegger. Parmi ses performances essentielles de cette période figurent la préparation des premières grandes manœuvres militaires en automne 1965 et l’organisation de plusieurs parades sur la Ringstrasse de Vienne. Il coordonna aussi l’opération de secours suite aux larges inondations en Carinthie l’été 1965. Le 1er janvier 1966, Freihsler fut promu général de brigade et chargé de la direction de la section « opérations » par le ministre de la Défense Georg Prader. Dans cette fonction, il organisa l’emploi des Forces armées autrichiennes pendant la crise de Tchécoslovaquie en 1968, crise provoquée par l’invasion des troupes du Pacte de Varsovie. Le 21 avril 1970, Freihsler fut, en tant que sympathisant du Parti socialiste autrichien (SPÖ), nommé ministre de la Défense dans le premier gouvernement du chancelier fédéral Bruno Kreisky. Il fut le premier ministre social-démocrate de la Défense de la 2ème République autrichienne. Pendant sa période ministérielle, les Forces armées furent réformées suite à la réduction du service militaire obligatoire de 9 à 6 mois. Néanmoins, le 3 février 1971, Freihsler quitta ses fonctions pour des raisons de santé et peu après il prit sa retraite dont il put, dans une certaine mesure, profiter encore une dizaine d’années.

Andreas W. Stupka

Wieviel Geld benötigt das Bundesheer?
Zur Notwendigkeit einer österreichischen Militärdoktrin

 Zusammenfassung

Das Jahr 2020 wird wohl als eine der schwierigsten Zeiten seit dem Ende des Kalten Krieges in die österreichische Geschichte eingehen. Die Maßnahmen zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie haben das Gesellschaftsleben in einer Weise umgekrempelt, wie es bis dorthin für den einfachen Bürger, der sich bisher kaum mit Krisen und Katastrophenszenarien zu beschäftigen hatte, nicht vorstellbar gewesen ist. V.a. aber haben diese Ereignisse auch der Wirtschaft in einem Ausmaß geschadet, dass nicht so einfach mehr zur Normalität übergegangen werden kann. Zudem müssen große Geldbeträge in die marode Wirtschaftsentwicklung gepumpt werden, um diese wieder anzukurbeln. Dies erfordert aber mit ziemlicher Sicherheit auch Einsparungen in anderen Bereichen der Staatsausgaben. Es steht daher zu vermuten, dass in nächster Zeit im Bereich der Verteidigungsausgaben der Republik Österreich keine, zumindest keine umfangreichen Investitionen, getätigt werden können, sofern sie die Gestaltung einer effizienten Landesverteidigung betreffen. Dies erscheint jedoch insofern dramatisch, als im Jahr 2019 das Bundesheer unter dem damaligen Ressortminister, Mag. Thomas Starlinger, in einer bisher noch nie gezeigten Deutlichkeit auf seine mangelnde Einsatzbereitschaft hinsichtlich des Verfassungsauftrages zur militärischen Landesverteidigung hingewiesen hatte.

Die Frage, wieviel Geld das Bundesheer für die Zwecke der militärischen Landesverteidigung tatsächlich benötigt, kann also nur durch eine entsprechende politische Beurteilung beantwortet werden, die auf einer Zusammenschau aller Elemente des Militärwesens beruht. Daraus abgeleitet hat die Politik ein Konzept zu erstellen, worin klar zum Ausdruck gebracht wird, für welche Zwecke, unter Zugrundelegung des Streitkräfteanspruches, ein Bundesheer verwendet, aufgestellt und ausgerüstet werden soll, also wie sich die militärische Landesverteidigung im Prinzip gestalten soll. Im Anschluss daran ist eine Bewertungsphase zur Festlegung der Zeithorizonte für die Zielerreichung und ein Finanzrahmenplan zu erstellen, um dies in weiterer Folge, analog zur Vorgangsweise während der Zeit des Kalten Krieges, in einen Landesverteidigungsplan zu gießen. Überhaupt bestünde hier die Möglichkeit, diesen Landesverteidigungsplan als Grundlage zu verwenden, ihn zu überarbeiten und anzupassen, um eine Kontinuität in der österreichischen sicherheitspolitischen Entwicklung zu dokumentieren und das Begriffswirrwarr aufzulösen. Für das Militär jedenfalls hätte die dann angeordnete Militärdoktrin als politisch abgestimmte und verbindliche Grundlage zu gelten. Es wäre also falsch, dem Heer, ohne diese Grundlagen eine bestimmte Summe Geldes zur Verfügung zu stellen, denn egal, ob zu viel oder zu wenig - es wäre ohne zielgerichtete Bestimmung hinausgeschmissenes Geld. Wenn nach einer eingehenden Beurteilung trotzdem nur eine bestimmte Menge Geldes zur Verfügung gestellt werden kann, die aber nicht reicht, alle Aufgaben entsprechend zu erfüllen, dann hat die Politik den Aufgabenumfang zu beschränken, jedenfalls jedoch abermals klare Vorgaben zu geben. Ansonsten besteht die Gefahr, dass alle vorgeschriebenen Aufgaben angegangen werden und dann keine entsprechend erreicht werden kann. Das Bundesheer wäre demzufolge ein unfertiges Stückwerk - weit entfernt vom Anspruch an funktionierende Streitkräfte - und es käme exakt zu jener Diskussion, die wir in Österreich derzeit vorfinden.

Es ist dabei unerheblich, ob als Zugang ein prinzipieller oder ein adaptiver Ansatz gewählt wird. Wesentlich ist die klar formulierte Vorgabe, was Landesverteidigung in der konkreten Sicherheitslage zu leisten imstande sein muss. Nur so kann eine tragfähige Brücke zur Überwindung der Kluft zwischen den unterschiedlichen Ansichten gebaut und somit der gesamten Bevölkerung ein ehrliches Gefühl der Sicherheit vermittelt werden.

 Summary

The year 2020 will probably go down in Austrian history as one of the most difficult times since the end of the Cold War. Measures to combat the COVID-19 pandemic have turned social life around in a way that has not been conceivable until then for the ordinary citizen, who until now had little to deal with crises and disaster scenarios. But these events have also harmed the economy to such an extent that it is not so easy to return to normality. In addition, large sums of money must be pumped into ailing economic development in order to revive it. However, this almost certainly requires savings in other areas of government spending. It must therefore be presumed that, in the near future, no, at least substantial, investment, may be made in the area of defence expenditure by the Republic of Austria, provided that they concern the design of an efficient national defence. However, this seems dramatic in that in 2019 the Bundesheer under the then Minister of The Department, Mag. Thomas Starlinger, had pointed out in a previously unseen clarity his lack of commitment with regard to the constitutional mandate for military national defense. The question of how much money the Federal Army actually needs for the purposes of military national defense can therefore only be answered by a corresponding political assessment, which is based on a briefview of all elements of the military system. From this, the policy has to draw up a concept in which it is clearly expressed for which purposes, on the basis of the military claim, a federal army should be used, set up and equipped, i.e. how the military national defense should be structured in principle. Subsequently, an evaluation phase to define the time horizons for the achievement of the target and a financial framework plan must be drawn up in order to subsequently pour this into a national defence plan, similar to the procedure taken during the Cold War. In general, it would be possible to use this national defence plan as a basis, to revise it and to adapt it in order to document continuity in the Austrian development of security policy and to dissolve the confusion of concepts. For the military, in any case, the military doctrine then ordered should be regarded as a politically coordinated and binding basis. It would therefore be wrong to provide the army with a certain amount of money without these foundations, because it would be too much or too little - it would be money thrown out without a targeted provision. If, after an in-depth assessment, only a certain amount of money can still be made available, but which is not enough to carry out all tasks accordingly, then the policy must limit the scope of the tasks, but at least once again give clear guidelines. Otherwise, there is a risk that all prescribed tasks will be tackled and that none will be achieved accordingly. The Bundesheer would therefore be an unfinished piecemeal work - far from the claim of functioning armed forces - and it would come to exactly the very discussion that we currently find in Austria. It does not matter whether a principled or adaptive approach is chosen as access. What is essential is the clearly formulated requirement of what national defence must be able to achieve in the specific security situation. Only in this way can a viable bridge be built to bridge the gap between the different views and thus give the entire population an honest sense of security.

 Sommaire

L’année 2020 va entrer dans l’histoire autrichienne comme une des périodes les plus difficiles depuis la fin de la Guerre froide. Les mesures prises pour la lutte contre la pandémie COVID-19 ont bouleversé notre vie sociale d’une façon inimaginable. Jusque-là, le citoyen « normal » n’avait presque jamais été confronté à de telles crises et scénarios catastrophiques. Ces événements ont surtout provoqué un effet négatif pour l’économie, effet qui ne permet pas de repasser facilement au normal. De plus, de grandes sommes d’argent devront être injectées dans le développement de l’économie en faillite pour la relancer. Cela exigera certainement une réduction des dépenses dans d’autres secteurs publics. On peut donc supposer que, à court terme il ne sera pas possible d’effectuer des investissements importants pour  l’Armée autrichienne afin d’arriver à une défense militaire efficace. La situation est encore plus dramatique si on considère les propos de l’ancien ministre de la Défense, Thomas Starlinger, qui a constaté en 2019 et avec une clarté sans précédent que l’Armée autrichienne n’est pas suffisamment opérationnelle pour remplir sa tâche principale : défendre le territoire autrichien. La réponse à la question de savoir combien d‘argent il faut vraiment donner à l’Armée fédérale autrichienne pour qu’elle soit capable de défendre l’Autriche peut seulement être trouvée dans une analyse politique basée sur une synthèse de tous les éléments militaires disponibles. Puis, la politique doit en développer un concept qui exprime clairement les objectifs pour lesquels il faut mettre sur pied, équiper et employer des Forces armées - c’est-à-dire comment la défense militaire nationale doit être conçue. Après, il faut établir un horizon temporel pour la réalisation des buts fixés et créer un cadre financier afin de, finalement, intégrer ces deux éléments dans le « Plan de la Défense nationale », comme c’était déjà le cas pendant la Guerre froide. En général, un tel procédé offrirait la possibilité d’utiliser ce « Plan de Défense nationale » comme une base, de le réviser et de l’adapter afin de documenter une continuité dans le développement de la politique de sécurité autrichienne - et de, finalement, aussi démêler le chaos terminologique. En tout cas, la doctrine militaire qui en découlerait devrait être acceptée comme une base obligatoire et politiquement adaptée. Il serait donc faux d’attribuer une certaine somme d’argent à l’Armée autrichienne sans avoir élaboré les bases mentionnées plus haut. Dépenser de l’argent sans objectifs préfixés serait la même chose que de jeter l’argent par les fenêtres - peu importe de quelle somme il s’agit. Si, après une analyse profonde, il n’est possible de mettre à disposition qu’une somme limitée qui ne suffit pas pour remplir toutes les tâches militaires assignées, il est nécessaire que la politique réduise la gamme de tâches ou, du moins, donne des directives précises. Sinon, on risquerait de s’impliquer dans l’ensemble des tâches assignées sans pouvoir les remplir à cent pourcent. Par conséquent, l’Armée fédérale autrichienne serait une organisation incomplète et loin de pouvoir revendiquer le statut d’une force armée fonctionnante. De plus, tout cela mènerait de nouveau aux discussions actuelles en Autriche. Dans ce contexte, c’est égal si on choisit une approche de principe ou une approche adaptative. L’essentiel est de donner une directive précise concernant les capacités militaires nécessaires dans une situation spécifique. C’est la seule possibilité de construire un pont solide pour surmonter le fossé entre les différents points de vue et, ainsi, donner un sentiment de sécurité à la population.

Andreas Alexa/Christian Schorn

Zur Theorie der Militärlogistik

 Zusammenfassung

Da Theorien das Fundament jeder wissenschaftlichen Forschung sind und Regeln für das Handeln vorgeben, ist es notwendig, anerkannte wissenschaftliche Theorien, auf die Anwendbarkeit der Militärlogistik zu analysieren und Ableitungen zu treffen. Neben der Militärstrategie, der Operation, der Taktik und der Allgemeinen militärischen Führung ist die militärische Logistik (= Militärlogistik) und der Streitkräfteunterhalt (= Bereitstellungslogistik), welche zusammengefasst als Logistik im Verteidigungsressort bezeichnet werden, ein wesentlicher Teilbereich der Wissenschaftsdisziplin Militärwissenschaft. Die Bereitstellungslogistik nimmt aufgrund der Zuordnung der materiellen und infrastrukturellen Unterstützung der Logistik im Verteidigungsressort eine leitende Funktion bei den beiden Entwicklungslinien Ausrüstung einschließlich Ausstattung und Infrastruktur ein. Das Kennzeichnende und somit Wesen der Militärlogistik ist die Gestaltung und ständige Optimierung logistischer Strukturen, Systeme und Prozesse durch ein militärisches Logistikmanagement, welche der streitkräfteinternen, -externen und -übergreifenden Leistungserstellung dienen. Somit plant, steuert und kontrolliert das militärische Logistikmanagement den effizienten und effektiven Einsatz logistischer Dienstleistungen (= logistische Prozesse), welche von logistischen Kräften realisiert werden, innerhalb eines logistischen Systems. Dies dient der Erfüllung aller logistischen Bedürfnisse von Streitkräften. Für die logistische Funktion der Materialbewirtschaftung bedeutet dies beispielsweise einen vorwärts und rückwärtsgerichteten Fluss von Transformationsobjekten (Versorgungsgüter), einschließlich der dafür notwendigen Informationen zwischen Knoten (logistischen Einrichtungen und Räumen) und Kanten (logistischen Verbindungslinien). Als wesentliche Wirkung der Militärlogistik kann die Herstellung und Erhaltung der Überlebensfähigkeit, der Einsatzfähigkeit und der Durchhaltefähigkeit von Streitkräften in Einsätzen bzw. die Sicherstellung eines effizienten Normdienstes angeführt werden. Anders ausgedrückt, ist der Zweck aller Maßnahmen der Militärlogistik die Vermeidung der logistischen Kulmination. Denn ist diese eingetreten, sinkt die Einsatz- und Leistungsbereitschaft der Streitkraft. Daraus resultiert aus wissenschaftlicher Perspektive für die Militärlogistik das Erkenntnisobjekt der Analyse und Interpretation von Logistikaufgaben der Führungs- und Durchführungsebene, welche den Fluss von Transformationsobjekten bzw. -subjekten, wie Versorgungsgüter, Energie oder Lebewesen, und den damit zusammenhängenden Geld- und Informationsfluss in logistischen Netzwerken durch logistische Kräfte bewirken. Dieses wird mit (militär)wissenschaftlichen Methoden untersucht, um Erkenntnisse zur Weiterentwicklung der Wissenschaftsdisziplin zu erlangen. Die Militärlogistik ist, neben der Bereitstellungslogistik, ein wesentlicher Bestandteil der Teildisziplin militärische Logistik und Streitkräfteunterhalt der Militärwissenschaft. Da Theorien ein wesentliches Fundament jeglicher wissenschaftlichen Betätigung darstellen, ist eine Beschäftigung mit diesen für Wissenschaftler eine absolute Notwendigkeit. Es hat sich gezeigt, dass sich systemtheoretische, netzwerktheoretische und organisationstheoretische Grundlagen auf den Bereich der Militärlogistik transformieren lassen. Diese stellen damit eine solide wissenschaftstheoretische Basis dar, welche auch dem Grundsatz, dass die Theorie der Praxis vorgehen solle, folgt. Die Systemtheorie kann als Fundament bezeichnet werden, auf denen die weiteren angeführten Theorien aufbauen können. Ausgehend vom militärlogistischen System, welches eher abstrakt die Beziehungen zwischen den Systemelementen beschreibt, entsteht durch die Festlegung von teilnehmenden Elementen ein logistisches Netzwerk. Dieses wird wiederum erst durch eine dementsprechende Aufbau- bzw. Ablauforganisation realisiert.

 Summary

Since theories are the foundation of all scientific research and set rules for action, it is necessary to analyze and derive derivatives of recognized scientific theories, on the applicability of military logistics. In addition to military strategy, operation, tactics and general military leadership, military logistics (= military logistics) and military maintenance (= deployment logistics), which are collectively referred to as logistics in the Defense Department, is an essential part of the scientific discipline of military science. Deployment logistics is a senior role in the two development lines, including equipment and infrastructure, as a result of the allocation of material and infrastructural logistics support in the Defence Department. The characteristic and thus essence of military logistics is the design and continuous optimization of logistic structures, systems and processes through military logistics management, which serve the internal, external and cross-service production of forces. Thus, military logistics management plans, controls the efficient and effective use of logistic services (= logistic processes), which are carried out by logistical forces, within a logistical system. This serves to meet all the logistical needs of armed forces. For example, for the logistical function of material management, this means a forward and backward flow of transformation objects (supply goods), including the necessary information between nodes (logistical facilities and areas) and edges (logistic connecting lines).

The essential effect of military logistics is the production and maintenance of the survivability, operational capacity and durability of armed forces in operations or the guarantee of an efficient standard service. In other words, the purpose of all military logistics measures is to avoid logistical culmination. After all, once this has occurred, the force's readiness for action and performance decreases. From a scientific perspective for military logistics, this results in the object of knowledge of the analysis and interpretation of logistics tasks at the management and implementation level, which cause the flow of transformation objects or subjects, such as supplies, energy or living beings, and the associated flow of money and information in logistic networks by logistical forces. This is investigated using (military) scientific methods in order to gain insights into the further development of scientific discipline. In addition to delivery logistics, military logistics is an essential part of the subdiscipline of military logistics and military maintenance of military science. Since theories are an essential foundation of any scientific activity, dealing with them is an absolute necessity for scientists. It has been shown that system-theoretical, network-theoretical and organizational-theoretical foundations can be transformed into the field of military logistics. These thus constitute a solid basis for scientific theory, which also follows the principle that the theory should proceed in practice. System theory can be described as a foundation on which the other theories cited can be based. Starting from the military logistics system, which describes the relationships between the system elements in a rather abstract way, a logistic network is created by the definition of participating elements. This, in turn, is only realized by a corresponding structure or process organization.

 Sommaire

Etant donné que ce sont les théories qui forment la base de toute recherche scientifique et qui imposent les règles pour les actions qui s’ensuivent, il est nécessaire d’analyser les théories scientifiques reconnues afin de vérifier si elles sont aussi applicables pour la logistique militaire. A côté des actions militaires menées au niveau stratégique, opérationnel et tactique et du commandement militaire en général, il y a aussi la logistique militaire et le soutien des forces (la « logistique de mise à disposition »), collectivement appelés « logistique de défense », qui constituent une partie essentielle de la discipline scientifique nommée « science militaire ». A cause de son rôle de soutien de la logistique de défense dans le domaine matériel et infrastructurel, la « logistique de mise à disposition » occupe une position primaire dans le développement de l’équipement et de l’infrastructure militaire. La caractéristique et donc l‘essence de la logistique militaire est la conception et l’optimisation permanente, par le commandement logistique militaire, des structures, systèmes et procédures logistiques destinés à soutenir les performances militaires internes, externes et internationales. Ainsi, le commandement logistique militaire planifie, dirige et contrôle, dans le cadre d’un système logistique, l’emploi efficace des services logistiques (= processus logistiques), services qui sont finalement mis en œuvre par les troupes logistiques. Pour la fonction logistique nommée « gestion de matériel », par exemple, cela veut dire initier un flux d’objets de transformation (articles de ravitaillement) vers l’avant et vers l’arrière de la zone d’opération, y inclus les informations nécessaires entre les nœuds (installations et espaces logistiques) et les bords (lignes de connexion logistiques). La création et le maintien de la survivabilité, de la capacité opérationnelle et de la durabilité des troupes pendant les opérations ainsi que l’assurance d’un service de soutien standardisé peuvent être considérés comme les effets les plus importants de la logistique militaire. En d’autres termes, le but de toutes les mesures de la logistique militaire est l’évitement d’une culmination logistique - ce qui mènerait à une diminution de la disponibilité opérationnelle et de la performance des troupes. Du point de vue scientifique, il en résulte, pour la logistique militaire, l’objet scientifique de « l’analyse et de l’interprétation des tâches logistiques » assignées aux échelons de planification et d’exécution, tâches qui provoquent le flux des objets et des sujets de transformation comme par exemple des articles de ravitaillement, de l’énergie ou des êtres vivants ainsi que le flux d’argent et des informations dans des réseaux logistiques, flux qui sont finalement mis en œuvre par les troupes logistiques. Pour obtenir des connaissances sur le développement de la discipline scientifique en question, ces analyses et interprétations sont effectuées avec des méthodes (militaro-)scientifiques. A côté de la logistique militaire, la « logistique de mise à disposition » est un élément essentiel de la sous-discipline nommée « logistique militaire et soutien des forces », discipline qui fait partie de la science militaire. Comme les théories constituent une base essentielle de toute activité scientifique, il est absolument nécessaire pour un chercheur scientifique de prendre ces théories en considération. Il s’est avéré qu’on peut transférer les bases théoriques d’un système, réseau ou organisation différents dans le domaine de la logistique militaire tant qu’elles constituent des bases théoriques scientifiques stables et suivent le principe que la théorie devrait précéder la pratique. La théorie d’un système peut donc être vue comme une base sur laquelle on peut placer les deux autres théories, c’est-à-dire la théorie du réseau et la théorie de l’organisation. Partant d’un système militaro-logistique qui décrit les relations plutôt abstraites entre les éléments d’un système, on peut créer un réseau logistique par l’interconnexion des éléments appropriés. Ce réseau sera enfin mis en œuvre par une organisation appropriée des structures et des processus.

Wilhelm M. Donko

Das Projekt der „Schwarzmeer-Einheitsschiffe“ (SME) und ihr Bau auf der Schiffswerft Korneuburg im Zweiten Weltkrieg

 Zusammenfassung

In der Ausgabe ÖMZ 3/2018 wurde bereits über hochseegängige Frachtschiffe vom Typ KT berichtet, die ursprünglich zur Lösung des Nachschubproblems in Nordafrika konzipiert worden waren und teilweise an der Donau, in Ungarn (4 Schiffe) und in Österreich (7 Schiffe) gebaut wurden. Es ist auch unter Marineexperten kaum bekannt, dass dieses Serienbauprogramm der Kriegstransporter (KT), bei dem etwa 60 Bauaufträge vergeben und dabei ca. 40 Schiffe fertiggestellt wurden (der Großteil in Italien), nicht das letzte Bauprogramm für hochseegängige Frachtschiffe im Auftrag der Kriegsmarine im europäischen Südraum war. Das etwas später begonnene Schwarzmeer-Einheitsschiffe (SME)-Programm wurde parallel zum noch laufenden der Kriegstransporter gestartet und sollte dem Schwarzen Meer dringend benötigten Schiffsraum in Form von modernen Küstenmotorschiffen zuführen, die man reichlich großspurig „Schwarzmeer-Einheitsschiffe“ nannte. Die Bezeichnung deutet auf Massenproduktion hin, vergeben wurden aber lediglich zwölf Baunummern auf zwei Werften, die von ihrer Lage nicht unterschiedlicher hätten sein können: in Korneuburg in Niederösterreich und Elmshorn in Schleswig-Holstein. Gebaut wurden nur insgesamt acht Schiffe.

Das SME-Bauprogramm geht in seinen Wurzeln auf massive Nachschubprobleme der Heeresgruppe Süd in Russland Anfang 1942 zurück und wurde parallel zum laufenden KT-Bauprogramm gestartet. Vom Konzept her handelte es sich um moderne Küsten-Motorschiffe (Kümos), die auf Donauwerften gebaut werden sollten. Zudem sollten in Norddeutschland vorgefertigte Bauteile für ganze Schiffe in den Donauraum gebracht werden.

Schiffbaulich waren die SME im Vergleich zu den KT viel mehr als reine Handelsschiffe zu bewerten, die KT doch in viel höherem Ausmaß als „echte“ Kriegsschiffe.

Wenn man die gesamte Dimension der deutschen Marinerüstung in der zweiten Hälfte des Krieges als Maßstab nimmt und mit der amerikanischen vergleicht, stellt sich die Frage, ob die Entscheidungsträger auf deutscher Seite wirklich keine Ahnung über den Umfang der alliierten Ressourcen hatten oder ihn ganz bewusst ignorierten. Es ist jedenfalls schwer verständlich, dass intelligente Menschen es verantworten konnten, den militärischen Widerstand unter diesen Gesichtspunkten fortzusetzen. Für das Deutsche Reich war das Programm zum Bau der Schwarzmeer-Einheitsschiffe ein Misserfolg, da kein Schiff mehr rechtzeitig fertig wurde. Für die Werft in Korneuburg und (nach Kriegsende) in Budapest bestand ein Vorteil zumindest darin, dass diese beiden Binnenwerften nach dem Krieg aufgrund ihres Know-hows früh in den Bau von hochseegängigen Küstenmotorschiffen einsteigen konnten.

 Summary

In the issue ÖMZ 3/2018, there have already been reports of high-sea KT cargo ships, which were originally designed to solve the replenishment problem in North Africa and were partly built on the Danube, in Hungary (4 ships) and in Austria (7 ships). It is also hardly known among naval experts that this series-building program of war transporters (KT), in which about 60 construction contracts were awarded and about 40 ships were completed (the majority in Italy), was not the last construction program for high-sea cargo ships on behalf of the Kriegsmarine in the European Southern region. The Black Sea Unit Ships (SME) program, which began a little later, was launched in parallel with the still ongoing war transporters and was intended to provide the Black Sea with much-needed ship space in the form of modern coastal motor ships, which were called Black Sea Unit Ships in large-scale. The designation indicates mass production, but only twelve construction numbers were assigned at two shipyards, which could not have been more different from their location: in Korneuburg in Lower Austria and Elmshorn in Schleswig-Holstein. Only a total of eight ships were built. The SME construction program goes back in its roots to massive replenishment problems of the Army Group South in Russia at the beginning of 1942 and was started in parallel with the ongoing KT construction program. In terms of concept, these were modern coastal motor ships (Kümos) to be built on Danube shipyards. In addition, prefabricated components for entire ships were to be brought to the Danube region in northern Germany. Shipbuilding, the SME was much more than the KT to be valued as pure merchant ships, the KT to a much greater extent than "real" warships. If one takes the entire dimension of the German naval armament as a benchmark in the second half of the war and compares it with the American one, the question arises whether the decision-makers on the German side really had no idea about the extent of the Allied resources or deliberately ignored it. In any case, it is difficult to understand that intelligent people could be responsible for continuing the military resistance from these points of view. For the German Reich, the program for the construction of the Black Sea unit ships was a failure, as no ship was completed in time. For the shipyard in Korneuburg and (after the end of the war) in Budapest, one advantage was at least that these two inland shipyards were able to start early in the construction of offshore coastal motor ships after the war due to their know-how.

 Sommaire

Dans le magazine ÖMZ no. 3/2018, il y avait déjà un article sur les navires cargo du type « KT », navires conçus pour opérer en haute mer afin de résoudre le problème de ravitaillement des troupes allemandes en Afrique du Nord pendant la 2ème guerre mondiale. Cette flotte de navires fut en partie construite sur des chantiers situés le long du Danube : 4 navires en Hongrie et 7 navires en Autriche. Peu d’experts de Marine savent que le programme de production en série des navires « KT », programme pour lequel on conclut une soixantaine de contrats de travail qui résultèrent dans la finalisation d’environ 40 navires (dont la plupart en Italie) ne fut pas le dernier programme pour la construction, sur ordre de la Marine de guerre allemande, de navires cargo capables d’opérer en haute mer dans le Sud de l’Europe. En fait, le programme NMNS commença un peu plus tard que le programme de construction des navires « KT », mais il fut réalisé en même temps. Les NMNS furent construits pour fournir, en tant que caboteurs modernes, l’espace de cale à cette époque absolument nécessaire pour le ravitaillement des troupes. En vérité, ils ne méritaient pas le nom pompeux de « navires de mer Noire standardisés ». Le terme « navires standardisés » indique qu’il s’agissait d’une production de masse bien que, en réalité, douze numéros de fabrication furent assignés à deux chantiers navals, chantiers très différents en ce qui concernait leur position géographique : un chantier se trouvait à Korneuburg, Basse Autriche, et l’autre à Elmshorn, Schleswig-Holstein. Sur ces chantiers on ne construisit que huit bateaux. Le programme de construction des NMNS prend ses origines dans les problèmes de ravitaillement du Groupe d’armées Sud en Russie au début de 1942 et fut réalisé en parallèle avec le programme de construction des « KT », programme qui avait déjà commencé plus tôt. Les navires « KT » étaient conçus comme des caboteurs modernes destinés à être construits sur des chantiers navals situés près du Danube. A ces fins, on transportait des composants préfabriqués du Nord de l’Allemagne vers la région du Danube. Du point de vue de construction, les NMNS étaient plutôt des navires commerciaux tandis que les « KT » ressemblaient à de « vrais » navires de guerre. Si on prend comme référence l‘ensemble de l’armement maritime allemand pendant la deuxième moitié de la Seconde Guerre mondiale et si on le compare à l’armement maritime américain, la question se pose si les décideurs allemands étaient vraiment informés de l’ampleur des ressources des Forces alliées ou s’ils les ont délibérément ignorées. En tout cas, il est difficile à comprendre que des gens intelligents pouvaient prendre la responsabilité de continuer leur résistance militaire sous ces conditions. Pour le Reich allemand, le programme de construction des NMNS fut un échec parce qu’aucun navire ne fut terminé à temps. Néanmoins, les chantiers navals de Korneuburg et de Budapest en tirèrent profit après la guerre parce qu’ils furent utilisés, à cause de leur savoir-faire, pour la production de caboteurs capables d’opérer en haute mer.