Heinz Brill

 

Sieben Milliarden Menschen leben - zumindest rechnerisch - seit Ende 2011 auf der Erde. Die Ressourcen der Erde dagegen sind trotz nachwachsender Rohstoffe und erneuerbarer Energien endlich. Ob Nahrung, Wasser oder Energie - es drohen Versorgungsengpässe und Verknappung. Ein Ende des Bevölkerungswachstums ist nicht in Sicht: Bis zum Jahr 2050 sollen ca. neun Milliarden Menschen auf der Erde leben. Nach den vorliegenden UNO-Prognosen verändert die „Bevölkerungsexplosion“ die Welt zunehmend, denn sie findet nicht in Europa statt, sondern in Asien, Afrika und Ibero-Amerika. Keine Frage: Die Verteilungskämpfe werden an Intensität zunehmen, und zugleich bestimmen Ressourcen, Wasser, Energie und Boden die gegenwärtige Diskussion und die großen Herausforderungen der Zukunft. Bei den Szenarien zur Stabilisierung instabiler Räume werden v.a. in der Sicherheitspolitik die Experten (Politikberater und Think-Tanks) verstärkt mit geoökonomischen und geoökologischen Fragen konfrontiert.

Welche neuen Handlungsspielräume, Optionen und Perspektiven sich den europäischen und weltpolitischen Akteuren aufgrund der geänderten globalen Rahmenbedingungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts eröffnen, sind bereits in zahlreichen „Trendanalysen“ erkennbar. Aus diesem Grund richtet sich die Zielsetzung dieser Studie v.a. auf die Herausarbeitung wichtiger Problemfelder und daraus abgeleiteter zentraler Fragen:

1. Gibt es eine Wechselbeziehung zwischen Bevölkerungsentwicklung und Ressourcenbedarf?

2. Können relativ fixe Faktoren (Ressourcen) mit variablen Faktoren (Bevölkerungsentwicklung) für eine friedliche Zukunft der Weltpolitik miteinander vereinbart werden?

3. Welche Konfliktpotenziale bzw. Szenarien zeichnen sich ab?

4. Welche Konfliktlösungen sind in der Diskussion?

Mit dieser Skizzierung soll die Analyse in einer Zeit des Wandels Orientierung geben.

Bilanz und Perspektiven für die Sicherheitspolitik

Mit dem rasanten Anstieg der Weltbevölkerung, dem Aufstieg neuer Mächte und deren geopolitischen Folgen ist ein weltweiter Strukturwandel in Gang gekommen. Zu den großen Herausforderungen der neuen und alten Akteure gehört die Versorgung der Weltgemeinschaft mit Ressourcen. Viele Rohstoffe (ob nachwachsend, erneuerbar oder nicht) sind in einer Welt mit sieben Milliarden Menschen bereits heute verknappt. Hierzu gehören insbesondere Wasser, Boden, Energie und Nahrung. Sie gehören heute und auf mittlere Sicht zu den großen Zukunftsfragen und -aufgaben. Sie dürfen nicht unbeantwortet bzw. ungelöst bleiben. Denn die Konflikte um Ressourcen sind die zentralen Themen der nationalen und internationalen Sicherheitspolitik des 21. Jahrhunderts.