Strategische Überlegungen zur amerikanischen Raketenabwehr

Gustav Gressel

 

Die Proliferation von Raketen größerer Reichweite, meist in Verbindung mit militärischen Atomprogrammen, ist ein kennzeichnendes Moment der Militärstruktur des frühen 21. Jahrhunderts, insbesondere des Mittleren Ostens. Auch instabile (latent) revisionistische Staaten wie Saudi-Arabien, Nordkorea, der Iran und Pakistan verfügen heute über Raketen mit einer Reichweite von über 2.000 km. Die letzten drei Staaten verfügen auch über eingeschränkte Produktionskapazitäten: Raketen mit flüssigem Treibstoff (R-17/SCUD, R-18/Nodong/Shahab-3/Gauri, inklusive Derivate wie Gadr) stammen aus russischer Hand, Tanks, Gefechtskopf und Struktur werden lokal gefertigt, Triebwerke und Steuerung über den nordkoreanischen Zwischenhändler importiert (es ist davon auszugehen, dass Nordkorea kein einziges Triebwerk selbst hergestellt hat), Raketen mit festem Treibstoff (Sajil, Shaheen 1 und 2) stammen aus China und werden in inoffizieller Lizenzfertigung hergestellt, wobei einige kritische Elemente (Lenksystem) noch aus China bezogen werden.[1])

Der Westen wiederum suchte von Anbeginn an dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten: durch Stärkung der Rüstungskontrolle (Ausweiten des MTCR auf Russland und China, der Proliferation Security Initiative - PSI - etc.), durch Sanktionierung der aufrüstenden Regionalmächte wie auch durch die Anwendung direkter militärischer Gewalt (Irakkrieg 1990/91 und 2003).

Die Resultate dieser Bemühungen sind wenig zufriedenstellend. Trotz MTCR finden sich die Spuren exportierter Raketen und Raketenkomponenten in der Dritten Welt wieder, Sanktionen gegen Nordkorea und den Iran blieben zahnlos, und die Anwendung direkter militärischer Zwangsgewalt war mit hohen Folgekosten verbunden. Somit ist es nicht verwunderlich, dass man sich heute in den Hauptstädten der westlichen Führungsnationen in erster Linie Gedanken um die Anschaffung strategischer Defensivwaffen - sprich Raketenabwehrsysteme - macht. Dieser Abschnitt soll sich weniger mit den technischen Details,[2]) vielmehr aber mit den Einsatzmöglichkeiten der Abwehrsysteme und den dahinterliegenden strategischen Absichten befassen.

Von der taktischen Raketenabwehr zur National Missile Defense

Raketenabwehrkonzepte gibt es seit dem Einsatz der ersten ballistischen Raketen durch das Dritte Reich. Für diesen Artikel sind jedoch nur jene Programme interessant, die der Verbreitung von Raketen und Kernwaffen in Entwicklungsländern entgegengesetzt wurden - die früheren Überlegungen aus dem Kalten Krieg sind für die heutige Beurteilung der Lage kaum relevant.

Diese Entwicklung begann mit dem Golfkrieg 1990/91, als sich Fliegerabwehrsysteme größerer Reichweite als wenig effektiv gegen die vom Irak eingesetzten R-17/SCUD erwiesen.[3]) Das Resultat entsprechender Gegenmaßnahmen war eine neue Generation leistungsgesteigerter Fliegerabwehrwaffen: der amerikanischen Patriot PAC 3,[4]) der israelischen „Arrow“, der französisch-italienischen ASTER-30[5]) und der russischen S-400.[6]) Es sind radargelenkte Flugkörper mit einem explosiven Gefechtskopf (gerichtete Splitter), die sowohl zur Bekämpfung von Flugzeugen als auch zur Bekämpfung taktischer ballistischer Raketen geeignet sind. Sie werden aerodynamisch gesteuert und bekämpfen ihre Ziele jeweils innerhalb der Atmosphärenschichten. Damit sind sie aber in der Reichweite auf den mittelbaren Bereich des Schutzobjektes (etwa 20-40 km vom Raketenstandort) und von der Zielgeschwindigkeit auf Raketen kürzerer Reichweite (etwa bis zu 300 km) beschränkt.[7]) Tests beliefen sich stets auf das Abfangen von Integralflugkörpern, nicht von Wiedereintrittsvehikeln. Man spricht daher auch von „erweiterter Fliegerabwehr“, die sich in der NATO bewusst am Abfangen von Sub-MTCR-klassifizierten Flugkörpern orientierte, da man nicht durch Rüstungsmaßnahmen implizieren wollte, dass der MTCR umgangen werde. Auch innerhalb der NATO war das „Raketenabwehrthema“ bis 2010 aus politischen Gründen auf diese Bandbreite fixiert.[8])

 

Clintons „National Missile Defense“ und das Ende des ABM-Vertrages

Dass mit dem Abfangen taktisch-ballistischer Raketen der Lage nicht Genüge getan ist, mussten die USA feststellen - allerdings nicht erst die Regierung Bush (jun.), sondern die Administration Clinton II. Grund hierfür war der Start einer mehrstufigen Rakete am 31. August 1998 durch Nordkorea, wobei die Anrainerstaaten weder über den Starttermin noch über Raketentyp, Ladung und geplante Strecke informiert wurden.[9]) Die Vorbereitungen des Starts waren per Satellit zu verfolgen - und warfen einige beunruhigende Fragen auf: Beinhaltet die Nutzlast gefährliche Substanzen oder Sprengköpfe? Wenn der Test fehlschlägt, könnte die Rakete auf bewohntes Gebiet stürzen? Wäre ein nordkoreanischer Atomsprengkopf mit ausreichenden Sicherheitsmaßnahmen versehen, nicht bei einem vorzeitigen Aufschlag zu detonieren? V.a., was sollte passieren, wenn Verbündete durch Nordkorea unintentional (Absturz, Testversagen) zu Schaden kommen würden?

Die Lage war für Clinton äußerst unkomfortabel: Die Nähe Nordkoreas zu China und die direkt betroffenen chinesischen Interessen ließen einen präventiven Militärschlag als gangbare Option ausschließen. Andererseits reichte es nicht aus, sich nur auf die eigene nukleare Abschreckung zu verlassen: Denn war die nukleare Gegendrohung im Falle sehr begrenzter nordkoreanischer Handlungen der heimischen wie internationalen Öffentlichkeit kommunizierbar? Völlige Untätigkeit wiederum würde die Glaubwürdigkeit amerikanischer Bündnisversprechen schweren Schaden nehmen lassen.

Abschreckung prädeterminiert stets eine gewisse Reaktion. Dies kann im Umgang mit schwierig einzuschätzenden Gegnern oder sich dynamisch entwickelnden Lagen sehr unvorteilhaft sein: Denn so sehr man durch die Drohung mit starken Reaktionen einen Gegner abzuschrecken versucht, so unvorteilhaft kann es sein, diese womöglich unter sich rasch verändernden Situationen einlösen zu müssen. So sehr Systeme gegenseitiger Abschreckung erlauben, in den zwischenstaatlichen Beziehungen zweier an sich konkurrierender Staaten eine Art Routine einkehren zu lassen, so problematisch kann es werden, sich in Krisensituationen ausschließlich auf diese zu verlassen.

Schlussendlich konnte Clinton erleichtert zur Kenntnis nehmen, dass es sich bei der erwähnten nordkoreanischen Rakete um einen Satellitenstart handelte und dass alle Teile der sich im Flug desintegrierenden Rakete weitab des japanischen Festlandes ins Meer stürzten.[10]) Allerdings sah Clinton auch die Notwendigkeit, alternative Strategien zur Präemption und Abschreckung zu suchen. Zeit und Handlungsspielraum für diplomatische Absprachen sollten gewonnen werden, Optionen, die andere Großmächte nicht sofort konfrontierten, geschaffen werden und v.a. die amerikanische Außenpolitik in ihrer Reaktion nicht gebunden werden. Eine limitierte, aber strategische Raketenabwehr bot diese Optionen. Zum einen wird durch deren Stationierung Entschlossenheit und den Verbündeten Sicherheit kommuniziert. Weiters schaffen sie eine Wirkmöglichkeit gegen den Raketenangriff, ohne die weiteren Schritte zu determinieren. Der Diplomatie wäre dadurch Zeit gewonnen, Reaktionen mit den Verbündeten wie eventuell auch dem Sicherheitsrat zu akkordieren.[11])

Der Entwicklung und Stationierung von Systemen, die Raketen von der Größe einer IRBM oder ICBM abfangen könnten, stand jedoch der ABM-Vertrag entgegen.[12]) Dieser untersagte zudem den Schutz von Verbündeten sowie die Stationierung von Abwehrsystemen auf Schiffen. Das Erste ist Ziel der neuen Raketenabwehrarchitektur, das Zweite notwendig, um hinsichtlich der geringen geographischen Tiefe Südkoreas, Japans und der pazifischen Inselstützpunkte ausreichend Systeme zusammenziehen und rasch auf Lageänderungen reagieren zu können.

Clintons „National Missile Defense“-Programm[13]) war - obwohl aus politischen Gründen anders bezeichnet - ein auf Bündnisverteidigung ausgerichtetes System. Zum flächendeckenden Schutz der USA sollten silogestützte Interzeptoren (die Ground-Based Interceptors, kurz GBI) stationiert werden, zum Schutz vorwärts eingesetzter Truppen und Verbündeter mobile Systeme (das THAAD und die schiffgestützte SM-3). Damit war aber klar, dass, sofern Clintons Missile Defense-Pläne realisiert werden sollten, der ABM-Vertrag fallen musste. Angesichts der Störung des russisch-amerikanischen Verhältnisses durch die Kosovokrise wollte Clinton in der Raketenabwehrfrage jedoch kein weiteres Öl ins Feuer gießen. So entschied er sich, mit dem Missile Defense-Gesetz[14]) die Entwicklung und den Bau von Abwehrsystemen in Auftrag zu geben, deren Stationierung eine Kündigung des ABM-Vertrages voraussetzt, anderseits den Vertrag vorerst noch in Kraft ließ.

 

Amerikanische Raketenabwehr unter George W. Bush

Der nach dem 11. September und dem beginnenden amerikanischen Engagement in Afghanistan einsetzende russisch-amerikanische Konsens gab Bush die Möglichkeit, den ABM-Vertrag zu kündigen, was von Moskau damals mit Achselzucken zur Kenntnis genommen wurde.[15]) Weiters war klar, dass die USA in den nächsten Jahren im Mittleren Osten militärisch gebunden sein[16]) und daher in Ostasien nicht über die Kräfte verfügen werden, eine mögliche Provokation Nordkoreas alleine abzufangen. Im Mittleren Osten hingegen - so glaubte man - könnte man die Situation durch eine militärische Konfrontation mit den an der Proliferation beteiligten Staaten lösen.[17])

Daher wurde die amerikanische Raketenabwehrarchitektur auch primär gegen eine Bedrohung aus dem ostasiatischen Raum ausgelegt.[18]) Die größte GBI-Basis[19]) wurde in Fort Greely, Alaska, stationiert. Für die Feuerleitung wäre ein Seabased X-Band-Radar in den Aleuten vorgesehen gewesen. Aus Nordkorea anfliegende Raketen würden ihren Weg über die Aleuten bzw. etwas nordwärts der Kette in die USA nehmen.

Die Verdichtung der regionalen taktisch-operativen Architektur (Patriot PAC-3 und THAAD) wurde aus geographischen Gründen durch schiffgestützte Systeme - genauer die SM-3 - bewerkstelligt. Im Falle Japans wie auch der amerikanischen Pazifikstützpunkte ist der seegestützte Einsatz die einzige Möglichkeit der Vorwärtsstationierung. Da die Systeme auf bereits entwickelten Komponenten basierten, waren sie in relativ kurzer Zeit einsatzbereit.[20]) Die ersten Stationierungspläne der Amerikaner waren rein auf Ostasien gerichtet, sahen keine Stützpunkte oder Einrichtungen in Europa oder an der US-Ostküste vor. Nordkorea war auch die einzige Nation, die in den ersten Dokumenten explizit als Bedrohung genannt wurde. Allerdings wurde auch das Außenministerium beauftragt, innerhalb der NATO über eine mögliche Kooperation hinsichtlich der Raketenabwehr zu verhandeln.[21])

Spätestens 2005 musste Washington jedoch erkannt haben, dass sich die Lage im Mittleren Osten erheblich komplizierter gestaltete und die weitere Projektion militärischen Druckes als schwer möglich erschien. Im Irak konnte man weder ein stabiles Regime inthronisieren noch den erstarkenden militärischen Widerstand unter Kontrolle bringen. Insbesondere iranisches Training und Unterstützungsleistungen für schiitische Milizen wurden zunehmend spürbar.[22]) Ebenso waren die Taliban in Afghanistan zwar geschwächt, das Land aber alles andere als stabilisiert. Auch hier war iranischer Einfluss nicht von der Hand zu weisen.[23]) Anstatt den Iran von einer Forcierung des Atom- und Raketenprogramms abzuschrecken, schien die Invasion im Irak den Hardlinern im Iran innenpolitischen Auftrieb zu verschaffen.[24]) Der Iran forcierte sein Atomprogramm, und der 2005 an die Macht gekommene Präsident Mahmud Ahmadinedschad trug mit seinem herausfordernden Auftreten zur Vermehrung der Furcht vor einer iranischen Vorherrschaft am Golf bei. Besonders nach dem Libanonkrieg im Juli 2006 machte sich unter den arabischen Golfstaaten erhebliche Nervosität breit. Dessen Eskalation durch die Hisbollah wurde von vielen Beobachtern auch als iranische Demonstration der Stärke betrachtet.[25]) Was sollte geschehen, wenn vom Iran unterstütze Machtorganisationen auch im Irak oder gar in einem der Golfstaaten nach der Macht greifen würden? Größere schiitische Minderheiten finden sich neben dem Irak und Afghanistan auch im Libanon, in Pakistan, Saudi-Arabien, Oman, Kuwait, Bahrain, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Jemen. Und an Washington richtete sich die Frage, wie es in einer solchen Situation reagieren würde.

Sollten die USA gegen den Iran zu militärischen Mitteln greifen, so war es höchst wahrscheinlich, dass der Iran als Reaktion die von ihm unterstützen Gewaltorganisationen in den Nachbarländern anstiftete, die Lage eskalieren zu lassen - mit vermutlich fatalen Folgen für den Irak und Afghanistan, aber auch die übrige Region. Wenn nun der Iran durch seine Fähigkeiten der subkonventionellen Kriegführung eine militärische Lösung des Proliferationsproblems verhindern kann und Sanktionen das Regime in Teheran nicht zu einer Aufgabe seiner nuklearen Ambitionen zwingen können, dann stellt sich für die USA die Frage, wie man mit einem nuklear armierten Iran umgehen sollte - v.a. wenn dieser aus der sicheren Deckung eines schwer angreifbaren Atomstaates heraus seine subversiven Tätigkeiten ausweiten könnte. Mehr noch, er könnte durch Zurschaustellung nuklearer Projektionsfähigkeit Druck auf westliche Staaten ausüben, in diesen lokalen Konflikte nicht zu intervenieren, Druck auf Staaten der Region auszuüben, westliche Interventionskräfte nicht auf eigenem Territorium zu dulden oder gar iranischen Forderungen nachzugeben.

Die Lage war nicht unähnlich der in Nordkorea: Direkter militärischer Druck war kaum anwendbar, allerdings konnten und wollten die USA keine nuklearen Beistandsgarantien für die Staaten der Region aussprechen. Diese wären auch schwer zu interpretieren, würde doch eine Eskalation mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht direkt vom Iran, sondern von einer durch diesen unterstützten nichtstaatlichen Organisation ausgehen. Und zu guter Letzt wären die diplomatischen Folgen eines solchen Schrittes (man denke an die Reaktion Russlands und Chinas) kaum auszudenken. Andererseits musste man den Golfstaaten auch Sicherheit vermitteln, wollte man eine weitere Proliferation von Kernwaffen aufhalten.

Auch hier bot die Raketenabwehr die Möglichkeit, die militärischen Optionen des Irans einzugrenzen, den Verbündeten Sicherheit zu kommunizieren und gleichzeitig die eigene Diplomatie nicht durch Zusagen zu binden. Es stellten sich aber einige schwierig zu beantwortende Fragen: Wie weit war der Iran mit seinen Atomwaffen- und Raketenprogrammen tatsächlich? Und welchem Projekt sollte strategische Priorität zuerkannt werden: dem Schutz der USA, weiträumiger Verbündeter (Europa) oder lokaler Verbündeter?

Regionale Verbündete konnten durch dieselben taktisch-operativen Systeme geschützt werden, die auch schon für den ostasiatischen Raum entwickelt worden waren. Hiezu bietet der Persische Golf eine gute maritime Bewegungslinie, an der man entsprechende Kräfte rasch zusammenziehen kann. Allerdings waren der europäische Kontinent und die USA gegen Angriffe aus diesem Raum offen,[26]) und so man dem Iran die Entwicklung von Fernwaffen entsprechender Reichweite zutraute, galt es diese offene Flanke zu schließen. Daher entschied die Bush-Regierung 2005, die bis dahin fruchtlos verlaufenen Verhandlungen um eine erweiterte NATO-Raketenabwehr aufzugeben und bilateral mit Polen, der Tschechischen Republik, Dänemark, Großbritannien und Ungarn über mögliche Aufstellungsorte einer weiteren GBI-Basis zu verhandeln.[27])

 

Amerikanische Raketenabwehr in Europa

Die so genannte „3rd Site“ sah eine Basis für zehn GBI-Interzeptoren in Rezokowo/Polen und eine Radarstation in Brdy/Tschechische Republik vor. Der osteuropäische Raum kam deshalb in Frage, da Raketen aus dem Mittleren Osten Richtung USA diesen Raum überfliegen würden.[28]) Das System orientierte sich primär am Schutzbedürfnis der USA, war aber gut in der Lage, den gesamten europäischen Kontinent bis inklusive Griechenland zu verteidigen. Der NATO-Staat Türkei konnte allerdings nicht mehr durch dieses System abgedeckt werden.[29]) Gleichzeitig sollten die Frühwarnradargeräte in Fylingdales/Großbritannien und Thule (Grönland) modernisiert[30]) wie ein X-Band-Feuerleitradar in Brdy (Tschechische Republik) installiert werden. Die S-Band-Radare in England und Grönland besitzen eine enorme Reichweite selbst gegen kleine Wiedereintrittskörper. Aufgrund des großen Keulenöffnungswinkels ist das Radar jedoch nicht in der Lage, den Zielcluster aufzulösen (also den Wiedereintrittskörper, Teile der ausgebrannten letzten Stufe, Täuschkörper etc. als jeweils separate Ziele zu identifizieren). Auch sind diese Radargeräte nicht in der Lage zu verifizieren, ob in einem Bekämpfungsvorgang der Sprengkopf oder ein anderes Teil getroffen wurde. Das Feuerleitradar[31]) in Brdy zu errichten wäre daher für die Funktionalität des Abwehrsystems dringend erforderlich gewesen. Zu guter Letzt sollte das Radar auch durch Infrarotsatelliten eingewiesen werden. Nicht zuletzt aufgrund der damit verbundenen erheblichen Kosten wurde der erste Satellit erst 2009 ins All befördert.[32]) Da sich die Indienststellung der Satelliten wie der Ratifikationsprozess mit Polen und der Tschechischen Republik hinauszögerten, hätte man mit einer Einsatzbereitschaft des Gesamtsystems etwa im Zeitraum ab 2017-2020 rechnen müssen.

 

Die russische Opposition gegen die amerikanische Raketenabwehr

Beginnend mit der Debatte um eine Stationierung von Komponenten der amerikanischen Raketenabwehr in Osteropa machte sich seitens Moskaus Widerspruch bemerkbar. Von den Gegnern der amerikanischen Stationierungspläne in Europa wurden die russischen Einwände auch als primäres Argument gegen deren Verwirklichung ins Felde geführt: Man beschwöre dadurch angeblich ein erneutes Wettrüsten herauf,[33]) manch einer bezeichnete diese generell als „Provokation“.[34])

Der gewichtigste Vorwurf russischer Seite war freilich, dass die in Europa stationierten Komponenten die russische Erstschlagfähigkeit herabsetzen und daher das nukleare Gleichgewicht zwischen Russland und den USA gefährden würden. Nach amerikanischen Angaben kann der zweistufige GBI russische Raketen nicht mehr einholen. In der offenen Literatur dreht sich nun die Frage darum, ob dies zutreffe oder nicht. Manche computergestützten Simulationsprogramme bezweifeln die amerikanischen Angaben, die genauesten offenen Quellen scheinen die amerikanischen Angaben zu bestätigen.[35]) Die deutlich unterschiedlichen Einschätzungen gehen in erster Linie auf den Auflösungsgrad der verwendeten Simulationsprogramme zurück. Das Abfangen russischer Raketen wäre für einen Interzeptor aus Polen eine Nachschusssituation: Selbst bei optimaler Satellitenvorwarnung muss das Kill-Vehicle den russischen Wiedereintrittskörper erst einholen - dies braucht erhebliche Zeit, und die Relativgeschwindigkeit zwischen zwei fast in dieselbe Richtung jagenden Körpern ist gering. Wird bei der Untersuchung möglicher Flugbahnen nicht berücksichtigt, dass das Kill-Vehicle mit einer gewissen Restgeschwindigkeit auf den Sprengkopf treffen muss, um diesen auch in der Funktion zu stören, und bleibt weiter unberücksichtigt, dass das Kill-Vehicle nur über einen begrenzten Energievorrat verfügt, um seine Sensoren zu betreiben, Funkkontakt zu halten und Steuerbefehle auszuführen, geht sich ein „Treffer“ meist aus. Mit anderen Worten, das Kill-Vehicle könnte russische Gefechtsköpfe zu einem Zeitpunkt einholen, an dem es nichts mehr sieht, nicht mehr steuern kann und über zu wenig kinetische Energie verfügt, um Schaden anzurichten. Ein tatsächliches Abfangen russischer Raketen wäre daher als Glückstreffer zu werten, und keine seriöse amerikanische Planung könnte sich im Falle einer amerikanisch-russischen Konfrontation auf die Interzeptoren in Polen verlassen.

Gegenüber Zeitungen gab Putin auch seine Bedenken kund, die USA könnten die in Polen stationierten GBI auch zu Offensivwaffen umrüsten.[36]) Eine Umrüstung des GBI oder des Taurus-XL-Satellitenträgers würde eines gewissen Entwicklungs- und Testaufwandes bedürfen, der nicht zu verbergen ist. Lediglich Entwicklungsländer schießen mit unerprobten Raketen herum, die USA mit Sicherheit nicht! Zudem würde eine Stationierung von Atomraketen in Silos in Polen keine strategischen Vorteile bringen. Die Position ist bekannt und im Ernstfall leicht angreifbar. Die Stationierung der Raketen in Silos ist auch nur im Hinblick auf defensive Einsatzzwecke von Vorteil: Raketen können dort einfacher gefechtsbereit gehalten werden. Da jedoch der Angreifer stets den Zeitpunkt bestimmt, ist dies nur im Verteidigungsfall von Bedeutung und wiegt den Nachteil des bekannten und verwundbaren Standorts nicht auf. Ein heimliches Umrüsten etwa amerikanischer SSGN-U-Boote von Tomahawk auf Trident würde eine viel schnellere, bessere, wirkungsvollere und durch Russland kaum bemerkbare zusätzliche Angriffsoption schaffen. Die russischen Vergleiche der Raketenabwehrdebatte mit der Kubakrise sind daher als haarsträubender Unfug zu bezeichnen.

Der Belustigung nicht genug, wurde von Moskauer Seite auch behauptet, das Radar in der Tschechischen Republik würde den USA tiefe Einblicke in den russischen Luftraum gewähren.[37]) In der Tat verfügt es über eine große Reichweite. Was jedoch die russischen Kritiker übersahen, ist, dass die Erde rund ist und sich der russische Luftraum hinter dem Erdhorizont befindet! Das Radar kann daher nur Objekte orten, die aus Russland in den Weltraum geschickt werden - und hierzu verfügen die aus dem Kalten Krieg stammenden Frühwarnradare in Grönland und Schottland über eine größere Reichweite.

Als „Gegenvorschlag“ bot Putin Bush die Nutzung einer russischen Radarstation in Gabala an - als angebliche Alternative zu den geplanten Einrichtungen in Polen und der Tschechischen Republik.[38]) Hierzu ist zu sagen, dass es sich bei dieser Radaranlage um ein Frühwarnradar handelt,[39]) dessen Auflösungsvermögen zu gering ist, um als Feuerleitradar Verwendung zu finden. Es könnte bestenfalls die amerikanische Architektur ergänzen, aber nicht ersetzen. Zudem hat die Russische Föderation die Station - die seit dem Zerfall der Sowjetunion auf dem Territorium Aserbaidschans liegt - nur bis 2012 gepachtet.[40])

Die russische Opposition gegen die amerikanischen Raketenabwehrpläne ist neben innenpolitischer Show und Abarbeitung der ideologisch-antiwestlichen Grundhaltung des russischen Establishments in erster Linie gegen jede Art militärischer alliierter Präsenz in Osteuropa gerichtet.[41]) Moskau scheint noch an ein Vorrecht der militärischen Intervention im ehemaligen Einflussbereich zu glauben, und amerikanische Truppen in dieser Region stören dieses Empfinden der russischen Eliten. Es war deshalb auch nicht verwunderlich, dass Russland bald auch Bedenken gegen die neue Obama-Architektur anmeldete und seine bellizistische Rhetorik wieder aufwärmte.[42]

Dass sich Russland mit dieser Argumentation und bulligem Verhalten eine privilegierte Behandlung in der NATO durch die Aufwertung des NATO-Russland-Rates und ein Miteinbeziehen in die NATO-Raketenabwehrpläne erkämpfen konnte, ist in erster Linie als Führungsschwäche westeuropäischer Staaten und der USA zu interpretieren. Es mag belustigend sein, dass sich die russischen Eliten mit dem Argument einer flachen Erde auf die Jagd nach Aufmerksamkeit machen, es ist aber beschämend, dass man in Europa nichts Besseres weiß, als diese ernst zu nehmen oder gar zu reproduzieren!

 

Die Neugestaltung der Raketenabwehr unter Obama

Zusammenfassend kann man den Bush-Plan als durchdacht und für den Schutz Europas brauchbar bezeichnen. Ob die Art und Weise, wie die Verhandlungen mit den Europäern geführt wurden, immer passend war, darüber lässt sich streiten.

Die Anlage eines solchen Abwehrsystems in Europa - die USA hätten dem alten Kontinent einen vollständigen Schutz vor ballistischen Raketen aus der Golfregion finanziert - zeigte auch, dass die USA unter Bush zumindest Teile Europas als vollwertige Verbündete ansahen. Denn der Schutz des alten Kontinents würde für die USA nur insoweit Nutzen abwerfen, als man ein durch eine Raketenbedrohung erwirktes Ausscheren europäischer Bündnispartner aus einer möglichen Koalition zum militärischen Eingriff am Golf als nachteilig empfindet. Keine Rückversicherung gegen mögliche iranische Raketen zu haben, würde eine probate Interventionsbremse darstellen. Und nicht zuletzt musste man auch mit Rückwirkungen der öffentlichen Meinungswahrnehmung aus Europa in die USA rechnen.

Allerdings zögerten Polen und die Tschechische Republik die Ratifizierung der Stationierungsverträge durch langwierige Verhandlungen um Gegenleistungen wie auch aufgrund innenpolitischer Differenzen hinaus.[43]) Der Prozess zog sich über die Präsidentschaftswahlen in den USA und gab der neuen amerikanischen Führung die Möglichkeit, die bisherige Politik Bushs zu überdenken. Zunächst passte man die Bedrohungswahrnehmung den neuen Erkenntnissen über das iranische Raketenprogramm an. Ging die Regierung Bush davon aus, dass der Iran bis 2015 Raketen entwickeln werde, die Europa oder sogar die USA erreichen könnten,[44]) gelten derart pessimistische Prognosen heute als wenig wahrscheinlich. Die Neubewertung der strategischen Prioritäten und der Bedeutung der Bündnispartner durch die Regierung Obama führte aber bald zu einer drastischeren Entscheidung.

 

Der „Phased Adaptive Approach“ Obamas

Am 17. September 2009 verkündete der neu gewählte Präsident der USA, Barack Obama, die geplante „3rd Site“ in Europa nicht zu stationieren. Stattdessen plane man eine phasenweise Einführung eines neuen mobilen Systems auf Basis der SM-3. In der ersten Phase (2011-2015) sollen amerikanische Kriegsschiffe mit der SM-3 Block 1A in angrenzenden Gewässern patrouillieren, in Phase 2 (2015-2018) sollen mobile, landgestützte SM-3 Block 1B in Rumänien hinzukommen und das Sensornetzwerk (vermutlich AN-TPY-2-Radargeräte) verdichtet werden, ab Phase 3 kommt die verbesserte SM-3 Block 2 in land- und seegestützten Plattformen zu Einsatz.[45]) Ein neues C²-Netzwerk und mobile Radargeräte sollen entwickelt werden.

Seitens der amerikanischen Spitzen wird hierfür ins Treffen geführt, dass dieser Ansatz flexibler sei, schon ab 2011 einen Raketenabwehrschirm für Europa bieten würde und auf erprobter Technologie aufbaue, somit das Entwicklungsrisiko minimiere.[46]) Scheinbar aus politischen Gründen wurde diese Argumentation in Westeuropa mit Begeisterung aufgenommen,[47]) obwohl sich alle Argumente bei genauerem Hinsehen als grundfalsch herausstellen.

Die scheinbar gewonnene Flexibilität der Aufstellungsorte relativiert sich im Einsatz in Europa durch die zu erkaufende Abhängigkeit vom Aufstellungsstandort. Im Falle fester Anlagen muss die Stationierung im Krisenfall ja nicht erneut verhandelt werden. Bei mobilen Systemen ist es jedoch möglich, dass in Krisenzeiten, wenn diese stationiert werden sollten, ein politisches Gerangel um das Abringen von Zugeständnissen im Falle der Stationierung entsteht.

Das gilt v.a. im Hinblick auf die Türkei bzw. das Schwarze Meer, das sich für einen effektiven Einsatz der schiffsgestützten SM-3 am ehesten anbieten würde.[48]) Der Vertrag von Montreux[49]) beschränkt eine mögliche Stationierung amerikanischer Marineeinheiten auf ein einziges Schiff. Die Entsendung von Verbänden ist auf drei Wochen begrenzt.[50]) Im Konfliktfall kann die Türkei die Straße auch für die militärische Schifffahrt sperren. Da die Türkei unter der gegenwärtigen Führung eher an guten Beziehungen zum Iran interessiert ist[51]) und die amerikanischen Raketenabwehrpläne eher als Hindernis der eigenen Nachbarschaftspolitik sieht,[52]) würde die Erlaubnis der Passage - so sie überhaupt erteilt wird - an politische Konzessionen gebunden werden. Damit ergeben sich im Falle einer Konfrontation für Teheran aber wieder Spielräume, denn es weiß, dass es im Falle des Falles über Ankara die Einnahme eines wirkungsvollen amerikanischen Verteidigungsdispositivs vereiteln kann.

Zweitens ist die SM-3 ein viel zu leistungsschwacher Flugkörper, um größere Räume gegen weitreichende Raketen zu schützen. Sie wurde ja auch zum Schutz kleiner Landmassen (Südkorea, die japanischen Inseln), Flotten oder Inselstützpunkte gegen Raketen bis zu einer Reichweite von etwa 1.500 km konzipiert. Nach bisher veröffentlichtem Bildmaterial der Tests wurde sie auch stets gegen Integralflugkörper erprobt, nie gegen Zielraketen, die eine Reichweite von über 1.000 km aufweisen.[53]) Gegen eine Mittelstreckenrakete mit einer Reichweite von etwa 4.000 km kann die SM-3 Block 1 etwa einen Radius von 500 km um die Feuerstellung abdecken.[54]) Ob sich dies mit der neu zu entwickelnden SM-3 Block-2 ändern könnte, ist als fraglich zu bewerten, da mit einer derart kleinen Rakete[55]) die anvisierte Brennschlussgeschwindigkeit von über 5.000 m/s nur mit einem extrem leichten Kill-Vehicle[56]) zu erreichen wäre. Ein solches würde nur über einen wenig leistungsfähigen IR-Sensor verfügen, was angesichts der geringen Radarreichweite keine gangbare Lösung darstellt.

Noch dramatischer fällt der Leistungsverlust des mobilen AN/TPY-2 gegenüber dem stationären GBR-P in Brdy aus. Ersteres wurde zum Erkennen und Verfolgen von Integralflugkörpern in taktischen Szenarien entwickelt. Für die Ortung der viel schnelleren, kleineren Wiedereintrittskörper einer IRBM, die über einen erheblich geringeren Radarquerschnitt verfügen, verfügt es nicht über die notwendige Leistung.[57]) Das bordeigene Radar der Aegis-Schiffe, auf denen die Raketen in der ersten Phase stationiert sind, verfügt ebenfalls nur über eine geringe Reichweite.[58]) Das System wäre also auf eine genaue Einweisung durch Infrarotsatelliten angewiesen. Hier unterscheidet sich die neue Lösung nicht von der alten, denn Satelliten zur Zieleinweisung sind auch ein wesentlicher Baustein der Clinton/Bush-Architektur. Allerdings sind diese Satelliten einer der größten Kostentreiber im System - es befinden sich erst zwei Erprobungssatelliten im All, vor 2020 dürfte also jedwede Raketenabwehrarchitektur für Europa nicht einsatzbereit sein.

Im November 2010 wurde die SM-3 Block 2B auch zugunsten eines neuen Entwicklungsprogramms (der Next Generation AEGIS Missile - NGAM) fallen gelassen.[59]) Ziel ist die Entwicklung eines schnelleren Interzeptors, der Raketen möglichst früh abfangen und auch Mittelstrecken- und Interkontinentalraketen bekämpfen können soll.[60]) Damit revidiert Obama seine auch im Wahlkampf stets postulierte Forderung, teure Entwicklungsprogramme in der Raketenabwehr einzustellen und nur auf bereits ausgereifte Technologien zu setzen - denn dies ist ein sehr anspruchsvolles, neues Entwicklungsprogramm. Auch der zweistufige GBI, jener von Bush für Europa vorgesehene Interzeptor, wird nach wie vor getestet.[61]) Der alte Stationierungsplan wäre also noch eine Rückfalloption. Es sei aber erwähnt, dass sich die USA selbst durch eine dritte GBI-Basis an der amerikanischen Ostküste schützen können. Hiefür braucht es keine Stationierungsverträge mit Europa.

 

Raketenabwehr im Rahmen der NATO?

Der Phased Adaptive Approach Obamas bietet also für Europa eine vorerst wenig leistungsfähige Lösung, die z.T. auf noch nicht entwickelten Komponenten beruht und erst ab 2020 realistisch einsatzbereit sein wird. Für Europa ist dieser Schritt - abgesehen vom Versuch des Appeasements Moskaus - wenig sinnvoll.

Die Entscheidung Obamas ist aber auch unter anderen Gesichtspunkten nachvollziehbar. Sollen die Systeme aber nur in Europa stationiert und im Einsatzfall zur Verdichtung der Raketenabwehrarchitektur im Mittleren Osten herangezogen werden, ist eine mobile Architektur auf Basis der SM-3 erstrebenswert. Dass man sich bei dieser Entscheidung auf eine Neu-Evaluierung des iranischen Raketenprogramms stützte und die Abwehr von Raketen bis zu einer Reichweite von maximal 2.000 km ins Auge fasste (diese Raketen fliegen nicht bis Europa!), scheint der Entscheidung logisch nachvollziehbare Gründe zu geben. Luftverlastbare Systeme können rasch in den Mittleren Osten geflogen werden, um dort wichtige amerikanische Einrichtungen wie auch die regionalen Bündnispartner zu schützen. Der Persische Golf, das Rote Meer und das Mittelmeer geben Schiffen gute Bewegungslinien. Gegen eine Shahab-3 oder Sajil ist die SM-3 eine gute Wahl. Durch die Möglichkeit, Verbündete im Mittleren Osten vor iranischen Raketenangriffen zu schützen, soll nicht nur einer expansiven iranischen Außenpolitik vorgebeugt werden, es soll auch verhindert werden, dass etwa Saudi-Arabien, die Türkei oder Ägypten durch das Lancieren eigener Atom- und Raketenprogramme ein Gegengewicht zum Iran schaffen.

Die Bereitstellung einer Raketenabwehr, um im Konfliktfalle eine Beruhigung der politischen Eliten wie des Massenpublikums zumindest der wichtigen europäischen Bündnispartner sicherzustellen, scheint nicht mehr als kostendeckend beurteilt zu werden. Dass die amerikanische Architektur nicht (alleine) in der Lage ist, Europa zu schützen, wurde auf leisen Sohlen auch eingestanden.[62]) Stattdessen werden die Europäer über die NATO eingeladen, selbst in die Tasche zu greifen und die Entwicklung wie Beschaffung geeigneter Sensoren und Flugkörper mitzutragen.

Am Lissabonner Gipfel 2010 wurde zumindest der Aufbau einer Raketenabwehrarchitektur in Europa ins Auge gefasst.[63]) Doch Beschlüsse allein reichen nicht, es kommt auf die Implementation an. Hiezu sind die Planungsstäbe der NATO gefordert, den politischen Entscheidungsträgern konkrete Konzepte vorzulegen. Hier tut man sich insbesondere mit den türkischen Forderungen nach einem flächendeckenden Schutz - also nicht nur wichtiger Zentren - aller NATO-Staaten,[64]) einem türkischen Kommando der in der Türkei stationierten NATO-Raketenabwehrkomponenten[65]) und keinen Staat als Referenzfeind in entsprechenden NATO-Positionen zuzulassen,[66]) schwer. All dies hat große Auswirkungen auf die Zahl der benötigten Systeme und die Führungsinfrastruktur.

Die Position Erdogans ist nicht unverständlich, wenn man die neoosmanische Dimension seiner Außenpolitik in Betracht zieht.[67]) Soll der Mittlere Osten zum Objektbereich eigener Hegemonialambitionen werden, gilt es zunächst die westlichen Staaten (also die NATO) durch Vereiteln der Raketenabwehroption politisch aus der Region zu halten - unter anderem auch durch Verwehren einer effektiven NATO-Raketenabwehr. Daran hat sich auch durch Erdogans vorläufiges Einverständnis zu einer Stationierung eines Radars nichts geändert.[68]) Es war in erster Linie ein taktischer Schachzug, um die amerikanische Kritik an Erdogan anlässlich der Eintrübung des türkisch-israelischen Verhältnisses abzuwehren. Denn um die Details der Stationierung zu verhandeln und einen möglichen Vertrag zu ratifizieren, will man sich Zeit lassen.[69]) Wie sich das Bündnis angesichts der Tatsache verhält, mit der Türkei eher einen potenziellen Opponenten denn Bündnispartner in den Entscheidungsgremien sitzen zu haben, wird sich in Zukunft weisen.[70])

 

Abschließende Bemerkungen zur Raketenabwehr

Echte Raketenabwehr, also das exoatmosphärische Zerstören der Raketen oder des Sprengkopfes, um ein Verglühen der Debris in der Atmosphäre sicherzustellen, ist von endoatmosphärischer Bekämpfung kleiner Flugkörper im Rahmen der taktischen Fliegerabwehr zu unterscheiden. Die ständigen Unkenrufe, dass Ersteres nicht funktionieren könne, da es keine 100%ige Trefferwahrscheinlichkeit gebe oder Abwehr stets übersättigt werden könne, können als wenig gerechtfertigt angesehen werden. Eine 100%ige Funktionssicherheit gibt es bei keinem Waffensystem, auch nicht bei strategischen Offensivwaffen. Raketenabwehr muss auch nicht eine 100%ige Abwehrchance bedeuten, genauso wenig wie ein nukleares Abschreckungspotenzial immer die Möglichkeit bieten wird, den Gegner vollständig zu vernichten.

Im Bereich der Defensiv- wie der Offensivwaffen gibt es Systeme beschränkter Abschreckung, und diese haben nicht unerhebliche Konsequenzen für die strategische Planung der jeweiligen Gegenseite. Auch beschränkte Abwehrkapazitäten können einen nuklearen Offensivplan zunichte machen, wenn der Gegner sich nicht sicher sein kann, vitale Erstschlagziele mit Sicherheit auszuschalten. Selbiges gilt für die politische Symbolwirkung, die einem Raketenstaat entgegengesetzt werden kann. Diese Möglichkeit schlägt sich freilich wiederum in politischem Einfluss nieder und eröffnet der Diplomatie weitere Optionen. Es kann nicht oft genug wiederholt werden: Defensivsysteme stehen mit Offensivsystemen in Wechselwirkung!

Das sowjetisch-amerikanische Patt während des Kalten Krieges - im Sinne obiger Tabelle Stufe 5 auf beiden Seiten - ist eine historische Ausnahmesituation. Alle anderen nuklearen Mächte - Großbritannien (1952), Frankreich (1960), China (1964), Israel (~1965), Indien (1974), Südafrika (1978), Pakistan (1998) und Nordkorea (2006) - strebten jeweils ein beschränktes Abschreckungspotenzial an. Die amerikanisch-sowjetische Ausnahmesituation zur Messlatte aller strategischen Rüstungsprojekte zu machen und Raketenabwehr heute noch nach den Prämissen des Kalten Krieges zu diskutieren, ist aus Sicht des Verfassers wenig sinnvoll.

V.a. wenn man bedenkt, wo jene Staaten stehen, gegen die sich das Raketenabwehrprogramm der USA wendet: Im Bereich der Offensivwaffen befindet sich Nordkorea auf Stufe 1, der Iran hingegen unternimmt ernsthafte Anstrengungen, gegenüber dem regionalen Umfeld Stufe 2 zu erreichen. Die USA ziehen dementsprechend im Bereich der Defensivwaffen gleich. Mit der SM-3 wird man zur regional begrenzten Raketenabwehr in der Lage sein. Hauptziel der USA dürfte sein, durch die Möglichkeit der Raketenabwehr einer weiteren Proliferation von Atomwaffen im Mittleren Osten zu begegnen. Saudi-Arabien, Ägypten oder die Türkei sollen nicht selbst zur Bombe greifen, um dem Iran die Stirn bieten zu können. Vielmehr soll der amerikanische Schutzschirm verbessert und attraktiver gestaltet werden und so - so hofft man - auch der amerikanische Einfluss gewahrt bleiben.

Was die Abwehr weiter reichender Flugkörper angeht, so haben die USA nicht aufgehört, den GBI weiter zu entwickeln (auch die für Europa vorgesehene zweistufige Variante wurde getestet). Im Falle einer Reichweitensteigerung mittelöstlicher Raketen (auch durch Import!) könnten sich die USA auch durch eine dritte Basis an der Ostküste schützen. Als vordringlich dürfte aber die Entwicklung geeigneter Sensoren, besonders der Frühwarn- und Verfolgungssatelliten, wie der erforderlichen C²-Struktur für den Sensorverbund sein.

Dass Europa in den strategischen Kalkulationen Washingtons keine Rolle mehr spielt, wurde durch die Aufgabe der Raketenabwehrpläne für Europa (die Systeme werden zwar in Europa stationiert, können dort aber kaum vernünftig eingesetzt werden), bestätigt. Einzig Frankreich scheint die Lage erfasst zu haben und sucht durch eigene Anstrengungen gegenzusteuern.

 


ANMERKUNGEN:

[1]) Zur Proliferationssituation vgl.: The International Institute for Strategic Studies, Iran’s Ballistic Missile Capabilities, A net assessment, London 2010; Robert H. Schmucker, Markus Schiller: Fernwaffen in Entwicklungsländern, Technologie und Verbreitung, 14. Auflage, Vorlesungsskriptum der TU München 2009; Markus Schiller: Fernraketen im Iran und Nordkorea, - Technische Einschätzung der Bedrohungssituation. In: Peter Sequard-Base (Hrsg.) Beiträge zum Workshop Raketenabwehr Wien, 17.2.2010, S.107-122; vgl. auch die Online-Version dieses Beitrages, die sich intensiver der Proliferationsproblematik widmet: Gustav C. Gressel: Raketenabwehr als strategisches Korrektiv, Teil 1, Die Proliferationssituation, vgl. hierzu die jeweiligen Onlineausgaben der ÖMZ unter: www.bmlv.gv.at/omz/ausgaben.shtml.

[2]) Zur den technischen Aspekten sei verwiesen auf: Peter Sequard-Base: Ausgewählte Simulationsberechnungen zur Raketenabwehr, Schriftenreihe des Amtes für Rüstung und Wehrtechnik, Ausgabe 1, Wien 2009; sowie Peter Sequard-Base (Hrsg.): Beiträge zum Workshop Raketenabwehr, 17.2.2010, Schriftenreihe des Amtes für Wehrtechnik, Ausgabe 2, Wien.

[3]) Wie Untersuchungen nach dem Golfkrieg zutage förderten, gingen die meisten „Abschüsse“ von SCUD-Raketen in Israel nicht auf das Konto der Patriot, sondern diese Raketen brachen von selbst auseinander. Um die Reichweite der R-17 auf ca. 600 km zu steigern, verlängerte der Irak die Treibstofftanks erheblich, was zu einer ungünstigen Gewichtsverteilung und hoher struktureller Belastung der Raketen beim Wiedereintritt in die Atmosphäre führte. Diesem hielten sie nicht stand. Vgl.: Alexander Simon: The Patriot Missile, Performance in the Gulf War Reviewed, 15th July 1996, www.cdi.org/issues/bmd/patriot.html; Peter Sequard-Base: Raketenabwehr, Bedrohung-Verteidigung, Eine physikalisch-technische Annäherung, Studien und Berichte zur Sicherheitspolitik, 1/2003, Wien S.31ff.

[4]) Duncan Lennox: Jane’s Strategic Weapons Systems, Issue 49, Coulsdon 2008, S.348-351.

[5]) Ibid., S.234-238.

[6]) Ibid., S.302-305.

[7]) Im Falle der Arrow dürfte der Schutzkreis etwas größer sein, bekämpft sie ihre Ziele doch in den äußersten Atmosphärenschichten. Diese Rakete stellt jedoch auch das Maximum dar, was mit „erweiterter Fliegerabwehr“ zu erreichen ist. Und für einen Staat mit einer derart kleinen Flächenausdehnung dürfte dies auch ausreichen. Vgl. Zur Rakete: Ibid., S.252-256.

[8]) David S. Yost: Missile Defence on NATO’s agenda, www.nato.int/docu/review/2006/issue3/english/analysis1.html; Holger H. Mey: Raketenabwehr - Einige grundlegende Gedanken zu einer Idee, deren Zeit gekommen ist. In: Erich Reiter, Ernst M. Felberbauer (Hrsg.): Perspektiven einer europäischen Raketenabwehr, Studien und Berichte zur Sicherheitspolitik, 2/2002, Wien, S.15-22.

[9]) Zum Raketentest: Joseph S. Bermudez: A History of Ballistic Missile Development in the DPRK, Monterey Institute of International Studies, Monitoring Proliferation Threats Studies, Occasional Paper Nr. 2, download: http://cns.miis.edu/pubs/opapers/op2/op2.pdf, S.26ff.

[10]) Ibid., S.26ff.

[11]) Vgl. auch: Raketenabwehr in Europa - die Diskussion in den USA, Tschechien, Polen und Russland, Diskussionspapier, Konrad-Adenauer-Stiftung, www.kas.de/db_files/dokumente/7_dokumente_dok_pdf_1177_1.pdf, S.3-4.

[12]) Der gesamte Vertragstext ist abrufbar: www.state.gov/www/global/arms/treaties/abm/abm2.html.

[13]) Eine Übersicht über Clintons Programm, das in der Diskussion um die Architektur Bushs in der Literatur stiefmütterlich behandelt wurde, findet sich unter: www.gobalsecurity.org/space/system/nmd.htm.

[14]) National Missile Defense Act of 1999, http://thomas.loc.gov/cgi-bin/querry/z?c106:S.296.

[15]) America withdraws from ABM-treaty, BBC-News Online, 13. December 2001. Putins Kommentar hierzu: „I fully believe that the decision taken by the president of the United States does not pose a threat to the national security of the Russian Federation.“ ibid.

[16]) Zur Beurteilung der strategischen Situation in dieser Zeit vgl.: Big Bang: 11 September and US Non-proliferation Policy. In: The International Institute for Strategic Studies, Strategic Survey 2001/2002, Oxford, S.17-35.

[17]) Vgl Ibid., S.28-35; Keith B. Payne: Bush Administration Strategic Policy: A Reality Check, The Journal of Strategic Studies, Vol.28, No.5, October 2005, S.775-787.

[18]) The White House, Washington, National Security Presidential Directive /NSPD-23, December 16, 2006, www.fas.org/irp/offdocs/nspd-23.htm; Missile Defense Agency, The Missile Defence Programm 2009-2010, August 2009, Washington D.C.; oder: Missile Defense Agency, Global Ballistic Missile Defense, A Layered Integrated Defense, BMDS Booklet, fourth edition, Washington D.C., 2006.

[19]) Der Ground Based Interceptor (GBI) ist eine Abfangrakete gegen Mittelstrecken- und Interkontinentalraketen. Sie ist heute auch weltweit die einzige konventionell armierte strategische Defensivwaffe. Zur Rakete vgl.: Duncan Lennox: Jane’s Strategic Weapons Systems, a.a.O., p.333-337; Zur Leistungsfähigkeit der Waffe gegen ballistische Raketen siehe: Peter Sequard-Base: Ausgewählte Simulationsberechnungen zur Raketenabwehr, a.a.O., S.31-34.

[20]) Raketenabwehr der USA angeblich aktiviert, Besorgnis über Nordkorea, Neue Zürcher Zeitung Online, 21.6.2006; Zu den Abfangraketen und deren Leistungsdaten vgl.: Peter Sequard-Base: Ausgewählte Simulationsberechnungen zur Raketenabwehr, a.a.O., S.31-36.

[21] ) Vgl.: The White House, Washington, National Security Presidential Directive, NSPD-23, December 16, 2006, www.fas.org/irp/offdocs/nspd-23.htm.

[22]) Iran verlangt Freilassung, Neue Zürcher Zeitung Online, 14. Jänner 2007; U.S. says arms link Iranians to Iraqi Shiites, International Herald Tribune Online, 11 February 2007; U.S. links Iran to raid that killed GIs in Iraq, International Herald Tribune Online, 2 July 2007.

[23]) A Stronger Enemy? Afghan Insurgents’ Improved Skills Could come from Outside Sources, Defense News, 8 June 2009, p.28.

[24]) Vgl.: Ali M. Ansari: Iran under Ahmadinejad, The policies of confrontation, Adelphi Paper Nr. 393, London 2007, S.58-62.

[25]) The International Institute for Strategic Studies, Strategic Survey 2007, The Annual Review of World Affairs, London, S.239-241.

[26]) Die bisher installierten GBI-Feuerstellungen in Alaska und Kalifornien wiesen eine Feuerlücke über der Ostküste aus. Peter Sequard-Base: Ausgewählte Simulationsberechnungen zur Raketenabwehr, a.a.O., S.78-81.

[27]) Polen will Basis für US-Raketenschild werden, Die Welt Online, 18.11.2005.

[28]) Vgl. zur Leistungsfähigkeit des Systems zur Abwehr von Raketen Richtung USA und Europa: Peter Sequard-Base: Ausgewählte Simulationsberechnungen zur Raketenabwehr, a.a.O., S.70-82.

[29]) Vgl.: Ibid., S.73.

[30]) Beide Radargeräte waren AN/FPS-115, operierten im S-Band (0,7m), der Antennendurchmesser beträgt 25,6 m und die Spitzenleistung 0,87 MW. Keulenöffnungswinkel ist 24,2 MRad. Zur Anlage siehe: Ibid., S.57.

[31]) Zum Radar und seinen technischen Daten vgl.: Ibid., S.49f. Zur Diskussion um die benötigte Sendeleistung vgl.: Eugene Kogan, Gustav C. Gressel: Missile Defence in Europe: Systems, Policies and Straegic Choices, Schriftenreihe des Internationalen Instituts für Liberale Politik, Reihe Studien, Wien 2009, S.17-18.

[32]) Zur kurzen Übersicht über die Space Based Infrared Satellites (SBRIS) vgl.: Infrared Space Systems Directorate, www.losangeles.af.mil/library/factsheets/factsheet.asp?id05330.

[33]) Steinmeier warnt vor neuem Wettrüsten, Stern Online, 17. März 2007.

[34]) „US-Raketenabwehr ist eine Provokation“, Die Presse Online, 22. August 2007.

[35]) Peter Sequard-Base: Ausgewählte Simulationsberechnungen zur Raketenabwehr a.a.O., S.82-88; Zur selben Schlussfolgerung kommt: Dean Wilkening: European Missile Defense Options, a.a.O.

[36]) Putin: US risks new Cuban missile crisis, The Guardian Online, 27. Oktober 2007; Obama’s Missile Defence Decision, The View From Europe, New Atlanticist Online, 18. September 2009; Als Chefpropagandist Moskaus im Westen fiel natürlich dazu ein: George N. Lewis, Theodore A. Postol: European Missile Defence: The Technological Basis of Russian Concerns, www.armscontrol.org/print/2616.

[37]) Der damalige und heutige Vizepremier Sergej Ivanow behauptete 2007, dass die in Tschechien geplante Radarstation „das verfolgen kann, was sich auf einem bedeutenden Territorium des russischen Territoriums abspielt“. Diese Argumentation floss weiter in die Debatte um die Raketenabwehr ein: Ist US-Raketenabwehrsystem gegen Iran oder gegen Russland gerichtet? - Wscemja Nowostej, RIA Novosti Online, 19. August 2007; Obama’s Missile Defence Decision: The View From Europe, New Atlanticist Online, 18.9.2009.

[38]) Taleh Ziyadov: Putin’s Gabala Offer gets Mixed Reaction in Aserbaijan, The Jamestown Foundation Online, 22.7.2007.

[39]) Das Gerät arbeitet im VHF-Bereich mit einer Frequenz von 150-200 Mhz (λ=1,5-2 m). Vgl. zur Station: Pavel Podvig, History and the Current Status of the Russian Early-Warning System, Science and Global Security, 10:21-60, 2002, http://iis-db.stanford.edu/pubs/20734/Podvig-S&GS.pdf.

[40]) Taleh Ziyadov: Putin’s Gabala Offer gets Mixed Reaction in Aserbaijan, a.a.O.

[41]) David Smith: Obama Missile Defence Blunder, Defense News, 28.9.2009, p.37; Andrei V. Zagorski: Die Kontroverse über amerikanische Raketenabwehr in Europa: Lösungsversuche in der Sackgasse? Sozialwissenschaftliche Schriftenreihe des IILP, Wien, Dezember 2007, S.18-24.

[42]) Smiles but little else as Medwedew meets Obama, The Moscow Times Online, 27.05.2011; Russia warns of „new Cold War“ as US focuses on Mideast, Hürriyet Daily News Online, 18.5.2011.

[43]) Polen schachert um US-Raketenabwehr, Besseres Angebot gefordert, Neue Zürcher Zeitung Online, 10.7.2008; Neue Gespräche über geplante US-Raketenabwehr in Polen, Annäherung beider Seiten - Russland weiter skeptisch, Neue Zürcher Zeitung Online, 14.8.2008; Polen und Tschechien signalisieren Ja, Süddeutsche Zeitung Online, 19. Februar 2007.

[44]) Vgl.: The International Institute for Strategic Studies, Iran’s Ballistic Missile Capabilities, A Net Asessment, London 2010, S.8.

[45]) Zum Phased Adaptive Approach vgl.: Ballistic Missile Defence Review, Military Technology, 8/2010, S.14-20.

[46]) Obama speech on missiles, Financial Times Online, 17.9.2009; Robert M. Gates: A Better Missile Defense for a Safer Europe, New York Times Online, 19.9.2009.

[47]) Ein Beispiel: Mark Fitzpatrick, A Prudent Decision on Missile Defence, Survival, Vol.51, No. 6, December 2009, S.5-12.

[48]) Vgl.: Dean Wilkening: European Missile Defense Options, a.a.O.S.39ff.

[49]) Christian Rumpf: Dardanelles, Sea of Marnara, Bosporus. In: Rudolf Bernhardt (Ed.): Encyclopaedia of Public International Law, Volume I, Amsterdam, a.o., 945-950, p.947-950; Montreux Convention. (2010). In Encyclopædia Britannica. Retrieved January 10, 2010, from Encyclopædia Britannica Online: http://www.britannica.com/EBchecked/topic/1319887/Montreux-Convention.

[50]) Vgl.: Christian Rumpf: Dardanelles, Sea of Marmara, Bosporus a.a.O., S.947-950.

[51]) Turkey: NATO’s Man in Mideast or Vice-Versa? Defense News, 8. November 2010, S.14; Turkey Ups Push for Mideast Security Zone, Defence News, 6.12.2010, S.14; Turkey, Syria, Lebanon, Jordan Near Trade Pact, Defense News, 25.10.2010, S.1 und 6.

[52]) Saban Kardas: Erdogan Discusses Missile Defense with Obama Ahead of NATO’s Summit in Lisbon, The Jamestown Foundation Online, 15.11.2010.

[53]) Vgl.: George N. Lewis: Theodore A. Postol, A Flawed and Dangerous U.S. Missile Defence Plan. In: Arms Control Today, May 2010; Der Artikel ist nur aufgrund der abgedruckten Suchkopfbilder interessant. Ansonsten ist Postols und Lewis’ Argumentation wenig schlüssig und eher als emotionale Kreuzzugsliteratur zu werten.

[54]) Vgl.: Peter Sequard-Base: Missile Defence for Europe, Comparison of Defence Concepts computed with RAAB Model. In: Peter Sequard Base: Beiträge zum Workshop Raketenabwehr, vom 17.2.2010 in Wien, Wien 2010, S.49.

[55]) Jede SM-3 ist an die Maße des Abschusscontainers gebunden, in dem sie auf den Schiffen oder einer möglichen landgestützten Abschussvorrichtung stationiert werden soll. Dieser gibt v.a. den Durchmesser mit 53,3 cm vor, die Länge wäre beim längsten Modul (Strike-Module) mit ca. 7,5 m begrenzt. Lockheed Martin, The MK 41 Vertical Launching System (VLS), http://www.lockheedmartin.com/data/assets/ms2/pdf/MK41_VLS_factsheet.pdf.

[56]) Sequard-Base nimmt 5 kg für das Kill-Vehicle an (Model. In: Peter Sequard Base: Missile Defence for Europe, a.a.O., S.40-41). Nach seinen Angaben lässt sich sonst die vom Personal der MDA angegebene maximale Brennschlussgeschwindigkeit von 5.700 m/s nicht erreichen. Mit jedem schwereren Kill-Vehicle wäre die Brennschlussgeschwindigkeit deutlich geringer, und damit ergeben sich erhebliche Einschränkungen in den taktischen Szenarien. Allerdings ist zu bezweifeln, ob das Kill-Vehicle tatsächlich so weit erleichtert werden kann, denn es kann bei den geplanten Aufschaltentfernungen wie der durch die zu schwachen Radargeräte notwendigen Diskriminierungs- und Unterscheidungsleistungen des Suchkopfes nicht auf einen sehr leistungsfähigen IR-Sensor verzichten. Dieser wiegt aber mit Sicherheit mehr. Daher wird in Jane’s das Gewicht des „Leightweight ExoAtmospheric Projectile“ (LEAP) für die SM-3 Block I mit 23 kg angegeben. (Duncan Lennox, Jane’s Strategic Weapons Systems, a.a.O., S.355). Gils, der der SM-3 generell ein positives Zeugnis ausstellt, macht keine Angaben zum Gewicht des Kill-Vehicles. Vgl.: Hans Christinan Gils: Modellierung von Raketentrajektorien und deren Anwendung für die Untersuchung von Raketenabwehrsystemen (BMD-Systemen). In: Peter Sequard-Base (Hrsg.): Beiträge zum Workshop Raketenabwehr, 17.2.2010, Schriftenreihe des Amtes für Wehrtechnik, Ausgabe 2, S.4-18.

[57]) Wolfgang Rosmann: Radare in der Raketenabwehr, Technische Aspekte zur Analyse und Modellierung. In: Peter Sequard Base (Hrsg.): Beiträge zum Workshop Raketenabwehr, 17.2.2010, Schriftenreihe des Amtes für Wehrtechnik, Ausgabe 2, S.101-102.

[58]) Peter Sequard-Base: Ausgewählte Simulationsberechnungen zur Raketenabwehr a.a.O., S.96-97.

[59]) Aiming High: Briefing, Sea-Based Ballistic Missile Defence. In: Jane’s Defence Weekly, Vol.48, Issue 1, 5th January 2011, S.25.

[60]) Defence Update, Next Generation AEGIS Missile, defence-update.com/features/2010/november/18112010_aegis_ng.html; vgl. auch: Aiming High: Briefing, Sea-Based Ballistic Missile Defence, a.a.O., S.25.

[61]) Dieser scheint für den mobilen Einsatz zumindest erwogen zu werden: Boing Unveils Mobile GBI, Aviation Week Online, 19. August 2009. Der Test des zweistufigen GBI (man sieht die Startfrequenz) wurde von der Missile Defense Agency auf Youtube gestellt, sonst gibt sich die MDA darüber bedeckt. www.youtube.com/watch?v=IE_1_Wd5fa8.

[62]) Vgl.: Missile Defense Tops NATO Summit Plan, Defense News, 15. November 2010, S.4.

[63]) Eine entsprechende Absicht wurde im neuen strategischen Konzept bekundet (Active Engagement, Modern Defence, Strategic Concept of the Members of the North Atlantic Treaty Organization, www.nato.int/lisbon2010/strategic-concept-2010-eng.pdf).

[64]) Options Complicate Turkish Role in NATO Plan, Defense News, 29. November 2010, S.8; At NATO, Doubts on Missile Shield’s Price Tag, Defence News, 29.11.2010, S.8.

[65]) Turkey wants control in NATO missile shield-Erdogan, Reuters, 16.11.2010.

[66]) The decision that Ankara hates making, Hürriyet Daily News Online, 29.10.2010.

[67]) Vgl. hiezu: Options Complicate Turkish Role in NATO Plan, Defense News, 29. November 2010, S.8; Soner Cagaptay: Is Turkey Leaving the West? In: Foreign Affairs Online, 26. October 2009, http://www.foreignaffairs.com/articles/65661/soner-cagaptay/is-turkey-leaving-the-west; Soner Cagaptay: Sultan of the Muslim World. In: Foreign Affairs Online, 15. November 2010, http://www.foreignaffairs.com/articles/67009/soner-cagaptay/sultan-of-the-muslim-world.

[68]) U.S. Hails Deal With Turkey on Missile Shield, New York Times Online, 15.09.2011;

[69]) Missile approval left till after key US visit, Hürriyet Daily News Online, 19.09.2011;

[70]) Zu dieser Frage sei verwiesen auf: Eugene Kogan: Turkey’s Place and Role in Changing NATO. In: Zur Außen- und Innenpolitik der Türkei, Sozialwissenschaftliche Schriftenreihe des Internationalen Instituts für Liberale Politik Wien, November 2010, S.3-10.