Dirk Freudenberg

 

Carl von Clausewitz‘ klassische Definition des Krieges steht heute ganz sinnwidrig für Militarismus. In der letzten Dekade wird allerdings immer deutlicher, dass die Streitkräfte ein aktives Instrument auch deutscher Sicherheitspolitik werden. Wenn Streitkräfte Werkzeuge der Politik sind, so stellen Spezial- und Spezialisierte Kräfte Instrumente dar, welche besonders sensible Operationen durchzuführen haben und in der Lage sind, aktiv den Kampf gegen Irreguläre Kräfte zu führen. Damit entsprechen sie einem chirurgischen Skalpell in der Hand militärischer Führer, welche im Auftrag politisch verantwortlicher Regierungen zum Teil riskante Operationen exekutieren müssen. Der Kampf gegen den transnationalen Terrorismus muss dabei national und multinational als gesamtstaatliches, Ressort übergreifendes Konzept verstanden werden, zu dem Streitkräfte ihren spezifischen Beitrag leisten. Denn den Herausforderungen unserer Sicherheit durch asymmetrische Bedrohungen wird man nur mit einer Gesamtstrategie entgegentreten können, die militärische, paramilitärische, polizeiliche, politisch-diplomatische, wirtschafts- und finanzpolitische, psychologische und zivile Maßnahmen miteinander effizient verbindet und auf ein gemeinsames Ziel hin ausrichtet. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass Spezial- und Spezialisierte Kräfte einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung Irregulärer Kräfte in einer Counterinsurgency im umfassend verstandenen Sinne leisten können. Diese Kräfte können ein strategisches Mittel darstellen. Schlussendlich stellen diese Kräfte allerdings nur ein Mittel in einer breiten Palette staatlicher Instrumente dar und können nur zu bestimmten - eben speziellen Zwecken - wirksam eingesetzt werden. Oftmals können erst und auch nur militärische Mittel die Voraussetzungen zum Wirksamwerden anderer Instrumente schaffen. Allerdings darf kein Zweifel darüber bestehen, dass kinetische Operationen, also militärische Kampfhandlungen, zur Befriedung bzw. Sicherung eines Raumes durchaus Voraussetzung für alles andere sein können, und gerade der Einsatz von Spezial- und Spezialisierten Kräften ebenso das „scharfe Ende“ einer Operation darstellen kann. Der grundlegende Unterschied zur klassischen konventionellen Kriegführung liegt in der besonderen Kontextbeziehung dieses in seiner Zusammenfassung innovativen und modernen Gesamtansatzes. Folglich ist der Ressort und Institutionen übergreifende Ansatz des „Comprehensive Approach“ als Weiterentwicklung des „Interagency-Interaction-Ansatzes“ ein Konzept, das im Sinne einer Gesamtstrategie abgestimmt staatliche und nichtstaatliche Mittel - auch multinational - zielführend zum Einsatz bringen kann. Ein isoliertes Vorgehen ist - wie die aktuell verlaufenden Konflikte zeigen - häufig unzureichend und oftmals in den Auswirkungen und Reaktionen hinsichtlich des zu erreichenden politisch-strategischen Endzustandes auch kontraproduktiv.