Youssouf Diallo/Hans Krech

 

Ost-Afrika war die Kinderstube der am 18. August 1988 in Peshawar im Haus von Osama bin Laden gegründeten salafistischen Terrororganisation Al Qaida, die 15 Gründungsmitglieder hatte und sich das Ziel setzte, innerhalb von sechs Monaten 314 Kämpfer auszubilden. Al Qaida war eine kleine salafistische Terrorgruppe unter Hunderten ähnlicher islamistischer Terrorgruppen. Was sie auszeichnete, war die enge Anbindung an die saudische Untergrundopposition, die Ikhwan, die seit 1929 die saudische Dynastie bekämpfte. Ihr Führer war Osama bin Laden, dessen Persönlichkeit beim Aufstieg von Al Qaida eine entscheidende Rolle spielen sollte. Er entstammte einer der reichsten arabischen Familien, hatte eine elitäre Ausbildung erhalten, verfügte über langjährige Kampferfahrungen in Afghanistan und hatte zudem mit vielen Geheimdiensten kooperiert - dem Auslandsgeheimdienst Saudi-Arabiens, der CIA und dem ISI - und dabei sein Grundwissen über den konspirativen Aufbau einer Terrorgruppe erlernt. Zudem konnte Osama bin Laden in der Anfangsphase von Al Qaida über überdurchschnittlich hohe Geldmittel verfügen, die er einsetzte, um andere kleine salafistische Terrorgruppen zu fördern. Im September 2001 verfügte Al Qaida immerhin über etwa 30 Mio. USD. 1991 bis zum 18. Mai 1996 war Osama bin Laden dann in Begleitung von einem Teil der Al Qaida-Mitglieder im Exil im Sudan. Manchmal traf er sich mehrmals in der Woche mit den Führern anderer Terrorgruppen und versuchte sie vergeblich zum Beitritt zu Al Qaida zu bewegen. Keine einzige islamistische Terrorgruppe schloss sich ihm an. Lediglich der Linksterrorist Carlos äußerste seine Begeisterung für Osama bin Laden. Damals war Khartum eine Art Mekka für Terroristen aller Couleur aus aller Welt, die mehr oder weniger von der sudanesischen Regierung geduldet wurden. Doch von Khartum aus begann Osama bin Laden Boten in die anderen ostafrikanischen Staaten zu entsenden, die in Kenia und Somalia Kontakte zu salafistischen Gruppierungen herstellten. In Somalia übernahmen einige Al Qaida-Ausbilder die militärische Ausbildung der sich im Entstehen befindlichen kleinen salafistischen Gruppierungen. Es entstanden erste Zellen von Al Qaida in Ost-Afrika, die ersten Al Qaida-Strukturen auf dem afrikanischen Kontinent.

Doch es sollte noch Jahre dauern, bis die erste afrikanische Terrorgruppe Al Qaida offiziell beitrat. Dies war der Ägyptische Islamische Jihad (EIJ), der 1980 gegründet wurde und seit 1991 unter der Führung von Ayman as-Zawahiri stand.

Der EIJ verfügte über etwa 1.000 Kämpfer im Großraum Kairo. 1991 bis 1996 hielten sich ein Großteil der Kämpfer und ihr Führer ebenfalls im Sudan auf. Seit etwa 1994 finanzierte Osama bin Laden den EIJ, der dann am 23. Februar 1998 als erste salafistische Terrorgruppe Al Qaida beitrat. Erst ab 1998 begann Al Qaida mit Aufsehen erregenden Anschlägen aktiv zu werden, erst ab 1998 begann sich Al Qaida aus dem Sumpf der kleinen islamistischen Terrorgruppen zu erheben und zur heutigen ersten globalen nicht-staatlichen Terrororganisation heranzureifen. In Afrika wächst Al Qaida 2012 erheblich stärker als in den anderen Operationsgebieten und ist in Mali und in Somalia in den offenen Aufstand übergegangen.

 

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