„Hybrid War" oder „Hype-bred war"? Eine Bewertung des Konfliktes zwischen Israel und der Hisbollah 2006

Matthias Wolfram

 

Seit 2008 kursiert in sicherheitspolitischen Kreisen im Rahmen der Analyse zukünftiger Konfliktformen immer öfter der Begriff des „Hybrid War“. In den USA nimmt der Begriff in aktuellen Diskussionen einen prominenten Platz ein, und auch einige europäische Staaten benutzen das gedankliche Modell einer neuen Form von bewaffneten Auseinandersetzungen als Ausgangspunkt für ihre Überlegungen zur Bestimmung zukünftig notwendiger Streitkräftefähigkeiten. Ein wesentlicher Meilenstein in der Verbreitung des Begriffs war die Anwendung des Konzeptes auf die Auseinandersetzung zwischen der Hisbollah und den israelischen Streitkräften im Jahr 2006. Die vielfach weitgehend unkritisch übernommene Analyse, dass dies ein Musterbeispiel eines hybriden Krieges darstellt, erscheint aber zweifelhaft. Sie soll im Folgenden näher beleuchtet und hinterfragt werden.

Das Gedankenkonstrukt einer hybriden Mischform von Auseinandersetzungen in zukünftigen bewaffneten Konflikten entstand 2005 im Zuge der Erarbeitung der amerikanischen National Defense Strategy.1) In dieser wurde erstmals die gravierendste zukünftige Bedrohung der USA als Kombinationen aus traditionellen, irregulären, katastrophalen terroristischen und disruptiven Aspekten skizziert. Der Ausdruck „hybrid“ wurde in dem Dokument noch nicht verwendet. Ein zentraler Bestandteil der Bedrohung bestand nach der Analyse in der Nutzung neuester Technologie zur Aushebelung amerikanischer militärischer Überlegenheit.2)

Offensiv verbreitet wurde der Begriff ab 2005 durch den damaligen Kommandeur des „Marine Corps Combat Development Command“ General Mattis und John Hoffmann, einen Reserveoffizier des U.S. Marine Corps (USMC), der als ziviler Berater in einem internen Think Tank des USMC in Quantico arbeitete.3) Beide befeuerten in den folgenden Jahren die Verbreitung des Begriffes weiter - Mattis in seiner Funktion als Commander United States Joint Forces Command (USJFCOM), Hoffmann als Wissenschaftler und Berater.4) Ab 2008 findet sich der Begriff auch im „Multiple Futures Projekt“5) (MFP) des „Allied Command Transformation“ (ACT) der NATO wieder, das nun von General Mattis geführt wurde. In einem Anschlussprojekt, das die Ergebnisse des MFP ab Mitte 2009 aufgriff, führte das ACT unter dem Titel „Countering Hybrid Threats“ eine Untersuchung möglicher Reaktionen auf so genannte hybride Bedrohungen durch.6) Inzwischen hat sich der Begriff als Bestandteil der Analyse zukünftiger Konfliktformen in den USA etabliert, und die Zahl der Veröffentlichungen im Rahmen seiner Diskussion ist erheblich zurückgegangen. Der amerikanische Verteidigungsminister Robert Gates benutzt den Begriff inzwischen regelmäßig, wenn er die kommenden Herausforderungen für die US-Streitkräfte beschreibt,7) und auch in dem neuesten „Quadrennial Defense Report“ von Anfang 2010 ist „Hybrid War“ schließlich ein prominenter Bestandteil der Bedrohungsanalyse.8)

Der Begriff des „Hybrid War“ wird bis heute von vielen Teilnehmern an dem Diskurs über zukünftige Bedrohungen unterschiedlich verstanden und definiert. Im ersten Ansatz wurde „Hybrid War“ als „combination of novel approaches - a merger of different modes and means of war“ beschrieben, die in ein komplexes Umfeld eingebettet sein sollte und aus dem Konzept des „Three Block War“ hervorging.9)

Hoffman selbst veränderte im Laufe der Jahre den vierten Aspekt der disruptiven Bedrohungen in den der Kriminalität.10) In diesem Sinne wird auch im „Multiple Futures Project“ die hybride Bedrohung als „interconnected, unpredictable mix of traditional warfare, irregular warfare, terrorism and organised crime“ definiert.11)

Der Begriff ist bisher jedoch weder in den USA noch international eindeutig definiert und abgestimmt. V.a. in der Frage der Gleichzeitigkeit der verschiedenen Konfliktformen und ihrer Austragung im selben Raum, ihrer Koordination und der handelnden Akteure ergeben sich bei den unterschiedlichen Definitionen erhebliche Unterschiede. Selbst unter Befürwortern und den Protagonisten, die den Begriff geprägt haben, existieren noch immer zahlreiche verschiedenen Interpretationen und Beschreibungen von hybrider Kriegführung.

Die vorhandenen Definitionen erscheinen allerdings aus historischer Perspektive fragwürdig und sind empirisch bisher nicht zu belegen. Sie verdeutlichen allerdings, dass die Erscheinungsform moderner Kriege heute von Teilen ihrer Beobachter anders wahrgenommen wird. Gerade auf hochintensive zwischenstaatliche Kampfhandlungen fokussierte Streitkräfte müssen erkennen, dass potenzielle - oft auch nichtstaatliche - Gegner ihre Schwachstellen erkunden und sich darauf vorbereitet haben, diese zu umgehen. Dabei erfolgt ein Rückgriff auf Techniken und Taktiken nicht-konventioneller Art durch konventionelle Streitkräfte, aber auch eine Integration bisher eher staatlicher Fähigkeiten durch nicht-staatliche Akteure, oft unter Nutzung zivil verfügbarer modernster Technologie.

Dies spiegelt zunächst allerdings nur die schon lange kursierende Erkenntnis wider, dass sich das Erscheinungsbild von Krieg verändert. Kriegführende Parteien suchen stets Wege, ihren Gegner auszumanövrieren und dessen Schwachstellen für sich zu nutzen. Die Tatsache der Veränderlichkeit und der Anpassung von Akteuren an wechselnde gesellschaftliche und technische Umfeldbedingungen sowie an einen innovativen Gegner ist daher generell ein integraler Bestandteil und eine Konstante der Kriegführung.

Das inzwischen vielerorts genutzte Gedankenkonstrukt hybrider Bedrohungen wird von seinen Befürwortern meist auf ein konkretes Fallbeispiel zurückgeführt: den bewaffneten Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon im Sommer 2006.12) Allerdings wurde die Idee eines „Hybrid Warfare“ interessanterweise bereits vor dem Konflikt propagiert und kann kaum alleine durch diesen begründet werden. Betrachtet man zudem das Beispiel genauer, stellen sich verschiedene Fragen hinsichtlich seiner Validität. Verschiedene Aspekte der Einstufung als hybride Kriegführung sollen daher im weiteren Verlauf des Artikels untersucht werden: die von der Hisbollah angewandten Taktiken, Mittel und Methoden, ihre Einordnung als Akteur und ihre Einsatzstrukturen.

 

Die Kampfweise der Hisbollah - hybride Kriegführung?

Zunächst ist fraglich, ob überhaupt mehrere der oben beschriebenen Komponenten des „Hybrid War“ seitens der Hisbollah in dem Konflikt genutzt wurden - alle vier jedoch lassen sich auch bei weiten Einzeldefinitionen kaum nachweisen. Um die Aspekte näher zu beleuchten, muss zunächst das grundsätzliche Verständnis der einzelnen Phänomene geklärt werden. Die vier möglichen Bestandteile einer hybriden Kriegführung lassen sich grob wie folgt skizzieren:13)

 

Konventionelle Methoden

Konventionelle militärische Einsätze definieren sich personell und rechtlich grundlegend durch den Einsatz von Kombattanten. Diese sind organisatorisch in (Groß-)Verbände gegliedert, die in eine hierarchische Befehlsstruktur eingegliedert sind. Im Hinblick auf ihr Material verfügen sie in der Regel über relativ komplizierte technologische Waffensysteme mit einem Bedarf an Wartung und Infrastruktur. Die entsprechenden Geräte sind meist militärspezifisch, nur in geringen Teilen „Dual Use“-Güter und lassen sich aufgrund ihrer Größe und des Infrastrukturbedarfs nur schwer verstecken. Der Besitz sowie der punktuelle Einsatz von vereinzeltem originär militärischen Gerät alleine kann jedoch nicht als Indikator für konventionelle Fähigkeiten dienen. Vielmehr ist die Integration der verschiedenen Waffensysteme zu einem Einsatz nach den Grundsätzen des Gefechts der verbundenen Waffen als wesentliches Kennzeichen für konventionelle militärische Fähigkeiten anzusehen.14)

Die Operation mit weitgehend handelsüblichen Plattformen in Verbindung mit leichten Waffen wie beispielsweise den in Somalia und anderswo gebräuchlichen „Technicals“15) hingegen kann nur bei Vorliegen eines koordinierten gemeinsamen Operierens verschiedenartiger Systeme, also gewissermaßen einem Einsatz nach den Prinzipien des Gefechts der verbundenen Waffen, unter Umständen als konventionelle Fähigkeit eingestuft werden. Eine solche Koordinierung bedarf jedoch einer der Operation vorangegangenen Ausbildung, die sich aufgrund der Art und Masse der Kräfte kaum verbergen lässt. Der Aufbau der Befähigung zum Führen eines Gefechts verbundener Waffen erfordert daher nicht nur die entsprechenden Waffensysteme, sondern auch Verfügungsgewalt über Territorium. Dabei ist aber davon auszugehen, dass entsprechende Vorbereitungen und Aktivitäten zu Übungs- oder Operationszwecken in der Regel frühzeitig aufgeklärt werden. Ein verdecktes Agieren auf der Ebene von Verbänden ist grundsätzlich kaum plausibel und speziell im Libanon durch die israelische Überwachung nur sehr schwer denkbar. Dies stellt einen erheblichen Unterschied zu den folgenden drei Komponenten dar, die im Wesentlichen als klandestin einzuordnen sind.

 

Irreguläre Kriegführung

Als irreguläre Kriegführung werden in diesem Kontext „feindselige Handlungen gegen die eigenen Streitkräfte durch Personen, die […] Nichtkombattanten sind“,16) verstanden. Dieser Ansatz ist zunächst sehr eng auf ein offensichtliches Merkmal beschränkt und zeigt die großen Schwierigkeiten der eindeutigen Klärung der Charakteristika irregulärer Kriege. Für die hiesige Diskussion lassen sie sich zudem zunächst einmal als Gegenteil der oben beschriebenen konventionellen Merkmale fassen und mit den Aspekten „zerstreut kämpfend, leicht bewaffnet, beweglich und ohne umfangreiche Infrastruktur und Logistik durchhaltefähig“ charakterisieren.

 

Terrorismus

Hinsichtlich des Terrorismus existiert eine Vielzahl an problembezogen validen und durchaus plausiblen Definitionen. Für diese Betrachtung wird das Verständnis als „bewusste Erzeugung und Ausbeutung von Angst durch Gewalt oder die Drohung von Gewalt zum Zweck der Erreichung politischer Veränderungen“ 17) zugrunde gelegt. Er richtet sich gegen Nichtkombattanten. Damit ist Terrorismus als strategische Aktionsform grundsätzlich zu unterscheiden von der taktischen Nutzung ursprünglich terroristischer Methoden wie Selbstmordbombern auf taktischer Ebene in militärischen Konflikten.

 

Disruption

Disruptive Methoden stellen als neuestes Phänomen den wohl interessantesten Aspekt der Diskussion dar. Moderne westliche Gesellschaften sind hochgradig vernetzt und reagieren aufgrund der zahlreichen Interdependenzen und internationalen Verknüpfungen extrem sensibel auf die Unterbrechung bestimmter gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Systeme. Die Disruption als Unterbrechung von Abläufen richtet sich gegen so genannte „Systempunkte“ und zielt auf die Erzeugung von Kaskadeneffekten mit dem Ziel einer Störung und Lähmung wirtschaftlicher, politischer oder gesellschaftlicher Systeme ab. Sie ist immer auf das gegnerische Territorium gerichtet und findet entweder im gegnerischen Land statt oder wirkt sich dort aus. Dies unterscheidet sie wesentlich von den oben beschriebenen Methoden, die auf die gegnerischen Streitkräfte abzielen. Die letztgenannten Methoden betreffen vorrangig die taktische Ebene, während disruptive Attacken v.a. in einen strategischen Rahmen einzuordnen sind.

Insgesamt lassen sich aus diesen vier Aspekten elf mögliche Kombinationen bilden, aus denen theoretisch die propagierte neue Form der Kriegführung bestehen könnte. Unklar bleibt bisher, wie die Protagonisten sich ihre Verbindung für einen „Hybrid War“ vorstellen. Sie sind jedoch nicht alle gleich plausibel, was eine Einschränkung auf wenige Kombinationen möglich macht:

Konventionelle und irreguläre Kriegführung sind seit jeher eng miteinander verwoben.18) Ihre Kombination stellt keine Neuerung dar und würde mit einer neuen Benennung keinen Erkenntnisgewinn bedeuten.

Terrorismus und irreguläre Kriegführung sowie disruptive Angriffe sind allerdings kaum wirklich trennscharf voneinander abzugrenzen. Sie überschneiden sich in der Praxis und sind selbst bei einer definitorischen Trennung miteinander verbunden. Aufgrund der Ortsungebundenheit der ersteren beiden ist eine Verbindung mit Letzterer trotz deren Bindung an und Ausrichtung auf gegnerische Systeme und damit auf gegnerisches Territorium durchaus schlüssig. Besonders die Kombinationspaare Terrorismus und irreguläre Kriegführung sowie Terrorismus und disruptive Attacken weisen inhaltlich eine größere Nähe und weitaus höhere Plausibilität - und damit Wahrscheinlichkeit - auf als beispielsweise eine Kombination aus konventionellen und terroristischen Methoden durch den gleichen Akteur in demselben Einsatzraum. Damit erscheint es als wenig sinnvoll, diese beiden Kombinationspaare zum Ausgangspunkt einer propagierten neuen Form der bewaffneten Auseinandersetzung zu machen.19) Zudem berühren Terrorismus und die fließend damit verbundene Anwendung von Gewalt aus dem Verborgenen heraus gegen eine Gesellschaft zunächst v.a. die innerstaatliche Sicherheit und die Strafverfolgungsbehörden. Eine zwangsläufige Einbeziehung von Streitkräften ist in diesem Fall nicht gegeben.

Somit scheint die Frage nach konventionellen Fähigkeiten der Hisbollah von zentraler Bedeutung zu sein. Eine neue Qualität - und damit eine Rechtfertigung für die Einführung eines neuen Begriffs - unter Beibehaltung der oben ausgeführten Logik gewänne hybride Kriegführung letztlich durch die Kombination von terroristischen und irregulären Methoden mit eben diesen konventionellen Fähigkeiten. Die Untersuchung im Hinblick auf entsprechende relevante Indikatoren muss daher der Ausgangspunkt für die konzeptionelle Einschätzung des Konfliktes zwischen Israel und der Hisbollah sein.

 

Konventionelle Fähigkeiten der Hisbollah?

Als konventionelle Fähigkeit ist die Befähigung zu einer Durchführung klassischer Gefechte oder Operationen nach dem Prinzip verbundener Waffen bzw. verbundener Kräfte, also der koordinierte Einsatz verschiedener Truppengattungen und Teilstreitkräfte, einzustufen. Dies setzt aber nicht nur eine erhebliche Bandbreite an Spezialisierungen hinsichtlich der Kräfte, sondern auch ein hohes Maß an gemeinsamem Training voraus, um die Einzelfähigkeiten in einen kohärenten, konzertierten Einsatz zu bringen. Beides ist bei der Hisbollah jedoch nur ansatzweise zu erkennen.

Die Ausdifferenzierung verschiedener Spezialisierungen war bei der Miliz allenfalls rudimentär ausgeprägt. Gemeinsame Übungen der verschiedenen existenten Teile waren aufgrund der Aufklärungsmöglichkeiten Israels teilweise in der Bekaa-Ebene möglich und konnten darüber hinaus nur begrenzt außerhalb des libanesischen Territoriums stattfinden.

Als wesentlich für diese beiden genannten Aspekte erscheint also die Möglichkeit, auf eigenem Territorium unumschränkt und weitgehend unbeobachtet agieren zu können. Dies ist der Hisbollah durch die Aufklärungsfähigkeiten der israelischen Streitkräfte, das relativ kleine Territorium und die fehlenden Mittel zur Abwehr israelischer Überflüge jedoch kaum möglich gewesen. Allerdings wurde das Ausmaß der Stellungen und Stellungssysteme durch die IDF erheblich unterschätzt, auch wenn israelische Kräfte die Vorbereitung der Schiitenmiliz zur Verteidigung im Südlibanon vor dem Angriff erkannt hatten.

Hinsichtlich ihrer Fähigkeiten waren Einheiten der Hisbollah in der Auseinandersetzung 2006 darauf vorbereitet, in ausgebauten Stellungen in klar strukturierten Einheiten mit modernen Waffen gegen israelische Kräfte zu verteidigen und so lange wie möglich zu halten.20) Gleichzeitig konnten sie im Bedarfsfall kurzfristig als Guerillakämpfer eingesetzt werden.

Es war also ein Wechsel von Milizgruppierungen zwischen dem irregulären Einsatz in kleinen, flexiblen Gruppen mit netzwerkartigen Strukturen und eher konventionellen, klar strukturierten militärischen Einheiten und Teileinheiten zu erkennen. Während Erstere bei der flexiblen Verteidigung zum Einsatz kamen und sich bei übermächtigem Druck israelischer Verbände gezielt zerstreuen konnten, um sich an anderer Stelle erneut zu sammeln, verteidigten Letztere Teile des libanesischen Territoriums wie das Dorf Bint Jubayl aus vorbereiteten und ausgebauten Stellungen mit einer Mischung aus Infanterie und Panzerabwehrteileinheiten.21) Auch wenn bei der Hisbollah noch keine ausgeprägten Truppengattungen in der gesamten Bandbreite moderner Landstreitkräfte eingesetzt wurden, ist der verbundene Einsatz spezialisierter Gruppierungen immerhin als Vorzeichen einer solchen Entwicklung zu betrachten.

Der Wechsel zwischen den beiden Formen stellt dabei aber grundsätzlich keine Neuigkeit dar, wurde er doch während des Ost-West-Konfliktes auch in den Vorbereitungen auf einen Krieg in Zentraleuropa und anderen Konflikten für Streitkräfte angedacht oder eingeplant.

Zwar war die Hisbollah teilweise in der Lage, in der Verteidigung wie geschlossene militärische Einheiten und Verbände zu operieren - allerdings kann sie dies nicht in allen militärischen Operationsarten und nicht mit unterschiedlichen Teilstreitkräften sowie nur auf niedrigen Gliederungsebenen, was sie deutlich von umfassend ausgebildeten staatlichen Streitkräften unterscheidet. Die erfolgreiche Verteidigung beruhte zudem wesentlich auf der Möglichkeit der langen und intensiven Vorbereitung der Stellungen im Südlibanon.22) Die weitgehende Überraschung der IDF, ihre missliche Ausrichtung an dem Konzept der „Effects Based Operations“ und die fehlende Ausbildung in den Prinzipien des Gefechts der verbundenen Waffen trugen dabei aber erheblich zum Erfolg der Hisbollah bei.23)

Auch hier gilt daher insgesamt, dass die Ausprägung der konventionellen Fähigkeiten der Hisbollah eher rudimentärer Natur und daher auch der Wechsel der Organisationsform begrenzter Natur war. Die ansatzweise Wandlung der Form einzelner Einheiten erscheint aber nicht als ausreichend, um eine tatsächliche Hybridität des Akteurs Hisbollah und eine neue Form der bewaffneten Konfliktaustragung zu begründen.

Echte konventionelle Fähigkeiten im Sinne eines Gefechts der verbundenen Waffen müssen der Hisbollah daher abgesprochen werden. Hinsichtlich irregulärer Methoden besteht hingegen auch vor dem Hintergrund der Entstehung und Entwicklung der Hisbollah an ihren Fähigkeiten kaum ein Zweifel. Die Hisbollah verkörperte daher eine Mischform zwischen beidem, was auch ihr Generalsekretär so beschrieb.24) Dabei ist zu beachten, dass eine glasklare Unterscheidung zwischen beiden in der Realität nicht in Reinform erwartet werden darf. Einzelne Elemente sowohl konventioneller als auch irregulärer Methoden finden sich in nahezu jedem bewaffneten Konflikt. Als besonders augenfälliges Beispiel in der jüngeren Vergangenheit lassen sich hierfür amerikanische Praktiken wie die Ausbildung und Anleitung von bewaffneten Gruppen ethnischer Minderheiten im Vietnamkrieg oder der bereits erwähnte Einsatz irakischer Milizen 2003 heranziehen. Grundsätzlich lässt sich feststellen: […] only the rare extrema involve any battlespace that lacks some aspects of both conventional and guerrilla methods-amalgams in the same time and space are the norm, not the exception.“ 25)

Die Existenz rudimentärer Aspekte26) darf dabei allerdings nicht zu einer Einordnung als vollständige Abdeckung beider Bereiche führen.

Terroristische Methoden waren in dem Konflikt allerdings auf taktischer Ebene nicht zu erkennen. Zwar erscheint eine Einstufung der Raketenangriffe der Hisbollah auf bewohnte Gebiete durch ihren undifferenzierten und unpräzisen Einsatz von Waffengewalt gegen zivile Ziele als terroristische Angriffe durchaus möglich. Sie waren jedoch nicht Bestandteil der taktischen Auseinandersetzungen, sondern bildeten einen wesentlichen Teil der strategischen Aktivitäten der Hisbollah. Aufgrund der Lähmung des normalen Lebensrhythmus in den von den Raketenangriffen betroffenen Regionen und Städten können diese Angriffe in begrenztem Umfang als disruptiv bewertet werden.27) Zwingend disruptive Attacken, die zwangsläufig zu einer Lahmlegung von Teilen des israelischen Staates und seiner Gesellschaft hätten führen müssen, sind in der Auseinandersetzung seitens der Hisbollah allerdings nicht eingesetzt worden.28) Somit ließe sich der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah 2006 hinsichtlich der Anwendung der verschiedenen Methoden taktisch wie folgt grafisch darstellen:

Daher lassen sich die durch die Hisbollah angewandten Methoden in ihrer Gesamtheit kaum als hybrid einstufen, da im Wesentlichen in der Verteidigung libanesischen Territoriums eine Kombination aus irregulären und rudimentären konventionellen Methoden genutzt wurde. Die konventionellen Komponenten waren in Ansätzen vorhanden, können jedoch kaum als vollwertige konventionelle militärische Fähigkeiten bewertet werden.29)

Deutlich wird jedoch, dass eine Unterscheidung der direkten Kampfhandlungen zwischen den bewaffneten Gruppen auf taktischer Ebene und strategischer, gesamtstaatlicher Ebene in Teilen verschiedene Ergebnisse erbringt. Strategisch können die Methoden der Hisbollah in Teilen als terroristisch-disruptive Angriffe bewertet werden, die jedoch v.a. den Charakter von Vergeltungsschlägen hatten.

Als weiterer zentraler Untersuchungsaspekt ist die Einordnung der Hisbollah als Akteur zu untersuchen. Als religiöse Miliz ist sie zunächst ein nicht-staatlicher Gewaltakteur (NSGA). Verschiedene Aspekte lassen allerdings Zweifel an der Eindeutigkeit der Einordnung als NSGA zu. Sie sollen im folgenden Abschnitt näher beleuchtet werden.

 

Die Hisbollah - ein hybrider Akteur?

Was in der öffentlichen Diskussion bisher keine ausreichende Berücksichtigung findet, ist die Bedeutung des Umfeldes für den Einsatz der verschiedenen Akteurfähigkeiten. So sind terroristische und disruptive Methoden kaum dazu geeignet, ein Territorium gegen einen konventionellen Angriff zu verteidigen. Um genau dies, nämlich die Verteidigung gegen die israelischen Streitkräfte, ging es der Hisbollah 2006. Allerdings ist die Anwendung konventioneller militärischer Taktiken der Verteidigung durch geschlossene militärische Verbände eines NSGA nur in Sonderfällen und im fortgeschrittenen Stadium möglich, wenn die betreffende Gruppierung zu Aktionen größerer Gruppen einschließlich offener Gefechte übergehen kann. Dies setzt jedoch im Regelfall die Verfügungsgewalt über ein Gebiet zur Aufstellung und Ausbildung dieser Verbände voraus. Das Vorgehen der Hisbollah ist ganz besonders an diese spezifischen Hintergründe gebunden. Größere Angriffsoperationen gegen einen konventionellen Gegner sind mit ihren Kräften nicht zu führen. Auch die Abwehr eines entschlossen geführten Angriffs auf ein Territorium erscheint mit ihnen in der Auswertung des Libanonkrieges 2006 nur begrenzt möglich: Bei Aufgabe der Zurückhaltung hinsichtlich eines Einsatzes von Bodentruppen war Israel durchaus in der Lage, die Verteidigungsstellungen der Hisbollah zu durchbrechen.

Ordnet man die Hisbollah in ihren politisch-gesellschaftlichen Kontext ein, ist dabei zu erkennen, dass sie spätestens seit dem Rückzug der israelischen Truppen aus dem Südlibanon in dieser Zone einen beinahe staatlichen Charakter angenommen hat und sich bereits vorher als Träger des staatlichen Widerstandes sah. Mit auswärtiger Unterstützung hat sie die Hoheitsgewalt über das dortige Territorium und die Bevölkerung ausgeübt und neben einer eigenen Miliz auch andere staatliche Strukturen aufgebaut. Die Hisbollah ist daher als ein Akteur im Übergang anzusehen. Sie bewegt sich auf dem Spektrum möglicher Akteursformen von einer terroristischen Gruppe zu einem staatsähnlichen Akteur - und verkörpert daher Elemente von beiden. Die Hisbollah ist somit 2006 als „beinahe-staatlicher“ oder „quasi-staatlicher“ Akteur einzustufen. Folglich stand die israelische Armee nicht einer Terrorgruppe gegenüber, sondern einer teilsouveränen staatsähnlichen Gruppierung, die sich in einem Prozess der Verwandlung von einer rein terroristischen, klandestinen Organisation zu einem quasi-staatlichen Akteur befindet. Im Lichte dieser Verwandlung ist die Nutzung sowohl terroristischer als auch irregulärer und in Ansätzen regulärer Taktiken und Methoden sehr viel weniger überraschend. Wenn das Bild der hybriden bewaffneten Auseinandersetzung auf diesen Fall angewandt wird, so muss es in diesem Kontext und als situationsbezogene Momentaufnahme gesehen werden und stellt daher kein Ereignis dar, aus dem auf grundsätzlich veränderte Formen der Kriegführung geschlossen werden kann.30)

Diese Schlussfolgerungen gelten aber auch für andere Konflikte: In bestimmten Fällen und unter bestimmten Voraussetzungen finden Wandlungen von nicht-staatlichen Akteuren wie beispielsweise der Hisbollah, den Taliban, der Hamas, der Al Fatah oder den „Tamil Tigers“ zu quasi-staatlichen Akteuren statt. In einem solchen Prozess durchlaufen die Akteure - und mit ihnen auch die jeweils geführten Konflikte - verschiedene Formen und unterliegen ebenfalls der Veränderung. Dabei können auch Mischformen von Fähigkeiten und Methoden auftreten, unter denen auch Formen tatsächlich „hybrider“ bewaffneter Konflikte theoretisch denkbar erscheinen. Für die Einstufung eines Krieges als „hybrid“ erscheint aber v.a. die Betrachtung des Akteurs und seines Umfeldes als zentral für die Analyse. Allerdings erscheint die Projektion des in der Theorie plausiblen Ergebnisses auf die Ebene einer globalen Veränderung zukünftiger Konflikte vor diesem Hintergrund noch nicht gerechtfertigt zu sein.

 

Hochtechnologie als Beweis für einen hybriden Konflikt?

Vielfach wird in den Verweisen auf den „Hybrid War“ schließlich noch auf die modernen und technologisch hochwertigen Waffen der Hisbollah abgestellt, die oftmals als Indiz für konventionelle Fähigkeiten der Miliz bewertet werden.31)

Vor dem Hintergrund der obigen Überlegungen scheint zunächst der Aspekt der Integration von modernster Hochtechnologie durch nicht-staatliche Akteure wenig revolutionär und nicht ausreichend für eine Qualifikation als neue Kriegsform. Sie ist vielmehr Ausdruck einer genauen Analyse und Suche nach Schwachstellen durch einen anpassungsfähigen Gegner, der sich als Folge seiner Erkenntnisse weiterentwickelt und mit den ihm zugänglichen Mitteln neue Fähigkeiten aufbaut. Technologien staatlicher Streitkräfte werden allerdings seit jeher auch durch nichtstaatliche Gewaltakteure erworben und genutzt. Durch die Möglichkeit flexibler Auswahl verfügbarer ziviler und teilweise auch militärischer High-Tech-Lösungen werden NSGA tendenziell sowohl über einzelne High-Tech-Fähigkeiten als auch traditionelle Befähigungen aus allen technologischen Entwicklungsstufen verfügen. Auswertungen mittel- und langfristiger Trends lassen vermuten, dass nicht-staatliche Akteure durch eine weitere Verbreitung moderner Hochtechnologie und die Nutzung staatsfreier Räume in vielen Bereichen Fähigkeiten erwerben können, die denen staatlicher Streitkräfte ähneln oder gleichen - oder diese unter Umständen sogar in begrenzten Bereichen übertreffen. Somit muss bei NSGA künftig grundsätzlich mit einer in der Tiefe potenziell technologisch hochwertigeren, in der Breite aber weniger ausgeprägten Technologie gerechnet werden als bei staatlichen Streitkräften. Der dabei letztlich punktuelle Einsatz von moderner Technologie alleine kann jedoch noch nicht als konventionelle Fähigkeit gewertet werden.

Allerdings ist zu erkennen, dass staatliche Streitkräfte einiger Länder nach einer Auswertung vergangener Kriege festgestellt haben, dass sie der derzeitigen konventionellen militärischen Überlegenheit westlicher Staaten wenig entgegensetzen können. Konsequenterweise haben sie eine Verlagerung eigener Fähigkeiten in Bereiche vorgenommen, in denen sie Schwächen in der Aufstellung und Befähigung westlicher Kräfte ausgemacht haben. Vielfach nähern sich diese Fähigkeiten dabei den weniger technologisch ausgefeilten Möglichkeiten nicht-staatlicher Akteure an. Daher lässt sich feststellen, dass Trends aus heutiger Sicht mittelfristig für eine Mischung ehemals eher getrennter Kategorien von Kriegsformen und Akteuren sprechen.32) Streitkräfte haben sich daher auf eine mögliche Vermischung unterschiedlicher Konfliktformen einzustellen, die sich wie folgt schematisch darstellen ließe:33)

Eine in vielen westlichen Staaten lange vorgenommene klare Trennung zwischen Kriegsformen wird dabei vor dem Hintergrund globaler Interdependenzen und Wechselwirkungen im Rahmen zukünftiger Konflikte nicht immer möglich sein. Vielmehr ist von zahlreichen unterschiedlichen Mischformen bewaffneter Konflikte auszugehen, da sich alle Kriege aufgrund situativer, kontextspezifischer Rahmenbedingungen mehr oder weniger stark voneinander unterscheiden. Diese Entwicklung, die hier nur grob angerissen werden kann, weist jedoch auch in die Richtung aus heutiger Sicht eher „hybrider Kriege“ der Zukunft, sodass der Begriff trotz der Ablehnung im Hinblick auf den untersuchten Konflikt noch nicht zu den Akten gelegt werden sollte.

Bezieht man nun zu guter Letzt noch die amerikanische Differenzierung zwischen „War“ und „Warfare“ ein,34) so ergibt sich auf der Grundlage der obigen Schlussfolgerungen als Fazit:

Zunächst einmal sind Kriege, so sie denn nicht reine begrenzte militärische Auseinandersetzungen - und damit auf „warfare“ - fokussiert sind, über rein militärische Belange hinausreichende Auseinandersetzungen von Kontrahenten zur Durchsetzung des eigenen Willens. Diese sind v.a. bei existenziellen Auseinandersetzungen von Gesellschaften aufgrund der Mischung verschiedener Methoden immer tendenziell hybride Kriege im Sinne gesamtgesellschaftlicher Auseinandersetzungen. Dabei kann das Ausmaß des Einsatzes verschiedener Mittel naturgemäß stark variieren.

Im Bereich der Kriegführung, der militärischen Austragung des Krieges, hingegen ist eine echte Hybridität bisher nicht zu erkennen. Doch auch wenn der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah im Jahr 2006 nicht als echte hybride Kriegführung eingestuft wird, ist dessen Möglichkeit nicht grundsätzlich von der Hand zu weisen. Grundsätzlich ist denkbar, dass quasi-staatliche Akteure in ihrer angestrebten Verwandlung zu staatlichen Akteuren eine Stufe erreichen, in der sie verschiedenste Methoden der Konfliktaustragung anwenden können. Die Weitung des Fokus der Diskussion von dem Gegensatzpaar konventionelle versus irreguläre Methoden auf ein Spektrum an verschiedenen Möglichkeiten, die von unterschiedlichen Akteuren jeweils lage- und ressourcenangepasst genutzt werden, ist dabei bereits ein positives Ergebnis der derzeitigen Debatte.35) Zudem ist vor dem Hintergrund der offensichtlichen Schwierigkeiten westlicher Streitkräfte bei der Konfrontation mit irregulären Kräften eine gezielte Ausrichtung von möglichen Gegnern auf die Anwendung einer jeweils speziell angepassten Mischform zwischen entsprechenden möglichen Methoden und Fähigkeiten plausibel.

Eine ausgereifte, umfangreiche Nutzung dieser Idee ist jedoch noch nicht offen zutage getreten. Der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah fällt auf jeden Fall nicht in diese Kategorie - speziell er darf deswegen getrost als „Hype-bred War“ qualifiziert werden.36)

„Der Artikel gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder und stellt keine offizielle Position der Führungsakademie oder der Bundeswehr dar.“

 


ANMERKUNGEN:

1) Frank Hoffman: Hybrid vs. compound war. The Janus choice: Defining today’s multifaceted conflict, Armed Forces Journal, 10/2009, URL: http://www.armedforcesjournal.com/2009/10/4198658, abgerufen am 28.10.2009. Bereits 2002 war der Begriff an der U.S. Naval Postgraduate School aufgetaucht. Ausgangspunkt und Fokus der Darstellung war jedoch der politische und v.a. gesellschaftliche Hintergrund eines solchen Krieges, den der Autor in der „hybrid society“ sah. Diese führt in seiner Analyse zwangsläufig zu einem ebensolchen gemischten Einsatz im bewaffneten Konflikt, den er jedoch bezüglich des Kampfes auf nur 5 von 80 Seiten abhandelt. Vgl. William Nemeth: Future war and chechnya: a case for hybrid warfare, Naval Postgraduate School, Juni 2002.

2) Vgl. U.S. DoD: National Defense Strategy, 3/2005, S.2f.

3) James Mattis, Frank Hoffman: Future Warfare: The Rise of Hybrid Wars. In: Proceedings Magazine, November 2005, Vol. 132/11/1, URL: http://www.usni.org/magazines/proceedings/archive/story.asp?STORY_ID=248, abgerufen am 11.2.2009.

4) Die bislang letzte Veröffentlichung von Frank Hoffman zum Thema Hybrid War ist der Aufsatz „Hybrid Warfare and Challenges, Joint Force Quarterly, Jahrgang 52, I. Quartal 2009, URL: http://www.potomacinstitute.org/media/mediaclips/2009/Hoffman_JFQ_109.pdf, abgerufen am 1.7.2009. Eingeführt wurde der Begriff bei dem USJFCOM allerdings nicht durch General Mattis, sondern bereits durch seinen Vorgänger, Luftwaffengeneral Lance Smith im Oktober 2007. O.N.: Military must adjust to a future of hybrid warfare, Smith says. In: Inside the Navy, Vol. 20, No. 42, 22.10.2007.

5) Supreme Allied Command Transformation (SACT): Multiple Futures Project. Navigating towards 2030, Norfolk, April 2009, S.23, URL: http://www.act.nato.int/MultipleFutures/20090503_MFP_finalrep.pdf, abgerufen am 21.9.2009.

6) Auch in anderen Dokumenten des U.S. JFCOM wie dem „Joint Operational Environment“ (JOE) 2008 und dem Joint Capstone Concept for Joint Operations (CCJO) von Anfang 2009 spielt der Begriff eine zentrale Rolle in der Charakterisierung zukünftiger Konflikte. Eine allgemein akzeptierte Definition und ein einheitliches Verständnis existieren aber auch hier bisher nicht.

7) Vgl. dazu auch Matthias Wolfram: Hybrid Warfare: Konfliktform der Zukunft? In: Strategie & Technik 53 (2010), H. 4, S.51-53.

8) „The term ‚hybrid’ has recently been used to capture the seemingly increased complexity of war, the multiplicity of actors involved, and the blurring between traditional categories of conflict.

While the existence of innovative adversaries is not new, today’s hybrid approaches demand that U.S. forces prepare for a range of conflicts. These may involve state adversaries that employ protracted forms of warfare, possibly using proxy forces to coerce and intimidate, or non-state actors using operational concepts and high-end capabilities traditionally associated with states.“ U.S. Department of Defense: Quadrennial Defense Review Report, February 2010, S.8.

9) Mattis/Hoffman skizzierten zudem einen „Four Block War“, in dem als vierter Block der Informationsraum eingefügt worden war. Der „Four Block War“ scheint als Zwischenschritt zum Hybrid Warfare entstanden zu sein, hat sich jedoch nicht durchgesetzt. Mattis/Hoffman 2005, a.a.O., S.18f.

10) Dabei setzt er Kriminalität auch mit „disruptive social behaviour“ gleich. Hoffman, Frank: Hybrid vs. compound war. The Janus choice: Defining today’s multifaceted conflict, Armed Forces Journal, 10/2009, URL: http://www.armedforcesjournal.com/2009/10/4198658, abgerufen am 28.10.2009.

11) Supreme Allied Command Transformation (SACT): Multiple Futures Project. Navigating towards 2030, Norfolk, April 2009, URL: http://www.act.nato.int/MultipleFutures/20090503_MFP_finalrep.pdf, abgerufen am 21.9.2009. Die Definition ist in dem Dokument konsistent, als Oberbegriff finden allerdings zahlreiche verschiedene Varianten (hybrid threat, hybrid risks and threats, hybrid warfare, hybrid form of warfare, hybrid attacks) Verwendung. Das Papier wurde in seiner Erarbeitung zwar durch zahlreiche externe Experten begleitet, letztlich jedoch durch SACT alleine ohne Mitprüfung der einzelnen Nationen verfasst.

12) „The Israeli experience in Lebanon has become a textbook case of the kind of hybrid warfare that some defense analysts believe will be a defining feature of the future security environment.“ Abraham Denmark, James Mulvenon: Contested Commons: The Future of American Power in a Multipolar World, Center for a New American Security (CNAS), Washington 2010, S.3-48, hier S.20 verweisen dabei auf Frank Hoffman, Conflict in the 21st Century: The Rise of Hybrid Wars, Potomac Institute for Policy Studies, Arlington 2007.

13) Eine umfassende und abschließende Definition ist in der erforderlichen Kürze nicht möglich, für den vorliegenden Zweck aber auch nicht nötig. Daher wird hier eine kurze Beschreibung der Phänomene vorgenommen.

14) Die Bundeswehr ist vor dem Hintergrund der Erfahrungen der letzten Jahre zu dem Begriff „Operation verbundener Kräfte“ übergegangen, der mehr als nur den Waffeneinsatz beschreibt. Um allerdings genau diesen Fokus zu erhalten, wird im vorliegenden Artikel der alte Begriff weiter verwendet.

15) Als „Technicals“ werden die mit Waffen ausgerüsteten Geländefahrzeuge bewaffneter Gruppen bezeichnet. Sie verbinden handelsübliche Fahrzeuge mit leichten und mittleren Waffen bis hin zu Flugabwehrgeschützen. Vgl. beispielsweise Andrew McGregor: Weapons and Tactics of the Somali Insurgency. In: Terrorism Monitor Vol. 5, No. 4, Jamestown Foundation, März 2007.

16) Vgl. U.S. FM 3-05.130: Army Special Operations Forces Unconventional Warfare, September 2008, S.1-21. Die amerikanische Definition wird hier aufgrund des amerikanischen Ursprungs des Konzeptes verwendet.

17) Bruce Hoffman: Terrorismus - Der unerklärte Krieg, Neue Gefahren politischer Gewalt, 2. aktualisierte Auflage, FFM 2001, S.56.

18) Vgl. beispielsweise Paul Scharre: A balancing act. Optimizing the Army for irregular and conventional wars. In: Armed Forces Journal 5/2010, URL: http://www.afji.com/2010/05/4537293, abgerufen am 17.6.2010: „the reality is that many, if not most, conflicts will employ some irregular and conventional elements together. Talk of ‚hybrid’ wars is all the rage among defense scholars, but rather than being a new innovation, as some have suggested, most wars have blended both force-on-force conflict and influence operations aimed at key populations.“

19) Die Befähigung zum Einsatz irregulärer und terroristischer Methoden hat die Hisbollah zudem mit dem Einsatz von Selbstmordattentätern und Kleinkriegstaktiken gegen die IDF seit Langem bewiesen.

20) „Hezbollah[ …] conducted […] a conventional, fixed-position defense.“ Timothy Reese: Foreword. In: Matt Matthews: We were caught unprepared: The 2006 Hezbollah-Israeli War, U.S. Army Combined Arms Center, Combat Studies Institute, Occasional Paper 26, Fort Leavenworth 2008, S.iii.

21) Vgl. u.a. Biddle/Friedman 2008, a.a.O., S.35. Die Schreibweise variiert bei verschiedenen Autoren, s. bspw. S.31, Fn 47 oder Matthews 2008, a.a.O., S.46ff.

22) Vgl. Matthews 2008, a.a.O., S.19, der die Vorbereitung als „six years of diligent work“ bezeichnet.

23) Vgl. Matthews 2008, a.a.O., S.23ff.

24) Er sagte über seine Organisation: „it was not a regular army but was not a guerrilla in the traditional sense either. It was something in between.“ Radiointerview von Hassan Nasrallah, zitiert nach Matthews, a.a.O., S. 22.

25) Stephen Biddle, Jeffrey Friedman: The 2006 Lebanon Campaign and the Future of Warfare: Implications for Army and Defense Policy, Strategic Studies Institute, U.S. Army War College, Carlisle, September 2008, URL: http://www.strategicstudiesinstitute.army.mil/pdffiles/PUB882.pdf, abgerufen am 15.9.2009, FN 40, S.28.

26) Beispielsweise die Koordination von direktem und indirektem Feuer, vgl. Matthews 2008, a.a.O., S.47.

27) Die Winograd-Kommission beschrieb die Wirkung wie folgt: „The fabric of life under fire was seriously disrupted […].“ English Summary of the Winograd Commission Report, Council on Foreign Relations, 30.1.2008, URL http://www.cfr.org/publication/15385/winograd_commission_final_report.html, abgerufen am 18.10.2010.

28) Zunächst einmal sind keine entsprechenden, weit reichenden Attacken publik geworden. Aufgrund der großen Bedeutung von Störungen oder Lähmungen moderner vernetzter Gesellschaften darf man jedoch annehmen, dass ein solcher Angriff nicht zuletzt durch die umfassende Aufarbeitung des Krieges durch die so genannte Winograd-Kommission bekannt geworden wäre.

29) „Hezbollah successfully embraced a new doctrine, transforming itself from a predominantly guerrilla force into a formidable quasi-conventional fighting force.“ Matthews 2008, a.a.O., S.63. Dies erschöpft sich allerdings in der Beherrschung von leichten Infanterietaktiken und im koordinierten Einsatz von direktem und indirektem Feuer. Vgl. Ebenda, S.64.

30) Es muss allerdings angenommen werden, dass die Hisbollah derzeit aus politischen Gründen keine Vollendung dieses Wandels anstrebt, da dies wahrscheinlich zu einer offenen Konfrontation mit den anderen politischen und paramilitärischen Gruppierungen des Landes führen würde.

31) Siehe beispielsweise Denmark/Mulvenon 2010, a.a.O., S.20: „Hezbollah utilized advanced battlefield tactics and weaponry, including the successful use of an advanced ground-to-ship missile and anti-tank weapons, along with unconventional command and control and suicide bombers.“

32) Vgl. Matthias Wolfram: Kriege der Zukunft: Drei Trendszenarien. In: Hardthöhenkurier 5/2010, S.22-27.

33) „The future will be even more complex, where conflict most likely will range across a broad spectrum of operations and lethality - where even near-peer competitors will use irregular or asymmetric tactics, and nonstate actors may have weapons of mass destruction or sophisticated missiles. […] Army and Marine Corps […] will lead - and bear the brunt of - irregular and hybrid campaigns in the future, he said.“ Jim Garamone: Gates Notes Convergence of Conventional, Irregular War. American Forces Press Service, 7.5.2010, URL: http://www.defense.gov//News/NewsArticle.aspx?ID=59079, abgerufen am 11.5.2010.

34) Vgl. beispielsweise den Schriftwechsel zwischen LtGen (ret.) Van Riper, USMC und Frank Hoffman, Small Wars Journal: On War Modifiers, SWJ Blog, 06.03.2009, URL: http://smallwarsjournal.com/blog/2009/03/on-war-modifiers/, abgerufen am 5.10.2010.

35) Biddle/Friedman 2008, a.a.O., S.29: „We thus adopt a continuum here rather than a trichotomous ‚conventional-irregular-hybrid’ simplification, but the latter is clearly an important improvement over the dichotomous treatment so common in the field.“

36) „The question the report left me with, though, is whether hybrid war wouldn’t be more accurately called ‚hype-bred war’. It’s true that Hezbollah punished the Israeli army, including its armored units, during the 2006 fighting […]. But how many paramilitary organizations worldwide currently enjoy the kind of support, training and terrain advantages, not to mention semi-state privileges, that Hezbollah does? […] For all sorts of reasons, Hezbollah seems more like a boundary blurring exception to the state vs. non-state actor continuum, rather than a model that can be easily reproduced elsewhere. So while it makes sense for the Israeli army to prepare for hybrid wars, I’m not sure Western militaries need be that concerned.“ Judah Grunstein: COIN and Hybrid War: The Demise of Armor? In: World Politics Review, 14.4.2010, URL: http://www.worldpoliticsreview.com/articles/print/5410, abgerufen am 7.5.2010.